PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dom Stutthof



Chico123
06.05.2011, 19:32
Hallo!
Weiß jemand vielleicht, wo das Gebäude stand? Ich kann es mir nicht vorstellen, dass es in Stutthof sein könnte. In Stutthof gab es nicht mal eine Kirche.

http://imageshack.us/photo/my-images/59/kgrhqnise2kvwnujcbnvr9o.jpg/

Vielleicht hat es etwas mit der polnischen Bezeichnung zu tun? "Dom" auf poln. heißt Haus.

Wolfgang
06.05.2011, 23:47
Schönen guten Abend,

ich antworte ganz spontan ohne jetzt groß im Internet nachgegoogelt zu haben. Das unter http://imageshack.us/photo/my-images/59/kgrhqnise2kvwnujcbnvr9o.jpg/ gezeigte Gebäude stand/steht mit großer Wahrscheinlichkeit nicht im bei Danzig gelegenen Stutthof.

Ich hatte nun -zeitlich bedingt- keine Möglichkeit, nähere Recherchen anzustellen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich über alle bedeutendere Bauten Stutthofs informiert bin. Ein "Dom Stutthof" befindet sich nicht darunter.

Ich stelle eine kleine Vermutung an: Könnte es nicht sein, dass dieses "Schloss" zur "Domäne Stutthof" gehörte? Wenn dem so ist, bliebe nur noch zu klären wo diese Domäne Stutthof lag...

Viele Grüße aus Danzig
Wolfgang

Marc Malbork
06.05.2011, 23:49
Bilderrätsel sind schön.

Auf der Ansichtskarte ist hinter Dom ein Punkt und auf dem Torpfeiler sitzt ein Adler. Dom. = Domäne, das ist ein Staatsgut, der Adler ist das preussische Staats-Wappentier und das Haus ist eine Art Herrenhaus (19. Jh.), passend hier als Verwaltungssitz des Gutes Stutthof, das auf einem Meßtischblatt

http://amzpbig.com/maps/1681_Stuttof_brw.jpg

am östlichen Rande Stutthofs ausgewiesen ist. Allerdings gehörte Stutthof, glaube ich, der Stadt Danzig. Bei Muhl müsste was darüber stehen.

So, und nun kommen hoffentlich viele echte alte Stutthöfer, die uns schnell aufklären können..... :)

Wolfgang
07.05.2011, 00:07
Schönen guten Abend,
hallo Rüdiger,

interessant, interessant - man lernt nie aus! Leider liegen alle meine Unterlagen noch in Deutschland, aber ich kann mich nicht erinnern, dass Günter Rehaag -von dem die umfassendste Bestandsaufnahme Stutthofs stammt- etwas über diese Domäne schrieb.

John Muhl -soweit ich mich erinnern kann- erwähnte die Domäne in Verbindung mit Johanna Schopenhauer. Aber das liegt weit vor der Zeit in der das gezeigte Gebäude entstand.

Aber wie gesagt - man lernt nie aus. Auch ich bin gespannt, wo diese Domäne lag.

Gute Nacht!
Wolfgang

MueGlo
07.05.2011, 01:51
Moin,

gegoogelt „Domäne Stuffhof“, drei Treffer:

in den Tiegenhöfer Nachrichten http://www.tiegenhof.de/TN49.pdf heißt es auf Seite 21:

„Johann Schopenhauer (11) , der Urgroßvater von Arthur, ist un1 1670 in Petershagen geboren und 1725 oder 1726 in Stutthof oder Danzig gestorben. 1695 erhielt er das Bürgerrecht in Danzig und heiratete am 17. Mai 1 707 Marie Elisabeth Lessig aus Danzig, Von 1708 bis 1724 pachtete er zusammen mit seinem Bruder Simon die größte städtische Domäne Danzigs, das Gut Stutthof. Stutthof hieß zur Zeit des Deutschen Ordens Rotenhuse. Hier fanden 1464 die Verhandlungen zwischen dem Orden, den Ständen Preußens und den Beauftragten des Königs von Polen zur Beendigung des Krieges statt. Stutthof kam danach zu Danzig. Das Gut hatte eine Größe von 10 Hufen, das sind etwa 170 Hektar.“

Indem Buch „Agnes Stevenhagen: Weimarer Primadonna zwischen Brahms … „ findet sich die Fußnote: „ Dieses Stutthof ist nicht zu verwechseln mit der ostpreußischen Domäne Stutthof am westlichen Ende der Frischen Nehrung, in der die Nationalsozialisten 1939 ein Konzentrationslager einrichteten.“

Und dann heißt es in einem Artikel „Drei Tanten Schopenhauers“ „… und wurde Pächter der Dömäne Stutthof“.

