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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Cholera-Friedhof auf Messina



Wolfgang
28.01.2017, 17:57
Schönen guten Nachmittag,

Johannes Trojan schrieb 1898 in "Weichselfahrt zwischen Ostsee und russischer Grenze":

=====
Wir bestiegen unser Schifflein wieder, an Dirschau ging es vorbei, und nach einiger Zeit kam die neue breite Weichselmündung und mit ihr die Ostsee in Sicht. Auf der See war lebhafter Wind und auch der Strom war so bewegt, daß unser kleines Fahrzeug ordentlich schwankte. Dann ging es durch die Schleuse in die tote Weichsel hinein, und bald hatten wir Neufähr und die alte Mündung vor uns.
Wir legten dort nicht an, ich bin aber später dort gewesen und habe die Messina-Insel besucht, ein Eiland, das in neuerer Zeit erst durch massenhaften Niederschlag von Sand an der rechten Seite der alten Mündung gebildet ist. Mit dem Festland ist es verbunden durch einen langen Steindamm. Ihren Namen soll die Insel erhalten haben von einem Schiff mit Namen Messina, das mit Südfrüchten beladen nach Danzig wollte und an dieser Sandbank strandete.
1894, als im Weichsellande die Cholera auftrat, ist auf dieser Insel ein kleiner Cholerakirchhof angelegt worden. Er befindet sich auf der höchsten Stelle der Insel, wo der Boden sich schon mit verschiedenartigen Dünengräsern und -kräutern bedeckt hat. Neun Tote liegen an diesem stillen einsamen Ort begraben, und ein paar von den Gräbern fanden wir, mein Begleiter und ich, mit Blumen, und zwar künstlichen, geschmückt. Vor dem Kirchhof nach der See zu breitet sich eine weite noch ganz kahle Sandfläche aus. Auf dieser Fläche fanden wir eine ganz primitive Hütte in Dachform, und daß sie bewohnt war, entnahmen wir daraus, daß dabei ein eisernes Öfchen stand und in der Nähe Kartoffelschalen lagen. Auf der Seite nach der See zu war eine Tür. Als mein Begleiter sie öffnen wollte, kam aus dem Innern heraus eine Hand und zog sie zu. Der dort wohnte, wollte offenbar nicht gestört werden, und wir ließen ihn in Frieden."
=====

Ich habe schon vor Längerem Trojans Ausführungen gelesen und bereits damals nahm ich mir vor zu versuchen, Näheres über den Cholera-Friedhof zu erfahren. Aber erst kürzlich stieß ich wieder auf den Friedhof als ich in den Standesamtsakten von Einlage (bei metryki.genbaza.pl) recherchierte.

Unter dem 06.09.1905 ist unter Nr.67 der Sterbefall des 18-jährigen russischen Flößers Teodor Aniczack beurkundet, der in der Cholerabaracke in Einlage am 30.08.1905 gestorben war und auf dem "Cholerakirchhof der Messinainsel beerdigt" wurde.

21756

Dazu einige Fragen:

- Warum gab es Cholerafriedhöfe? Warum wurden Cholera-Tote nicht auf normalen Friedhöfen beerdigt? Wegen befürchteter Ansteckungs- / Seuchengefahren?

- Wo war die Cholera-Baracke in Einlage? Dort wo die Lungenheilanstalt bzw. die Krankenbaracken (http://forum.danzig.de/showthread.php?8954-Einlage-Przegalina-Schleuse-zwischen-Toter-Weichsel-und-Stromweichsel&p=75804#post75804) waren?

- Wann wurde der Cholerafriedhof auf Messina angelegt und bis wann fanden dort Beisetzungen statt?

- Existiert dieser Friedhof dort heute noch bzw. finden sich dort noch irgendwelche Spuren?

Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Beate
28.01.2017, 19:36
Guten Abend zusammen,

ich denke, die Sonderfriedhöfe wurden tatsächlich errichtet aus Angst voe Ansteckungen, gar mach seltsame Praktiken wurden für nötig gehalten, nachzulesen hier (https://books.google.de/books?id=N0rnBQAAQBAJ&pg=PA185&lpg=PA185&dq=seuchenfriedh%C3%B6fe&source=bl&ots=6s3b6sFXWa&sig=54k_VB_4nuvm2lhXCFHs_1RbSmQ&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwisgdnqrOXRAhUEfywKHdNpCnEQ6AEIOjAD#v=on epage&q=seuchenfriedh%C3%B6fe&f=false) , ab S. 178.

