PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Woher wir kommen



Peter von Groddeck
08.11.2015, 13:38
Liebe Forumer,
warum betreiben wir Familienforschung?
Dazu habe ich in der Zeit folgende portugiesische Weisheit gelesen:
Woher wir kommen.
Jemand, der seine Vergangenheit nicht kenne, sei wie ein flatterndes Blatt im Wind, das weder wisse, ob es zu einem Baum gehöre, noch zu welchem.
Gruß Peter

Gerlind
08.11.2015, 15:14
Hallo Peter,
ein schöner Spruch.
Habe auch etwas zu diesem Thema gefunden:

„Wir alle sehnen uns danach, unsere Herkunft zu kennen – zu wissen, wer wir sind und wo wir herkommen.
Ohne dieses Wissen bleibt uns ein Teil von uns selbst immer verschlossen.
Ganz egal, was wir im Leben alles erreicht haben: Es bleibt ein Vakuum, eine Leere und eine beunruhigende Einsamkeit.“
– Alex Haley

Inge-Gisela
08.11.2015, 18:50
Was machen die Kinder, die im Reagenzglas entstehen? Oder auch Kinder von Leihmüttern. Was wird diesen Kindern durch die Erwachsenen angetan. Ob sie sich als Erwachsene nicht deswegen ungeheuren seelischen Problemen stellen müssen? Das ist überhaupt noch nicht erforscht. Man liest immer wieder, dass Kinder, die nicht mit ihren richtigen Eltern aufgewachsen sind, sogar liebevolle Pflege- oder Adoptiveltern hatten, häufig trotzdem ihre Wurzeln kennen wollen, was ihnen ja viele Jahre von den Behörden verwehrt wurde. Manche vermissen sogar jemanden unbewusst, ohne zu wissen, warum. Oder wo man früher auch Zwillinge oder Geschwister im allgemeinen für Adoptionen usw. getrennt hat (da schüttelt man bei Behörden sowieso den Kopf, ich hoffe, dass es heute nicht mehr gemacht wird). Ich habe mal von getrennten Zwillingen gehört, die immer den Eindruck hatten, sie wären nicht vollständig, sie wussten nicht, dass es irgendwo noch den Zwilling gab. Ja, man kann dankbar sein, wenn man in etwa weiß, woher man kommt und wohin man gehört. Oder was man Erstaunliches über die Ahnenforschung entdecken kann. Manche Dinge würden wahrscheinlich auch immer am besten verborgen bleiben. Das ist dann das Risiko der Ahnenforschung. Es wird ja auch so einiges an Eigenschaften, Charakteren vererbt, auch das Äußere oder auch Krankheiten. Wie oft gibt es zwischen Großeltern und Enkelkindern Ähnlichkeiten. Das würde einem doch alles fehlen. Und man sieht auch häufig, dass Berufe der Großeltern später von den Eltern oder erwachsenen Kindern ausgeübt werden, vielleicht nur in modernerer Form. Auch das zeigt unsere Ahnenforschung. So fühlen sich manche Menschen, die in ihrer Jugend in zwei sehr unterschiedlichen Ländern mit ihren anderen Sitten aufwachsen (müssen), oft hin- und hergerissen. Sie wissen nicht recht, wo wirklich ihre Heimat ist. Man kann nicht immer sagen, sie nehmen von beiden etwas mit und sind damit zufrieden.

Gruß
Inge-Gisela

MueGlo
09.11.2015, 17:15
Moin, Peter,

huuu, Peter, Du triffst da einen Punkt ...

Ich habe seit langem auch einen Spruch: Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß nicht, wo er ist, weiß nicht, wo er hingeht ...

Der Ursprung:

--- Westafrika in den 80-er und 00-er Jahren: Die Menschen begegnen einem oftmals nicht mit ausgeprägtem Selbstvertrauen; aber wer ihren Kern verletzt, ihre Würde, den lassen sie am ausgestreckten Arm verhungern. Sie ruhen in sich selber.

--- Brasilien, Santa Catarina, im Süden, in den 90-er Jahren: Viele stammen von deutschen Auswanderern ab. Kaum einer weiß, von wo die Altvorderen in Deutschland herkamen ... obwohl es ein Archiv mit den Anlandungen ab ca. 1870 gibt. Ich spüre viel kulturelle Unsicherheit, Frustration über die ausgewanderten Altvorderen, warum sind die nicht zu Hause geblieben, es gab zwei fürchterliche Kriege, aber nun wäre es gut. Wissen sie, worüber sie sprechen? Das erste Shopping-Centre wird in Joinville eröffnet. In der Zeitung heißt es: "Jetzt kommt die Erste Welt nach Joinville!" ... Die eigene Kultur definiert sich per Shopping-Centre??? Diese kulturelle Unsicherheit, wer und was bin ich, ich spüre sie von Feuerland bis Canada ... von Australien und Neuseeland nicht zu reden. – Einzig der perfekt deutsch sprechende Raul Schmidt erzählt, dass die Familie vor sechs Generationen aus Deutschland nach Russland ausgewandert sei und von dort vor drei Generationen nach Brasilien …

