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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Organisationsbuch Ortsgruppe Steegen" der NSDAP



MueGlo
29.07.2012, 03:58
Moin,

zusammen mit Heinz Albert Pohl ein Besuch bei einem ihm bekannten Ehepaar in Steegen / Stegna. K. ist leidenschaftlicher Photograph, das Arbeitszimmer ist gefüllt mit Alben, mit alten und neuen Photos.

Und dann drückt K. mir einen dicken Folianten in die Hand: „Organisationsbuch Ortsgruppe Steegen“, das Mitgliedsbuch der NSDAP, gefunden nach dem Krieg auf dem Dachboden eines öffentlichen Gebäudes. Alphabetisch sortiert nach Name, Vorname, und dann folgen ca. 15 Spalten mit etlichen Informationen. Direkte Verwandte finde ich dort nicht, Nachkommen Entfernter sind auf die Schnelle nicht auszuschließen.

Darf ich das Buch photographieren? Es wird kompliziert. K. will niemanden schädigen. Eine auf Urlaub weilende deutsch sprechende Nachbarin, die in Bonn lebt, vermittelt. Nein, wir werden keinen Unfug mit dem Buch anstellen, wir werden es auch nicht ins Internet stellen … ich darf photographieren.

Es finden sich auch noch Akten über einen Teil der Mitglieder, Lebenslauf, Photo, etc. Diese sind nicht photographiert / gescannt worden.

Auf Anfrage mit spezifischen Angaben --- Name, Vorname --- werde ich die Einträge checken und auf Wunsch zur Verfügung stellen.

Beste Grüße,

Rainer MueGlo

Uwe
29.07.2012, 13:27
Moin Moin Rainer,

war bestimmt interessant darin zu stöbern?! Finde solche historichen Dokumente immer interessant und man findet immer etwas was einen interessiert.

Herzliche Grüße

Uwe

MeinEichwalde
12.10.2012, 08:17
Guten Morgen !

das paßt ja zum Thema Dokumente in Museen. Dachbodenfunde.Was ist aus dem Buch geworden ? Wird es demnächste im Museum in Tiegenhof gezeigt, wo auch schon ein Ahnenpass aus Marienau ( Marynowy) und eine Haushaltsbestandliste aus einem Werderdorf gezeigt wurden.Auch im Netz als Objekt des Monats. Wie es es mit dem Datenschutz ?

LG aus Berlin Tempelhof
Eure Delia

Ulrich
12.10.2012, 23:29
Hallo, ich verstehe nicht, warum um die Namen der NSDAP-Mitglieder solch eine Geheimniskrämerei, pardon!, gemacht wird.
Solche Geheimnisse machen die Aufarbeitung der Naziortsgeschichte von Steegen unmöglich und überhaupt: In einem weiteren Rahmen belastet der "Datenschutz", allgemein das Geheimhalten der Namen der NSDAP-Mitglieder doch das politische Verhältnis von Deutschen und Polen. Oder ist das zu naiv gedacht?
Einen schönen Gruß
Ulrich

MueGlo
13.10.2012, 13:50
Moin, Delia und Ulrich,

wir sind uns sicherlich einig, dass solch ein Organisationsbuch der NSDAP-Ortsgruppe Steegen nicht in ein privates Wohnzimmer gehört; meines Erachtens aber auch nicht in ein Museum, sondern in ein Archiv, das Wissenschaftlern und Familienforschern Zugang gewährt. Ob der Eigentümer solch einem Archiv das Buch eines Tages überlässt weiß ich nicht.

Natürlich wäre es interessant zu erforschen, was für Leute wann in die NSDAP eingetreten sind und welche Karrieren sie gemacht haben – es liegen da auch noch etliche Lebensläufe. Kamen sie aus den alteingesessenen führenden Familien des Ortes? Oder eher aus den „unteren“ Schichten? Hat die NSDAP den Ort dominiert oder präsentierten die Mitglieder eine Minderheit? War Steegen besonders anfällig für das NS-Gedankengut und falls ja, warum? Haben sich die dörflichen Hierarchien und damit die gesamte Sozialstruktur im Ort verändert? Etc., etc., mir fielen da noch viele Fragen ein.

