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Thema: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Erlebnisberichte - seien sie nun von gestern oder aus der heutigen Zeit -, werden von uns allen immer sehr interessiert gelesen. Ich habe in den Unterlagen meines verstorbenen Vaters Familiendokumente und einige Briefe meiner Oma gefunden, die an ihn gerichtet waren. Sie sind eine ganze Weile nach Kriegsende geschrieben und meine Oma schildert darin meinem Vater ihre Erlebnisse als Danzig eingenommen wurde. Meine Oma wohnte draußen in Schellmühl, im Bardewiekweg, nur ein paar Steinwurf von der Frauenklinik entfernt. Ihre Mutter, von deren Sterben sie berichtet, lebte in der Röttgerstraße, nahe der Breitenbachbrücke. Außerdem schreibt sie über ihr Alltagsleben in Welzin bei Parchim, in Mecklenburg, wo sie nach der Vertreibung eine erste Unterkunft fand. Meine Oma war zu diesem Zeitpunkt 52 Jahre alt, mein Vater, der in einem Flüchtlingslager nahe Dachau in Oberbayern lebte, war 20 Jahre, mein Opa 48 Jahre. Was aus allen ihren Briefen hervorging, war Gottvertrauen und Zuversicht. Sie hat sich trotz schlechtester Zeiten, nie "runterkriegen" lassen.

    Meine Oma war Gertrud Emma Naujocks, geborene Trosin aus Rosenberg wo sie 1894 geboren wurde. Mein Opa war Theodor Karl Adalbert Naujocks, in Danzig geboren, in der Königlichen Kapelle getauft. Er war ein Schneider, im wahrsten Sinne des Wortes ein "armer Schneider", der später als Pförtner im Gaswerk arbeitete. Mein Vater, an den die Briefe gerichtet waren, ist Siegfried Walter Naujocks, 1926 in Danzig geboren. Ab 1942 war er in den Lehrerbildungsanstalten in Neustadt und Graudenz. Anfang 1945 verwundet, kam er in ein Lazarett im Westen. Kurz nach dem Krieg verschlug es ihn in das Flüchtlingslager Wagenried nahe Dachau, wo er als Lehrer Volksschüler unterrichtete. Später arbeitete er dann als Übersetzer, Journalist und Nachrichtenredakteur.

    Meine Oma starb viel zu früh 1966 als ich gerade mal 13 Jahre alt war. Über lange Zeit war ich nach der Schule bei meinen Großeltern und machte dort meine Hausaufgaben. Es verging kein Tag an dem sie mir nicht von Danzig erzählten. Und doch dauerte es dann noch über 25 Jahre bis ich selber nach Danzig fuhr...

    Die Briefe vermitteln ein authentisches Bild der Sorgen und Nöte zur damaligen Zeit. Der Krieg hat die Familien - und zwar sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits - vollkommen auseinander gerissen. Sie leben heute überall verstreut, sind teilweise auch ausgewandert wie Rudi Tietzmann nach Kanada, dessen Mutter die Schwester meiner Oma war. Nach dem Krieg suchten die Familien zuerst nur ihre allerengsten Angehörigen. Nach den etwas weiter entfernten Verwandten wurde teilweise erst Jahre später gesucht. In den Unterlagen meines Vaters fand ich eine Todesfeststellungsurkunde für einen seiner verschollenen Cousins, datiert auf den 31.12.1945. Diese Feststellung war in einer Erbschaftsangelegenheit notwendig geworden - und erst Jahre später erfuhr ich, dass der für tot Erklärte - und damit in der Erbfolge Übergangene - zu diesem Zeitpunkt noch putzmunter inmitten seiner Familie in Danzig lebte.

    Was heute aber mehr und mehr in Vergessenheit gerät sind die Schicksale einzelner Menschen und ganzer Familien. Damit geht aber auch ein Stück familiärer und individueller Identität verloren. Vor allem für die Nachkommen derjenigen, die ihre Heimat verloren, wird es zunehmend schwieriger, die irgendwann aufkeimenden Fragen nach dem eigenen Ursprung, nach den eigenen Wurzeln zu beantworten.

    Berichte oder Briefe von Zeitzeugen zeigen Ereignisse und Lebensumstände auf. Sie können auch ein Stück Familiengeschichte dokumentieren. Sie lassen Erinnerungen aufleben, sie entreißen Ereignisse und Personen dem Vergessen. Und darin liegt auch die besondere Bedeutung solcher Dokumente: Denn tot ist nur, wer vergessen ist, wer nicht mehr in den Erinnerungen weiterleben kann.

