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Thema: Besuch im Dorfe Käsemark 1948

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Besuch im Dorfe Käsemark 1948

    Aus dem Danzig-Westpreußischen Kirchenbrief, Ausgabe Nr. 3 vom April 1949
    Copyright-Vermerk: Herausgegeben von der Gemeinschaft Evangelischer aus Danzig-Westpreußen, (Hilfskomitee) e.V. Lübeck

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    Einst fruchtbares deutsches Bauernland
    Besuch im Dorfe Käsemark, Danzigs Niederung
    Aus einem Brief vom September 1948.

    Am 8. September 1948 bin ich in Käsemark gewesen, um einmal zu sehen, wie es in Deinem Haus aussieht. Mir wurde aber ganz übel, als ich Dein Haus von der Chaussee aus sah. Ich bin erst ins Dorf gefahren und dann längs den Wall zum Hof. Der Wall war aber so mit Disteln und Schilf bewachsen, daß es gar nicht möglich war zu fahren. Die Wiesen waren ebenfalls so verwahrlost. Von der Scheune ist nichts mehr zu sehen, nur etwas vom Fundament ist übrig geblieben. Der Platz, wo einst die Scheune gestanden hat, ist mit mannshohem Unkraut bewachsen. Daß dort ein Stall gestanden hat, bezeugen nur die Kuhkrippen und die massiven Mauern vom Schweine- und Rübenhock. Vom Schweinstall ist das Dach ganz und gar abgedeckt. Die Mauern davon stehen nur teilweise. Der Backofen ist ausmontiert, nur die Eisenzäune im Schweinestall sind übrig geblieben. Von Maschinen usw. ist nichts zu sehen. Im Schweinestall ist ebenfalls Schilf. Inzwischen kam der Bauer oder Knecht, der dort wirtschaftet, an und fragte, was ich da wolle. Wir haben uns polnisch ganz gut unterhalten, da er nicht deutsch konnte. Der Mann ist erst drei Monate dort. Er ging nun mit mir auch ins Haus hinein, das er als Scheune mitbenutzt, weil er keine Scheune hat. Es sieht ja sehr wüst im Haus aus. Von der Veranda ist nur ein kleiner Schutthaufen übriggeblieben. Im Vorderhaus ist der Fußboden herausgerissen, wo jetzt Ziegelsteine liegen. In der nächsten Stube ist ebenfalls der Fußboden draußen. Es liegt etwas Stroh drin, das mit Kuhmist verdreckt ist. Die eine Wand ist ganz weg. Die große Stube ist ganz voll mit Getreidestroh bepackt. Von Speisekammer, Kellereingang, Kammer- und Bodeneingang ist alles abgebrochen. Über die Kellerluke sind Bretter quergelegt. Auf dem Boden sind sämtliche Dielen ausgerissen. Von Deiner Stube ist nichts mehr zu sehen, ebenfalls nicht von den Kammern, die neben Deiner Stube waren. Alle Wände sind rausgerissen. Oben liegt ebenfalls Stroh. In der Küche steht nur noch ein molscher Tisch. Herd und Grapen sind zusammengebrochen, aber trotzdem wird darauf gekocht. Die Eßstube ist auch total verwahrlost. Dielen sind aber drin. Deine alte Schlafstube sieht ebenso aus, dort stehen zwei morsche Betten, in denen der Knecht mit seiner Frau und zwei Kinder schlafen. Ofen gibt es im ganzen Haus nicht einen mehr. Die Fenster sind alle mit Brettern zugenagelt. Der Hof ist ganz mit Disteln, Schilf und Brennesseln bewachsen. Nur ein ganz schmaler Rand ist auf der einen Hofseite geblieben. Das Brunnenrohr ist abmontiert und das Wasser sprudelt aus dem Sand. Vom Garten ist weiter nichts als eine verwahrloste Hecke und ein kleiner Tannenbaum, halb abgebrochen übriggeblieben. Von den Maschinen ist nur die Presse da, die auf der Wiese steht und zum Teil auseinandermontiert und ganz verrostet ist. Der Dreschkasten ist bei Gloddes. Gloddes Grundstück ist das beste und unbeschädigt, bis auf das Maschinenhaus, das ohne Dach und Boden ist. Die Kirche ist unbeschädigt. Die Gräber sind verwuchert und viele Figuren abgebrochen. Die Kirche wird scheinbar wenig benutzt, da der Weg zur Kirche bewachsen ist. Gärtner Büttners Rosengarten ist zur Wiese geworden. Gegenüber Gasthof Wiens ist ein katholischer Altar aufgebaut und über die Weichsel ist wieder eine Schwimmbrücke.
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    Der allen Werderanern als Pferdezüchter bekannte Hofbesitzer aus Käsemark, Gerhard Schwarz, ist im Alter von 77 Jahren am 30. März 1949 in Seefeld, Kreis Oldenburg (Holst.) verstorben.
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von MueGlo
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    Standard AW: Besuch im Dorfe Käsemark 1948

    Moin,

    Glodde Grundstück: Friedrich August Glodde, * Wotzlaff 02.11.1855, ist 1888 Hfb in Wotzlaff, 1904 in Käsemark. Sein 2-facher Urgroßvater ist Jacob Glodde, Mitnachbar zu Zeyer, Groß Schipper, königlicher Weyde Verwalter (des polnischen Königs), Kirchenvorsteher.

    Friedrich August Glodde heiratet um die Jahrhundertwende - das Standesamt Käsemark ist noch nicht zugänglich - Johanna Bartels. Sie haben mindestens zwei Kinder, Hildegard Liesbeth, * 1904, und Kurt Ernst, * 1908. Letzterer heiratet 1938 in Letzkau Hilde Johanna Steinke, eine Tante von Hans Steinke. Dieser hat heute noch Kontakt zu den in Norddeutschland lebenden Glodde-Kindern.

    Beste Grüße aus Rabat,

    Rainer MueGlo
    "Der Mensch lebt, so lange man sich seiner erinnert!" - Afrikanisches Sprichwort

    www.Momente-im-Werder.net --- Adressbücher, Literatur, Werkzeugkasten und Momente im Danziger Werder

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