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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vortrag: Danziger Geld in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts



Wolfgang
29.04.2008, 17:11
Früher hielt ich öfters mal Vorträge und zu manchen habe ich heute noch die Manuskripte die ich seinerzeit erstellte und die mir als Grundlage für einen Vortrag dienten. Beigefügt ein Manuskript zum Danziger Geldwesen:

Danziger Geld in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

Danzig hatte schon sehr früh eigenes Geld. Erstmals taucht es bei Münzsammlern häufiger auf in Form von Groschen und Schillingen des 15. und 16. Jahrhunderts mit den Abbildungen von Jagiellonen-Königen. Sie stammen also aus einer Zeit als sich Danzig vom Deutschen Ritterorden löste und sich 1466 unter den Schutz der polnischen Krone begab. Bis Danzig von den Preußen 1814 eingenommen wurde, gab es in Danzig eigene Münzprägungen.

Eigenes Geld - Notgeld - wurde erst wieder 1914 herausgegeben. Aufgrund der Geldentwertung, die mit dem 1.WK einherging, verschwand das Münzgeld - vor allem das Silber - aus der Öffentlichkeit, sodass Städte und Gemeinden gezwungen waren, eigenes Geld bzw. Gutscheine und Schecks herauszugeben.

Auch nach dem 1.WK behielt Danzig noch relativ enge Bindungen zum Reich. In der Nachkriegszeit und der ersten Zeit des Freistaates war offizielle Währung noch die Reichsmark, obwohl die zwischen Polen und Danzig bereits am 09.11.1920 abgeschlossene "Pariser Konvention" die beiden Länder verpflichtete, in der Zukunft eine gemeinsame Währung einzuführen. Die Zeit eigenen Danziger Geldes schien also bald vorbei zu sein.

Nach Gründung des Freistaates kam es jedoch zu erheblichen Währungsproblemen, da wirtschaftliche Not im Reichsgebiet die Einführung einer Devisenbewirtschaftung im Reich erforderlich machte. Damit war Danzig aus dem Währungsverbund vom Reich praktisch abgekoppelt.
Die Notgeldscheine bilden heimatkundlich gesehen wertvolle Dokumente mit lokalem Bezug.

Beispiel Neuteich 25 Pfg. 1921:
Am Totensonntag man Feuer schrie
Es brannte die Nacht durch bis morgens früh
Fünf Häuser verbrannten in loderndem Schein
Goehrtz, Ponchen, und Heise und Hermann und Stein

Viele Scheine wurden nach Einziehung bzw. Einlösung restlos vernichtet, andere durch Stempelung, Lochung, Abtrennung eines Ecks entwertet.
Städte und Gemeinden veröffentlichten Plakate und Anschläge auf denen sie die Bevölkerung auf die Verpflichtung hinwiesen, Banknoten und Notgeldscheine entgegen zu nehmen.

Noten-/Münzen-Stückelungen in Danzig:
Goldpfennige: 1, 5
Pfennige: 1, 10, 50
Mark: 1, 2, 3, 5, 20, 100, 500, 1.000, 10.000, 50.000, 5 Mio, 10 Mio, 100 Mio, 500 Mio, 5 Mia

Zoppot gab 1923 Goldpfennige heraus: 105 Goldpfennig waren 1/4 US $
Noten-Stückelungen in Zoppot sogar bis 10 Mia.

Am 22.09.1923 gab es im Genfer Übereinkommen Einigkeit über eine eigene Danziger Währung. Polen sah dies jedoch nur als Vorstufe zu einer gemeinsamen Währung. Vorgesehen war eine Bindung des Guldens an das englische Pfund. 25 Gulden =1 Pfund = 7,9 gr Gold.

Das Übereinkommen sah ebenfalls die Gründung der Danziger Bank als AG durch eine Gruppe polnischer und Danziger Banken vor. Anteile: 75% Danzig, 25% Polen. Kapital 7,5 Mio Gulden, aufzubringen über 75.000 Aktien à 100 Gulden.

Am 20.11.1923 wurde das Gesetz zur Einführung der Guldenwährung verabschiedet.

Am 18.12.1923 wurde der Gulden gesetzliches Zahlungsmittel

Am 05.02.1924 Gründung der Danziger Bank (Sitz am Karrenwall)

Bereits in den ersten Wochen nach Einführung eines "Übergangsguldens" wurde dieser im großen Umfang in Polen gefälscht, sodass es erforderlich war, neue, möglichst fälschungssichere Gulden zu drucken. Gedruckt wurde in England. Die Noten waren sehr aufwendig in Stahlstich und zählten zu den schönsten Banknoten der damaligen Zeit.

Zwischen 1924 und 1939 wurden folgende Noten herausgegeben: 10, 20, 25, 50, 100, 500, 1.000 Gulden.

Nach Einführung des Guldens kam es 1924 in Polen zu einer Währungsreform in der aus Marek (Mark)und Fen (Pfennige) Sloty (Gulden) und Groszy wurden. Der Wechselkurs zum Gulden wurde auf 1:1 gesetzt.
Bereits 1925 kam es erneut zu heftigen Turbulenzen als das englische Pfund aufgewertet wurde. Durch die Koppelung des Guldens an das Pfund stieg die Danziger Währung ebenfalls im Wert. Erschwerend kam hinzu, dass der polnische Sloty um 42,3 % abgewertet wurde. Der im Wert stark gestiegene Gulden brachte drastische Probleme im Export mit sich, die Arbeitslosigkeit stieg.