    Wolfgang


    ===============


    Welzin, den 10.12.46

    Lieber, lieber Jung. Deinen lieben Brief haben wir erst heute erhalten. Hoffentlich hast Du nun auch unsere Briefe schon erhalten. Wie haben wir uns heute über Deinen Brief gefreut. Wir danken Gott, dass Du noch lebst und hoffen, dass wir Dich bald wiedersehen. Am liebsten kämen wir ja gleich rüber, aber so schnell geht es ja nicht. Wenn Du für uns eine Zuzugsgenehmigung schicken könntest, dann wäre es ja am besten. Papa und ich hatten ja sowieso die Absicht, im Frühjahr rüberzukommen, denn hier gefällt es uns gar nicht. Es geht uns hier nicht schlecht, denn die Bauersleute bei denen wir wohnen sind sehr nett. Aber wir bekommen hier doch nichts zu kaufen und möchten doch so gerne wieder ein zu Hause haben. Meine größte Sorge ward Ihr Beide. Dass Papa in russische Gefangenschaft gekommen war wusste ich ja. Er hatte mir durch Meister Seeger einen Brief geschickt (den hatten die Russen nämlich frei gelassen) und schrieb mir, dass er in Gefangenschaft wäre. Er ist dann bis Deutsch Eylau marschiert und von dort nach Russland gekommen., nach Bornowietsche, von dort im August zurück nach Deutschland. und am 22.9.45 entlassen worden. Ich hab nicht geglaubt, dass Papa lebend aus russischer Gefangenschaft kommen würde und doch hat er es geschafft und als er hierher kam, da sah er so gut aus wie er zu Hause nie ausgesehen hat.

    Ich hab in Danzig schreckliche Zeiten durchmachen müssen und war manchmal schon am Verzweifeln. Aber dann dachte ich wieder an Euch Beide und machte dann wieder weiter. Viel, viel Elend und Not hab ich gesehen und auch viele gute und liebe Menschen getroffen. Viele Bekannte haben sich das Leben genommen. Herr und Frau Kulsch sind ins Wasser gegangen, Frau Maidowski hat sich aufgehängt, ebenso der alte Füllner und Herr Kinski, nachdem seine Frau gestorben war. Alex Hinz ist im Narviklager verhungert, wo Arno geblieben ist, wusste Frau Hinz auch nicht . Sie ging mit Erika und Lottchen und Frau Finkel und den Kindern 14 Tage früher raus aus Danzig, wie ich, ich könnte Dir Seiten und Seiten schreiben und würde nicht fertig werden. Das werden wir uns alles erzählen wenn wir uns wiedersehen. Islers ältesten Sohn haben die Russen im Keller im Beisein der Eltern erschossen. Siegfried Krause ist an Typhus gestorben, ebenso Frau Hensel und ihre älteste Tochter und der jüngster Junge. Es sind sehr sehr viele tot. Von Tante Meta und dem Klaus weiss ich auch nichts. Sie sollen auch noch mit den letzten Soldaten rausgegangen sein.

    Ich hab sehr viel Schweres durchmachen müssen, aber trotzdem bin ich froh, dass ich doch in Danzig geblieben war, denn nun war doch wenigstens einer da, der für Oma sorgte. Hungern brauchte Oma nicht, ich hab ihr immer Essen gebracht, so oft ich konnte. Sie hat sich auch sehr viel Sorgen um alle gemacht, am meisten sprach sie ja vom Rudi und Dir und wollte Euch doch nochmal wiedersehen. Aber es sollte nicht sein, aber ich hab ihr doch wenigstens ein Grab machen können und weiss wo sie liegt. Ich trage Omas Trauring, denn meinen haben mir die Russen weggenommen und Papa hat Opas. Den hat Oma mir noch 4 Tage vor ihrem Tod gegeben. Du schreibst, ob Du uns Geld schicken sollst. Bevor Papa kam habe ich mir durch Stricken etwas verdient und jetzt sorgt Papa schon noch für uns Beide und wenn wir was brauchen, dann mein Jung werd ich Dir schreiben. Aber Du kannst es dann nur im Brief schicken, denn so kommt kein Geld her. Vielleicht kannst Du uns mal helfen wenn wir drüben sind, das heißt, wenn Not am Mann ist. Ich stricke ja auch jetzt noch und verdiene etwas, denn wir haben ja nichts von unseren Sachen gerettet. Für Papa und Dich hab ich ja doch nichts mitbringen können. Nun müssen wir wieder von vorne anfangen und es wird auch wieder werden. Die Hauptsache ist, dass wir alle gesund bleiben und uns bald wiedersehen.

