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Thema: Oktober 1944: Ostpreußische Flüchtlinge verbreiten wilde Gerüchte

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Oktober 1944: Ostpreußische Flüchtlinge verbreiten wilde Gerüchte

    Schönen guten Abend,

    in einem Rundschreiben der NSDAP-Kreisleitung Tiegenhof vom 26.10.1944 wird auf ostpreußische Flüchtlinge aufmerksam gemacht, die "sehr oft wilde Gerüchte" verbreiten und dadurch eine "starke Beunruhigung" verursachen. Die Ortsgruppenleiter sollen energisch darüber wachen, dass keine Panik aufkommt.

    Es heißt dann wörtlich weiter: "Die Bevölkerung unseres Gaues kann sich voll und ganz auf unseren Gauleiter verlassen, der bei evtl. Gefahr das Nötige vorher rechtzeitig veranlassen und tun wird, damit kein Mensch aus unserem Gaugebiet auch nur im geringsten in irgendeine Gefahr kommt."

    Drei Monate später sah alles anders aus. Wer diesen Beschwichtigungen vertraute, wer sich darauf verließ, war bald verlassen. Selbst als der Untergang unmittelbar bevorstand, wurde noch hingehalten. Und als alles zu spät war, als die Parole nur noch hieß "rette sich wer kann", setzte sich der Gauleiter feige ab und überließ die Bevölkerung ihrem Schicksal.

    Hier das Rundschreiben im Original:

    Name:  160926 SA606559 Tiegenhof ostpr Fluechtlinge 26-10-1944.jpg
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    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  2. #2
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    Standard AW: Oktober 1944: Ostpreußische Flüchtlinge verbreiten wilde Gerüchte

    Hallo,guten Abend.
    Ich glaube zu Wolfgangs Bericht,passt dieser Link,sehr gut.
    Grüsse Roman
    https://www.google.de/url?sa=t&rct=j...tUGxzhYzAawwZg

  3. #3
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    Standard AW: Oktober 1944: Ostpreußische Flüchtlinge verbreiten wilde Gerüchte

    Hallo Wolfgang, die Ostpreußen werden wohl Recht gehabt haben. Gruß Joachim

  4. #4
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    Standard AW: Oktober 1944: Ostpreußische Flüchtlinge verbreiten wilde Gerüchte

    Wie sagte doch Altkanzler der Deutschen, Helmut Schmidt: "Die Dummheit von Regierungen darf nicht unterschätzt werden" Im übertragenen Sinne passt es auch hier. Das Volk hat sich nie getäuscht. Gruß Joachim

  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von MeinEichwalde
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    Standard AW: Oktober 1944: Ostpreußische Flüchtlinge verbreiten wilde Gerüchte