Auf Vorkriegskarten ist das Gut eingezeichnet.

Wurde das Gutsgebäude im Zusammenhang mit der Einrichtung des KZ zerstört oder bei seiner Auflösung?

Beste Grüße aus Dakar,

Rainer MueGlo

Horst-Rainer
26.06.2013, 15:01
Einen schönen Tag
wünsche ich. Auch ich bin auf anderem Wege auf das Gut Stutthof gestoßen.
Es wird in den Aufzeichnungen des Pferdemuseums in Viersen als Zuchtstätte
für Trakehner geführt.
Mich interessiert brennend ob dieses "Gut/Domäne Stutthof" identisch ist
mit dem "Werderhof" an der Danziger LdStr., der 1943 von der DVA
(Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung) gepachtet wurde.

Kann jemand aufklärend helfen?

Es grüßt freundlich
Horst-Rainer

Horst-Rainer
03.07.2013, 23:31
Guten Abend!
Auf der Suche nach meinem "Werderhof" habe ich die
Postkarte "Dom. Stutthof"mit einer Anfrage an Herrn
Rehaag geschickt. Er bestätigte, dass
1. die Domäne Stutthof mit der Ablichtung identisch ist,
2. dass das abgelichtete Gebäude sich auf dem Kartenblatt
am östlichen Ortsrand als "Gut" bezeichnet eingetragen ist,
3. dass er in seinem Buch andere Fotos von der "Dom. Stutthof",
die er selbst angefertigt hat, abgedruckt hat.
Herr Rehaag weiß auch über die ehemaligen Eigentumsverhältnisse
und Flächengrößen etc. bescheid.

Wenn es denn weiterhilft....

Es grüßt freundlich
Horst-Rainer

roaldkoehler
24.04.2017, 08:54
Guten Morgen ! Ich hoffe dieser Thread ist noch am Leben ! Die Großmutter meiner Frau hat bis zu ihrem 6. Lebensjahr auf der Domäne Stutthof gewohnt. Ich fragte sie gestern nach der Adresse in der Annahme, daß das Gut an der Danziger Straße sei, aber sie sagte, das Gut hätte man immer nur Domäne Stutthof genannt. Vom Gut aus konnte man den Kirchturm von Elbing sehen sagte sie, also nehme ich an, daß es in südöstlicher Richtung lag, was mit den Angaben von Herrn Rehaag übereinstimmt. Die Großmutter sagte, ihre Nachbarn wären Helmut und Meta Jasnau gewesen, sie selbst war eine geborene Zukowski. Der Familie wurde 1943 vom Innenministerium nahegelegt, ihren Familiennamen zu ändern, 3 Varianten standen zur Auswahl, Suckardt wollten sie nicht heißen, also haben sie sich für Züchner entschieden. Die dritte Variante wusste sie nicht mehr. Am 20.01.45 wurden sie dann von den Deutschen nach Preuß. Stargard zwangsumgesiedelt, von da aus wiederum nach Kolberg. Ich habe mir Luftbilder angeschaut. Es käme durchaus auch die Stuttöferkampe in Frage. Die Großmutter war in den 70er Jahren schonmal in Polen am Ort ihrer Kindheit und sie sagte, der Arm der Elbinger Weichsel, zu ihrer Zeit auch "Stille Nogat" genannt, wäre verlandet worden und nurmehr ein Bächlein mit einer Kanalschleuse in der Nähe. Das träfe ja dann eher darauf zu. In den nächsten Tagen werde ich die 2 Bücher von Günter Rehaag in den Händen halten und dann werden wir weitersehen.

sarpei
24.04.2017, 09:40
Hallo Roald,

nachstehend ein Kartenausschnitt zur Lokalisierung des 'Gut Stutthof'. In der Rehaag-Dokumentation lautet die Adresse 'Danziger Straße 65'.