    Viele, viele herzliche Grüße und Küsse Dir mein lieben Jung. Deine immer an Dich denkende Mutti und Papa

    Sind die Möbel Dein Eigentum? Einen Radioapparat verwahr man für Papa als Weihnachtsgeschenk. Augenblicklich haben wir hier Bahnsperre und deshalb dauert es mit der Post sehr lange. Wir bekommen hier sowieso nur 3 x wöchentlich Post. Wir wohnen hier so ziemlich auf dem Mond.


    ===============


    Welzin, 11.12.46

    Mein Jung!

    Immer wieder nehme ich Deinen Brief in die Hand und lese ihn, es ist mir wie ein Wunder, daß ich wieder ein Lebenszeichen von Dir habe und es Dir nicht ganz so schlecht gegangen ist wie Papa und mir. Etwas weh getan hat es mir doch, daß Du nun schon ein Mädel hast, Du bist doch noch so jung und das Leben liegt erst vor Dir und wenn Du erst gebunden bist, dann hast Du Pflichten und es ist alles ganz anders. Frau Mittelhausen (die Hamburgerin) und ich haben uns so oft über das Thema unterhalten und ich war so sicher und sagte immer, das glaube ich nicht, daß mein Jung schon ein Mädel hat und Frau Rumpner sagte, was wollen sie machen wenn er verheiratet ist. Ich sagte, machen kann ich nichts, aber er ist noch so jung, ich wäre dann aber sehr unglücklich darüber. Auch habe ich gehofft Du würdest uns helfen uns wieder ein kleines Heim zu schaffen, nun ist das schon anders, Du mußt jetzt für Dich schaffen und Papa und ich müssen nun für uns alleine sorgen und heute sind wir nicht mehr so, wie vor 22 Jahren, aber wenn wir beide etwas arbeiten, werden wir uns doch wohl wieder ein kleines Heim schaffen. Onkel August schrieb mir neulich, sie hätten schon Möbel, 2 Betten, 1 Kleiderschrank, 1 Tisch und Stühle und einen Küchentisch und Herd. Da schrieb ich ihm auch, ich beneide ihn darum. Hier gibt es von Möbeln nichts, sonst hätte ich mir wenigstens ein Bett und Schrank und Tisch gekauft. Wenn die Radioapparate Dir gehören dann schenk bitte Papa einen, denn wir möchten doch gerne wieder einen haben. Hier haben wir nicht mal elektrisches Licht. Unsere Bahnstation heißt Passow und ist ungefähr 20 Minuten entfernt. Die nächste kleine Stadt ist Lübz, dort ist auch die Post. die 3 Mal in der Woche hierher kommt, alles sehr umständlich. Nun haben wir bald Weihnachten, wie gerne wären wir mit Dir zusammen. Am 10.11. waren es 2 Jahre, daß wir Dich zum letzten Mal gesehen haben, am 13. hatte ich Geburtstag und am 19. das erste Lebenszeichen von Dir. Ich denke so manchmal, wie soll ich Gott dafür danken, daß ich Papa und Dich gefunden habe. Die Bilder die Du mitgeschickt hast, gefallen uns sehr. Du siehst aus wie früher, am Bestej gefällt mir das Bild wo Du die Brille abgenommen hast. Auch das Mädel sieht nett aus. Wie heißt sie, ist sie evangelisch? Die Sudetendeutschen sind ja meist katholisch. Es wäre schade, denn eine Mischehe ist nicht gut und das Du katholisch wirst, das kann ich mir doch nicht denken! Nun mein Jung, will ich nichts mehr sagen. Es ist Schicksal und es kommt alles wie es soll. Jedem ist sein Lebensweg vorgeschrieben. Ich hätte ein Tagebuch führen sollen, dann hätte ich Dir das nun geschickt und ich hätte nicht so viel schreiben brauchen, denn ich könnte noch so viel schreiben, aber wir erzählen uns das alles wenn wir uns wiedersehen.

    Nun mein Herzensjung, tausend innige Grüße und Küsse zum Neuen Jahr und zum Geburtstag und daß Dir das neue Jahr nur Gutes und viel Glück bringt, das wünschen
    Dir Dein Papelchen und Muttelchen

    Deinem Mädel auch herzliche Glückwünsche zum Neuen Jahr und viele Grüße.