Manche Dinge waren aus den Pestzeiten übernommen worden...und es hat etwas gedauert, bis man auch den an Seuchen Verstorbenen ihre Würde zuerkannte.

Schöne Grüße Beate

Ulrich 31
28.01.2017, 21:55
Zu Wolfgangs Frage Nr. 1 noch zwei Hinweise:

- Näheres zur Begründung, warum seinerzeit Cholerafriedhöfe angelegt wurden, ist diesem pdf-Beitrag "Cholera und Cholera-Kirchhof" zu entnehmen: > http://www.heugeve-roetgen.de/HeKu/index_htm_files/Cholera-Friedhof.pdf .

- Auch auf dem Danziger Stolzenberg gab es einen Cholerafriedhof. Siehe dazu den Forum-Thread "Pest, Pocken und Cholera in Danzig", #1, vorletzter Absatz: > http://forum.danzig.de/showthread.php?3243-Pest-Pocken-und-Cholera-in-Danzig&highlight=Cholerafriedhof .

Zu Wolfgangs weiteren Fragen habe ich keine Antworten gefunden.

Beste Wochenendgrüße
Ulrich

Wolfgang
28.01.2017, 22:40
Schönen guten Abend,
lieber Ulrich, liebe Beate,

heute leben wir in einer Zeit in der wir uns vor Infektionskrankheiten sicher glauben. Danke schön für die Links von Euch Beiden! Als Apotheker seid Ihr wahrscheinlich sehr sensibilisiert in Bezug auf Infektionskrankheiten und Antibiotika-Resistenzen. Hoffentlich wird es nie dazu kommen, dass die Medizin keine Hilfe mehr verspricht.

Eine ergänzende Frage: Wenn Cholera so extrem infektiös war -wie wir heute wissen durch verunreinigtes Trinkwasser-, war es dann eine Lösung, Verstorbene außerhalb bewohnter Gebiete beizusetzen? Oder war das eine reine Vorsichtsmaßnahme die aus heutiger Sicht überflüssig war?

Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Ulrich 31
28.01.2017, 23:09
Guten Abend Wolfgang,

zu Deiner ergänzenden Frage: Die damalige Bestattung verstorbener Cholerakranker außerhalb bewohnter Gebiete war aus heutiger Sicht eine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, die sehr großer Furcht vor Ansteckungsgefahr entsprang. Tatsächlich wäre, aus meiner Sicht, die Bestattung jener Toten auf üblichen Friedhöfen ungefährlich gewesen.

Beste Grüße aus Berlin
Ulrich

Ulrich 31
28.01.2017, 23:41
Dies noch zur Ergänzung:

Auszug aus dem Amtsblatt für den Regierungsbezirk Marienwerder, Band 21, aus dem Jahr 1831 (siehe dort § 12 Ziff. 3 [Beerdigung der Leichen von Cholerakranken]): > https://books.google.de/books?id=HMoDAAAAcAAJ&pg=PA352-IA11&lpg=PA352-IA11&dq=bestattung+cholerakranker&source=bl&ots=v2h2e1YAQ8&sig=hQBvQkD1CUpHkbRUdUybRiOOpA4&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjNv7y84eXRAhXMbxQKHTDeBMEQ6AEIGjAA#v=on epage&q=bestattung%20cholerakranker&f=false . - Zitat: "Die Beerdigungen der Leichen dürfen nur in den Stunden von 8 Uhr Abends bis 7 Uhr Morgens, still und ohne große Begleitung erfolgen." - Kein Kommentar!

