Ergebnis 1 bis 2 von 2

Thema: Bittgesuch der Fischerbabker um eine Kornmühle (1715)

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
    Registriert seit
    10.02.2008
    Ort
    Prinzlaff/Przemysław
    Beiträge
    8.986

    Standard Bittgesuch der Fischerbabker um eine Kornmühle (1715)

    Schönen guten Nachmittag,

    hier habe ich ein vierseitiges Dokument, eine Bittschrift der Einwohner des Dorfes Fischerbabke, verfasst am 20.05.1715 an den Rat der Stadt Danzig. Das Original liegt im Staatsarchiv Danzig.

    Einer meiner Vorfahren war Peter Gräßke der in Nickelswalde eine Kornmühle betrieb. Aus bisher von mir noch nicht geklärten Gründen wurde bei ihm 1711 der "Strohwisch" ausgehängt, in früheren Zeiten ein sogar heute noch fortschrittliches Verfahren, um einem nicht mehr zahlungsfähigen Schuldner einen zeitlich befristeten Gläubigerschutz zu gewähren. Ob und inwieweit die nicht endenwollenden Plünderungen, Verwüstungen und Brandschatzungen von
    Schweden, Polen und Russen während des Großen Nordischen Krieges einen Einfluss auf den wirtschaftlichen Niedergang Peter Gräßkes hatten, muss noch untersucht werden. Peter Gräßke starb kurz darauf, die Mühle wurde aufgeben, wodurch viele Einwohner umliegender Ortschaften in große Not gerieten.

    Der Bittbrief ist ein Zeitdokument, aus dem Sorgen und Nöte der Einwohner zwischen den Wassern hervorgehen. Es zeigt deutlich auf, mit welchen Mühen die Einwohner des Werders konfrontiert waren wenn sie "die Weisseln" und die vielen anderen Gewässer überqueren wollten. Damals waren die Einwohner auf Kornmühlen angewiesen, denn ausschließlich diese konnten und durften das Getreide mahlen. War eine Kornmühle nicht erreichbar in der Nähe, führte dies unweigerlich zu Nöten.

    In der Bittschrift flehten die Untersassen und Einwohner Fischerbabkes darum, "die kleine wüste Windt Mühle aus Nickels Walde" kaufen zu dürfen um sie auf eine Wiese in Fischerbabke zu versetzen.

    Das Original der Urkunde ist teils schwieriger lesbar als die sehr kontraststarken Kopien. Vor allem die erste Seite ("Bitt Schrifft") wurde lediglich auf ein kleines Zettelchen geschrieben. Die drei weiteren Seiten entsprechen in etwa DIN A4.

    Ich bitte Euch darum, nicht nur zu versuchen die Textstellen zu erkennen die ich nicht lesen konnte sondern das ganze Dokument auf Lesefehler meinerseits zu überprüfen.

    Übrigens, die Antwort des Rates habe ich bisher nicht finden können - aber vielleicht komme ich auch da noch ein bisschen weiter.