    Hoffentlich bekommst Du für uns Zuzugsgenehmigung, wie würden wir uns freuen. Wir würden zum Frühjahr auch so kommen. Nun komme ich mit einer Bitte. Kannst Du uns etwas Togal besorgen, hier gibt es nichts. Nähnadeln, Stecknadeln, Maschinennadeln (Singer Flachkolben), dicke und dünne. Du weißt ja ungefähr. Gibt es Zigarettenblättchen? Dann bitte für Papa welche. Schick dann bitte ein Päckchen, es gehen ja bis zum Pfund. Auf alle Fälle sieh zu ob du Togal bekommst, denn Papa und ich haben Rheuma, alles Nachwirkungen vom vielen draußen liegen.


    ===============


    Welzin, den 11.12.46

    Mein lieber Jung!

    Nun hab ich Dir schon 3 Briefe geschrieben und hoffe doch, dass Du die ersten beiden schon bekommen hast. Heute will ich Dir mal einen Brief schreiben wo es schön der Reihe nach geht. Ich bin beim Schreiben immer so aufgeregt und dann geht alles durcheinander. Ich möchte Dir doch möglichst alles schreiben und wenn ich dann fertig bin, hab ich das meiste vergessen. Also am 27.3.45 kam der Russe auf unser Ende. Wie das alles so gewesen ist, erzähle ich Dir mal wenn wir zusammen sind. Am 31.3. brannte unser Haus ab, der Russe steckte jeden Tag 3-4 Häuser an bis am 31. die letzten abbrannten. Ich war bei Frau Rumpner. 14 Tage waren wir dann noch dort im Keller, bis wir uns endlich rauftrauten. In der Wohnung hatten wir aber auch Tag und Nacht keine Ruhe, die Türen durften nicht abgeschlossen werden. Dann mussten wir Frauen alle zur Arbeit auf den Holm. Unter Bewachung wurden wir morgens um 6 Uhr geholt und abends wieder zurück gebracht (wie früher die Judenfrauen bei uns). Da haben wir im Getreide arbeiten müssen. Ich wurde dann krank, ganz geschwollene Füße, sogar das Gesicht. Ein deutscher Arzt der an der Christuskirche wohnte behandelte die Deutschen kostenlos, denn polnisches Geld hatte doch keiner und deutsches nahm keiner. Ich wusste in der ganzen Zeit von keinem Menschen etwas, ich fragte auch fremde Leute nach Oma, aber keiner wusste etwas. Eines Tages kamen Frauen an das Lager auf der neuen K., da waren Soldaten drin, auch Danziger. Die Frauen waren vom Troyl, die fragte ich nun nach Oma, aber die kannten sie nicht, da fragte ich nach Tante Lina und da sagten sie mir, die wäre mit ihrem Mann und Tochter noch mit den letzten Soldaten mitgegangen, aber die Mutter von Frau Peters wäre noch da.

    Das war am Mittwoch vor Pfingsten, am Donnerstag nahm ich mir Astrid und machte mich auf den Weg zur Oma, ich konnte noch nicht richtig gehen, aber ich hatte keine Ruhe. Der Weg durch die tote zerstörte Stadt war grauenvoll. Die Freude als ich zu Oma kam kannst Du Dir denken, wir haben beide geweint. Am Sonnabend kam Oma dann zu mir, es war ja schwer für sie der weite Weg , aber Oma tat ja keiner was und wenn ich alleine gegangen wäre, dann hätten mich die Russen oder Polen mitgenommen. So kam Oma dann öfter zu mir und holte sich dann auch etwas zu essen, denn wir holten uns ja Getreide vom Holm und haben uns Brot gebacken, denn es gab ja für uns Deutsche nichts. Ich besuchte dann Oma wieder mal und Helgard, Astrid und Evi waren mit.

    Auf einmal kommt ein Pole und nimmt Helgard und mich mit zur Arbeit im Kaiserhafen bei der Bahn die kaputten Schienen ausschrauben. Oma weinte sehr und hat sich sehr aufgeregt, weil der Pole mich noch mit dem Gewehr schlug. Dann kamen wir von der Arbeit und mussten dann gleich das Stück wieder nach Schellmühl wandern. Ich war wie tot (das war an einem Donnerstag). Am Montag ging ich dann wieder zu Oma und da war sie krank. Ich ging dann öfter hin und besorgte sie, aber Oma stand nicht mehr auf (14 Tage, auch am Donnerstag) starb sie dann, 5.7.45. Ein Mann auf dem Troyl machte mir noch einen Sarg und am 6.7. hab ich sie dann auf dem Barbarafriedhof beerdigt. Helgard und ich haben das Grab geschaufelt und Tante Grete Preuß die ich zufällig beim Impfen in der Klinik getroffen hatte, hat noch ein bischen geholfen.