Gruß Ulrich

Beate
28.01.2017, 23:58
Hallo Ulrich,

1832 wurden dann die Vorschriften doch etwas gelockert: die Seuchenfriedhöfe wurden fix geweiht, so dass die Toten doch in geweihter Erde bestattet werden durften. Und zum Teil auch auf "ihren" Friedhöfen.... (s. S.185/86 ... #2)

Schöne Grüße Beate

Ulrich 31
29.01.2017, 00:04
Guten Abend zusammen,

im Internet finde ich immer neue Informationen zur früheren Bestattung von Choleratoten. Mit dieser Information aus "Angst in den Zeiten der Cholera: Seuchen-Cordon", die eine gute Erklärung für den damaligen besonders ängstlichen Umgang mit der Bestattung von Choleratoten liefert, beende ich meine Beteiligung an diesem Thread:

> https://books.google.de/books?id=N0rnBQAAQBAJ&pg=PA180&lpg=PA180&dq=cholera+bestattungen&source=bl&ots=6s3b6uBXSe&sig=zgI_CTtNTVHG9Anl40_2pFB6apU&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjGoIOn6OXRAhVKKywKHRthDQgQ6AEIIDAB#v=on epage&q=cholera%20bestattungen&f=false .

Siehe dort Seite 178, Kapitel "Exkurs zu Bestattungsriten".

Gruß Ulrich

Wolfgang
29.01.2017, 11:37
Schönen guten Morgen,

die aufgezeigten Links sind sehr interessant, zeigen sie doch, mit welchen Ängsten die Menschen früher leben mussten. Die schweren Cholera-Epidemien traten im 19. Jahrhundert auf, vor allem in der ersten Hälfte. Im Lauf der Zeit lockerten sich die aus heutiger Sicht irrationalen Beisetzungsvorschriften. Und deswegen wundert es, dass auf Messina noch ein Cholera-Kirchhof, also ein mit Segen der Kirche angelegter Friedhof, eingerichtet wurde. Dies muss eine ganz kleine Begräbnisstätte gewesen sein, denn 1898, bei Johannes Trojans Schilderung, waren dort gerade mal neun Verstorbene beigesetzt.

Und ebenso verwundert es, dass dort selbst noch 1905 Cholera-Verstorbene beigesetzt wurden.

Es gibt hier vielfältige Bemühungen, aufgelassene und vergessene Friedhöfe zu finden. Über den Cholera-Friedhof Messina hatte ich vor Trojans Geschichte noch nie gehört. Und auch in den Kirchenbüchern ist mir dieser Begräbnisplatz nie aufgefallen.

Sehr interessant ist auch die erwähnte Cholera-Baracke in Einlage. Es scheint, dass dort an Cholera Erkrankte untergebracht, vielleicht auch isoliert wurden.

Mal sehen, was zu diesem Thema noch herausgebracht werden kann.

Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Beate
29.01.2017, 12:46
Guten Morgen, Wolfgang,

wissenschaftliche Erkenntnisse sind das eine, sie umzusetzen, das andere.
Ich schätze, der Friedhof wurde bei der ersten Cholera-Epidemie "geschaffen", später einfach noch mal weiterbenutzt- nach dem Motto:"Sicher ist sicher!"

Ist aber nur eine Vermutung von mir.

Schöne Grüße Beate

Wolfgang
29.01.2017, 12:59
Moin Beate,

wann die Sandbank "Messina" entstanden ist, habe ich noch nicht recherchieren können. Sie ist aber wahrscheinlich nicht sehr alt. Den Namen "Messina" erhielt sie 1867 als dort ein Schiff dieses Namens strandete.

Ich muss mich demnächst mal dorthin begeben - wenn es überhaupt landseitig zugängig ist.

Schöne Grüße aus sonnig-kalt-windigen Werder
Wolfgang

Beate
29.01.2017, 15:46
Hm, ich hab im Internet einen "Bericht über die Schwemmlandinsel Messina, ihre Besiedlung durch Pflanzen und interessante Pflanzenformen auf derselben" gefunden, gehalten von Oberlehrer P. Lange in Danzig im Rahmen des "Westpreußischen Botanisch- Zoologischen Vereins, Okt. 1905", der damit beginnt:

"An der Hand mehrerer seit 1840 von der Königlichen Strombauverwaltung aufgenommener Karten des Weichseldurchbruchsgebietes von Neufähr erläuterte Vortragender zunächst die Entstehung der Insel......." (s. hier (https://archive.org/stream/berichtdeswestpr28west#page/96/mode/2up))

Also 1840 scheint es diese Anschwemmung schon gegeben zu haben. Gibt es keine Messtischblätter aus älteren Zeiten? Vielleicht finden wir es ja doch heraus.

