Hallo miteinander,

und hier mein letzter OCR-Scantest aus dem Danziger Heimatkalender von 1930.

Der »Schwedenhof« in Zoppot (Von Louis Schwalm)
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Bald 650 Jahre sind seit der ersten geschichtlichen Erwähnung Zoppots verstrichen. Der durchaus ländliche Charakter des Ortes in Verbindung mit seiner mehrfachen vollständigen Zerstörung in den kriegerischen Zeitläufen machen es jedoch erklärlich, daß kein älteres Bauwerk als Zeuge einer früheren Zeit auf uns gekommen ist. Wohl kennt der heutige Zoppoter noch einige Häuser unter Bezeichnungen, die auf lange zurückliegende Jahre weisen, es handelt sich aber in all diesen Fällen um Wohnsitze, die viel später an Stelle alter untergegangener Herrensitze errichtet worden sind. Im Vordergrunde dieser alten Überlieferungen steht ein stattliches am Markt gelegenes Haus, das noch heute weithin sichtbar den Namen »Schwedenhof« trägt. Manche Mythe knüpft sich hieran, die vor der strengen Geschichtsforschung nicht standhält. Es soll die Aufgabe folgender Zeilen sein, der Vergangenheit dieses Herrensitzes, des alten »Zoppoter Hofes Nr. 11« nachzugehen.

Geschichtlich erwähnt wird er zuerst im Jahre 1550, er gehörte damals einer Danziger Familie Rohland. Wenige Jahre darauf wird als Besitzer Hans Kluren genannt, dessen Familiennamen schon 1556 in Danzig nachweisbar ist. Aber noch im selben Jahre übernimmt ein Schwiegersohn von ihm, Albrecht Giese, den Besitz. Die Gieses waren eine alte Danziger Patrizierfamilie. Albrecht Giese galt als ein Freund Polens, in seinen späteren Lebensjahren finden wir ihn als Gesandten seiner Vaterstadt Danzig in Dänemark. Schon damals war der »Schwedenhof« ein stattlicher Besitz. Zirka 45 Hektar (3 Hufen) groß dehnte er sich in der Hauptsache von der heutigen Seestraße bis nahe an die jetzige Frantziusstraße aus, dort vom Herrensitz Karlikau begrenzt.

Bald nach 1600 ging unser Hof in den Besitz der Danziger Großbürgerfamilie Graurock über. Diese Familie hatten ihn bis 1654 in Händen, dann erwarb ihn der Danziger Patrizier Borkmann. Es mögen die schwierigen Kriegsverhältnisse dieser Jahre, die auch für Zoppot sehr unruhige Zeiten mit sich brachten, wohl Anlaß zu dem Verkauf gewesen sein.

Der 1655 zwischen Schweden und Polen geschlossene Waffenstillstand führte nicht, wie allgemein gehofft wurde, zum baldigen Frieden. Schon im Herbft eröffnete Schweden wieder die Feindseligkeit dadurch, daß es eine stattliche Flotte auf der Danziger Reede erscheinen ließ. Da Danzig sich weigerte, die gewünschte Neutralitätserklärung abzugeben, ließ Schweden seine Truppen landen, und für die an der Bucht gelegenen Orte, in erster Linie Zoppot und Oliva, brach nun eine furchtbare Zeit an. Jahrelange Durchzüge und Plünderungen sowohl seitens der Schweden wie auch der Polen brachten die Bewohner an den Rand der Verzweiflung. Bis zum Sommer 1659 dauerte diese furchtbare Zeit trotz vielfacher Friedenbemühungen. Endlich, in der Nacht vom 2. zum 3. Mai 1660 kam es in Oliva zum Friedensschluß. In Zoppot sah es traurig aus, mehrere seiner Höfe lagen vollständig wüst, und auch die Besitzer der übrigen Hofstellen hatten den größten Teil ihres Wohlstandes verloren.

Während der monatelangen Verhandlungen in Oliva war das Kloster im dreimeiligen Umkreise zur Friedenszone erklärt worden, und da es selbst für die vielen Unterhändler und deren Gefolge zu wenig Raum bot, so nahm ein großer Teil von ihnen in der Umgebung Quartier. Die schwedische, besonders zahlreiche Gesandtschaft (mit Bedinung fast 200 Köpfe) wählte Zoppot, wo sie am 29. Januar 1660 ihren feierlichen Einzug hielt.