    Liebe historisch Interessierte,
    von Panik kann keine Rede gewesen sein. Zu keiner Zeit gab es Panik, man treckte in den Kreis Mariensee und wartete ab. Man verbrannte vorsorglich alle NSDAP Unterlagen, meine Grossmutter beschreibt es in ihrem Tagebuch, dann wurde sorgfältig der Trecke geplant und sher gut vorbereitet treckte man über die Weichsel, mit Toten bereits, aber das war einem ja schon in den Jahren zuvor aufgefallen, dass man viele Tausende Tote hatte. Neu war das nicht mehr. Im WErder war man nationalsozialistisch aus voller Überzeugung. Im Buch Marienau von Helmut Enss ist es auch ausführlich geschildert. Ein paar Tage vor der Flucht, veranstaltete man Jagden, man kaufte noch bei Bartel REichfelde preisgekrönte Bullen.Man ging ins Kino, dann und wann telefonierte man, ob es was neues von der Kreisleitung gab. Der Betrieb in der Landwirtschaft verträgt sowieso keine Panik, sondern muss jeden Tag laufen. Mein Grossvater übergab den Hof einem der Zwangsarbeiter, der ihn in der Zeit vom 23. Januar ab weiterbewirtschaften sollte. Die Leitung der Trecks oblag den auch seit jahrhunderten leitenden Hofbesitzern.Man stritt nicht. Meine Oma ging hinter einen Baum zum pinkeln, das war ihr bemerkenswert und ungewöhnlich. Sie managte als Chefin. Von Mariensee und Ochsenkopf aus suchte dann jeder ein paar Wochen später das Leben zu retten. nachzulesen in den Erinnerungen Dasendevomlied auf meiner internetseite, ich muss Euch sagen, das Fluchttagebuch meiner Grossmutter war nie besonders erwünscht hier in diesen Kreisen, auch in gar keinen Kreisen, ich war doch irritiert. Der Wert von irgendwelchen Rundschreiben der Kreisleitung ist nicht richtig erhellend. Zur Anregung ein Ausschnitt aus dem Fluchttagebuch aus Neuteich Eichwalde....9.JanuarDienstag 4° Frost, Nebel, gar kein Wind. Heute ist Jagd in Trampenau. Friedel fuhr mit Onkel Fritz mit. Ich habe noch alles nötige besorgt, zu Mittag gab es Wrucken. Und um 8h fuhr ich mit Schröter mit nach Marienburg mit dem Schlitten, den Louis vorgespannt, fuhr recht gut. Ich blieb gleich beim Zahnarzt, mußte 3/4 Std warten, wurde dann aber behandelt. Die Krone soll gelötet werden, wird nächstes Mal aufgesetzt. Nun ging ich zu Frau Semrau und weil die sagte, Elli käme, wartete ich, wohl über eine Stunde saß ich dort. Im Rücken der eiserne Ofen wärmte sehr schön, aber an den Füßen wurde es immer kälter. Also zog ich los zu Mutti und traf dort Elli, die eben gekommen war. Na, da haben wir dann bis 1/2 2h dort erzählt. Ganz interessant teilweise. Ich ging dann ins Lamm. Schröter spannte an und wir fuhren los, kamen aber zunächst nur bis an die Brücke. Da kam gerade die Kleinbahn an, ein Wagen stand an der Rampe vom Zollamt, die Pferde gingen los, der Wagen hakte dann an einen Viehwagen von der Kleinbahn, der umkippte. Der Pferdewagen ging wohl in Trümmer. Wir konnten das alles nicht sehen, weil es kurz vor der eigentlichen Brücke passierte. Es wurde dann erzählt. Na, eine Menge Gefangene, die dort arbeiten, richteten dann den Kleinbahnwagen wieder auf, aber es dauerte eine Stunde bis wir weiterfahren konnten. Gegen 1/2 4h erst zu Hause. Eva und Butz waren bis zur Brodsacker Ecke entgegengekommen. Der Schlitten mußte dann gleich weiterfahren, Brot aus Neuteich holen. Eva und Butz wollten mit, aber da war er schon fort. Butz blieb dann bei mir, Eva noch lange draußen. Sie sammelte Stroh auf dem Ausweg, damit es morgen nicht so häßlich aussah. Frl. Jantzen mußte schon heute die Aufschnittplatten zurecht machen. Opa fuhr um 5h nach Neuteich, den Gustel von der Bahn abholen. Wir hatten Bratkartoffeln und Rosenkohl zum Abendbrot. Friedel kam auch schon gegen 8h nach Hause.Lucie war sehr ärgerlich gewesen, daß er und Onkel Fritz schon fuhren. Es ist dann noch sehr hoch hergegangen in Trampenau sogar getanzt haben sie bis nachts um 2h. Sieben Liter Schnaps haben sie selbst gemacht.
    10.Januar
    11. Januar
    Donnerstag Tauwetter. Ich war sehr müde, stand erst um 6h auf und weckte auch Eva, die wieder nach Tannsee mitwollte. Gustel und Hans Heini lagen in den Betten zum Malen Gustel war sehr weiß. Käthe brachte Wasser. Gustel steckte hinten am Bett seine Füße raus, die tauchte Friedel ihm rein, Na, der juchte. Herr Rennack, Hauptmann Schmidt und Herr Springer fuhren dann mit Friedel und Eva los. Hh.und G. erst um 8h hinterher. Ich war vormittags mit dem Butz draußen. Wir haben einen Schneemann gebaut. Mittags legte ich mich auch ins Bett und schlief herrlich. Butz war noch mit Käthe und Hilde draußen. Gegen 10h kamen .?????? meine erst aus Tannsee. Heute kamen schon von Arno alle drei Geburtstagsgratulationen. Er ist sehr vorsichtig. Vorläufig geht es ihm ja noch unberufen gut. Möchte es nur so bleiben.
    12. Januar
    Freitag. Wieder bischen gefroren. Heute mal gut ausgeschlafen. Aber auch um 1/4 6h raus. Eva geweckt, Frühstück gemacht, Gustel geweckt. Die beiden fuhren um 6 20h nach Danzig. Ich habe noch vorm. Schlafzimmer sauber gemacht. Opa war mit Butz draußen. Zu Mittag gab es Klops aus dem Weck. Nachm. waren wir mit dem Butz in der Stadt. Ich bekam bei Fliegner schönen Stoff für Eva. Friedel blieb noch in der Stadt, wollte mit Eva um 6h zurückkommen. Nachher hatte er sie doch nicht getroffen, war etwas zu spät zur Bahn gekommen. Sie war schon mit Heinz Schröter und Bruno Dominke voraus gegangen. Er fuhr mit einem Landauer von Penner Tannsee mit, war nachher eher als sie hier. Na, Eva hatte in Danzig alles erledigt.