    Ja, mein Jung, wir haben alles Mögliche machen müssen, überall lagen die Toten rum, in Gärten und an den Straßen überall waren Gräber. Dann kamen Polen auch in Frau Rumpners Wohnung und wir mussten nun raus. Wir fuhren dann am 24.8.45 mit einem Transport raus. Was wir noch schleppen konnten, nahmen wir mit. Von Papa und Deinen Sachen hatte ich nichts, nur Deine Trainingshose und Strümpfe für Dich und Papa, die ich noch in unserem Keller fand. Von mir hab ich 3 Kleider, meinen Wintermantel und etwas Wäsche, ein Kopfkissen, 1 Bett und 3 Decken und dann noch etwas Bettwäsche. Wenn ich das alles hätte tragen sollen, dann hätte ich wohl nichts gehabt, denn die Hauptsache war ja das Essen für die Fahrt. Strümpfe habe ich für mich so gut wie gar keine, alles geklaut. Am 1.9.45 landeten wir dann hier, abends um 1/2 10 in Welzin. Ich kam zu einem Bauern, da war es zum Gotterbarmen (es war an einem Sonnabend). Am Sonntagfrüh holte mich Frau Rumpner zu ihrem Bauern, da war es schon besser. Ich bekam ein Zimmer mit einer alten Dame aus Hamburg zusammen. Wir haben uns gleich sehr gut verstanden (bis heute noch). Die Dame ist eine sehr gute Bekannte von unserem Bauern und ist schon seit 43 hier. Das Zimmer war sehr, sehr schön, ein ganz modernes Schlafzimmer.

    Nun ging dann alles seinen Gang. Wir halfen in der Wirtschaft mit und bekamen unser Mittag- und Abendbrot und was es auf Karten gab, das kauften wir uns. Es gab aber nur Brot. Frau Rumpner und ihre Schwester gingen dann auch mit aufs Feld, aber ich ging nicht, denn das konnte ich ja doch nicht schaffen. Es war auch im Hause manches mal viel und schwer zu arbeiten und wenn ich dann in der Wirtschaft fertig war, dann ging ich nach oben und strickte. Bezahlt bekamen wir aber nicht, nur das Essen. Weihnachten kam dann und ich war immer noch alleine, wusste nichts von Papa und Dir. Ich wollte manchmal schon verzagen. Dann fing ich an, auch für andere Leute zu stricken um mir doch etwas Geld zu verdienen und es ging ganz gut. Meine Kundschaft zahlte gut und etwas Wurst und Eier und Speck brachte es auch noch ein. Meine Pullover und Jacken waren aber auch wirklich beinahe Kunstwerke. Für einen bekam ich mal 50 Mark und 1 Pfund Butter, ist doch allerhand. An alle Suchstellen die ich nur hörte, schrieb ich, aber von Euch Beiden war nichts zu hören. Dann fiel mir mit einem Mal mein Vetter in Berlin-Johannisthal ein und ich schrieb an den. Dachte, Papa hätte sich dort gemeldet, aber auch nichts. Am 31.5.46 fuhr ich dann selbst nach Berlin und war 4 Wochen da. Es war wirklich schön. Als ich dann wieder in Welzin war, strickte ich wieder weiter. Viel hab ich für eine junge Frau gestrickt, die die schriftlichen Arbeiten für den Bürgermeister macht (es ist die Tochter des früheren Bürgermeisters, der gestorben ist). Da gehe ich auch öfters hin. Am 18. Juli bin ich auch wieder da und wir hatten uns schon eine ganze Zeit unterhalten. Auf einmal klingelt das Telefon und es heißt von Lübz kommen mehrere Telegramme. Ich wollte nun gehen und die junge Frau sagte, bleiben Sie doch noch hier und ich sag darauf, vielleicht ist auch ein Telegramm für mich bei und setz mich wieder hin. Auf einmal kommt durch "Onkel Theo bei Bremen, Gruß Lieselotte Peters". Na, Du kannst Dir Deine Mutter vorstellen, ich raus und geweint, konnte überhaupt kein Wort sprechen. Und 8 Tage später hatte ich Papas Adresse und am 19.9. kam er dann selber her. Im ersten Brief schickte Papa mir dann auch gleich 250 Mark mit, weil er dachte, dass ich das nötig brauche. Geld auf Postanweisung in die russische Zone aus der englischen oder amerikanischen geht nicht.