Der erste schwedische Gesandte war der Graf de la Gardie. Von ihm heißt es bei den alten Chronisten, er hätte in einem ansehnlichen Landhaus mit schöner Aussicht auf die See gewohnt . . . . . . Und bei weiterer Bezugnahme hierauf wird regelmäßig betont, dieses Landhaus wäre der Hof an der Ecke der Bergstraße und der alten Landstraße nach Pommern gewesen. Erst seit ungefähr 100 Jahren wird ohne jeden triftigen Grund angenommen, daß der noch jetzt sogenannte Schwedenhof (an der Erlöserkirche) der Wohnsitz von de la Gardie gewesen sei. Meines Erachtens liegt hierfür kein Grund vor, nachweislich hat dieser Hof lange Zeit, jedenfalls schon im 18. Jahrhundert den Namen »französischer Hof« getragen; daß hierzu eine gewisse Berechtigung vorhanden war, wird sich im weiteren zeigen. Niemand hat aber bis weit ins 19. Jahrhundert daran gedacht, dem Hofe die Bezeichnung »Schwedenhof« beizulegen. Erst seit 1850 wird dieser Name vereinzelt angewandt und, als einer der letzten Besitzer, der Konsul Jorck aus Danzig, der grundlosen Bezeichnung Rechnung tragend, an dem Hause mit großen vergoldeten Buchstaben noch den Namen »Schwedenhof« anbringen ließ, war dies für die Bevölkerung ausschlaggebend. Und doch boten die geschichtlichen Vorkommnisse hierfür keinen Anhalt! Die folgenden Ausführungen sollen versuchen, auch aus den örtlichen Verhältnissen den Beweis zu erbringen, daß der heutige Schwedenhof nicht die Residenz des schwedischen Gesandten gewesen sein kann.

Wenn es in den älteren Berichten heißt, daß der Wohnsitz de la Gardies einen umfangreichen Park besaß, der von der Straße zu übersehen war, so kann dies nicht auf den heutigen Schwedenhof gedeutet werden, dessen große Parkanlage sich hinter dem Hause über die Schwedenhofstraße hinaus bis in die Nähe des jetzigen Herbstschen Grundstückes hinzog. Auch lag dieser Hof nicht an einer der um 1660 vorhandenen wenigen Straßen. Ferner stimmen die alten Berichte darin überein, daß man von dem Hof eine prachtvolle Aussicht über die weite See hatte. Auch dies trifft nicht auf den jetzigen Schwedenhof zu, dem nach der Seeseite der vollständig bewaldete Abhang, dessen Reste noch vorhanden sind, vorlagerte. Dieser Waldstreifen kann wohl hübsche Durchblicke auf die damals aus Wiesen und Sumpfgelände bestehende heutige Unterstadt geboten haben, das Wohnhaus selbst war aber nach Osten und Südosten von dichtem Wald umgeben. Dagegen treffen der wundervolle, ausgedehnte Park und die prächtige Aussicht vom Landhaus auf die weite See auf den Hof Ecke Berg- und Pommersche Straße zu, dessen parkähnliche Anlagen sich die Pommerscher Straße entlang bis zum Taubenwasserweg hinzogen. Es darf auch nicht übersehen werden, daß damals die gegenüber liegende Seite der Pommerschen Straße fast ganz unbebaut und daher der Blick auf die weite See unbehindert war. Nur das uralte Gasthaus (jetzt Schmidi) stand auf dieser Seite.

Splett vertritt in seiner Schrift über »Zoppot in seinen Beziehungen zum Frieden von Oliva« die Ansicht, daß gerade die noch vor zirka 30 Jahren vorhanden gewesenen Wallgräben (Wall und trockene Gräben bestanden noch bis 1905) um den heutigen Schwedenhof darauf hinwiesen, daß Graf de la Gardie hier gewohnt habe. Die Ansicht dürfte aber irrig sein.

Wohl beanspruchten die Schweden vor Beginn der Friedensverhandlungen Verwahrung des Ortes mit Pallisaden; dies Verlangen wurde aber fallen gelassen, da Zoppot sich innerhalb der dreimeiligen Friedenszone befand. Auch wäre es nicht recht zu verstehen, daß nur der Hof des ersten Gesandten so versichert worden wäre, während die drei anderen Würdenträger in ihren Höfen ohne Schutz blieben. Eine andere Frage ist nun, wie man sich diese Umwallung erklären soll, die Lösung mag nahe genug sein. Einer der Besitzer des Hofes im 17. Jahrhundert (denn 1714 bestand die Wallanlage schon) dürfte durch die kriegerischen Verhältnisse veranlaßt, diesem der größeren Sicherheit wegen die an eine Burganlage erinnernde Umwallung gegeben haben.