    13.Januar
    Sonnabend. Frost Ich wachte schon um 4h auf wollte beinahe um 1/2 5 schon wieder aufstehen, merkte es aber doch noch rechtzeitig. Vorm. dann aufgeräumt. Friedel fuhr um 1/2 7h nach Losendorf zur Jagd. Eva stand erste gegen Mittag auf, mit dem Butz lohnte es schon nicht mehr raus. Er schlief nicht lange und dann fuhren wir bald nach 2h zur Bahn und mit dem Zug nach Tiegenhof. Es klappte alles, Butz fuhr zum ersten mal Eisenbahn. Hin mußten wir im Gang stehen. Aber zurück hatten wir Sitzplätze. Die Blumen kamen auch noch zur Zeit zur Bahn. Wir kamen befriedigt nach Hause. Abends noch bis 11 h aufgesessen. Es war Luftlagemeldung gewesen: Feindliche Flieger an der Pommerschen Küste. Ich badete gegen 10h, Eva auch noch nach mir..Friedel kam um 1h nach Hause.
    14.Januar
    Sonntag.5° Frost Wind. Bis 1/2 7h geschlafen. Käthe kam heizen, da wachte auch Butz auf. Ich holte um 3/4 7 h seine Pulle. Mit ging es koddrich. Butz kam aber nicht mehr in mein Bett, weil ich gesagt hatte, Papi hat so gestänkert. Ich zog ihn dann an, legte mich noch eine Viertelstunde lang. Friedel mußte um 1/2 9h zum Volkssturm.
    Dienstag/Mittwoch d.23.1.45 nachts 1/2 2 h.
    Eben habe ich das Letzte verbrannt mit Eva alles gepackt, die Russen sollen schon in Elbing gewesen sein mit Panzerspitzen.
    Gott helfe uns allen - sonst ist wohl keine Hilfe