Fröhliche Grüße Beate

Bartels
29.01.2017, 16:08
Hallo,

Trojan antwortet: "1894, als im Weichsellande die Cholera auftrat, ist auf dieser Insel ein kleiner Cholerakirchhof angelegt worden. Er befindet sich auf der höchsten Stelle der Insel, ..."

M.W. ist die Halbinsel Natur- & Vogelschutzgebiet.

Messina kann erst nach 1840 entstanden sein.

NB1: Danzig Lazarettkirche Nr.334 / 1849:
Michael BERGMANN, 44 Jahre alt, also 1805 geboren, Arbeitsmann, kath. , wohnhaft in Carlikau, gestorben an der Cholera am 02.09.1849
hinterlässt Ehefrau und 5 minderjährige Kinder.
> Begraben Lazarettkirche. < !!!

NB2: An Cholera starben u.a. Hegel, Gneisenau & eine bay. Königin.

Beate
29.01.2017, 16:32
Moin, Rudolf,

warum kann "Messina" erst später entstanden sein? In dem Vortrag werden Karten von 1840 erwähnt...?

Fragende Grüße Beate

Bartels
29.01.2017, 17:08
Moin Beate,

siehe Dein Zitat:
"An der Hand mehrerer >>>seit 1840<<< von ...

und vor 1840 war das alles grenzenloser Sandstrand - bis die Weichsel durchbrach ...

Beate
29.01.2017, 17:18
Nun, im Buch: "Eine bautechnische Studienreise nach West- und Ostpreußen" (https://books.google.de/books?id=P--HBwAAQBAJ&pg=PP1&lpg=PP1&dq=bautechnische+studienreise&source=bl&ots=WRhrlsgjHL&sig=pvRj32xoc-aP-wzeL5mNccJSiZY&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwijruC-zOfRAhXpNpoKHXDIDNsQ6AEISTAE#v=onepage&q=bautechnische%20studienreise&f=false) von 1883 wird erwähnt, "dass man von 1840 bis 1876 nicht weniger als 44 Mill. cbm Sinkstoffe"im Mündungsbereich ermittelt habe- da könnt so ein Inselchen doch entstehen, oder?
Und die Messina-Insel wird in dem Buch schon erwähnt. 1883 gab es sie ja schon.

Fröhliche Grüße Beate

Beate
29.01.2017, 17:35
Ach, ja, stimmt, seit 1915 gehörte die Insel zu einem staatichen Vogelschutzgebiet.... (http://www.zobodat.at/pdf/OrnithJb_28_0154-0155.pdf)

Fröhliche Grüße Beate

Bartels
29.01.2017, 18:18
Ja,

fleissige Weichsel - über 1 Mio. m³ im Jahr ...

Beste Grüsse
Rudolf

Rahmenbauer14, + 1.11.2021
29.01.2017, 18:18
Hier sind 3 Meßtischblätter von Nickelswalde. 1903, 1936 und 1940. Weiter zurück habe ich nicht gefunden.

Eben noch gefunden betr. Neufähr. Bitte Karte (von 1901) anklicken. Unten rechts Durchbruch der Weichsel-Östl. Neufähr - eine Insel. Messina? :

https://de.wikipedia.org/wiki/Westerplatte

http://www.amzpbig.com/maps/1679_(393)_Nickelswalde_geogn-agr_1903_UPozn.jpg

http://www.mapywig.org/m/WIG_maps/series/025K/P31-S28-D_i_G_NICKELSWALDE_1936_2.jpg

http://www.amzpbig.com/maps/1679_Nickelswalde_1940_300dpi_AMPG.jpg


Schönen Restsonntag wünscht
Rainer

Rahmenbauer14, + 1.11.2021
29.01.2017, 19:00
Zu Wikipedia / Westerplatte #19:

Der "Karauschenteich" unten rechts wird vielleicht der Messina-See sein, welcher in der Einstellung von Beate #17 beschrieben ist.

Es sind ja auch schon ca. 60 Jahre vergangen.

Rainer

Rahmenbauer14, + 1.11.2021
29.01.2017, 19:19
Bei die Links 2, 3 und 4 #19 liege ich falsch. Bitte nicht beachten.

