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Thema: Lager Rothof bei Saspe 1945

  1. #1
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    Standard Lager Rothof bei Saspe 1945

    • Worüber kaum jemand spricht.
    Gerhard Jeske (Hamburg) Interview Mit Klaus M., Bielefeld ,
    Angestellter in der UNI-Bielefeld, vormals Schiffsspeditons-Lehrling in Danzig
    Auszug
    Klaus M. wurde bis nach Graudens verschleppt,dort aber mit anderen Jugendlichen entlassen Der Auszug beschreibt seine Ankunft im zerstörten Danzig.
    Klaus M :
    Wir sind am hellen Tag durch die zerstörte Stadt gegangen. Hinter Schellmühl schnappte uns die polnische Miliz,die schleppten uns ins Lager Rothof bei Saspe. Mit "Hallo!" wurden wir von einer Gruppe Frauen empfangen. Diese Frauen hatten im Lager das Kommando. Die Weiber stellten uns mitten in einen Raum und zogen uns nackt aus." „Schwanzparade" nannten sie das. Sie wollten sehen, ob wir keinen Tripper hatten Weil bei uns alles gesund war, mussten wir in den Kojen der Frauen schlafen. Wenn Russen oder Polen kamen, um sich Frauen zuholen, krochen sie schnell ins Bett und wer liebt das nicht. Ein Kamerad erkrankte am Tripper. Die polnischen Bewacher haben die Mädchen regelrecht vermietet. Sie hatten in der Nähe, in einem unbeschädigten Haus ein Puff eingerichtet. Wir machten da mit, natürlich mit Zustimmung der Mädchen. Da war so ein junger Pole, der gierte hinter deutschen Fräuleins hinterher. Dem vermittelten wir etliche Bekanntschaften. Dafür erhielten wir Lebensmittel. Brot holten wir ab von der Bäckerei Portricus, der Bäcker buk auch für das Lager. Einem jungen Posten versprach ich Sprit, wenn er einen Zettel von mir nach Neufahrwasser zu meiner Mutter bringen würde. Das klappte auch. Er brachte den Zettel hin, und meine Mutter holte aus einem Versteck eine Flasche mit Sprit hervor. So erfuhr meine Mutter, dass ich wieder in ihrer Nähe war und nicht in Sibirien. Nach dem achten Mai kapitulierten die deutschen Truppen auf der Halbinsel Hela, die Soldaten marschierten noch an uns vorbei.
    In Neufahrwasser gab es eine schwedische Kirche. Der Küster holte uns. ab zur Arbeit. Die Polen schickten aber Posten mit. Dort haben wir den Garten umgegraben, Trümmer beseitigt und aufgeräumt. Eines Tages hingen überall polnische Fahnen aus den Fenstern heraus. Ein Kumpel wunderte sich, über den Spaten hinweg fragte er, woher plötzlich die Leute so viel roten und weißen Stoff herbekommen hatten. Das hörte ein Posten, der ging zu polnischen Kommandantur und zeigte den Jungen an. Der wurde abgeführt und in der Kommandantur zusammengeschlagen. Seine Mutter holte ihren Sohn in einer Karre ab und fuhr ihn damit nach Haus .
    Ich nutzte die Gelegenheit und schlich mich von der schwedischen Kirche fort und versteckte mich in Trümmern und in den weiten Kellern der Schule.

  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von Bartels
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    Standard AW: Lager Rothof bei Saspe 1945

    Hallo,

    "woher plötzlich die Leute so viel roten und weißen Stoff herbekommen hatten."

    Nach der Endniederlage kam der Rotkäppchen-Look auf: Den roten, weissen und etwas schwarzen Stoff lieferten Hakenkreuz-Fahnen die umgearbeitet wurden ...
    Beste Grüsse
    Rudolf H. Böttcher

    Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
    Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
    Familie Zoll, Bohnsack;
    Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
    Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

    http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

  3. #3
    Forum-Teilnehmer
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    Standard AW: Lager Rothof bei Saspe 1945

    Das hat sogar eine Vorgeschichte:

    Bei den 1914/8 reichlich vorhandenen Flaggen des Kaiserreichs ("Schwarz-Weiß-Rot") brauchte man nur den schwarzen Streifen entfernen und schon hatte man eine polnische Flagge.
    Beim Posener Aufstand von 1918 wurde das jedenfalls so gemacht.

    SC

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