    Mariensee d.3. Februar
    Ja, soweit ist es gekommen. Nun sind wir seit vorgestern hier. Es ist jetzt 1/2 3 h. Um 1h hatten wir Mittag, es wird für alle in einem großen Grapen gekocht. Jetzt schläft Butz hier oben und ich sitze bei ihm. Meine Gedanken gehen rückwärts und ich will versuchen, ein bischen aufzuschreiben, was wir erlebt und durchgemacht haben.
    Wie friedlich war es noch zu Hause an Opas Geburtstag. Morgens mit dem 9h Zug kamen Lotte, Reinhard und Mutti. Friedel war ganz früh mit Onkel Fritz zur Treibjagd nach Mielenz gefahren. Eva und Butz waren morgens zur Bahn gefahren. Unser Opa strahlte über den Besuch und mittags kam noch Adolf Wiebe als einziger Gratulant, blieb auch zum Essen, zum Kaffee kam dann Tante Lieschen und zum Abendbrot waren Onkel Fritz und Friedel schon da. Wir saßen sehr nett im Herrenzimmer zusammen, Reinhard war so munter, trank einen Schnaps nach dem anderen, Wein und Sekt. Um 1/2 11 h gingen wir erst schlafen. Am Dienstag mußte Friedel zur Pferdeschätzung nach Neuteich, schickte mittags noch einen großen Lachs. Es war vormittags so schönes Wetter, bischen Frost, aber sonnig. Alle waren noch draußen. Und um 1 h fuhren Lotte, Reinhard und Mutti ab, Eva mit nach Marienburg, traf sich dort mit Ilse. Es wurde nachmittags recht kalt und sie kam sehr verfroren nach Hause um 6h. Sie waren in der Burg gewesen. Mittwoch waren dann 14° Frost Butz ging aber mittags doch heraus und rodelte ein bischen am Stall.S.7 Donnerstag ganz früh mußte Friedel zum Pferdeankauf. Und ich ließ mich um 6h zur Bahn nach Neuteich bringen, wollte nach Danzig. Ich hatte vorher Eva noch heruntergeholt in Friedels Bett damit sie auf Butz aufpaßte. Ich kam aber nur bis Simonsdorf, da hieß es der Zug nach Danzig hat unbestimmte Verspätung Das war mir zu unsicher, ich fuhr zurück. In Neuteich wurde mir noch Röschen Schröter anvertraut. Ich ging zu Fuß mit ihr los. Eva und Butz kamen uns mit dem Rodelschlitten entgegen Es fuhr aber nicht doll. Bei Schröters war keiner zu Hause, darum blieb Röschen bei uns, tobte und spielte wie doll mit Butz. Im Herrenzimmer haben wir die Laden zu und heizen nicht. Der Wind kommt immer von der Seite. Mittag nahm Fritz dann Röschen mit Ich habe oben alle Schränke nach Sachen für die Spinnstoffsammlung. durchsucht und alles zurecht gelegt. Mit Friedel sprach ich telefonisch Er blieb zur Nacht in Tiegenhof, war mit Hauptmann Schwartz und seiner Frau zusammen Eva schlief die Nacht bei mir unten in Friedels Bett. Freitag, den 19. fuhr ich dann auf Friedels Zureden noch nach Marienburg Schröter fuhr um 8h mit dem gelben Wagen mit mir los. Es war kalter Wind, schneite ganz leicht. Der Marienburger Bahnhof war ganz voll. Züge verkehrten unregelmäßig. Übrigens Mittwoch früh haben Doris und Elsbeth die kleine Friederike mit Frl. Lingenau zu Verwandten von ????? der in der Nähe von Berlin geschickt. Die war noch ganz gut mit dem Zug mitgekommen. Ich sah aber, was jetzt los war und fuhr gar nicht, sondern zur Oma. Die in heller Aufregung war, mir ein Tasche mit Lebensmitteln mitgab. Sie wollte dann Montag zu uns kommen. Zu Mittag war ich wieder zu Hause. Nachmittags brachte ich zu Preuß einen Koffer und noch mehr für die Spinnstoffsammlung. Friedel kam mit dem 4h Zug nach Hause. Die ganze Lage ist doch sehr undurchsichtig. Es wird gesagt, die Russen sind schon bei Dt.Eylau.
    Sonnabend, d. 20.
    Im Herrenzimmer wird heute nichts gemacht. Wir schliefen alle etwas länger Ich habe dann oben an zu kramen angefangen In der Vorratskammer habe ich die drei Kübel vollgepackt, aus der Rumpelkammer S.8 das Wichtigste nach unten in Arnos Zimmer gebracht. Eva half. Gestern abend hatte noch Hans Heini angerufen. Wir sollten die Oma zu uns holen lassen. Na, und so wurde es dann auch gemacht. Sie war gegen Mittag hier mit allem Gepäck. Für sie wurde bei Opa ein Bett aufgestellt.Opa und Friedel waren noch vorm. bei Preuß gewesen und hatten Opas Geb. mit den anderen nur mit Sekt gefeiert. Herr Dunck, unser M. Kotewit und einer von Soenkes wurden heute zum Volkssturm einberufen. Nachmittags hatte ich auch noch weiter gepackt und gekramt. Ich denke weniger daran daß wir fortmüssen als daß wir vielleicht durch Flieger oder Bomben mal was abbekommen. Wir bringen darum alles nach unten in den Fleischkeller. Friedel gnurrt zwar, aber er hilft tragen. Wohnen tun wir ganz in meinem Zimmer, haben den großen Herrenzimmertisch rübergebracht. Evas Sachen packten wir gegen Abend auch. Von Sonntag d.21. weiß ich nur noch daß Käthe morgens nach Hause ging und nachmittags schon wiederkam und Hals über Kopf ihre Sache holte. Lichtenau wäre schon bereit zum Abfahren. Hilde fuhr dann auch auf dem Rad nach Hause, kam aber wieder zurück. Dort wäre alles ruhig. Oma war zur Kirche gegangen kam er st später zu Mittag. Heute ist auf der Chaussee schon reger Autoverkehr. Ich krame und räume heute immer weiter, bringe alles von oben herunter, was ich für wichtig halte zum einpacken In Friedels Schlafzimmer steht alles bereit. Das Herrenzimmer hatte ich gestern bischen sauber gemacht. Heute mache ich nur die Schlafzimmer. Aber es ist kalt. Im Eßzimmer habe ich auch geheizt.