Gruß
Rainer

Bartels
29.01.2017, 19:40
Hier ist das richtige Blatt von 1916:

http://amzpbig.com/maps/1678_Weichselmunde_1916.jpg

Bartels
29.01.2017, 20:00
Ob "Khf." Krankenhausfriedhof heisst? - Die Särge konnte man einfach per Boot transportieren.

"Karauschenteich" s. Karte

"Messina-See" wohl die grosse Wasserfläche zwischen Mole, Messina, Haken & Kolk

Beste Grüsse
Rudolf H. Böttcher

Rahmenbauer14, + 1.11.2021
29.01.2017, 21:02
# 22 = # 19 fast (1. Link-wikipedia westerplatte-karte).

Gruß
Rainer

Bartels
29.01.2017, 21:29
Hallo Rainer,

die Westerplatte-Karte https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wyspa_Portowa_1901.JPG sehe ich östlich der Weichselmündung als falsch / unsauber / alternative facts an, da gerade die Messina fehlt, die laut Trojan aber da war. - Ausserdem sind Messina, Haken und Kolk vor der Mole entstanden.

Beste Grüsse
Rudolf

Bartels
30.01.2017, 11:13
Update zu #23: "Khf." = Kirchhof (Friedhof)

Beste Grüsse
Rudolf H. Böttcher

sarpei
30.01.2017, 16:39
Hallo miteinander,

die Lokalisierung der Messina-Insel fällt nicht ganz einfach, weil sie zum Einen erst nach dem Weichseldurchbruch westlich Neufähr als Schwemmland entstand und zum Anderen im Laufe der Jahre wegen der Dynamik der Wecihselanschwemmungen auch ihre Lage veränderte. Ich erlaube mir daher im Folgenden eine chronologische Darstellung des Weichselverlaufs am Durchbruch zwischen 1840 und 1885.

21759
Ausgangssituation im Jahr 1840

21760
1841

21761
1843

21762
1848

21763
1852

21764
1855

21765
1859

21766
1868

21767
1871

21768
1876

21769
1883

21770
1885


Viel Spaß beim Vergleichen!

Peter

Wolfgang
30.01.2017, 16:51
Schönen guten Nachmittag,

danke vielmals, Peter, für Deine Arbeit das alles zusammenzustellen! Die Zeichnungen sind hochinteressant, zeigen sie doch, dass Messina zwischen 1850-1855 enstanden sein muss. Lage und Größe waren in den Folgejahren ständigem Wechsel unterworfen.

Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

sarpei
30.01.2017, 17:26
... 'früher' offenbar auch ein Anlaufpunkt für Padler:

21771
Padler-Heim auf der Messina-Insel

und 'heute' für Naturliebhaber:

http://pomorskie.travel/en/Sports_recreation-Cycling-Bike_routes/4075/Wok_Wyspy_Sobieszewskiej


Viele Grüße

Peter

Beate
30.01.2017, 18:40
Guten Abend, zusammen,

was für eine prima Zusammenstellung, Peter! Gib's zu, Du hast die Karten, die der Oberlehrer P. Lange für seinen Vortrag über die Pflanzenbesiedlung der Insel 1905 benutzt hat!:):)
Nächstens frag ich Dich gleich!

Gut, nun wissen wir annähernd, wann das Inselchen/die Inseln wohl entstanden sind...bleiben noch die Krankenbaracken in Einlage, wenn ich das richtig lese?

Spannendes Rätsel, Wolfgang!

Fröhliche Grüße Beate

Bartels
30.01.2017, 18:54
Hallo,

auf dem MesstischBl von 1908 befinden sich die Krankenbaracken an der Stromweichsel in der Mitte der Schleusenanlage:
http://geogreif.uni-greifswald.de/geogreif/geogreif-content/upload/mtbl/1679Nickelswalde.jpg

Beate
30.01.2017, 19:01
Hallöli,

hier (http://forum.danzig.de/showthread.php?8954-Einlage-Przegalina-Schleuse-zwischen-Toter-Weichsel-und-Stromweichsel&p=75805&highlight=einlage+krankenbaracken#post75805) hatten wir ja auch schon mal über diese Krankenbaracken gesprochen...gehörten sie jetzt zu einer Heilanstalt oder waren sie separat?