22202


Viele Grüße

Peter

waldling
24.04.2017, 11:09
Hallo Roald,

die von dir genannten Namen sind in den Büchern von Günter Rehaag allerdings nicht zu finden.

Beste Grüße
Uwe

waldling
24.04.2017, 11:12
Auch Irmchen, geb. Krause, eine Zeitzeugin, kann mit den Namen nichts anfangen.

roaldkoehler
24.04.2017, 11:25
Danke für die vielen Beiträge. Ich bin mir halt absolut nicht sicher, ob dieses "Gut" Stutthoff wie markiert auch unter dem Namen "Domäne" zur damaligen Zeit im Sprachgebrauch war oder ob sich diese Domäne doch woanders in der Nähe von Stutthof befand.

roaldkoehler
24.04.2017, 11:30
Dann geb ich hier mal die anderen Familiennamen durch, die mit Zukowski verwandt waren, vielleicht bringt das ja Licht ins Dunkel: Die Eltern hießen Johannes Zukowski, der eine Auguste Fröhlich geheiratet hat, beide Jahrgang 1914. Der Vater von Fröhlichs wiederum hieß Reinhold und war Fährmann auf der Nogat und war verheiratet mit einer Marie Zukol, die sich später hat scheiden lassen und einen Gustav Barwich geheiratet hat, mit dem sie noch 6 Kinder gehabt hat. Eventuell ist ja dieser oder jener wie man so sagt über mehrere Ecken bekannt.

waldling
24.04.2017, 12:01
Lt. Irmchen konnte man von der Brücke in Stutthof nach Elbing schauen und das Gut in Stutthof wurde auch als Domäne bezeichnet. Weitere größere Landhäuser gab es wohl in Laschken und Neukrügerskampe, allerdings konnte man von Neuk. nicht nach Elbing schauen, so Irmchen. Fröhlich sind in den Büchern vermerkt, nicht mit deinen Vornamen.

roaldkoehler
24.04.2017, 12:10
Vielen Dank, auch an Irmchen. Das hilft mir wirklich sehr weiter.

waldling
24.04.2017, 12:16
Gerne richte ich deinen Dank aus! Eine Ergänzung noch. Das deine Gesuchten nicht genannt werden, muss nichts heißen. Beispielsweise wurde die jüdische Familie Lieb nicht im Buch genannt.

waldling
24.04.2017, 19:43
Hier noch ein Foto vom Gutshaus:
http://forum.danzig.de/album.php?albumid=304&attachmentid=22205

Letzter Besitzer war Kurt Oberfeld. Die Eheleute Oberfeld suizidierten sich im Mai 1945.

Quelle: Foto-Archiv von Günter Rehaag, mit freudlicher Genehmigung der Tochter.

Hier eine Sicht aus Juli 2013 mit street view:
https://www.google.de/maps/@54.3262003,19.1807944,3a,75y,90.08h,94.34t/data=!3m6!1e1!3m4!1sqDHTJmmO5b-GNGAArwGLWQ!2e0!7i13312!8i6656!6m1!1e1?hl=de

Einen schönen Abend!
Uwe

waldling
16.05.2017, 13:32
Hallo Roald,

ich bin mal neugierig. Hast du die Bücher schon, und hast du Ergebnisse deiner Suche?

Im Band 1 von Günter Rehaag ist ab Seite 93 ein Bericht von Kurt Gutowski (Schmiede in Stutthof). Dort berichtet er von einer Domäne in der Nähe von Stutthof. Auf Seite 95 letzter Absatz schreibt er wie folgt:

Dann gab es noch den Huf- und Wagenschmied Löwenich auf der Prohlschen oder Schweinekampe, Grenzdor B. Es gab auf diesem Weg, links am Laschken vorbei, einen großen Hof, den mann auch Domäne nannte; einige Meter weiter war die Schmiedee Löwenich. .......

Dann könnte es sich um das Gut Walter Behrendt in Neukrügerskampe handeln, auf der Karte von Günter als Gut gekennzeichnet.

