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Thema: Buch 'Die Marienburg' - Ihre Baugeschichte

  1. #1
    Forum-Teilnehmer Avatar von sarpei
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    Standard Buch 'Die Marienburg' - Ihre Baugeschichte

    Das o.g. Buch von Bernhard Schmid stammt aus der Reihe 'Deutsche Baukunst im Osten' und ist im Jahr 1955 vom Göttinger Arbeitskreis im Holzner Verlag Würzburg erschienen. Es enthält 112 Seiten Text, 18 Abbildungen im Text, 2 Karten und 29 Bildtafeln mit 72 Kunstdruckabbildungen. Die Hauptüberschriften des Inhaltsverzeichnisses lauten:

    o Entstehung von Burg und Stadt Marienburg
    o Vom Bauwesen zur Ordenszeit
    o Erster Bau des Konventshauses von 1272-1300
    o Der Ausbau des Konventshauses bis 1300
    o Die Wehranlagen
    o Das Mittelschloss
    o Niclaus Fellenstein, der Baumeister des Deutschen Ordens
    o Die Vorburg
    o Die Türme und Tore
    o Die Heizanlagen
    o Die Brunnen

    Bei Interesse kann ich gerne Informationen nachschlagen oder Scans von Einzelthemen anfertigen.

    Liebe Grüße

    Peter

  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von MueGlo
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    Standard AW: Buch 'Die Marienburg' - Ihre Baugeschichte

    Moin, Peter,

    besten Dank für den kürzlichen Hinweis auf das ZDF-Video über die Marienburg.

    In diesem Kontext habe ich hier im Forum gewühlt und bin auf Deinen schon länger zurückliegenden Beitrag über das Buch von Bernhard Schmid gestossen.

    Ich verstehe immer noch nicht, wie der Bau der Marienburg --- und der anderen Burgen --- unter sozio-ökonomischen und organisatorischen Aspekten funktionierte:

    Der Bau der Pyramiden:
    --- das Niltal ist relativ dicht besiedelt;
    --- das Niltal ist extrem fruchtbar;
    --- ergo kann die Hälfte (?) / ein Drittel der Bevölkerung einen Nahrungsmittelüberschuss produzieren, der ausreicht, um die Beamten, Militärs und die am Pyramidenbau beteiligten Arbeiter, die einer vollkommen unproduktiven Tätigkeit nachgehen, zu ernähren. Heute würde man einen solchen Pyramidenbau als Arbeitsbeschaffungsprogramm für Arbeitslose auflegen, damit diese keine sozialen Unruhen provozieren ...

    Übertragen auf die Marienburg:
    --- die Bevölkerungsdichte ist extrem gering;
    --- es gibt keinen wesentliche landwirtschaftliche Überschüsse produzierenden Bevölkerungsanteil;
    --- die Arbeiter sind versklavte Pruzzen und Slawen ... die ernährt werden müssen - wie? woher?
    --- die Produktion der Ziegel per Meilerofen kann nur in der frostfreien Zeit von April bis Anfang Oktober erfolgen; ebenso das Mauern;
    --- geziegelt wird dort, wo Ton und Holz / Wald vorhanden sind, d.h., dezentral. Wie erfolgt dann der Transport? Partiell sicherlich per Schiff aber dort wo geziegelt wird befindet sich nicht immer der Fluß ...

    Falls sich bei Schmid irgendwelche Hinweise diesbezüglich finden wäre ich an den entsprechenden Buchabschnitten interessiert.

    Beste Grüße aus Rabat, Rainer MueGlo
    "Der Mensch lebt, so lange man sich seiner erinnert!" - Afrikanisches Sprichwort

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  3. #3
    Forum-Teilnehmer Avatar von Antennenschreck
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    Standard AW: Buch 'Die Marienburg' - Ihre Baugeschichte

