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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Evangelische Friedhofskapelle in Fürstenwerder



Wolfgang
25.12.2012, 15:38
Schönen guten Nachmittag,

in Fürstenwerder gab es eine evangelische Kirche, einen Friedhof und eine Kapelle. Kirche und Friedhof sind zerstört, die Kapelle ist während der Vegetationsperiode von der Hauptstraße aus kaum zu sehen. Das Grundstück befindet sich im Gemeindeeigentum, ein Imker hat es gepachtet. Seine Bienenstöcke stehen hinter der Kapelle.

Von der Kirche ist nur noch eine längsseitige Fundamentmauer wahrnehmbar. Der Friedhof, verwildert, buschüberwachsen, ist als solcher nur noch wahrnehmbar, wenn man weiß, dass sich dort letzte Ruhestätten befinden. Die Umfassung eines Kindergrabes sowie Fragmente zerschlagener Grabsteine verbergen sich unter Laub und Gestrüpp das erst zur Seite geschoben werden muss. Die Kapelle befindet sich in einem traurigen Zustand, ist aber noch zu retten

Unter der Kapelle befindet sich eine Gruft in der mehrere Familien zur Ruhe gebettet worden sein sollen. Weiß eventuell jemand in unserem Kreis davon? Welche Familien waren das, wann wurden sie bestattet?

Nachdem die Gruft geschändet wurde -dies soll in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts geschehen sein- wurde sie verschlossen. Eine lokale Initiative hat sich nun das Ziel gesetzt, dieses Arial wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen.

Hier einige aktuell Fotos des Areals. Über die weitere Entwicklung werde ich Euch berichten.

Viele Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Katharina
02.01.2013, 20:47
Hallo Wolfgang, Hallo in die Runde!
Nach einem Gespräch mit meinem Vater konnte ich etwas in Erfahrung bringen:
Die Schändung der Gräber war früher, es muss 1946/47 gewesen sein, man vermutete damals Wertgegenstände in den Gräbern und so brach man sie auf. Es gab in der Gruft Särge mit Verstorbenen, die mit einer Glasscheibe verschlossen waren. Scheinbar waren die Leichname gut erhalten, sodass man sie ansehen konnte. Bei dem Aufbrechen der Särge zerfielen die Leichname. Sie wurden später auf dem evangelischen Friedhof beigesetzt.
Aber den Namen der Familien, die in der Gruft beigesetzt waren, konnte ich nicht herausfinden.
Aber vielleicht gelingt es ja noch...
herzl. Grüße, Katharina

Wolfgang
02.01.2013, 20:53
Schönen guten Abend,
hallo Katharina,

für jede Information bin ich dankbar. Wir werden versuchen, den Friedhof zu retten. Viele Begebenheiten sind sehr heikel und sensibel. Wir werden vorerst privat Kontakt aufnehmen.

Viele Grüße aus dem benachbarten Prinzlaff
Wolfgang

Wolfgang
02.11.2013, 22:35
Schönen guten Abend,

das Gelände der früheren evangelische Kirche und des Friedhofs ist nach wie vor an einen Imker verpachtet. Das Gelände ist eingezäunt, seitlich mit Stacheldraht gesichert. Das hinderte mich aber heute nicht daran, das großenteils verwilderte Grundstück zu betreten um im Gedenken an die hier Ruhenden eine Kerze vor das Eingangsportal der Friedhofskapelle zu stellen.

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Viele Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Wolfgang
11.06.2016, 11:31
Schönen guten Morgen,

"Gut Ding will Weile haben" - so heißt es zumindest. Manchmal dauert es Jahre bis etwas in Gang kommt. Auf eine lokale Initiative geschichtsinteressierter Einwohner/innen kam gestern eine Gruppe von Student/inn/en unter Leitung von Dr. Joanna Dąbal vom Institut für Archäologie und Ethnologie der Universität Danzig nach Fürstenwerder. Von ihnen wurde eine Bestandsaufnahme der Friedhofskapelle mit einer exakten Vermessung des Bauwerks vorgenommen. Die Ergebnisse werden in einen Bericht eingebunden der als Grundlage für Sanierung und ein Nutzungskonzept dienen soll.