--- 2007, Trincomalee, im Nordosten von Sri Lanka. Es herrscht Krieg zwischen den Singhalesen und Tamilen, einige sagen, seit 30 Jahren, andere seit 800 Jahren, wiederum andere seit 2.000 Jahren ... Ich sitze im Restaurant des Hotels und futtere so vor mich hin. Ein ziemlich dunkelhäutiger Srilanker spricht mich an. Ob ich von der GTZ (deutsche staatliche Entwicklungshilfeorganisation) sei. Ja. Er: Ich auch. Und sein Name sei Müller. "Müller??? Nicht Möller?" - Im 17. Jahrhundert dominierten die Holländer Sri Lanka und hinterließen Spuren. - "Nein, Müller!" Da habe es mal irgendwann einen Deutschen gegeben und man habe die Familiengeschichte zurückverfolgt bis ins 17. Jahrhundert ins Saarland ... es lag bestimmt nicht an der kümmerlichen Beleuchtung aber ich wurde grün vor Neid. Shit! Ich habe zwar irgendwo einen Ahnenpass der Tante, der bis in das 18. Jahrhundert geht, aber solch eine Story, da muss ich passen. Grrrr ..

--- Ruanda, ein mörderischer Genozid zwischen 1959 und 1994 ... und die Geschichte? Nebel. nur Nebel, einige Namen von Königen, Sagen ... Man kennt die Namen der Großeltern. Davor? Dunkelheit. Dabei heißt es in Afrika: Der Mensch lebt so lange man sich seiner erinnert … unter diesem Aspekt habe ich in den letzten Jahren rund 2.500 Leuten wieder zum „Leben“ verholfen …

--- Die eigene Familie: 3/4 der Kusinen und Vettern von Flüchtlingen, vor, während und nach dem WK II geboren, aufgewachsen an der Grenze zu Ostfriesland, haben die Gegend wieder verlassen und sind heute auf vier Kontinenten verstreut … wir sind nicht „heimisch“ geworden, gehörten nicht dazu … und konnten wieder loslassen … aber wir wissen wo wir hingehören, irgendwo in den deutschen Kulturbereich. Der Junior, geboren in Brasilien, Kindergarten und Schule in Deutschland, vier Jahre Schule im Senegal, vier Jahre College in den USA, jetzt Uni in Canada --- irgendwann kam die seit langem erwartete Krise: Wer bin ich? Was bin ich? Wo gehöre ich hin? Und damit Diskussionen darüber, warum ich diese höchst seltsame Forschung nach längst verstorbenen Altvorderen betreibe, die 300 Jahre im Umkreis von rund 30 km von Groß und Klein Zünder siedelten … Davor: Finsternis, weitestgehend. Ein einziger 9-facher Urgroßvater --- so denn die Forschungen von Richard Wannow, Geschichte der Familie Wannow / Wannovius, 1928, korrekt sind --- existiert, Mathias Wannovius, erster protestantischer Prediger in Sorquitten, Ostpreußen, Gutsbesitzer – was immer das zu jener Zeit bedeutet haben mag - geboren ca. 1512, sprich, zu Luthers Zeiten … das heißt, irgendwann stehen wir alle vor dem Unbekannten … 500 Jahre, gemessen an der Menschheitsgeschichte, ein Wimpernschlag …

Spannender als diese Sammlung von genealogischen Daten ist jedoch die Frage, wie haben die Altvorderen gelebt, was dachten sie, wie haben sie sich organisiert, was taten sie im Kontext ihrer Zeit … und findet sich davon noch etwas heute in uns? Vor ein paar Monaten schickte mir Hans Steinke die Kopie eines Zeitungsartikels von ca. 1940, u.a. mit dem Photo des Gemäldes des Deichgrafen Cornelius Eduard Bielfeld (1787 – 1845), 3-facher Urgroßonkel 3. Grades … ein Zipfel der Geschichte bekommt ein Gesicht, auch wenn das Gemälde grausig schlecht ist (genauer: war, es existiert nicht mehr) …

Für den Junior hatte ich noch eine schlechte Nachricht: Ich forsche ihm eventuell alles weg … für ihn bleibt wohl nichts mehr übrig. Was ich selbst erforsche dringt ins Gehirn ein, was ich auf dem Tablett serviert bekomme, nur höchst begrenzt … schlechte Aussichten für die nächste Generation!

Beste Grüße aus Kigali,

Rainer MueGlo

Bartels
09.11.2015, 19:38
Moin,

C. die dunkle Schönheit aus Sierra Leone, hiess mit Nachnamen Metzger und hatte keinen deutschen Ehemann, sondern vor 300 Jahren einen Hamburger Missionar als Urahnen ...