Verfolgen wir nun das Schicksal unseres »Schwedenhofs« weiter. Der Friede zu Oliva war geschlossen, aber eine wirkliche Ruhe trat in Zoppot und Umgegend nicht ein. Die lange Zeitdauer der schwedisch-polnischen Kriege hatte eine böse Demoralisierung der Bevölkerung zur Folge gehabt. Die Verhältnisse spitzten sich fast zu einem Kleinkrieg zwischen der Danziger und der slavischen Bevölkerung zu. Erst gegen 1680 trat wieder größere Ruhe ein, bald aber kam die Gefahr von einer anderen Seite. König Johann Sobiesky von Polen starb 1696, und unter den vielen Bewerbern um die Krone war auch ein französischer Prinz Conti. Dieser erschien 1697 mit 6 französischen Fregatten auf der Zoppoter Reede, begab sich an Land und schlug in Hof 11 (unser »«Schwedenhof«) seine Residenz auf. Sein Aufenthalt war jedoch nur von kurzer Dauer, da eine Erreichung feines Zieles aussichtslos schien.

Einzelheiten über die Besitzverhältnisse des Hofes fehlen aus dieser Zeit fast ganz. Er blieb aber im Besitz der Familie Borkmann, der er auch noch 1714 gehörte. Damals war Besitzer Andreas Borkmann, der 1704 Danziger Bürgermeister und 1718 Burggraf war. 1722 starb er. Eine im Zoppoter Archiv aufbewahrte Karte von 1714 zeigt deutlich Umwallung und Graben des Hofes. Es ist demnach wohl mit Bestimmtheit anzunehmen, daß der Ursprung dieser Anlage auf die Familie Borkmann zurückzuführen ist.

Die erwähnte Karte enthält übrigens manche für die damalige Zeit interessanten Einzelheiten. So werden in dem angeführten Verzeichnis der Zoppoter Höfe Borkmann und noch ein anderer Besitzer »Ihre Herrlichkeit« genannt, während sich die übrigen Besitzer mit dem Titel »Herr« begnügen müssen.

Um die Jahrhundertwende entbrannte zwischen Polen und Schweden ein neuer Krieg, der unsere Gegend ganz besonders in Mitleidenschaft zog. Hin und her schwankte das Kriegsglück, aber welche von beiden Parteien auch gelegentlich Vorteile erreichte, geplündert und drangsaliert wurden die armen Bewohner immer.

Namentlich im Winter 1703 - 1704 war das Elend fürchterlich. Der schwiedische General Steenbock überzog mit einem gewaltigen Heer die Zoppoter und die Olivaer Gegend und nahm den Einwohnern fast das Letzte. Was wirklich noch blieb, raubten die nach seinem Abrücken herankommenden Polen. Dazu kam 1708 ein langer strenger Winter, und im Frühjahr darauf entstand eine pestartige Seuche, die fast die Hälfte der Bevölkerung dahin raffte. Endlich machte der Friede 1721 dem furchtbaren Elend ein Ende, aber nur wenige Jahre eines Aufatmens waren der armen Bevölkerung vergönnt. August Il. von Polen starb 1733, und ein böser Streit entstand um die Nachfolge. — Eine französische Partei stellte Stanislaus Leszynski, der von Rußland unterstützte aber den Sohn des Verstorbenen als August III. auf. Leszynski kam im Herbst nach dem auf seiner Seite stehenden Danzig, verlegte aber seinen Sitz nach Zoppot in den Borkmannschen Hof, der aus dieser Zeit im Volksmunde den Namen »Französischer Hof« erhielt.

In Zoppot entfaltete sich vorübergehend ein glänzendes Leben. Viele Mitglieder des polnischen Hochadels, die auf Leszynskis Seite standen, eilten hierher, um ihm zu huldigen. Aber bald änderte sich die Lage. Ein mächtiges russisch-polnisches Heer näherte sich Danzig, so daß er es vorzog, bei Beginn des Jahres 1734 unter den Mauern der Stadt Schutz zu suchen. Für ihn ein Glück, aber da die Polen erfahren hatten, daß L. sich in Zoppot aufhielt, so überfielen sie unseren Ort, um ihn abzufangen. Ihre Wut war grenzenlos, als sie sahen, daß er ihnen entwischt war. Das erste Ziel ihrer Zerstörung war der Borkmannsche Hof, er wurde dem Erdboden gleich gemacht. Aber auch die anderen Zoppoter Höfe traf ausnahmslos dasselbe Schicksal. Als die Truppen abzogen, war unser Ort ein Trümmerhaufen.