    Montag d.22
    Friedels Geburtstag Ich gratulierte ihm schon ganz früh, er hatte gar nicht dran gedacht Dann machte ich das Damenzimmer sauber ging noch im Dunkeln in den Garten und holte ein paar Tannenzweige um Friedels Platz ein bischen zu schmücken. Er bestand aber darauf, daß Frl Jantzen noch eine Glumsetorte backte und wirklich kam am Vormittag Onkel Fritz. Hilde wurde von ihrem Bruder abgeholt und verschwand also auch. Nur Frl. Jantzen blieb treu. Der Verkehr auf der Chaussee wird immer lebhafter. Es ziehen nun schon langeTrecks. Die Post kam heute noch, brachte aber kaum etwas. Es wurde im Radio bekannt gegeben, daß man nur Karten schreiben dürfte. Friedel trank mit Onkel Fritz Grog, Schnaps und nachher auch Sekt. Ich immer mit, nicht aus Vergnügen, nur zur Ablenkung. Eva hatte schon vormittags ziemlich mithalten müssen. Butzchen blieb drin und spielte mit Opa mit Arnos Spielsachen. Ich fing schon an alles, was in meiner Truhe oben an schriftlichem Kram war, zu verbrennen, las noch mit stiller Wehmut alte Briefe aus vergangenen Zeiten. Gegen 5 h mußte Friedel dann zur Brodsacker Ecke gehen und den Trecks den Weg zeigen. Mittags hatte sich eine Frau, die mit vier kleinen Kindern zu Fuß von Marienburg kam, bei uns aufgewärmt und dem Kleinsten die Flasche gegeben. Kurz vor Abendbrot brachte Friedel Flüchtlinge ins Haus. Eine alte Frau Strasdat mit ihrem Sohn und eine jüngere Frau Mattik mit Töchterchen (9J). Ich wollte sie erst in Evas Zimmer unterbringen, aber das war ungeheizt. Denn Eva schlief bei Butz auf unserer Couch. Sie schliefen dann im Mädchenzimmer wo ja warm war. Der Sohn im Plättzimmer, der Russe bei Franz. Die Alte war sehr in Ordung, Frau M. scheußlich, hatte am nächsten Morgen unser Badezimmer beschlagnahmt, samt Seife, Handtuch, Glas und Zahnbürste und dann beim Abschied kaum einen Dank. Es war früh, als sie abfuhren. In der Nacht hatte es ziemlich geschneit, sah morgens alles sehr schön aus. Ich hatte bis spät in die Nacht noch verbrannt, alle Tagebücher usw. und Eva und Mutti hatten Betten eingepackt. Frl. Jantzen half noch aus dem Eckschränkchen einpacken Onkel Fritz S.9
    Dienstag d.23.
    Die Flüchtlinge fuhren früh ab. Ich habe unten geheizt und aufgeräumt. Eva half. Mutti besorgt oben. Frl Jantzen kochte Hühnersuppe. Ich war vorm. noch mit Butz im Schnee draußen. Friedel ließ nun auch die Gummiwagen mit Plan versehen und in Ordnung bringen. Ich verbrenne und packe weiter. Die Trecks von Brodsack ziehen unentwegt. Butz hatte mittags schon gar keine Ruhe zum Schlafen. Friedel war noch vorm. in Neuteich, da waren auch schon manche abgefahren. Heute kam auch noch die Post und ich konnte an Arno einen Brief abgeben, daß wir wohl fort müßten. Es ist alles so schrecklich. Man hört jetzt schon von Ferne schießen. Friedel stand von Nachmittags um 4 h wieder an der Brodsacker Ecke. Gegen Abend kamen wieder Flüchtlinge Herr und Frl. Spill aus Ragendorf mit Wirtschaftsfräulein und altem Arbeiterehepaar.Auch wieder in diese Obenzimmer ????untergebracht, dann in den Nachmittagsstunden drei Soldaten (Nachrichtentruppe) verpflegt, sie wollten telefonieren, hatten Autounfall gehabt. Nach Abendbrot mit Eva gepackt. Friedel, Butz, meine Sachen. Ob ich alles richtig gemacht habe? Um 11 h brachte Friedel noch Soldaten, die sich aufwärmen und ausruhen wollten. Ich machte mit Eva Stullen und Rührei. 3 lagen im Bett und schliefen wie tot, ich mußte noch die Luftschutzapotheke holen, sie merkten es kaum. Gegen 12 h kam sie dann so’n ganz großer holen Ich ging einmal bis zu Friedel. Die Chaussee war voller Autos und Wagen. Es war recht kalt und schneite. Nachher habe ich mit Eva weitergepackt, schickte sie dann ins Bett, verbrannte das Letzte aus meinem Schreibtisch. Um 2h ging ich wieder zu Friedel und holte ihn, die Soldaten waren aber fort Ich hatte noch vorher Frl. Jantzen geweckt und gesagt, daß wir vielleicht schon morgens??? weg müßten. Aber Friedel sagte dann wieder: Abwarten. Er aß noch tüchtig und wir waren um 1/2 3h im Bett. Um 1/2 5h klingelte das Telefon, wir hörten es, standen aber nicht auf Um 3/4 5h klopfte es sehr laut an den Laden und Hans Heini rief: Friedel! Mach auf! Mein Gott die Altmärker, ja sie waren es. Wir zogen uns schnell an und dann kamen auch schon alle herein. ich weiß nicht wieviel? 