Das gesamte Areal auf dem sich früher Kirche und Friedhof befanden, verwilderte in den letzten Jahren mehr und mehr. Nichts wurde getan um einer weiteren Verwahrlosung Einhalt zu gebieten. Das soll sich aber ändern. Denn eine lokale Gruppe will nun nicht mehr locker lassen und sich trotz Widerstände und Schwierigkeiten um eine Genehmigung bemühen, das Gelände zu säubern. Für die Sanierung der Kapelle werden möglicherweise öffentliche Mittel bereitgestellt. Nutzungsmöglichkeiten des Geländes sind noch in Diskussion, z.B. ein kleiner Park mit Lapidarium. Gestern fand ich das Fragment eines Grabsteines. Vermutlich werden nach weitere Grabsteinstücke zu finden sein obwohl die Gräber in der Nachkriegszeit komplett abgeräumt worden sind.

Hier noch einige gestern aufgenommene Fotos.

Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Wolfgang
03.11.2016, 09:30
Schönen guten Morgen,

vorgestern, zu Allerheiligen, kämpfte ich mich durch einen stacheldrahtbewehrten Zaun um zur ehemaligen Friedhofskapelle zu kommen. Nachdem bei "archion.de" auch einige evangelische Kirchenbücher online gestellt worden sind, habe ich festgestellt, dass auch auf diesem Friedhof Angehörige von mir ihre letzte Ruhestätte fanden.

Im Gedenken an sie und alle anderen dort Beigesetzten stellte ich ein Kerzenlicht vor der ehemaligen evangelischen Friedhofskapelle auf.

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Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Wolfgang
13.07.2019, 17:37
Schönen guten Nachmittag,

die schon lange geplanten Arbeiten an der früheren Friedhofskapelle und dem Friedhofsgelände sind im Frühjahr in Angriff genommen worden und mittlerweile weitgehend abgeschlossen. Die Gemeinde Steegen stellte ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung um eine umfassende Renovierung der Kapelle durch eine Allensteiner Spezialfirma durchführen zu lassen. Dabei wurde auch das gesamte Kirchen- und Friedhofsgelände gereinigt, die Fundamente der in den 60er Jahren abgebrochenen Kirche freigelegt und einige noch vorhandene Grabsteine bzw. Fragmente wieder aufgestellt.

Eine endgültige Nutzung der Kapelle ist noch nicht festgelegt, dies ist noch in der Diskussion. Das Gelände wird parkähnlich gestaltet und öffentlich gemacht. Die Geschichte der evangelischen Kirche Fürstenwerders und des Dorfes wird auf Informationstafeln in polnisch, deutsch und englisch vorgestellt. Dafür gibt es eine kleine von der Gemeinde Steegen initiierte Projektgruppe, der zwei Lehrer und ich selber angehören.

Es ist sehr schwierig, Informationen über die Kirche zu erhalten. Schon in Vorkriegszeiten wurde die Kirche in Publikationen immer nur mit wenigen Worten erwähnt. Kürzlich waren wir im Staatsarchiv Danzig und kopierten dort rund 700 Seiten Schriftverkehr der Kirchengemeinde sowie rund 800 Seiten Einwohnerlisten. Auch in Marienburg wurden wir fündig. Was wir aber trotz aller Bemühungen noch nicht finden konnten, ist ein Bild oder ein Foto der Kirche. Gesucht wurde in den Staatsarchiven Danzig und Marienburg sowie der Danziger Stadtbibliothek. Außerdem recherchierten wir natürlich auch online.

Es gibt nur eine Ansichtskarte auf der sehr klein eine Kirche, vermutlich die in Fürstenwerder, lithografisch dargestellt ist. Aber das können wir nicht mit Gewissheit sagen da es auf alten Ansichtskarten gar nicht so selten zu Phantasieabbildungen kam.