Die Folge war, daß der Sohn des Andreas Borkmann, Balentin, den Hof an einen gewissen Zehden verkaufte. Fast 20 Jahre war Zoppot fast verlassen, die Danziger Familien hatten die Lust verloren, ihre Besitzungen neu auszubauen, und nur wenige ärmliche Fischer fristeten mühsam ihr Leben. Der durch Jahrhunderte bestandene deutsche Charakter Zoppots war vorbei, es wurde ein ärmlicher kassubischer Ort.

Den größten Teil der wüsten Höfe, und zwar im ganzen 10, erwarb in den Jahren 1756 - 1763 der polnische Starost von Putzig, auch die wenigen von ihren Besitzern noch mühsam gehaltenen Anwesen gingen allmählich in polnische Hände über. So wurde Zoppot ein einfaches Dorf mit einem Großgrundbesitzer und wenigen mittleren Höfen. Die gesamte Bevölkerung dürfte um 1760 nicht über 200 Seelen betragen haben. Auch unser Hof 11 war in polnische Hände übergegangen, und zwar 1761 in den Besitz eines Hauptmanns v. Szawelski, 1782 besaß ihn ein v. Deptowski aus Brentau. Im genannten Jahr ging er dann durch den Kauf in die Hände eines Hauptmanns Burski für den Preis von 2 000 Talern über, um nach dessen Tode 1793 an Frau verw. Hofrätin Ficht und deren Sohn Josef zu gelangen. Der Sohn Ficht blieb nach dem Tode seiner Mutter alleiniger Besitzer des inzwischen auf 4 Hufen (60 Hektar) angewachsenen Gutes, verkaufte es aber 1807 an Anton Joseph Meyerhold aus Bromberg für 6 000 Taler.

Inzwischen hatte sich infolge der Besitzergreifung Westpreußens durch Friedrich II. das nationale Bild Zoppots wieder vollständig geändert. Um 1805 gab es nur noch ein Hofgrundstück und zwar den alten Krug an der Pommerschen Straße, das in polnischen Händen war.

Dem neuen Besitzer Meyerhold und besonders seiner ihn überlebenden Gattin haben die Zoppoter lange ein dankbares Andenken bewahrt. Meyerhold war der Stifter des sich auf der Anhöhe längs der heutigen Haffnerstraße bis zur jetzigen Frantziusstraße hinziehenden Wäldchens. Zwar war dieser Höhenstreifen in den zurückliegenden Zeiten meist bewaldet gewesen, wenn er auch während der Kriegsperioden oft genug abgeholzt und verwüstet sein mochte. Meyerhold ordnete die Bestände, füllte Waldlücken aus und legte hübsche Fußwege an, die zum lustwandeln einluden. Schöne Laubbäume bildeten den Bestand, durch den sich anmutige Pfade mit hübschen Durchblicken auf die See schlängelten. Durch die Mitte des Wäldchens ging eine tiefe Schlucht, durch die ein von den bewaldeten Höhen kommender Bach floß, der zeitweise ziemlich bedeutende Wassermassen mit sich führte. Über den Bach leitete eine hübsche Brücke, und am Ende der Schlucht befand sich eine Grotte, von der die Sage ging, daß sich an der Stelle vor langer Zeit eine schwermütige polnische Prinzessin aufgehalten habe, die den Namen Elisa führte (Waldbach, Schlucht und Grotte sind noch heute erhalten, sie liegen im Park des Herbstschen Grundstückes in der Schulstraße). Nach dieser Sage benannte der Volksmund das Wäldchen Elisenhain, während der Bach Elsenfluß hieß. Meyerhold besaß übrigens nicht nur diesen Hof sondern auch das Gut Karlikau. Nach M.’s Tode behielt seine Witwe die Besitzung auch weiter in Händen. Sie verschönte ganz im Sinne ihres verstorbenen Mannes das Lustwäldchen, so hieß es nun allgemein, immer mehr. Überall ließ sie Ruhesitze anbringen, ganz besonders beliebt war ein Ruhesitz am Anfang des Wäldchens (die heutige Ecke Haffner- und Seestraße) am Kirchberg. Hier stand eine uralte Linde, in deren Nähe sich eine kleine Mühlenanlage befand, die damals von den von oben kommenden Wassern getrieben wurde. Ein aus den Bergen kommender Bach speiste nämlich die den Hof umgebenden Gräben, von hier hatte er seinen Abfluß den Kirchberg herab und weiter an der Seestraße entlang zum Meere. Von dem erwähnten Ruhesitz hatte man einen prächtigen Ausblick über das Unterdorf auf die See.