Schöne Grüße Beate

sarpei
30.01.2017, 19:43
ad #30:

Liebe Beate,

du hast völlig recht - ohne humorvollen Unterton! Vor einigen Monaten hatte ich mich mal in die Thematik des Weichseldurchbruchs eingelesen, weil ich in den Preussischen Provinzialblättern entsprechende Beschreibungen gelesen hatte. Anlässlich der Diskussion in diesem Thread erinnerte ich mich dann wieder daran, dass ich die gezeigte detaillierte Entwicklung nach dem Weichseldurchbruch damals gefunden und gespeichert hatte. In dem Wust meines Kartenmaterials dauerte es dann einige Zeit bis ich die Unterlage gefunden, dann die Einzelansichten erstellt, das Datenformat umgewandelt und alles peu á peu hochgeladen hatte. Die Quelle ist übrigens der Atlas-Band der 'Zeitschrift für Bauwesen' aus dem Jahr 1892.


Viele Grüße

Peter

Beate
30.01.2017, 19:53
Noch mehr Danke, Peter! Ganz ernsthaft gemeint, bitte!

Und...hättest Du eventuell auch etwas über jene Krankenbaracken? Liegen ja in der Nähe, hätte ja auch etwas über Überschwemmungen usw. in den Zeitungen stehen können?

Schöne Grüße Beate

Beate
31.01.2017, 17:39
Guten Tag zusammen,

sagt mal, gehört das Gebiet, in dem die Baracken stehen zum Danziger Haupt oder ist das woanders zu vermuten?
Denn dann hätte ich in einem alten Blättchen:" Allgemeine medizinische Zeitung mit Berücksichtigung des Neuesten und Interessantesten der allgemeinen Naturkunde auf das Jahr 1831" - zu lesen hier (https://books.google.de/books?id=bQ5AAAAAcAAJ&pg=PA889&lpg=PA889&dq=cholera-baracken+raum+danzig&source=bl&ots=_3NR9TFLmO&sig=52ygAxMl-4z2vny1xbArOCxKTb8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjqjP6XzOzRAhVHKsAKHU_RBggQ6AEIMDAD#v=on epage&q=cholera-baracken%20raum%20danzig&f=false)- S. 928, eine Stelle gefunden, die da beschreibt:
"Für die Wasserverbindungen sind die nöthigen Absperrungen und Contumazanstalten bei Dirschau und am Danziger Haupt errichtet worden."

Könnte das passen?

Fröhliche Grüße Beate

Bartels
01.02.2017, 00:14
Hallo,

das Haupt liegt ca. 5 km weiter südlich als die u.g. Schleuse, die es 1831 noch nicht gegeben hat.

Brösen wird auch genannt, - 100 Jahre später liegt eine Quarantäne-Station auf der westl. Mole von Neufahrwasser, d.h. in der Nähe des Bahnhofs Brösen.

Im 19. Jh. wurden Cholerakranke auch auf dem Holm "versorgt".

Beate
01.02.2017, 00:26
Hallo Rudolf,

ja, es passt nicht, ich hab es gemerkt...Und wenn Du "Einlage" eingibst, landest Du bei den ersten mennonitischen Aussiedlern nach Russland...
Vielleicht waren es ja doch einfach nur "Krankenbaracken", nicht extra für Cholera- Kranke.

Ratlose Grüße Beate

sarpei
30.05.2021, 13:31
Hallo miteinander,

manchmal bringt es die Beschäftigung mit anderen Themen mit sich, dass auf einmal Antworten zu Fragen in einem ganz anderen Zusammenhang beantwortet werden. So ist es - zumindest mir - bzgl. der offen gebliebenen Frage, wann denn genau dieser immeer wieder genannte Schiffbruch des Schoners MESSINA gewesen sein soll, gegangen.

Rein chronologisch war mein 'Lesefluss' folgender:

1.) Das Vogelschutzgebiet Messina bei Danzig - von Dr. Hans Lüttschwager aus Zoppot

"... 1867 strandete hier ein Schoner mit Namen MESSINA, dessen Name einst vom Volksmunde der Sandbank gegeben und später auf das ganze Gebiet übertragen wurde. ..."