Deswegen eine wichtige Frage: Hat jemand von Euch ein Bild oder Foto von der evangelischen Kirche? Und vielleicht auch Innenaufnahmen? Oder weiß jemand von Euch wo ein solches Foto zu finden ist?

Es hört sich verrückt an, aber bisher fanden wir kein Bild obwohl die Kirche ja bis Mitte der 60er Jahre stand. Auch vom Friedhofsgelände konnten wir kein altes Bild finden. Wir würden dies gerne auf den Informationstafeln zeigen und hoffen deswegen, noch bis Ende August fündig zu werden.

Hier noch ein paar Bilder:

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Friedhofskapelle in renoviertem Zustand

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Rückansicht der Kapelle

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mit dem Originalschlüssel in der Hand :)

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Freigelegtes Fundament der Mitte der 60er Jahre abgebrochenen Kirche

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Erhaltener Grabstein

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Plakette des Steinmetzmeisterbetriebes Winkler aus Milchkannengasse 6 in Danzig auf der Rückseite des Grabsteins

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Grabstele ohne Beschriftung, möglicherweise mennonitisch

Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

love danzig
15.07.2019, 03:13
Hallo Wolfgang,
es gab früher einmal ein Buch--Zulawki w 1945.
Es wäre sicher sehr Interesant für dich, ob es noch im Handel ist, das weiß ich leider nicht.
Gruß Roman

love danzig
15.07.2019, 03:25
Hallo Wolfgang,
bilder von dieser Kirche suchst du?
Werde mich mal in Gdansk schlau machen.
http://www.ansichtskartenversand-lebbe.de/artikel.php?id=4828&ukatid=&schalt=1

Gruß Roman

Wolfgang
15.07.2019, 09:37
Schönen guten Morgen,
hallo Roman,

ja, das ist ein Bild der ev. Kirche in Fürstenwerder. Genau so ein Bild haben wir auch in Briefmarkengröße. Die Postkarte würde ich gerne erwerben - sie wird ja schier zum Schnäppchenpreis angeboten! :) Aber 230,00 Euro! Da geht mir dann doch das Kleingeld aus! :)

Aber solche Karten sind eben das wert was Liebhaber oder Sammler dafür zu zahlen bereit sind. Interessant ist auch der Absender: Horst Schneidewind aus der Familie des Eigentümers eines der früher schönsten Vorlaubenhäuser in Fürstenwerder (http://forum.danzig.de/showthread.php?6222-Eines-der-sch%F6nsten-Vorlaubenh%E4user-ist-nicht-mehr) das vor ein paar Jahren in sich zusammenfiel.

Das Buch "Zulawki w 1945" kenne ich noch nicht. Meinst Du evtl. "Zuławy w 1945", Roman? Davon sind bisher 4 Bände erschienen die ich alle besitze (herausgegeben vom Museum des ehemaligen KZ Stutthof), in denen aber nichts über die Kirche in Fürstenwerder zu finden ist.

Aber ich werde weitersuchen...

Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Wolfgang
05.09.2019, 00:24
Schönen guten Abend,

ein kleiner Statusbericht...

Nach Besuchen und Recherchen in den Staatsarchiven Danzig und Elbing sowie im Elbinger (katholischen) Diözesanarchiv haben wir viele Unterlagen gefunden anhand der wir den Neubau der evangelischen Kirche in Fürstenwerder im Detail rekonstruieren können. Nach jahrelangen Konflikten mit zehn freikölmischen Mennoniten (sie bildeten mit fünf evangelischen Freikölmern das Kirchenpatronat) wurde, nachdem die alte baufällige Holzkirche nebst allen weiteren Kirchengebäuden abgebrannt war, am 28.10.1891 die neue Kirche von Generalsuperintendent Emil Taube eingeweiht. Der Entstehungsprozess ist ungeheuer spannend, und ich werde darüber noch näher berichten.