20 bis 40 Menschen oder mehr. Die Kinder sehr verfroren. Hans Heini total kaputt. Elli mondän im Reitanzug mit Schmuck behängt. Jedenfalls lag nachher und saß alles durcheinander. Frl. Jantzen mußte Kaffee kochen, es war recht kalt. Ich ging rum und heizte alle Öfen. Am Sonnabend gegen Abend kamen Autos auf den Hof und ins Haus kam Landrat Wallhöfer, der von Wirsitz kam, seine Familie zu holen. Er wollte die Nacht über packen und dann morgen abfahren. Sonntag vorm. rief Friedel in Tiegenhof an, er sollte nachts Nachricht bekommen, falls die Lage ernster würde und er war nicht benachrichtigt worden. Also waren wir auch etwas beruhigt. Dienstag im Laufe des Tages hatte Gustav Schröter, Emmi Stanke und Frl. Wenzel angerufen wegen ihren Eltern. Ich hatte sie alle beruhigt. Was sich an jenem Vormittag alles ereignet hat, weiß ich gar nicht mehr. Das Wetter war kalt, aber nachher kam Sonne. Die Altmärker Kinder, Lilo und Frau Semrau hielten sich meistens in unserem Schlafzimmer auf. Unser großer Planwagen wurde dann vorgefahren und es wurde gepackt Ich hatte ja überall alles zurecht gestellt. Für uns wärmte Frl. Jantzen etwas Hühnersuppe auf, die anderen kochten unten Erbsen und Weißkohl. Butz war wohl noch ein Weilchen mit den Kindern draußen., nachher schlief wieder alles. Ich hatte nur Butzens Zimmer für uns.Friedel hatte fürchterlich zu tun. Elli und Hans Heini legten S.10 sich in Frl Jantzens Zimmer hin. Opa ließ ich von oben nicht herunter, ebenso Oma so wenig wie möglich. Friedel und ich legten uns Mittags zum Butz.Wir hatten noch das Bett von Arno hereingetragen., aber aus dem Schlaf wurde natürlich auch nicht viel. Eine von den Altmarker Blüten kam noch sich die Schlüpfer hochziehen(d?), ich glaube nur aus Neugierde. Es war scheußlich. Butz schlief aber eine Weile Trecks zogen unentwegt vorbei. Eine Sorge hatten wir noch wegen Brot. Aber auch das klappte. Es wurden noch nachmittags 25 Brote geholt. Unsere Leute hatten eine Wagen an die Kate gefahren bekommen und packten dort. Frl Jantzen half mit Hiepel, Alfikowski und Wladek Kowalewski alles aufpacken. Sie dachte an sehr viel. Gemüse haben wir noch selber raufgeschleppt. Im letzten Augenblick wurde noch ein Schwein geschlachtet. Frl Jantzen schnitt drei Hähnen die Hälse durch. Rund um den Wagen wurde allerhand angebunden. Eimer, Milchkanne, Geschirr, Räder usw. Ich trug in den Landauer alles, was mir besonders wichtig war. Um 2h hörten wir noch die Nachrichten, die ja aber auch nichts besagten. Die Altmärker Herren saßen im Herrenzimmer, die Frauen, Jugendlichen und ein Kind lagen im Damenzimmer und Eßzimmer herum. eine so’ne Dicke lag auf meiner schönen blauen Couch und paffte Zigaretten. Ein scheußliches Weib. Boris und (?) und alle Ukrainer wollten dableiben. Boris erbat sich von Friedel eine Bescheinigung, daß er berechtigt wäre in Friedels Sinne weiterzuwirtschaften Um 1/2 3 h fuhr Friedel mit dem Kleinen Schlitten noch einmal ins Dorf, kam aber bald zurück und sagte: Um 4h wird losgefahren 1/4 5 h sind die vom Dorf an der Brodtsacker Ecke und reihen sich ein. Daraufhin wurde dann das Letzte gerüstet. Teppiche und Brücken und verschiedene Sofakissen kamen noch mit. Bilder von meinem Schreibtisch. Ich zog mich an, hatte mir ja schon alles zurecht gelegt. Ein Hemd, Korselette, drei paar Schlüpfer, Kniewärmer, wollene Strümpfe, bequeme alte Schuhe und Überschuhe, einen wollenen, einen seidenen Unterrock, mein grünes Strickkleid, meine blaue Kleiderschürze, Strickjacke, eine schwarze Mütze von Hilde und den Pelz. Butz wurde auch schön warm bemummelt. Er blieb ganz ruhig bei allem. Draußen war es recht am Frost. Ebenso ruhig und gefaßt waren Opa und Oma, als ich sie und Butz in den Landauer setzte und noch mit Betten einpackte. Unsere Leute holten noch zuletzt alles, was von Betten und Decken da war und stoppten es in den großen Planwagen, wo die Frauen saßen. Der Landauer war an den ersten Gummiwagen angebunden. Den fuhr Schröter mit seinem Gespann. Friedel ging zu Fuß. Eva und ich saßen auf dem Kutscherbock vom Landauer, ganz stolz, hocherhobenen Kopfes, sind wir vom Hof gefahren. Und die Ukrainer standen am Stall, die schwarze Anna heulte, so was von Falschheit! Sie warteten doch nur darauf, ins Haus zu stürzen und alles an sich zu reißen. Hinter dem Garten überkam mich dann plötzlich doch der Schmerz, es quoll hoch und floß über, aber ich biß die Zähne zusammen und hatte es schnell überwunden. Wir fuhren dann Schritt für Schritt den schweren Weg und mußten so viel halten, weil der Treck so lang war. Hinter uns kam Wenzel mit dem 2. Gummiwagen, Wladek K, Schilling und Alfikowski mit je einem Kastenwagen. Mit uns fuhren Fotta, Hedwig Dreschler, Lene und Sofie Katulski. Franz Krajewski