    Hallöle,

    Marienburg

    Die Marienburg war anfangs eine einfache Festung, welche von dem deutschen Orden, gegen die Einfälle der Polen und Lithauer, während der Jahre 1271 bis 1274 angelegt, und im Jahre 1276 vollendet worden war, sie war der Schutzheiligen des Ordens, der Jungfrau Maria gewidmet. Erst im Jahre 1306 wurde der Bau der eigentlichen Hochburg begonnen, und konnte schon 1309 vollendet werden, worauf der damalige Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen, seinen Sitz hierher verlegte. In den Jahren 1335 bis 1341 wurde die ursprüngliche alte Vorburg erweitert und befestigt; das Hoch- und Mittelschloss erhielt jetzt eine feste Umwallung, befestigte Gräben und Wehrtürme, so dass aus der Marienburg nun eine sehr feste Landesburg geworden war. Winrich von Kniprode (1351-1382) legte in der Marienburg eine hohe Schule an, wo die Ritter unterrichtet wurden. Im Jahre 1410 wurde die Stadt Marienburg von dem polnischen Fürsten Wladislaw erobert, aber die Marienburg selber hielt einer 8 wöchigen Belagerung stand, und in der Wand des Remters sieht man noch die große Kugel, mit welcher Wladislaw den Statthalter und seine Ritterbrüder vernichten wollte; auch die nächste Belagerung im Jahre 1420 schlug wieder fehl.

    LG Arndt

  4. #4
    Forum-Teilnehmer Avatar von Antennenschreck
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    Standard AW: Buch 'Die Marienburg' - Ihre Baugeschichte

    Hallo,


    Also ich denke, die Ritter haben sich ihre Burg selber, zuerst natürlich aus Erde und Holz erbaut, und haben diese dann später immer mehr erweitert, dann natürlich immer mehr mit Ziegeln. Hier einmal meine Einleitung zum Thema Burgen und Schlösser im Allgemeinen:

    Burgen und Schlösser, deren Name, Lage, Geschichte und Bauart

    Obschon viele alte Schlösser und Burgen auf Bergen erbaut wurden, so sollte man deswegen doch nicht glauben, dass alle Bergschlösser auf hohen Bergspitzen lagen. Gerade auf den höchsten Bergen in Südobersachsen, auf den höchsten Spitzen des Harzes, des Thüringer Waldes, des Erzgebirges und des Königshainer Gebirges, auf dem Brocken, dem Inselsberg, der Schneekoppe, dem Fichtelberg, und dem Keulenberg, findet sich nicht die geringste Spur, dass da jemals ein Schloss gestanden hat. Die Lage der alten Schlösser ist eben sehr unterschiedlich, viele liegen auf sehr hohen Felsen oder Bergen, von anderen Bergen umgeben; auf mehr oder wenige hohen, in einer großen Ebene allein stehenden Bergen, und dann, wie das mäßig hohe Taucha, freilich auf dem höchsten Berg in der Gegend; – auf der Ecke einer hohen oder ebenen Talwand, wo meistens eine oder mehrere Seiten steil herab hängen; wo auch die letzte Seite durch eine tiefe Schlucht oder Kluft von der Ebene getrennt ist; – auf dem vorspringenden Rücken einer Bergwand. Viele liegen auf dem Abhang, und dabei viel tiefer als der Gipfel des Berges oder der Bergwand, da, wo ein erhabener Bergrücken tiefer unten aus der Wand ragt, – auf einem niedrigen Berg, am Fuße einer steilen Felswand; – auf einem Hügel, im Grunde eines Tales. – Solche Burgen nennt man Berfestungen, Bergschlösser. Außerdem gibt es auch noch Wasserburgen und Wasserfestungen. Die ältesten Gebäude und Wohnungen dieser Art bestanden noch aus Holz, aber ungefähr ab dem Anfang des 11. Jahrhunderts baute man solche Gebäude immer öfter schon aus Steinen. Doch gab es damals auch noch viele alte hölzerne Kirchen, und so waren vermutlich auch die ersten Schlösser der Sachsen, Thüringer und Franken nur Schanzen oder Blockhäuser aus Holz und Erde, wie die beiden (Dornburg-) Schlösser, die Karl, Karls des Großen Prinz im Jahre 806 anlegte, vielleicht von einem mit Weiden und anderen Bäumen durchflochtenem Damm oder Wall umgeben, welches wahrscheinlich auch die Bauart der sorbischen Festungen war. Seitdem man anfing Gebäude aus Kalk und Stein auszuführen, wendete man diese Bauart auch bei der Errichtung von Burgen und Schlössern an, welche damals nur aus einem großen und starken Turm bestanden (wie die Eisenburg, Alt Rathen und viele andere), den man erst später mit einer oder mehreren Mauern umgab, oder diese auch nur an diesen anhing, um damit noch einen bestimmten Raum einzuschließen, der der Besatzung zum Aufenthalt und zur Wohnung diente. Was man im 11. Jahrhundert castrum, castellum oder propugnaculum nannte, kann nach der damaligen Befestigungskunst weiter nichts als ein hoher runder Turm mit einem Graben und einem Wall gewesen sein. So waren damals auch die Burgwarten gebaut gewesen, welche man feste Schlösser nannte, was man ja im Gegensatz zu den früheren Schanzen und Blockhäusern auch sagen konnte. Betrachtet man die alten Bergschlösser in unserer Nähe, so liegt der Grund für ihre Unterschiedlichkeit und Ungleichheit wohl hauptsächlich in der unterschiedlichen Beschaffenheit ihres Standortes begründet, weil die Erbauer dieser Festungen lieber dem Verlauf der Felsen und Bergrücken folgten, als diesen Untergrund erst einzuebnen. Deshalb war für die alten Baumeister nicht jeder Ort gleich gut geeignet, sondern sie suchten solange in einem Gebiet, bis sie einen Ort fanden, der ihren Bauplänen möglichst nahe kam. Fanden sie endlich einen solchen Ort, dann hielten sie es sogar für erlaubt und sich auch dazu berechtigt, fremdes Eigentum zu benutzen, und auf anderer Leute Grund und Boden zu bauen. Je früher ein solches Bauwerk erbaut wurde, um so regelloser erscheint es uns heute. Hohe, erstaunliche, und kühne Lagen derselben auf und zwischen steil überhängenden Felsspitzen; ein einziger beschwerlicher Zugang, geringer Umfang; ungeheuer dicke und feste Mauern und Türme; enge, in den Felsen gehauene, gewölbte Gemächer; wenige, und von außen sehr kleine, schmale, Öffnungen und Fenster, die sich nur nach innen etwas erweitern; tiefe Gewölbe; unterirdische Gänge; und so weiter, sind das Produkt der grauenvollsten Zeiten im Mittelalter, wo an Festigkeit und Sicherheit bei weitem mehr gelegen war, als an Pracht, architektonischer Schönheit und Zierde, hellen Zimmern und häuslicher Bequemlichkeit, wie wir sie heute fordern. Nachdem es Mode geworden war, mit Steinen und Kalk zu bauen, wurden auch die alten Schlösser massiv umgebaut, nur die Fußböden waren, wenn sie auf keinem Gewölbe ruhten, immer noch aus Holz, so wie das mit Schiefer oder Blei oder Ziegeln (die der Bischof Bernward von Hildesheim erfunden hat) gedeckte Dach der Gebäude und Türme, bei welch letzteren, vorzüglich runden, oft auch das Dach aus Steinen, spitz oder rund gemauert und gewölbt war. Im zwölften Jahrhundert war es in Frankreich nur dem Adel erlaubt Wetterfahnen (Windzeiger, Windfahnen) auf ihre Häuser zu setzen. Das Mauerwerk der alten Schlösser bestand aus übereinander liegenden Pläuern und Bruchsteinen, zwischen denen die Öffnungen mit Kalk und Gips ausgegossen wurden. Vermutlich war Gips das einzige Bindemittel welche dem Mauerwerk seine Festigkeit gab, die uns noch heute staunen lässt. Die Gebäude aus Ziegeln oder Backsteinen sind wahrscheinlich noch nicht so alt, wie die welche aus Bruchsteinen errichtet wurden, womit man aber nicht sagen kann, dass alle Bruchsteingebäude aus dem grauen Mittelalter stammen. Die Brücken der alten Rathener Burg sollen sogar aus Leder gewesen sein. Weil die Bestimmung einer Burg ihren Baustil bestimmte, glauben wir heute aus den Trümmern einer Burg ihren ursprünglichen Zweck erkennen zu können. Querfurt war einst ein großes starkes Schloss, welches seinen Herzogen Schutz und Sicherheit bieten sollte; Mansfeld dagegen hatte einen großen und edlen Stil, welcher selbst noch aus den Trümmern spricht, hier wohnten sicher reiche und luxuriöse Fürsten, welche die meiste Zeit mit Turnieren, Festen, Spielen und Gelagen verbrachten; die Conradsburg war nun wieder recht einfach, eher einem Kloster, als einer Festung ähnlich, und nur durch ihre Lage etwas geschützt; der Arnstein lag in einer schönen und ruhigen Gegend, ohne neidische Nachbarn, sie diente ihren Besitzern wahrscheinlich nur zu kürzeren Zwischenaufenthalten bei ihren Reisen durchs eigene Land. Viele Burgen hatten auch unterirdische Ausgänge. Erst ab Ende des 14. Jahrhunderts erblickt man einige Symmetrie und architektonische Schönheit. Bei den böhmischen Schlössern erkennt man, dass ihre Erbauer am liebsten nur einen Eingang hatten.