Das Beispiel könnte ich um weitere von anderen Kontinenten ergänzen.

Der nächsten Generation forsche ich nichts weg, da gibt es bestimmt noch viele tote Punkte zu knacken

- und ob ich jemals die Anhalt-Bernburger und Anhalt-Köthener Viertel (Böttcher & Henning, seit 1895 in Danzig und die Danziger Grossmutter (1/8 Bartels aus Wolgast und 1/8 Zoll aus dem Werder (die Hälfte wohl mennonit.) erforschen werde, steht in den Sternen ...

Das Pfälzer Viertel ist nie zu Ende, beschert grosse Durchbrüche, hat noch "tote Punkte" (engl.: brickwall) - aber ich bin das, was ich schon vor der Familienforschung wusste: Kurpfälzer & Europäer.

Da sind die Jacob / Jaggi aus dem Simmental, die Fay aus der Schweiz, die Henninger aus Baden, die (van) Damme aus Belgien, die ter Meulen aus den Niederlanden, die Hammerstrand aus Schweden, die von Stökken aus Dänemark, die Kummerer (verm.) aus Österreich, die Sturm, Staedel etc. aus dem Elsass, die Bertrand, Quien ... aus Lothringen, die Lorenz (Laurent ?) von der Kanalküste, die Momy aus der Gegend von Clermont-Ferrand, die Spatz aus Franken, die Stein aus Hessen, die Cäsar aus Schwaben, die Holtzmann vom Bodensee, die Orth & Kornmann aus Oberhessen, die Rössle aus Schorndorf, Blinzig, Botz & Buhl alte Siedersfamilien aus Hall, Kurtz aus Reutlingen, Engel aus Mecklenburg, haben die Stephany an der Saar die Fust & Schöffer - Drucker in Mainz als Ahnen ?, die Hauth von der Mosel, die Deister aus Kirn, usw. usw. und nur die Lichtenberger stammen als einzige gesichert aus der Pfalz ... und anderen liegen in steinernen Särgen - die Schelme von Bergen (nach H. Heine).

Und dann kommen was es für die nächste Generation noch spannender macht die ganzen Vettern und Kusinen in anderen Ländern Europas, USA, Kanada, Australien, Brunei - dringend gesucht die Spence in England, eben gefunden die Spaatz in USA - spannend wäre der Kontakt zu den Kusinen und Vettern Guttenbrunner, Landowski (https://de.wikipedia.org/wiki/Landowski), Faure, de Bancalis de Maurel d’Aragon oder den af Danmark (https://de.wikipedia.org/wiki/Frederik_von_D%C3%A4nemark) (Vetter 12. Grades).

Felicity
10.11.2015, 07:38
Und, und, und......Rudi, hast Du endlich etwas von den Zolls erfahren. die Zolls aus Heubude, Rudolf und Hedwig ? Wenn ja, dann lass uns feiern, dann hast du noch ein Kusine mit dem ganzen Anhang in Australien. Liebe Gruesse von Deiner Feli.

Peter von Groddeck
10.11.2015, 11:33
Hallo Rudolf,
Du bist ja ein echter Europäer und darüber hinaus.
Auch ich habe eine Menge Ahnen aus anderen Ländern, aber mit so vielen wie bei Dir, kann ich nicht mithalten.
Gruß Peter

Bartels
10.11.2015, 15:11
Liebe Feli,

über die Zolls habe ich bisher nur ein paar ganz kleine Spuren gefunden, noch lange nicht genug um Zusammenhänge darzustellen. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass sie zusammenhängen, denn der Name ist selten (nach m. bisherigen Stand).

Dank Deiner Beharrlichkeit habe ich zu meiner Nichte in Sidney (wg. Facebook kann man da auch monatlich neue Fotos sehen) noch zehn Kusinen und Vettern vierten Grades wiedergefunden. -

Oft ist nur ein winziges Puzzlestück im Internet das einzige Ästlein der wieder eine grosse Lücke im Nachkommensbaum schliessen kann.

Von meinem Ur-Ur-Urgrossvater Joh. Bernhard Spatz (1784-1840) habe ich 180 Vettern und Kusinen ersten, zweiten, dritten und vierten Grades - nur die Spence in England fehlen noch, mit geschätzt ca. 6 Vettern. - Beide Brüder Spatz haben im August 1939 ihren Namen geändert und alle Kontakte abgebrochen. Herbert Spatz MC / Herbert Spence MC hatte ein Military Cross aus dem ersten Weltkrieg. - Ich hoffe immer, dass die Vettern 2016 zum Jubiläum der Somme-Schlacht mal die Namen ihres Grossvaters bzw. -onkels googeln, denn Walter Spatz ist dort am 1. Juli 1916 als 2nd Lieutenant gefallen (Royal Middlesex).

Die drei Vettern meines Grossvaters (1. Grad) sind in Apia (Deutsch-Samoa), Sidney (AUS) und London geboren.