und der lange Stach, Christel Wigandt kam mit einem Soldaten an, als wir hinter der Kate waren. Sie kam natürlich auch mit. Ebenso Frl Wenzel mit Töchterchen Margot. Am Alfikowski Wagen war der geschlossene Milchwagen angehängt, dort stand der eiserne Ofen drin, S.11den mußte Frl. Jantzen bedienen und Frau Elender mit ihren beiden Jüngsten kam noch hinein. Erna Stanke war auch mit Die haben sich aber im Heu mit dem Soldaten verkrochen, die erste Nacht. Neuteich war ziemlich aus gestorben, als wir durchzogen. Herr Händel mit seiner Frau standen an der Bahnstrecke. Bis hinter Trampenau( 2 Std hatten wir bis dahin gebraucht), saßen Eva und ich oben. Ich stieg in den Landauer, nahm Butz auf den Schoß, wir aßen noch was. Eva kroch in den Planwagen. Frau Schilling auf ihrem Platz fing aber nach einer Weile an zu schimpfen und verschwand wieder unter dem Plan. Es ging sehr sehr langsam vorwärts. Nachts um 2h waren wir durch Liessau unter dem Viadukt. Dort war eine Verstopfung mit wüster Schimpferei beinahe wohl Schlägerei Ich zitterte vor Angst. Friedel war nicht beim Treck sondern über die Brücke nach Dirschau zur Kreisleitung gegangen, sich Weisungen holen. Er erschien auch tagsüber dann nicht, überhaupt keiner von den Herren, und ich mußte dann im Wagen mit anhören, wie unsere Männer schimpften: Ja, auf der Götterburg sitzen sie und saufen und kümmern sich um nichts. und ich kann Friedel nicht den Vorwurf ersparen, sie haben tatsächlich irgendwo Rheinwein getrunken. Hans Heini kam noch in der Nacht an unseren Wagen und sagte, er könnte nicht mehr hinter Friedel bleiben. Friedel hätte andere Weisungen. Wir kamen nur schrittweise vorwärts. Es war zum Verzweifeln, und hinter uns hörten wir es immer rummeln. Bei Sonnenaufgang standen wir noch am Damm, ich mußte nötig und machte mir gar nichts daraus mich öffentlich hinter einen Baum zu setzen. Butz war sehr artig die Nacht über gewesen, hatte ausgestreckt in Kissen geschlafen und war morgens gar nicht gnarrig. Wir hatten ja heißen Kaffee in Thermosflaschen und konnten so gut frühstücken. Nur unsere Männer! Ich gab ihnen schon Zigaretten, auch eine Flasche. Es war wohl Rot- oder Süßwein. Eva kam auch aus dem Wagen, wir gingen viel auf der Chaussee auf und ab. Es war sonnig aber kalt. Bei Penner in Liessau war Eva wegen Kaffee fragen ins Haus gegangen, kam entsetzt zurück, was für eine wüste Horde dort hauste. Sie hatte gerade gesehen wie sie wertvolles Porzellan einpackten, Kaffee bekam Eva natürlich nicht, das Warten auf der Chaussee zog sich den ganzen Tag hin. Es war entsetzlich. Man hörte schießen, Flieger kamen im Tiefflug über die Bäume, der ???Eisenbahndamm stand Zug an Zug die Maschinen unter Dampf, aber rührten sich nicht. Wir lebten von Brot und gekochten Eiern, hatten zu Hause noch einen mächtigen Tiegel voll abgekocht. Eva war einmal los gegangen, wollte bis zur Kunzendorfer Brücke und kam weinend zurück, es wäre gar kein Durchkommen mehr, so viele Wagen wollten herüber. Man erzählte nur Scheußliches von toten Pferden und Vieh von toten Kindern und Menschen. Ich mußte sie sehr beruhigen und zum Aufwärmen in den Wagen setzen. Mutti ging darauf in den Planwagen zu den Frauen. Der Treck ging dann sehr langsam weiter. In Altweichsel stieg Opa aus, um sich die Beine zu vertreten Er kam und kam nicht, war irgendwo auf dem Klo gewesen. Ich verschwand auch hinter einem kleine Stall und konnte mir auch an einer Pumpe die Hände waschen. Gegen Abend tauchte auch Friedel auf. Er hatte in Dirschau Anweisung Richtung Bütow bekommen, war dann den Damm entlang bis zur Kunzendorfer Brücke gegangen und war machtlos und entsetzt an dem Flüchtlingsstrom gestanden, der dort rüber wollte. An 3 Seiten kamen die Trecks, Weißenburg, Altweichsel, Marienburg. Und es gab dauernd Verstopfung. Die Wehrmacht S.12 regelte den Verkehr, es war alles so verzweifelter Stimmung. Man hörte immer schießen. Friedel beruhigte uns und sagte, das Eis der Nogat würde gesprengt. Es war alles so schaurig und herzbeklemmend. Eva ging viel zu Fuß nebenher. Vor der Brücke stieg ich noch einmal aus, wusch mir unter einer Pumpe wieder mit Evas Hilfe die Hände. Auch Butz rieb ich hin und wieder mit dem Handtuchzipfel ab. Er war recht artig, aß Brot und gekochtes Ei, trank Kaffee. Um 1/2 10h kamen wir dann auf die Brücke und fuhren endlich Schritt für Schritt rüber, es war ein schauriges Gefühl. Tote Pferde sah man liegen, umgekippte Wagen, eine Kuh, Ochsen die nicht weiter konnten und dumpfe Töne ausstießen. Und dazu immer schießen hinter und neben uns. Friedel und Herr Kroll saßen vorn, als wir rüber fuhren, und Friedel fragte mich noch, was ich meine, wo wir fahren sollten über Dirschau oder nach Hoch Stüblau. Und wir fuhren dann weiter