[aus: "Heimatblätter des Deutschen Heimatbundes Danzig", 1925, Heft 4 (S. 8)]


2.) Über die Schwemmlandinsel Messina, ihre Besiedelung durch Pflanzen und interessante Pflanzenformen auf derselben
- von Oberlehrer Paul Lange (s. 97ff)

"... Den Namen erhielt sie durch den Volksmund nach einem Schoner MESSINA, der im November 1867 auf einer Sandbank vor Östlich-Neufahr gestrandet war. ..."

[aus: "Bericht des Westpreussischen Botanisch-Zoologischen Vereins", Bd. 28 (1906)]


3.) Eine Google-Suche, die endlich ein Datum lieferte:

"10. November 1867: MESSINA - Vereinigtes Königreich - Das Schiff wurde in Dantsic an Land gefahren. Ihre Besatzung wurde gerettet."

[aus: "Schiffsnachrichten". Die Zeiten (25966). London. 12. November 1867. col F, p. 7]

Zwar konnte ich die Schiffsnachrichten im Netz nicht ausfindig machen, aber ich halte das Datum für realistisch ... .


Viele Grüße

Peter

sarpei
08.08.2021, 14:28
Hallo miteinander!

In der Danziger Sonntags-Zeitung vom 13. September 1931 findet sich ein recht umfangreicher Artikel mit dem Titel: "Wir fahren zur Messina-Insel!" (Autorenkennzeichen Cz.). Darin ein Kapitelchen mit der Überschrift 'Auf dem Cholera-Kirchhof' mit einer Aufnahme von Hentschel - leider unscharf aufgenommen und nur in der drucktechnisch bedingten Rasterung abbildbar:

25409

"Auf dem Cholera-Kirchhof

Links auf einem der Hügelberge sehen wir eine Tafel mit der schlichten Aufschrift: Cholera-Kirchhof'. Ein Stück Erde davor ist eingezäunt. Diese Tafel erinnert uns an die große Epidemie, die vor genau hundert Jahren in Danzig wütete. In einer Schrift von Dr. Eduard Otto Dann, der 1831 dirigierender Arzt des Cholera-Lazaretts Nr. 2 war, wird darüber u.a. geschrieben:

Nachdem während des Monats Mai einige, jedoch nur spärliche Fälle von sporadischer Cholera hiesigen Orts bemerkt worden waren, erschien am 27sten desselben Monats außerhalb der Stadt die ächte ostindische Cholera bei vier Leuten, welche in Neufahrwasser, 3/4 Meile von Danzig, am Ausflusse der Weichsel, auf einem der dortigen Bagger beschäftigt waren. Es ist hierbei zu bemerken, daß eben diese Leute durch ihre Lebensart und Beschäftigungsweise ganz besonders zu der Cholera und ähnlichen Krankheiten disponiert sind; denn bei einer äußerst magern und wenig nahrhaften, nur auf mechanische Anfüllung des Magens berechneten Kost, nur durch öftern Genuß von Branntwein gewürzt, bringen sie den größten Teil des Tages bis an das Knie im Schlamm stehend zu, erlauben sich nur Abends den Genuß warmer Speisen, und nur Sonntags, als am Tag der Ruhe, eine etwas bessere Nahrung. In den folgenden Tagen erkrankten mehrere Personen auf dem Eimermacherhofe, einem Theile der Stadt, welcher nahe an dem Wasser belegen ist, und obgleich sich auch bald darauf in anderen Theilen der Stadt Erkrankungsfälle zeigten, so war doch die größte Krankenzahl in der ersten, dem Ausbruche der Epidemie folgenden Wochen eben nur in diesem Stadtviertel. Später aber verbreitete sich die Seuche mehr oder weniger gleichmäßig über die übrigen Theile der Stadt, wobei es augenscheinlich war, daß in dem Theile, wo die wohlhabendste Klasse der Einwohner lebte, die gerinste Kranken- und Todtenzahl vorkam, dagegen in dem Viertel, wo die ärmste arbeitende Klasse wohnte, die Zahl der Kranken und Todten fünffach stärker war als dort."

Soweit der Zeitungsbericht - auch wenn er keinen Aufschluss über Einrichtung und Betrieb des Cholera-Friedhofs auf der Messina-Insel liefert.


Viele Grüße

Peter