    Viel Grüße aus dem Werder
    Wolfgang

    ===== Anfang des Dokumentes =====

    Bitt Schrifft
    heute in ____ d. 20 May 1715
    und befindet die ____ Function
    daß Supplicanten ____ ____ ____
    nicht zu seyn ____ ____ sämptlicher
    Indeß soll ____ Joh. Gerge Klein
    ____ werden ____ er etwa ____
    zu vor freie Mühle ____ ____
    jährlich ____ gekommen
    seyn möchte:
    Untersaßen
    und Einwohner
    Des Dorffes
    Fischer Babke
    ---- (nächste Seite) ---
    Hoch wohl Edle, Gestrenge, Veste, Hoch und
    wohl weise, Groß günstige, Gnädige
    Herren
    Nechst herzlicher Wünschung Göttlicher gnade, Leibes und
    Seele, Wohl Fahrt, Glücklicher und Fried samer regierung sambt be-
    stendiger Lang gewünschter gesundtheit, haben wir untersaßen
    des Dorffes Fischer Babke, an unsere Gnädige Hochgebietende
    Obrigkeit, nicht umb gang nehmen können, Ihnen Demüttigst
    zu Bitten, sie wollten so Güttig sein, und uns frey geben, daß wir uns
    die kleine wüste Windt Mühle aus Nickels Walde möchten kauffen,
    weil wir solche grosse Beschwerlichkeit von den Mühlen reisen haben,
    daß wir zwischen den Wassern wohnen unnd so offt auf Lebensge-
    fahr nach anderen Wasser Mühlen, als nach Frauen burg, Brauß burg,
    Marien burg etc. mitt grossen unkosten reisen müssen, baldt mitt gefäß[?]
    zu Wasser, baldt mit Handt Schlitten zu Fuß über das schwache eiß,
    daß auch manch mahl daß Korn u. Mehl Im Hawe oder Weissel geblie-
    ben und wir kaum daß Leben auff dem schwachen Eise gerettet,
    wie sehr offt geschieht eß, daß wir zu Etlichen Wochen, absonder-
    lich bey Vor Jahr und unbestendigen Winters Zeitten, da es
    nicht unter noch über Ist, wegen Eiß u. Groß Wasser, nach kei-
    ner Mühle nicht kommen können, und so wir den entlich hin
    gelangen, so müssen wir offt biß 6-7 mahl dar nach reisen, viel
    Tage u. Nacht dar bey warten, ehe wirß können abgemahlen be-
    kommen, da den die Hauß armen so kein Pferd oder Kahn haben,
    oder bekommen können, und kaum 1/4 zu brodt bezahlen können, am Eben-
    dessen dran findt, sehr offt mangelt der Windt, da eß biß
    Weilen etliche Wochen Stille Ist und so er den noch etwaß we-
    het, doch nicht so hart kommt, dass er eine Mühle drehet, und
    wehet
    ---- (nächste Seite) ----
    wehet den der Windt, so ist wieder so viel zu mahlen auffgesam-
    let, daß wir sehr offt in 3-4 Wochen daß mehl nicht bekommen,
    und dar über mitt Kinder u. gesinde große noht müssen leyden,
    und daß murren von dem Gesinde vor Lieb nehmen, deßwegen
    Bitten wir demüttig sampt allen unfreyen, und der gantzen an-
    mut[?], unserer gnädigte, hoch gebietende Obrigkeit, sie begaben
    uns mit der Freyheit, daß wir oben[?] unserm Dorffe an der
    Weissel, auf unserer genanten Wiese, die kleine Windt Mühle, von
    Nickelswalde mögen hier setzen, Es wird nicht allein unserm Dorffe
    sondern auch den andern 3 Dörffer, als Glabisch, Steegnerwerder
    und Juncker Troyl, eine sehr grosse Hilfe seyn, welche mitt
    unß zwischen der Weissel und Schad lahck, alß auff einer Insel
    wohnen, auch alle solch beschwerlich Mühlen reisen haben alß wir
    und wen unß unsere gnädige hochgebietende Obrigkeit mitt der
    Frey heitt begabte, so währen wier 4 Dörffer, von dem beschwer-
    lichen alle zeitt über daß Wasser reisenden Mühlen fahren
    befreyet und könnten unsere Felt u. Bauer arbeit besser ab-
    warten, und die so höchst noht dingliche schaar wercke an
    unseren (durch Gottes und unserer Lieben Obrigkeit Hilffe) er
    haltenen Wollen[?], so viel Fleissiger Treiben und vorstellen, möchten
    sie etwa auff die gedancken kommen, ob solche Mühle, auch
    Ihrer Hoch Edlen Raths Mühle Im Stutt howe, könte zu nahe
    stehen, so können wir dieses bezeugen, daß wir von der Fisch-
    er babke, biß Stutthoff 1 1/2 [?] Meillen zu fahren haben, daß
    also sehr selten auß diesen 4 Dörffern jemandt nach Stutthoff zu mahlen
    kompt, auch die Steegner da selbst nicht können gemahlen bekommen
    weil daß bäcker mehl u, maltz immer vorgeht, hingegen Ist die
    Küchwerdersche Mühle zimlich nahe, aber wir müssen alle Zeit über
    2 Weissel, wo wir sehr offt nicht über kommen können, da zu ge-
    het diese so sehr schwer, wo nicht ein halber Sturm wehet,
    ---- nächste Seite ----
    so steht sie immer still, und wirdt nichts abgemahlen, da sie sonst
    auch zum wasser mahlen hin gebaut, und keinen Mühlen Zinß nicht
    geben will, daß uns also die hohe noht dazu zwinget, daß wir
    unserer Gnädigen Hoch gebietenden Obrigkeit, mitt dieser Bitte
    nicht vor bey gehen können, Triebe uns die noht und große beschwer-
    lichkeit nicht dazu, so wolten wir unserer hoch gebietenden obrig-
    keit, Diese Mühe nicht machen, und wir selbst die unkosten sampt
    dem hin bauen über haben bleiben, Bitten noch mahls, u. werffen
    unß Vor Sie Aller seits[?] hoch wohl Lob gestrenge, Veste, hoch-
    und wohlweise, Großgünstige, Gnädige Herren, In aller Tiefster
    Demutt, mit dieser geringen Schrifft nieder, hertz flehenlich bittendt
    sie wollen unß unserer bitte gnädig gewehren, wir wollen den
    Mühlen Zinß fleissig und richtig ab Tragen, Vor die Große
    Gnade und Wohl Taht, so unsere Gnädige Obrigkeit, In diesem
    unß auch Bezeugen kan, wollen wir sampt unsern armen Weibern
    und Kindern, die Zeitt unsers Lebens fleissig und ohn Unterlaß
    Zu Gott seufzen und behten, daß der aller höchste Gott und
    Barmhertzige Vater Im Himmel, unserer Liebwertteste Obrigkeit
    In allem Glücklichen wohl Ergehen, wolle Erhalten, und be-
    wahren, von ihm alle unruhe und beschwerligkeit Gnädig
    abwenden, und bey Glücklicher und friedsamer regirung biß
    zu Ewigen Zeitten Erhalten, und ihnen zeittliche und Ewige
    Wohl fahrt geben.
    ===== Ende des Dokumentes =====
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken     
    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  2. #2
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
    Registriert seit
    10.02.2008
    Ort
    Prinzlaff/Przemysław
    Beiträge
    8.986

    Themenstarter

    Standard AW: Bittgesuch der Fischerbabker um eine Kornmühle (1715)

    Schönen guten Nachmittag,

    noch immer versuche ich, einen gut 300 Jahre alten Text zu lesen bzw. zu enträtseln. Mir liegt das Schriftstück in Kopie vor. Die Lesbarkeit wurde bereits durch Nachbearbeitung bzw. Kontrastverstärkung verbessert. Mir liegt kein Vergleichstext vor sodass manches Wort wahrscheinlich nur durch "Rätselraten" entschlüsselt werden kann.

    Wer kann mir beim Entschlüsseln helfen? Übrigens ist der weitere bereits transkribierte Gesamttext auch recht interessant...

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •