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Thema: Entschuldung von Bauern 1933 - 36 - ein kleines Adressbuch

  1. #1
    Forum-Teilnehmer Avatar von MueGlo
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    Standard Entschuldung von Bauern 1933 - 36 - ein kleines Adressbuch

    Moin,

    vor ein paar Monanten machte mich Gerhard Sinus auf den Danziger Staatsanzeiger aufmerksam, weil er dort von mir gesuchte Namen endeckte. Jetzt habe ich mir die Sache genauer angeschaut.

    Ende 1933 verkündete die NSDAP-geführte Staatsregierung eine Entschuldungsaktion zu Gunsten verschuldeter Hofbesitzer und Landwirte. Der Staatsanzeiger veröffentlichte in 91 Ausgaben Listen der Antragssteller mit Namen, z.T. Namen der Ehepartner, Ort und Katasteramtsdaten; ebenso die Rücknahme von Anträgen, die Ablehnung, den Aufruf an Gläubiger, ihre Forderungen anzumelden, den Vollzug der Entschuldung oder auch den Abbruch des Verfahrens.

    Insgesamt gab es knapp 3.200 Anträge ... und damit fungiert diese Entschuldungsaktion wie ein kleines Adressbuch.

    Die Links zu den relevanten Ausgaben des Staatsanzeigers sind zusammengestellt unter

    http://www.momente-im-werder.net/01_...ldung_1933.htm

    Jetzt brauche nur noch zum Katasteramt um die Ecke zu gehen, um endlich herauzufinden, wo genau all die Höfe der Altvorderen lagen ... (schön wär's ...).

    Viel Spass und beste Grüße,

    Rainer MueGlo
    "Der Mensch lebt, so lange man sich seiner erinnert!" - Afrikanisches Sprichwort

    www.Momente-im-Werder.net --- Adressbücher, Literatur, Werkzeugkasten und Momente im Danziger Werder

    Nachbarn und Hofbesitzer in Groß und Klein Zünder vom 17. bis 20. Jahrhundert:
    http://momente-im-werder.net/01_Offen/31_Gross-Zuender/Nachbarn-GrZ-KlZ/index.htm

  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von sinus
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    Standard AW: Entschuldung von Bauern 1933 - 36 - ein kleines Adressbuch

    Toll, Rainer,
    was Du Dir für einenMühe damit gemacht hast. Das erspart vielen Forschern allerhand Zeit, die Staatsanzeiger systematisch zu durchsuchen.
    Die gesetzliche Grundlage habe ich auch noch nicht gefunden. Wer hat Zugang zu den Gesetzblättern der Freien Stadt Danzig?
    Darunter muss sich ein Gesetz finden, das eng an das Reichserbhofgesetz des Deutschen Reiches angelehnt ist.
    Im Ergebnis wurde aus dem "Hofbesitzer" der "Bauer". Damit verbunden waren allerhand politische und ökonomische Forderungen. Der Besitzer musste "bauernfähig" sein. Danziger polnischer Nationalität konnten z.B. keine Bauern werden. Ebenso konnten bürgerliche Besitzer (häufig Danziger Kaufleute) oder Kapitalgesellschaften, die den Hof nur als Kapitalanlage hatten und nicht selbst bewirtschafteten, kein Bauer sein und mussten ihren Besitz veräußern.
    Die Entschuldung war durch die dramatische Lage der Landwirtschaft im Freistaat (hervorgerufen durch die Billigimporte polnischer Landwirtschaftsprodukte infolge der im Freistaatskonstrukt verankerten Zollunion mit Polen) ein dringendes Erfordernis, das die Nationalsozialisten auch in ihrem Wahlprogramm hatten und ihnen auf dem Land einen großen Zulauf sicherte. Ich weiß aus Überlieferungen in der Familie, dass gerade die schlechten Bauern zuerst Mitglied der NSDAP wurden und auch bevorzugt bei der Entschuldung behandelt wurden.
    Noch ein Hinweis: Wer fündig wurde, sollte auch noch die folgenden etwa 10 Blätter durchsuchen, denn manchmal gab es noch nachträgliche Berichtigungen der Bekanntmachung.

    Herzliche Grüße aus Mecklenburg
    sinus

  3. #3
    Forum-Teilnehmer Avatar von sinus
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    Standard AW: Entschuldung von Bauern 1933 - 36 - ein kleines Adressbuch

    Hallo an alle Interessierten zu diesem Spezialthema,

    bei meinen jüngsten Recherchen im Evangelischen Zentralarchiv habe ich einen Entschuldungsbeschluss aus dem Heimatdorf meines Großvaters gefunden. Daraus geht auch die gesetzliche Grundlage für das Entschuldungsverfahren mit Angabe der Quelle hervor. Hat jemand Zugriff auf diese Gesetzblätter ???
    Wie schon vermutet, gab es keine Vollentschuldung, sondern nur bis auf ein verträgliches Maß. Das wurde im Fall des Bauern Gustav Neumann auf 40 v.H. des Grundvermögensteuerwertes festgesetzt. Ich hänge das Beschlussdokument an.
    Der Fund im EZA war nur möglich, weil als Hypothekenläubiger der "Predigerwitwenkasten des Danziger Werders" war, der quasi eine Art Rentenversicherung für Witwen war und von einem Konsortium aus Pfarrern verwaltet wurde. 1926 war z.B. Pfarrer Elsner aus Käsemark der Hauptverwalter.

    Schöne Grüße aus Mecklenburg
    sinus

    Name:  Entschuldung Beschluss.jpg
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  4. #4
    Forum-Teilnehmer Avatar von Antennenschreck
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    Standard AW: Entschuldung von Bauern 1933 - 36 - ein kleines Adressbuch

    Hallo,

    ich denke, dass mir die gesetzlichen Grundlagen dafür schon mal über den Weg gelaufen sind. Allerdings habe ich im Moment etwas Ärger mit meinem X-Server (nach einem Update) und jede Menge Ordner, in denen ich suchen könnte. Will sagen es kann noch eine Weile dauern, aber irgend wann läuft mir das mal wieder über den Weg und ich stell es hier rein (sofern es bis dahin nicht schon da ist).

    Tschü........

  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Entschuldung von Bauern 1933 - 36 - ein kleines Adressbuch

    Hallo zusammen,

    hier ein kleiner Beitrag aus dem Grundbuch Walldorf:
    Name:  Entschuldung.JPG
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    Beste Grüße
    Uwe

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