    LG Arndt

  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von sarpei
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    Themenstarter

    Standard AW: Buch 'Die Marienburg' - Ihre Baugeschichte

    ... sorry, ich habe das Buch nicht mehr im Zugriff. Allerdings habe ich es jetzt bei der Bibliothek des Herder Instituts per Fernleihe bestellt. Ich werde mich wieder melden, sobald ich darin Einblick genommen habe.


    Viele Grüße

    Peter

  6. #6
    Forum-Teilnehmer Avatar von Inge-Gisela
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    Standard AW: Buch 'Die Marienburg' - Ihre Baugeschichte

    Zu diesem Thema passt ja auch gut "Der Wiederaufbau der Marienburg". Ich war 2007 dort und 2017 noch einmal. Was sich in diesen Jahren dort alles noch getan hat, ist unwahrscheinlich. Man steht vor der wieder erstandenen Marienburg, deren Aufbau ca. 70 Jahre gedauert hat. Und was hier die Menschen wieder geschaffen haben, ist unglaublich. Leider konnten die Menschen, die vor 70 Jahren mit dem Wiederaufbau begonnen hatten, nicht die fertige Burg erleben oder nur wenige. Durch das Thema habe ich mich dazu verleiten lassen, ein Album, die Marienburg betreffend, hier ins Forum zu setzen. Vielleicht interessiert es einige von Euch, obwohl viele Bilder ja auch aus dem Internet bekannt sein werden.

    Lb Gruß

    Inge-Gisela

  7. #7
    Forum-Teilnehmer Avatar von sarpei
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    Themenstarter

    Standard AW: Buch 'Die Marienburg' - Ihre Baugeschichte

    Hallo miteinander,

    bezüglich der von Rainer im Beitrag # 2 aufgeworfenen Fragestellungen liefern in dem hier genannten Buch am Ehesten die Seiten 13 - 16 Ansätze bzgl. Antworten.

    Unter der Hauptüberschrift 'Vom Bauwesen zur Ordenszeit' werden hier behandelt:

    - Preußenkampf und Burgenbau (päpstliche Bulle vom 6.10.1233, Erfahrungen des Ordens auf Grund seiner Bauten in Syrien, Siebenbürgen, Kulmer Land)
    - Der Baubetrieb in der Marienburg (Bezug auf das Marienburger Treßlerbuch, Ziegelherstellung, Baukalk-Brennen)
    - Das Steinamt (Steinhof, Steinmeister, Zimmermeister, Ziegelmeister)
    - Ziegel- und Kalköfen (Berechnungen über die Anzahl der Öfen sowie der Ziegel)
    - Der Bauhüttenbetrieb (Zusammenwirken von Baumeister, Bauleiter, bildenden Künstlern und Bauhandwerkern)

    Bei der geringen Anzahl der Seiten sicher keine erschöpfende Darstellung aber immerhin ein erster Eindruck, wie so ein komplexes Bauvorhaben organisiert war.


    Viele Grüße

    Peter

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