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Thema: Die Tiege in Tiegenhof

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    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Die Tiege in Tiegenhof

    Die Tiege in Tiegenhof

    Mittwoch, 27. März 2002, später Vormittag

    Es ist recht frisch in Tiegenhof. Strahlend blauer Himmel, aber doch noch ein kalter Wind, der es nicht zulässt, dass die Sonne wärmt. Die Temperatur mag knapp über null Grad liegen. Ich stehe nahe am Rathaus auf der über die Tiege führenden Hebebrücke. Die Tiege wirkt schmutzig, lehmig trüb mit einem ins Grüne gehenden Farbton. Die zwei Fahrbahnteile der Hebebrücke sind ineinander verzahnt, wobei ein Teil der stählernen Abdeckung umgenickt und vom Verkehr niedergewalzt ist. Jedes Fahrzeug das die Brücke passiert erschüttert sie, lässt sie vibrieren. Ich schaue hinunter zum Wasser, schätze, die Tiege müsste hier etwa zehn Meter breit sein. Zu meiner Rechten ein Fachwerkhäuschen mit dunkelbraunem Gebälk sowie weiß getünchtem Gefach. Das Dach ist eternitgedeckt. Zwischen Tiege und Häuschen ein kleiner Garten mit vier niedrig geduckten Tannen, direkt am Wasser ein Maschendrahtzaun. Ein kleiner Hund wärmt sich im Windschatten inmitten mehrerer alter Autoreifen. Am Haus eine verfallende Bank, daneben ein Hocker. An das Gebäude anschließend ein weiteres älteres Haus, deren Erdgeschossfenster weiß gestrichen sind. Eine verwitterte Haustür, davor ein Hundezwinger, etwa eineinhalb Meter im Quadrat. Als Wetterschutz dient ein darüber geworfener Teppich, rostbraun gefleckt. Ein Schäferhund döst vor sich hin. Zur Tiege hin erneut Maschendraht, teils niedergedrückt, dazwischen ein weiterer Schäferhund, sich sonnend. Ein paar Meter weiter tiegeabwärts, noch im zum Haus gehörenden Garten ein Junge, der ungeübt immer wieder Schnur und Köder an langer Angelrute auswirft. Sein Kescher hängt halb im Wasser. Nicht weit entfernt noch ein Angler, dem ein wenig mehr Anglerglück hold ist. Er holt zwei kleine Fischchen, vielleicht zehn Zentimeter lang, innerhalb einer viertel Stunde aus dem Wasser. Im trübe dahin fließenden Gewässer zieht unter mir ein großer Schwarm winziger Fischchen tiegeaufwärts. Eine Weide lässt ihre Ruten ins Wasser hängen, ein gelbgestrichener Autoreifen hat sich im Gestrüpp verfangen.

    Senkrechte Betonplatten an den Ufern vermitteln mehr den Eindruck eines Kanals als den eines naturbelassenen Flüsschens. Am linken Ufer in Abständen von rund fünfzig Metern Hinweisschilder, dass Ankern verboten sei.

    Wann mögen hier die letzten Lastkähne gefahren sein?
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

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