PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Danziger Stadtbibliothek (1)



Wolfgang
12.04.2008, 23:21
Dienstag, 2. April 2002

Stadtbibliothek Danzig: So hieß sie einmal früher. Heute nennt sie sich "Danziger Bibliothek der polnischen Akademie der Wissenschaften". Michal Gorski hat einen Termin vereinbart. Frau Stefania Sychta, eine perfekt deutsch sprechende Mitarbeiterin der Stadtbibliothek, erwartet uns mit strahlendem Lächeln.
Wir gehen die hölzerne Wendeltreppe ein Stockwerk höher. Alles in dunklem Braun. Nicht nur das Äußere des Gebäudes ist Ehrfurcht gebietend, auch das Innere, die Hängelampen, die Türen, die Dielen, veranlassen jeden Besucher automatisch, sich leise und ruhig zu verhalten. Frau Sychta geht zuerst auf die Geschichte der Bibliothek ein, erklärt uns die Karteien, erläutert die Stichwortverzeichnisse, fragt mich, ob ich die "gotische" Schrift der Vorkriegszeit lesen könne. Der größte Teil der Vorkriegsbestände der Bibliothek ist erhalten geblieben und stehe heute wieder zur Verfügung. Sie erwähnt, am Ende des Krieges sei eine Bombe in das Gebäude eingeschlagen, die glücklicherweise nicht gezündet habe. Frau Sychta fordert uns auf, ihr zu folgen. Es geht eine Etage nach unten, wir stehen vor einer hohen Gittertür, zu der sie einen Schlüssel aus der Tasche zieht. Im vom Tageslicht erleuchteten Raum steht ein Tisch, auf dem sie einmalige Exponate vorbereitet hat. Ein altes Werk in silberbeschlagenem Einband mit Schloss und dann ein Buch, dass ich sehr gerne besäße: Ein originaler Curicke. Komplett erhalten und mit handschriftlichen Ergänzungen. Es tut meiner Begeisterung keinen Abbruch als sie erwähnt, die Bibliothek besäße auch noch eine kolorierte Fassung, die sie uns aber leider nicht zeigen könne. Es ist ein eigenartiges und Respekt gebietendes Gefühl, zu sehen, wie Frau Sychta mit weißen Handschuhen vorsichtigst Seite um Seite umblättert. Es macht ihr Freude, uns diese Einmaligkeiten zu zeigen. Es folgt ein Werk über Hevelius mit Zeichnungen, die zu der Frage verleiten, ob seine astronomischen Geräte nicht nachgebaut werden könnten. Großes Interesse findet ihre Ankündigung, dass die kompletten Ratsverordnungen der Stadt, also der Gesetze Danzigs, demnächst über das Internet abrufbar sein werden. Mit deutscher Unterstützung werde es ab Mai dieses Jahres so weit sein.

Nachbemerkung: Es ist bewunderns- und anerkennungswert, was die Stadtbibliothek alles tut, um ihre Bestände nicht nur der polnischen Bevölkerung, sondern auch Deutschen zur Verfügung zu stellen. Ein immer größer werdendes Problem ist, dass in der jüngeren Generation die deutsche Sprache gegenüber dem Englischen in den Hintergrund tritt. Nur wenige Deutschsprechende sind in der Lage, gedruckte Frakturschrift zu lesen. Von Sütterlin und älteren deutschen Schriften gar nicht zu reden (aber das kann mittlerweile auch bei uns kaum jemand von der jüngeren Generation lesen).

perepere
13.04.2008, 01:44
Man kann alle Zeitungen Danzigs , die je erschienen sind wie "Danziger Neueste Nachrichten" und sogar den "Danziger Vorposten !" dort lesen Man muss nur die entsprechenden Mikrofilmrollen bestellen und kann sie dann im Leseraum an den Mikrofilmtischen durchrollen. Ich selbst fand relevante Informationen, meine Eltern betreffend. Für Ahnenforscher kann das auch interessant sein, denn auch viele Todes- Geburtsanzeigen etc sind einsehbar. Als wir, Erwin Völz und ich 2007 da waren, gab es eine interessante Ausstellung über die Geschichte der Weichselmündung an Hand interessanter historischer Karten.
Das Gebäude ist schon imponierend, als wäre nichts im Kriege passiert. Dabei sind die Räume und die Treppenaufgänge in aldeutscher Manier in aufwändiger Schreinerarbeit mit viel edlen Holz erstellt bzw. verkleidet. Man muss den jetzigen Verantwortlichen dankbar sein, dass diese wertvolle Bibliothek weitergeführt und erhalten wird.