Ich habe beschrieben, wie nervös der Eigentümer wurde, als er bemerkte, dass ich das gesamte Buch zu photographieren anfing und es zu einer spannungsgeladenen Situation kam. (In der Aufregung habe ich dann noch die Kamera falsch eingestellt, was zu einer extrem schlechten Bildqualität führte.) Er betonte immer wieder, dass er niemanden „schädigen“ wolle, was nach meinem Verständnis bedeutet, er will nicht, dass jemand an „den Pranger“ gestellt wird. Dass die Wahrscheinlichkeit, dass eines dieser Mitglieder noch lebt – alle sind vor 1920 geboren – inzwischen ziemlich gering ist und dass Steegen als deutsche Gemeinschaft ja gar nicht mehr existiert, so dass auch kaum die entsprechenden Nachfahren an den Pranger gestellt werden können, spielt da keine Rolle. Ich hatte für einen Moment überlegt, entsprechend rational zu argumentieren, merkte aber sofort, dass das keinen Sinn haben dürfte.

Ich habe dem Eigentümer zugesichert, dass ich hier im Forum bekannt geben würde, dass ich das Buch photographiert habe, dass ich an Interessierte Einzelauskünfte erteilen würde – zwei haben sich gemeldet, beides Mal gab es eine Fehlanzeige – und dass ich das Buch auf keinen Fall ins Web stelle. Und daran werde ich mich selbstverständlich auch halten.

Erst später ging mir aufgrund der Bemerkung eines Dritten auf, dass die Ursache für die Aufregung des Eigentümers auch darin liegen kann, dass ja auch die Polen eine von 1945 bis 1989 währende Geschichte haben, wo nicht jeder gerne daran erinnert / „an den Pranger gestellt“ werden will bezüglich seiner / ihrer Rolle in der damaligen kommunistischen Partei – siehe Ostdeutschland. Aber da habe ich keine Ahnung, was darüber an Diskussionen in Polen lief und läuft.

Und beim Schreiben dieser Zeilen fällt mir ein: Wo sind die Mitgliedslisten von NSDAP-Ortsgruppen in Deutschland geblieben?

Beste Grüße aus Kigali,
Rainer MueGlo

Mandey
13.10.2012, 19:59
Wo sind die Mitgliedslisten von NSDAP-Ortsgruppen in Deutschland geblieben?
Denkbar waere, nach dem die Entnazifizierung abgeschlossen war, wurden diese umgehend Entsorgt.
beste Grüße v.H.Mandey
(http://1695759.r.msn.com/?ld=4v5WmSai3YLLoy-C87Hor3CybcT2Q6XI3MlmKu2NaPJhOhCZJbpoPQSVleksWOdZw WyRLe7kKLSWQ2VI9WaFo_G9Tk0c4TFm6RJu5MLvihYjgiTkn_P SaNrBv36NUwv5KOuyP6kldeaEF9VbQI8hwMJDIO69UcxejcZ03 mfHexZKKS0ZgbFCv_7c9r_i70x2759B_M3KJNFDlFmuH67ePHX uz75kkjhoRaPN7v8L9EfuSjmNh-__f0ztPkk4ldf-j_564M8JBX7P7Elw0x06NJjQg4L58lxugc6aEVUTQ9zHTx1eLD XA_laTA-J4gvb9wHg8RCTrWF74lvs5xZFM-c5Pv3HQwQJmNzPWhIqbfUVxQ_LjO0NEMxEJsn5knlJqc0xa0Y1 BaRYFQb)

Uwe
14.10.2012, 11:01
Hallo Mandey,

die Akten die den Krieg überlebt haben sind nicht vernichtet worden, sondern in den Archiven gelandet. Viele Akten im ehemaligen Berlin Document Center (jetzt Bundesarchiv) der Amerikaner. Dort wurden auch alle Akten der Entnazifizierung eingelagert. Viele Akten liegen aber auch noch in Russland. Hoffentlich werden diese Akten irgendwann an einer Stelle (am besten Bundesarchiv in Berlin) zusammengeführt. Das würde das suchen unheimlich erleichtern.

Herzliche Grüße

Uwe