    Papa und ich haben nun ein Zimmer für uns allein, aber ich möchte doch zu gerne wieder ein eigenes Heim haben und wenn es noch so klein wäre. Immer hoffen, der liebe Gott wird uns schon weiter helfen. Unser Essen bekommen wir nun immer noch von unserem Bauern und die Leute sind auch wirklich sehr nett zu uns, aber trotzdem möchten wir doch rüber, denn hier bekommst Du gar nichts. Seit dem 20. November haben wir noch nicht ein Krümchen Fett bekommen und ob es noch zu Weihnachten etwas gibt, ist fraglich.

    Mein Jung, ich könnte schreiben und schreiben, es würde ein Buch werden und man hätte immer noch etwas vergessen. Wir haben uns alle 3 ganz gut durchgeschlagen und hoffentlich bringt das neue Jahr uns ein gesundes Wiedersehen mit Dir und dass wir noch einige glückliche Jahre zusammen verleben können.

    Viele, viele herzliche Grüße und Küsse Dir mein lieber Jung von
    Deinem Papelchen und Muttelchen.

    Auch Deinem Mädel herzliche Grüße.
    -----
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  2. #2
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    Standard Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Hallo Wolfgang,
    ich habe die Briefe deiner Großmutter gelesen, sie wohnte bei uns, Familie Rumpner, im Schellmühler Wiesendamm.

    Meine Mutter, Martha ist mit 91 Jahren verstorben, auch meine Schwester Evelyn verstarb in Welzin mit 5 Jahren.

    Inzwischen bin ich 82 Jahre alt und wohne mit meiner Familie in Mecklenburg. Meine Schwester Astrid ist 73 jahre alt.

    Schöne Grüße von Helgard aus Danzig Schellmühl

  3. #3
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Schönen guten Nachmittag,
    hallo Helgard,

    als ich Deinen Beitrag las, war ich elektrisiert. Sofort erinnerte ich mich daran, wenn meine Oma über die Familie Rumpner sprach.

    Ich war der Lieblings-Enkel meiner Oma, hielt mich häufig bei ihr auf und sie ist es, der ich zu verdanken habe, dass Danzig in mein Herz verpflanzt wurde. Es geschah langsam, unmerklich, und im Rückblick vermute ich, dass meine Großeltern nie dort richtig "ankamen" wohin sie letztendlich ihre Flucht führte. Mein Vater, ihr Sohn, holte sie von Welzin nach Bayern, nach Dachau, und wenn ich bei ihnen war und wir nicht über die kleinen alltäglichen Dinge sprachen, dann erzählte sie mir von Danzig. Leise, mit einem leicht singenden Tonfall, wehmütig, sprach sie über ihren Siegfried (meinen Vater), ihr "Schafchen" (meinen Opa), und immer sprach sie über Danzig. Als sie starb war ich gerade 13 Jahre alt geworden. Es dauerte weitere 30 Jahre bis ich Danzig fand und noch einmal 10 weitere Jahre bis ich dort endgültig ankam.

    Dein Beitrag berührt mich zutiefst, denn ich glaube, dass Du die Einzige bist, die sich außerhalb meiner Familie noch an sie erinnern kann. Und meine Oma sprach oft über die Familie Rumpner. Leider besitze ich keine Briefe Deiner Mutter die sie an meine Oma nach ihrer Flucht nach Bayern schrieb. Aber ich habe zwei Briefe Deiner Mutter aus dem Jahr 1968, die sie an meinen Opa schrieb, zwei Jahre nachdem meine Oma gestorben war. Ich werde sie gleich einscannen und Dir an Deine Email-Adresse schicken.

    Kanntest Du auch meinen Vater?

    Ganz liebe und herzliche Grüße
    Wolfgang
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  4. #4
    Forum-Teilnehmer Avatar von Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Hallo Helgard / Wolfgang
    Habe einen Felix Rumpner in dieser Straße gefunden.....
    Viele Grüße
    Hans-Jörg
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  5. #5
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Schönen guten Nachmittag,
    hallo Helgard,

    ich habe gerade noch vier alte Fotos gefunden auf denen meine Oma und Deine Mutter am Strand auf der Westerplatte zu sehen sind. Sie wurden ca. 1941/43 aufgenommen. Auf einem der Fotos ist auch ein kleines Mädchen zu sehen - möglicherweise Deine Schwester Astrid. Auch diese Fotos werde ich kopieren.
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  6. #6
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Schönen guten Nachmittag,
    hallo Helgard,

    als ich die Briefe meiner Oma noch einmal las, fand ich in ihrem Brief vom 11.12.46 eine Aussage die mich ganz nervös macht. Dort heißt es: "Am Montag ging ich dann wieder zu Oma und da war sie krank. Ich ging dann öfter hin und besorgte sie, aber Oma stand nicht mehr auf (14 Tage, auch am Donnerstag) starb sie dann, 5.7.45. Ein Mann auf dem Troyl machte mir noch einen Sarg und am 6.7. hab ich sie dann auf dem Barbarafriedhof beerdigt. Helgard und ich haben das Grab geschaufelt und Tante Grete Preuß die ich zufällig beim Impfen in der Klinik getroffen hatte, hat noch ein bischen geholfen."