In der Folge kam es zu Geldmangel, die Preise fielen (Deflation). Die im breiten Streubesitz von Privatleuten befindlichen Aktien mussten häufig aus wirtschaftlicher Not verkauft werden. Käufer waren oft polnische Kreise, die sich größeren Einfluß auf die Bank und damit auf die Geldpolitik erhofften. Offiziell waren 47% der Aktien in polnischem Besitz, aber nur 30% der Stimmrechte (Begrenzung durch das Genfer Übereinkommen)
Am 21.09.1929 löste die Bank von England die Golddeckung zum Pfund ab was mit einer starken Abwertung des Pfundes einherging. Da der Gulden nach wie vor in ursprünglicher Höhe goldgedeckt war bedeutete dies eine erhebliche Aufwertung der Danziger Währung.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten - insbesondere zurückzuführen auf die Haushalts- und Schuldenpolitik der Nationalsozialisten, die bereits seit 1933 mit absoluter Mehrheit regierten - schwächten den einstmals starken Gulden. Nach den Volkstagswahlen 1935, in der die NSDAP mehr als 59% der Stimmen errang, wurde der Gulden um 42,37% abgewertet und damit wieder ein 1:1-Verhältnis zum polnischen Sloty hergestellt. Da als Folge die Preise teilweise stark stiegen und viele Menschen Geld verloren, regte sich großer Unmut in der Bevölkerung. Der Gulden war jedoch nach wie vor eine goldgedeckte Währung.

Geldumlauf und Deckung sahen wie folgt aus:
Datum / Geldumlauf / Golddeckung / Devisen
15.09.36 / ca. 30,0 Mio / ca. 21,0 Mio / ca. 7,3 Mio
15.03.39 / ca. 36,0 Mio / ca. 25,6 Mio / ca. 0,5 Mio
31.08.39 / ca. 54,2 Mio / ca. 22,8 Mio / ca. 1,1 Mio

Am 01.09.39 wurde der Gulden durch die Reichsmark abgelöst. Umtausch des Geldes 0,70 Reichsmark für 1 Gulden.

Am 05.09.39 wurde die Danziger Bank mit ihren Gold- und Devisenbestän-den von der Reichsbank übernommen. Das Bankvermögen wurde mit 0,47 RM je Gulden bewertet. Da der Geldumlauf durch die Gold- und Devisenre-serven bei weitem nicht gedeckt war, blieben bei der Danziger Bank erhebliche Schulden. Eine Liquidierung der Bank war erst nach erfolgreicher Beendigung des Krieges vorgesehen.

Am 30.09.39 verlor der Gulden seine Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel.

somusque
04.02.2009, 10:29
Hi,
in dem Artikel stehen folgende Datumsangaben:
"Am 20.11.1923 wurde das Gesetz zur Einführung der Guldenwährung verabschiedet.
Am 18.12.1923 wurde der Gulden gesetzliches Zahlungsmittel"

Aber bereits am 31.10.1923 erschienen Briefmarken mit der Guldenwährung. Irgendetwas stimmt nicht oder?

LG
Tobias

Wolfgang
05.02.2009, 02:12
"Am 20.11.1923 wurde das Gesetz zur Einführung der Guldenwährung verabschiedet.
Am 18.12.1923 wurde der Gulden gesetzliches Zahlungsmittel"

Aber bereits am 31.10.1923 erschienen Briefmarken mit der Guldenwährung. Irgendetwas stimmt nicht oder?
Hallo Tobias,

doch, es stimmt alles. In Danzig wurde bis zur Schaffung einer eigenen Währung mit der Deutschen Reichsmark gezahlt. Aufgrund der damaligen horrenden Inflation kam aber das Deutsche Reich nicht mehr dazu, Danzig mit ausreichend Geld zu versorgen (eine eigene Danziger Staatsbank gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht). Da in Danzig -im Gegensatz zum Deutschen Reich- Devisenfreiheit herrschte, gewannen ausländische Währungen einen immer größeren Einfluss. Es gab aber kein Wechselgeld und so schuf der Handel eigenes Notgeld. Mit Unterstützung Englands konnte sich Danzig vor dem Völkerbund mit der Idee einer eigenen Währung durchsetzen: Am 20.10.1923 gab es ein "Gesetz über eine wertbeständige Rechnungseinheit" durch das die Grundlage für den Gulden geschaffen wurde. Bereits am 24.10.1923 gab es einen ersten "Zwischengulden" der von der Danziger Zentralkasse AG herausgegeben wurde. Am 20.11.1923 gab es ein weiteres Gesetz durch das die "Bank von Danzig" (die erst am 05.02.1924 gegründet wurde) das alleinige "Notenprivileg" erhielt, durch das sie als einziges Emissionsinstitut für die Ausgabe von Banknoten berechtigt wurde. Der "echte" Danziger Gulden wurde somit erst am 20.11.1923 gesetzlich geschaffen, obwohl es bereits davor einen (Zwischen-) Gulden gab, mit dem bezahlt werden konnte. Bis zum 31.12.1923 blieb die Reichsmark als Nebenwährung bestehen.

Alles ein bisschen verwirrend, aber trotzdem hochinteressant!