die Nacht durch auf Stargard zu die Berliner Chaussee. In Kniebau stellte Friedel eine Stute unter, die Fohlen sollte. Sie wurde einfach in einen verlassenen Schweinestall gebracht und ihrem Schicksal überlassen. Wir haben dann im Wagen geschlafen, Butz ließ sich wie ein Stück Holz von einer Seite auf die andere legen. Als es morgen wurde gab es in einem Dorf die erste Rast, die Pferde bekamen etwas Heu. Unsere Frauen sorgten für heißen Kaffee. Er war eine wahre Wohltat. Frau Stanke gab für Butz ein Stück Striezel, er aß es mit Wonne. Die Beine konnte wir uns auch vertreten. Friedel aß auch und wollte dann mit Willi Fast im Karrchen vorausfahren wegen Quartier. Wir sollten bis 1/2 11 h dort warten. Dann ließ uns aber die Polizei nicht stehen, wir mußten weiter. Es ging alles entsetzlich langsam Ich hatte immer Angst, wir würden Friedel verpassen, trafen ihn dann doch und wurden auf den Hof vom Gestüt verwiesen. Es war wohl so gegen 1h. Übrigens hatte es geschneit - überall sehr viel Schnee. Friedel ging zu Herrn von Kriegsheim und wir sollten in sein Haus kommen. Sehr schweren Herzens zog ich dort ein, uns wurde das Herrenzimmer angewiesen. Friedel holte noch Fasts und Frau Dyck mit den Kindern. Eva holte dann noch aus dem Wagen allerhand, Friedel auch, vor allem Betten Dann wurde die Kocherei besprochen und es stellte sich heraus, daß die Küche viel zu klein wäre, um für alle zu kochen. Und Herr v.K sagte mir, daß die NSV Essen ausgäbe. Daraufhin ging ich mit unsern Leuten los nach der Leitstelle, also das war kein sehr doller Betrieb. Die Erbsen waren noch längst nicht gar. Na, ich ging dann los, die meisten Leute wollten warten. Unterwegs sprach ich noch mit einem Bäcker Schwartz aus Marienburg am Finanzamt. Der wollte mit seinem Sack auf dem Rodelschlitten zurück. Ich kam also wieder ins Gestüt. Die vier Kinder spielten und tobten, es war ein Freude. Hilger, Maria, Bärbel und Butz. Frl. Jantzen war schon unten beim Kochen. Ich suchte mir zum Heizen und machte in dem einen großen Ofen Feuer. Es wurde auch ganz schön warm. Heizung war nur im Flur. Das Herrenzimmer war sehr groß und voller Kostbarkeiten. Wir aßen dann nachher Abendbrot. Pellkartoffeln und Gulasch schmeckte allen herrlich. Dann wurde Nachtlager zurechtgemacht Draußen war ein scheußliches Wetter, Schneesturm und Kälte. Mutti ging in den Landauer wo sie mit Frau Stanke wachen wollte. Friedel schlief und schnarchte schon auf einer Couch. Für Butz, mich, Eva und Frl Jantzen wurde auf dem Teppich zurecht gemacht. Der Opa und Albert Kroll saßen jeder in einem Sessel am Ofen Herr v.K hatte mir und Opa noch einen Machandel vor dem Einschlafen spendiert. Er wollte uns um 8h die Nachrichten einstellen kommen. Wir hatten uns etwas ausgezogen und wohl auch schon geschlafen. Er war mit seinem OberinspektorS.13 schon in seinem Zimmer, da ein Gebrumm von Fliegern, auf ???? rummeln wie von Bomben, Licht war weg. Na, wir wippten nicht schlecht hoch. Ich holte eine Kerze und steckte die an, zuerst auf dem Schreibtisch, am Fenster, nachher war’s wie Flieger, da stellte ich sie ins Ofeneckchen und blendete ab. Es war aber keine Ruhe zum Schlafen Einzig Butz schlief gut. Ich stand zweimal auf, um vier Uhr zog ich die Verdunklung hoch. um 6h ging Friedel zu den Pferden, die hatten draußen stehen müssen Ich legte mich ein Weilchen auf seine Couch, nachher noch Eva, die ganz steif war. Frl.Jantzen machte für Butz die Flasche, er hatte sie schon nachm. bekommen und mit Begeisterung getrunken. Mutti kam sehr verfroren und total runter(sic.) aus dem Wagen ,wärmte sich in der Küche auf und half Stullen schneiden und belegen.

  6. #6
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    Standard AW: Oktober 1944: Ostpreußische Flüchtlinge verbreiten wilde Gerüchte

    Hallo Delia #5
    Sehr interessanter Einblick vom Fluchttagebuch.
    Meine Ahnen hatten ihren Wohnsitz im Gebiet der freien Stadt Danzig und sind schon 1923 abgewandert. Sie haben auf Grund des Artikels 106 des Vertrages von Versailles vor der Behörde in Lauenburg Pommern die Erklärung abgegeben, daß sie die deutsche Reichsangehörigkeit für sich in Anspruch nehmen. Die Wirkung der Option erstreckte sich auf die Familie.

    http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/...0_108_GER_.pdf

    Danach begaben sie sich zügig berufsbedingt in das Gebiet des heutigen Deutschlands. Andere Familienmitglieder hatten wohl ein ähnliches Fluchterlebnis in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges.
    Die Bevölkerung musste leiden, die Bonzen haben sich abgesetzt in der Hoffnung davon zu kommen. Ich bin mir sicher, heute würde es nicht anders sein.

    Gruß Joachim

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