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Thema: Tante Manemalchen

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Tante Manemalchen

    Schönen guten Nachmittag,

    hier ein Artikel aus dem früher vom Bund der Danziger herausgegebenen Mitteilungsblatt "Unser Danzig" Ausgabe 09/1997, Seite 36 (Autor unbekannt):

    =====
    Tante Manemalchen

    Tante Manemalchen heißt nicht etwa Malchen! O nein, sie führt im offiziellen bürgerlichen Leben den höchst poetischen Namen des klassischen Zeitalters: Dorothea. Ob sie jemals mit einem gewissen Hermann zu tun gehabt hat, weiß man nicht; denn die jetzt schon angejahrte Tante ist unbemannt geblieben. Aber destomehr führt diese Tante den "Man" im Munde, das heißt, in allen Ehren! Manchmal auch mit Verwechslung des dritten und vierten Falles, obgleich sie es gar nicht nötig hätte. Die klassisch angehauchte Dame mit der urheimatlichen Mundart gebraucht seltsamerweise höchst drollige Redensarten, wie beispielsweise: "Besuchen Se mir man e mal, hör man e mal her oder setz dir man e mal hin!" Und ob solcher Sprachgewandtheit hat der witzige Neffe Hansheinz ihr den Ehrennamen Tante Manemalchen beigelegt.

    Tante Manemalchen ist auch außerdem ein Original, ein echter Tantentyp mit Strickstrumpf, Kaffeetasse und dem unvermeidlichen Affenpinscherpudel; ein wandelndes Sprichwörterlexikon, dazu bibelfest und zeitungsbelesen, einschließlich aller Familien- und Geschäftsanzeigen.

    Hansheinz, der juristische Studiosus, "Sündekuß" in spe! - wie Tante Manemalchen voll Stolz sagt - weilt bei der ehr- und tugendsamen Dorothea und räuspert sich verlegen.

    "Heinzche, was fehlt dir? Erzähl mir man e mal und schlacker dein Herzche aus! Ich denk, dir bedrickt was! Mir ist das so ganz gewiß im Gefühl wie Amen inne Kirch! Was schadt dir bloß? - Wenn man e mal dir zu Gesicht kricht, denn siehst meist so aus wie der Tod aus Dirschau! Junge, was is?" - Pause! - "Na weißt, bis du einem man e mal e Wort anwortst, dauert e halb Jahr länger als die Ewigkeit!"

    "Tante Dorothea!" erwidert zaghaft der wangenzernarbte junge Mann, "ich bin tief unglücklich!"

    "Hans!" fällt ihm Manemalchen ins Wort - Hans sagt sie immer, wenn sie es todernst nimmt! - "mach mir keinen Kummer! Möchst mir nich man e mal sagen, was is?"

    "Ja, liebe Tante! Erstens bin ich furchtbar knapp bei Kasse und zweitens habe ich - wie ich dir schon neulich erzählt habe - eine Braut, an deren Treue ich jedoch jetzt zweifeln muß!"

    "Hans! Nu wer' ich dir man e mal was sagen! Mach dir nich zum Narren! Aber zum Narrenmachen is ja auch e Tanz, wenn er man e mal gut gespielt wird! Aber so was gibt's nich! Ich werd' euch mit de Hundslatern heimlichten ! Du bist wohl nich recht beim Groschen! Es is ja wahr, was all meine Mama sagd, wie se noch lebd: Wo Geld is, da is der Deiwel, wo keins is, da sind neunundneunzig! Und e kleines Etwas is besser, als e großes Garnuscht! - Aber ich kann dir kein Geld nich geben. Ich halt mir annem Sprichwort:

    Sei dienstbar allen Leuten,
    So wirst du ein Pracher beizeiten!
    Und da ich nich Pracher werden möcht,
    drum geb ich nuscht: denn ich möcht nich auf meine alte Tage inne kalte Röhr reinkicken!

    Und was nu deine Braut anbetreffen tut, da hab ich dir man e mal all gesagt: das is e Fijuchel! Ich kann mir nich helfen, die Marjellens mit de Windstoßfrisuren sind nich e Dittche wert! Nimm man e mal die Augen inne Hand und kick dir richtig die Welt an! Um solch zoddrige Dinger da zerrebbelt ihr euch so! Mein Gottche! Es is nich bloß e Hand voll, es is das ganze Land voll! Du bist doch e ganz netter Jung und willst mal zu was Höhrem raus, siehst so adrett wie e Putzscher aus und huckst da wie e sitzengebliebener Flammfladen in deinem Liebeskummer! Sieh man e mal: der Kuhzagel wackelt auch und fällt doch nich ab! Aber unterkriegen lassen! Ich weiß, die krätschen Weiber haben neunundneunzigerlei List und noch e ganzem Sack voll! Aber ... ????"
    =====

    Die Veröffentlichung des Artikels erfolgte mit freundlicher Genehmigung des "Bundes der Danziger" in Lübeck.

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  2. #2
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    Standard AW: Tante Manemalchen

    Lieber Wolfgang und alle anderen,
    auch das ist eine sehr schöne Geschichte mit sehr vielen bekannten Ausdrücken. Wenn ich es mir gesprochen vorstelle, dann hatte das einzeln geschriebene "e" eine ganz besondere Betonung - also nicht kurz, sondern etwas langgezogen und gegen Ende eher wie "ä", also ungefähr so "eäh". Versteht mich jemand? Und habe ich das ungefähr richtig in Erinnerung und ungefähr richtig beschrieben?
    Viele Grüße
    Iris

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