Frau Meyerhold war nicht nur eine große Naturfreundin, sondern sie fand besondere Befriedigung darin, den Zoppotern gleichfalls den Genuß des Schönen zu ermöglichen. Ihr Entgegenkommen gegen Einwohner und Badegäste war so groß, daß sie noch über das Grab hinaus für sie forgte. In ihrem Testament fand man folgenden Satz: »Ich verpflichte meine Erben, zum Besten der Badeanstalt das sogenannte Lustwäldchen vorlängs des Bruches bis Karlikau zu konserviren und in Schonung zu erhalten«. Der Eintritt in das Wäldchen sollte für alle Zeiten frei fein. Die nachfolgenden Besitzer erfüllten den Wunsch getreulich, während der Sommermonate wurden Jahre hindurch hier sogar die Andachten der evangelischen Kirchengemeinde abgehalten, an einem Orte, wie er schöner für diesen Zweck kaum gedacht werden kann.

Meyerhold starb anfangs der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts-, seine Witwe 1832. Im freiwilligen Verkausstermin erwarb der Zollinspektor Wundsch aus Neufahrwasser die Besitzung für 6 700 Taler. Einige Jahre (1825) vorher trennte jedoch Frau Meyerhold den sogenannten Seeberg, das ist das rund 1 Morgen große Terrain, auf dem heute die Erlöserkirche steht, mit dem dazu gehörigen bis zur Haffnerstraße reichenden Bergabhang, von ihrer Besitzung ab und verkaufte ihn an den Oberzolleinnehmer Bahr.

Verfolgen wir die Geschicke dieses Seeberges weiter, so ist festzustellen, daß er 1873 von Joh. Erdmann für 2 500 Taler gekauft wurde. Eine Reihe von Jahren stand hier das Amtshaus des Ortes, dann aber baute die Gemeinde die inzwischen erworbene Villa des Staatsrats v. Fewson in der Schulstraße zum Rathaus aus und verkaufte Ende 1896 den Seeberg an die evangelische Kirchengemeinde zum Bau der Erlöserkirche. Wenden wir uns jetzt wieder dem Hauptgut zu, das nun den Namen Paulshof trägt! Bis in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wird dieser Name allgemein angewandt und findet sich auch während dieser ganzen Zeit in amtlichen Schriftstücken. Erst nach 1850 verschwindet er wieder, um erneut der Bezeichnung »Schwedenhof« Platz zu machen.

Zollinspektor Wundsch starb 1849, der Schwedenhof ging an seine Frau über, die ihn bis zu ihrem Tode 1862 besaß. Ihre Erben verkauften den Besitz im genannten Jahre an den Gutsbesitzer M. Kumm in Pelonken für 20 000 Taler. Kumm vergrößerte das Gut durch Zukäufe so, daß es1865 368 Morgen (zirka 90 Hektar) groß war. Dann aber kam der Rückgang, die Bodenspekulation setzte ein, und die Besitzung wurde durch den Verkauf von Parzellen immer kleiner.

1876 wird das inzwischen schon auf über die Hälfte (40 Hektar) verkleinerte Gut an von Schön und 1878 an Otto Jorck verkauft. Es hatte jetzt aber nur noch einen Umfang von 32 Morgen (8 Hektar). Auch Jorck verkaufte noch weitere Bauparzellen, so daß der Besitz 1886 nur noch 4 Morgen (1 Hektar) umfaßte. Diesen Rest kauften die Danziger Kaufleute Muscate und Damme im Jahre 1896, auch sie verkleinerten das Areal noch so, daß nur der heutige »Schwedenhof« mit dem ihn umgebenden Garten übrig blieb.

Damit sind wir am Ende unserer Betrachtung. Die später folgenden Besitzer des Grundstücks, Schwemmin und Draheim, gehören der Gegenwart an.

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Viele Grüße

Peter