Herzliche Grüße
Uwe

roaldkoehler
18.05.2017, 21:41
Danke für die weitere Inspiration ! Also, laut Beschreibung der Großmutter meiner Frau muß es sich bei dem als Domäne bezeichneten Gut um das erste Gut links nach dem Knick der Verbindungsstraße von Stutthof nach Neukrügerskampe handeln. Sie war wie gesagt in den 70er Jahre schonmal dort und der Arm der Elbinger Weichsel, zu ihrer Zeit auch "Stille Nogat" genannt, wäre verlandet worden und nurmehr ein Bächlein mit einer Kanalschleuse in der Nähe. Das träfe ja dann eher zu. Das kann man auf den Bildern auch sehr gut erkennen. Außerdem ist die Sicht auf Google Maps von dem betreffenden Gut in Richtung Elbing auch unverbaut. Ich komme leider erst Mitte Juni dazu, ihr die Bücher vorzulegen. Ich schätze, wenn ihr der Name Oberfeld überhaupt nichts sagt, dann wird es wohl auch nicht das Gut gewesen sein. Ich werde auf jeden Fall berichten. Ich habe jetzt zumindest in alten Standesamtsurkunden die arisierte Namensänderung nachweisen können, wenn auch von ihren Großeltern. Die anderen Dokumente sind leider im verbrannt. Es war ja oft so, daß zu der Zeit die Bücher mehr oder weniger achtlos in irgendeinem ungenutzen Abstellraum gelagert wurden. Ich habe vom Günter Rehaag leider nur die Bücher, aber nicht die Karten, daher kann ich die Angabe zu Neukrügerskampe nicht nachvollziehen. Wenn ich mir Google Maps Neukrügerskampe anschaue (heute Grochowo Trzecie) kann man auch verlandete Wasserarme erkennen, aber immerhin sind es von dort schon über 3 km nach Stutthof. Mal sehen, was die Großmutter dazu sagen wird.

waldling
19.05.2017, 08:09
Moin Roald,

wenn es sich um den Hof nach dem ersten Knick gehandelt hat, wäre es Wilhelm Hannemann gewesen. Auf der Karte von Günter Rehaag ist der Seitenarm mit Breite Fahrt gekennzeichnet. Wenn du die 4 Karten möchtest, darfst du mir eine PN schreiben.

Beste Grüße
Uwe

roaldkoehler
20.05.2017, 01:05
Vielen Dank für das Angebot, aber Heureka ! Ich bin nach einem Telefonat mit der Großmutter darauf gekommen, daß ich die ganze Zeit im Dunkeln getappt bin. Sie sagte, man konnte von Stutthof geradewegs nach Elbing reinfahren. Nun ja, das wäre ja nicht möglich, ohne in Tiegenhof halt machen zu müssen oder zu schwimmen :-) Nun bin ich auf einer alten Landkarte von 1937 vom Landkreis Elbing tatsächlich auf einen Stutthof gestoßen, westlich von Elbing, und das ist er ! Die Bezeichnung "Domäne" hat mich erst auf dieses Forum gebracht, aber nach einer Recherche bei einem Wikipedia Eintrag zum Begriff Staatsdomäne habe ich es so verstanden, daß im Prinzip jedes Gut, daß gegen Pacht einem Verwalter resp. Administrator unterstellt war, als Domäne bezeichnet werden konnte, da die Organisation der dortigen Landwirtschaft wohl dort so üblich war seit das Land an Preußen gefallen war. Ich bin in diesem Zusammenhang nämlich schon zu oft auf den Begriff "Domäne" im Zusammenhang mit Landwirtschaft gestoßen, als daß es nur "eine" Domäne Stutthof hätte geben können. Aber dennoch vielen Dank an alle, die sich mit mir mit diesem Thema beschäftigt haben. Ohne euch wäre ich nicht weitergekommen und würde jetzt wie normale Leute Samstag morgen um ein Uhr im Bett liegen :-)

Beate
20.05.2017, 01:18
...na guck, und mit uns weitest Du Deinen Horizont doch stündlich...;)
Ich wünsch Dir noch viele schöne Entdeckungen bei Deiner Suche!

Fröhliche Grüße Beate