    Ich nehme an, dass Du die von meiner Oma erwähnte "Helgard" bist und dass Du somit geholfen hast, meine Uroma beizusetzen. Ich war vor Kurzem, am 08. April, hinter der St.Barbara-Kirche und suchte den kleinsten Anhaltspunkt für die früheren Gräber. Ich suchte einen kleinen Hinweis wo und in welcher Richtung evtl. das Grab meiner Uroma Emma Trosin, geb. Wolfram gelegen haben könnte. Ich fand nichts vom Friedhof. Absolut nichts. Aber ich machte zwei Fotos hinter der Kirche. Kannst Du Dich evtl. an einen Anhaltspunkt erinnern wo Ihr sie beerdigt habt? Ich füge diese beiden Fotos bei.

    Weißt Du evtl. wer "Tante Grete Preuß" ist?

    Kennst Du evtl. auch Rudi Tietzmann, der heute in Kanada lebt? Er ist ein Neffe meiner Oma (ein Enkel der von Dir beerdigten Emma Trosin).

    Ich sehe, es gibt viel zu erzählen...

    Herzliche Grüße nach Mecklenburg
    Wolfgang
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  7. #7
    Forum-Teilnehmer Avatar von Rahmenbauer14
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Hallo Wolfgang, mein Opa ist auch auf dem St.-Barbara-Friedhof beerdigt worden. Dieser Friedhof befindet sich in Nowe Ogrody.
    Wenn Du vom Zentrum kommend von der Kartuska rechts in die Gen. J. Bema (früher Steubenstr.) einbiegst, liegt linker Hand ein Park.
    Dieses war der St.-Barbara-Friedhof. Er hat auch den obligatorischen Gedenkstein. Anzusehen auch in meinem Album. Habe dort auch nichts mehr finden können.
    Ein sonniges Wochenende wünscht
    Rainer

  8. #8
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Schönen guten Nachmittag,
    hallo Helgard,

    auch das Rätsel um "Tante Grete Preuß" ist gelöst. Es handelt sich um die Taufpatin von Rudi Tietzmann. Deren Mann Oskar war Arbeitskollege seines Vaters Ludwig Tietzmann und Taufpate seiner Schwester Doris. Oskar und Grete Preuß hatten einen Sohn namens Siegfried, der am 07.01.1926 im Storchenhaus geboren wurde (mein Vater Siegfried wurde dort am 02.01.26 geboren). Die Frauen trafen sich mit großer Wahrscheinlichkeit in der Frauenklinik und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass "Tante Grete Preuß" (wie meine Oma sie meinem Vater gegenüber bezeichnete) auch Taufpatin meines Vaters war.

    Diese Informationen erhielt ich gerade von Rudi Tietzmann aus Vancouver/Kanada mit dem ich soeben telefonierte.
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  9. #9
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Schönen guten Nachmittag,
    hallo Rainer,

    ohhh, Du bringst mich zum Grübeln... - als meine Oma den Barbarafriedhof erwähnte, dachte ich zuerst an den Friedhof der sich rechts entlang der St.-Barbara-Gasse hinwegzog. Sie wohnte im Troyl, in der Röttgerstr.1 und dort verhalf meiner Oma auch jemand zu einem Sarg. Von dort aus ist der nächste Friedhof der in der St.-Barbara-Gasse.

    Ich denke, Helgard wird dazu beitragen können, Licht in das Dunkel zu bringen.
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  10. #10
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Schönen guten Abend,
    hallo Hans-Jörg,

    heute Nachmittag telefonierte ich lange und sehr, sehr nett mit Helgard. Worüber wir uns unterhielten ist nicht mehr Thema für unser Forum. Eins trotzdem: Es wird sich nicht mehr klären lassen, wo meine Uroma beerdigt wurde. Meine Oma war mit der Familie Rumpner befreundet und es war ein sehr bewegendes Gespräch in dem ich einige Details erfuhr.

    Ich warne immer wieder davor zu viel Privates im Internet bekannt zu geben. Trotzdem kann es sinnvoll sein, bestimmte (historische) Eckdaten über die Familie zu veröffentlichen. In den letzten Jahren wurden über das Internet mehrere verschiedene Familienzweige auf mich aufmerksam und so trafen wir aufeinander obwohl jeder Familienzweig über den anderen glaubte, er hätte den Krieg nicht überstanden.