Trotzdem sind noch einige Fragen offen: Wann wurde die Friedhofskapelle gebaut? Zu welchem Zweck? Von wem? Es befindet sich eine Gruft in der Kapelle und bisher nahm man an, dass dort sieben Särge liegen. Aufgrund einer in der letzten Woche durchgeführten Untersuchung mit einer Endoskop-Kamera -wir öffneten die Gruft nicht-, wissen wir jetzt dass dort nur drei leere zerschlagene Särge liegen.

Eine weitere Frage stellt sich im Zusammenhang mit einer Familiengruft auf dem Friedhof. Auch diese konnten wir zwar endoskopisch untersuchen, fanden aber trotzdem keine Hinweise wer dort beerdigt sein könnte. Die Untersuchungen wurden übrigens von Frau Dr. Dąbal vom Institut für Archäologie und Ethnologie der Universität Danzig geleitet. Obwohl wir schon davor einige Details erfahren konnten, brachte die Untersuchung keine weiterbringenden neuen Erkenntnisse.

Die im kath. Diözesanarchiv von Elbing vorhandenen Visitationsrezesse der späten 1880er Jahre zeigen auf, wann die Kirche abgebrannt ist. Aufgrund der ständigen Auseinandersetzungen wer eine neue Kirche zu bezahlen hat (zum größten Teil die freikölmischen Mennoniten), muss auch die Frage gestellt werden, ob nicht bei dem Brand nachgeholfen wurde. Da suchen wir noch Hinweise aus dem Jahr 1888.

Es wird noch einmal einen Besuch im Staatsarchiv Danzig geben, aber geplant ist, dass wir bis Ende des Monats alle relevanten Informationen zusammengetragen haben werden.

Wer evtl. Infos zu den offenen Fragen zu Kapelle und Gruft hat oder vielleicht weiß, wo nähere Infos zu erhalten sind: Bitte meldet Euch!

Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Wolfgang
02.11.2019, 19:28
Schönen guten Abend,

noch rechtzeitig vor Allerheiligen/Allerseelen hat die Gemeinde Steegen drei Informationstafeln auf dem ehemaligen evangelischen Friedhof in Fürstenwerder aufstellen lassen. Jede dieser drei Tafeln gibt einige grundlegende Auskünfte in einer anderen Sprache: Polnisch, englisch, deutsch.

Die Gemeinde Steegen hat ein kleines Projektteam initiiert (drei Teilnehmer, darunter auch ich), die den Text vollkommen frei ausarbeiten konnten. Auch bei der Auswahl der Bilder unterlagen wir keinen Einschränkungen. Die Texte in den drei Sprachen sind identisch. Die von mir erstellte englischsprachige Übersetzung hat unsere Feli korrekturgelesen - nochmals ein herzliches Dankeschön an Feli, die damit auch einen Beitrag für diese Tafeln geleistet hat.

Hier zuerst die deutsche Fassung, danach die polnische und dann die englische:

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Schöne Grüße aus dem Werder
Wolfgang

Felicity
03.11.2019, 07:14
Man kann Euch nur gratulieren. Die Tafeln sind schoen, geschmackvoll und zielerreichend. Und 'die Feli' hatte kaum etwas zu korrigieren. Wir koennen auf unseren Wolfgang stolz sein, er ist ein Sprachen Genie. Bin aber froh dass ich ein bischen zusteuern konnte, ueber unsere Heimat zu informieren. Liebe Gruesse von der Feli.

Rahmenbauer14
03.11.2019, 12:04
Guten Tag Wolfgang,
in #11: da sich in dieser 'Friedhofskapelle' eine Gruft befindet, könnte es auch ein Mausoleum sein.

Rerik: Auf dem alten Friedhof (keine Begräbnisse mehr) mit der Kirche steht ein Mausoleum.
Siehe hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_Rerik

Bitte bis -Kirchhof- runterscrollen.

Und hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Mausoleum#/media/Datei:Dierdorf_Mausoleum.jpg

Im 4. Bild von oben sehen die 'Seitentürme' so aus, wie der 'Turm' auf Deinem Bild von der Kapelle.

Einen schönen Gruß aus Rerik,
Rainer