    Es bedarf einer gewissen Ausdauer und wer glaubt er käme weiter, wenn er unter anonymen Pseudonym sagt, er suche "Hugo Meier aus Danzig", wird er in der Regel auf dem Holzweg sein. Wer ernsthaft sucht, darf sich selber nicht verstecken.

    Helgard, danke für das nette Gespräch, danke auch an Deine Tochter, die Dir im Internet behilflich war.

    Herzliche Grüße
    Wolfgang
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  11. #11
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Hallo Hans-Joerg,

    Danke für die Nachricht, du hast meine Erinnerungen aufgefrischt, die Namen einiger Hausbewohner waren mir schon entfallen.

    Nochmls Danke und viele Grüße, Helgard

  12. #12
    Forum-Teilnehmer Avatar von Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Hallo Helgard
    Gern geschehen.
    Hier noch ein anderer Rumpner ( Leo). Die unterschiedlichen Adressangaben bei Felix sind ab und zu eine Eigenart von diesen Einwohnerbüchern. Aber der Paul- Beneke - Weg ist ja in der Nähe ?!
    Viele Grüße
    Hans-Jörg
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  13. #13
    Forum-Teilnehmer Avatar von MueGlo
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Moin,

    "Der Mensch lebt, so lange man sich seiner erinnert!"
    Afrikanisches Sprichwort.

    Beste Grüße aus Dakar,

    Rainer MueGlo

  14. #14
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Schönen guten Morgen,

    ich habe einen Danziger Ausweis, eine Kennkarte, meiner Oma abfotografiert. Auf der Rückseite steht ein russischer Vermerk den ich nicht verstehe. Kann das vielleicht jemand von Euch lesen und übersetzen?

    Viele Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
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  15. #15
    Forum-Teilnehmer Avatar von stazki
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Nr. 3673
    Naujuks
    registriert in 6. Kommandatur
    B/R [dies sind Abkürzungen, welche sich wohl auf die Einheit beziehen]
    am 11.04.45 in [hier steht der Ort auf russisch, schwer zu entziffern. Vielleicht weisst Du, wo sich Deine Oma zu diesem Zeitpunkt aufgehalten hat].
    Der untere Eintrag ist wohl vom ponischen VI. Kommandatura M.O. (=Milicja Obywatelska) vorgenommen worden.

  16. #16
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Themenstarter

    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Schönen guten Nachmittag,
    hallo Heinz,

    danke für Deine Übersetzung. Im April 45 befand sich meine Oma laut eines von ihr geschriebenen Briefes vom 11.12.46 (Beitrag #1) noch in Danzig.

    Soweit ich weiß (bitte korrigiert mich falls ich falsch liegen sollte) mussten sich alle nach der Besetzung in Danzig aufhaltenden Deutschen registrieren lassen. Ist dieser Vermerk also eine Bestätigung, dass meine Oma registriert war und sich legal in Danzig aufhielt?

    Viele Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
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  17. #17
    Forum-Teilnehmer
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    Standard AW: Erlebnisse meiner Großmutter Gertrud Naujocks, geb. Trosin

    Hallo Wolfgang ,
    stazki hat Dir bereits die Übersetzung mitgeteilt , von mir nur noch eine kleine Ergänzung . Hinter dem Datum 11.04.1945 lese ich den Namen/die Unterschrift des Registrierenden : Petraschkin .
    Auch wir - meine Mutter und ich - mußten uns kurz nach der Besetzung Danzigs wie alle Deutschen bei einer der sowjetischen Kommandanturen registrieren lassen . Nachdem wir Heubude unmittelbar nach der Besetzung am 01.04.1945 in Richtung Danzig verlassen mußten , wurden wir damals in Danzig ( wir lagerten 3 Tage auf dem Karrenwall ) von den Sowjetsoldaten aufgefordert , den Platz zu verlassen und eine Registrierung in einer Kommandantur ( auf dem Holzmarkt ) vornehmen zu lassen . Dort erhielten wir einen " Propusk " , einen Passierschein , und nur mit Vorzeigen eines solchen konnten wir über die notdürftig instand gesetzte Breitenbachbrücke ( Übergang über die Tote Weichsel ) in Richtung Heubude überqueren .
    Damals wurden - immerhin fanden nur wenige Kilometer östlich von Heubude noch Kämpfe statt - bei Kontrollen Deutsche ohne Passierschein häufig festgehalten .
    Beste Grüße Rudi

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