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Thema: Das "Polenhaus" auf dem Langer Markt

  1. #1
    Anonymus

    Standard Das "Polenhaus" auf dem Langer Markt

    Aus "Danziger Bilder" von Käthe Schirrmacher.

  2. #2
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Ein netter und interessanter Artikel, zeigt er doch auf wie eine früher national geprägte Geschichtsschreibung die sicherlich nicht unkomplizierte Geschichte Danzigs simplifizierte und banalisierte.

    Ich will einen kleinen Vergleich heranziehen: Friedrich Schillers "Glocke" ist eines der gewaltigsten Gedichte, das man möglichst in Gänze lesen sollte um zu verstehen, was in ihm steht. Es gibt aber auch eine "Kurzfassung" des Gedichtes das mit "Festgemauert in der Erden..." beginnt:

    "Loch jebuddelt,
    Bronze rin,
    Glocke fertig,
    bimbimbim"

    Um auf den Artikel über das "Polen-Haus" zurück zu kommen: Es fehlt so manches an Informationen, was unbedingt notwendig wäre, um die Geschichte zu verstehen, um von ihr phasziniert, ja begeistert ein zu können. Würden diese nicht vorenthalten, sähe die Geschichte vollkommen anders aus.

    So wird z.B. vom "Deutschen Reich von damals" gesprochen. Welchem deutschen Reich? Und vor allem auch von welchem "Danzig" spricht die Großmutter? Denn "deutsch" (wie die Großmutter sagt) war nur die Stadt Danzig, also der kleine Teil (der heute ja sehr großen Stadt) der von Umflutern und Wällen umgeben war. Und auch nur dieser kleinen -wenn auch reichen und einflußreichen- Stadt verliehen die polnischen Könige Privilegien, die Danzig fast zu einer unabhängigen Stadtrepublik werden ließen.

    Dass die freien Bürger Danzigs auch nicht sonderlich danach gelüsteten, unter preußische Herrschaft zu geraten, zeigt der Jahrzehnte lang währende anhaltende Widerstand gegen alle Versuche Friedrichs des Großen Danzig für Preußen zu vereinnahmen. Als die Preußen 1793 dann doch in Danzig einzogen, flüchteten viele einflussreiche Bürger (wie z.B. die Schopenhauers), die sich nicht von Preussen beherrschen lassen wollten.

    Alles Vergangene ist Geschichte. Glücklicherweise auch früher national geprägte Geschichtsversionen. Aber es ist trotzdem immer wieder interessant zu lesen und zu sehen, wie Geschichte früher erzählt wurde und welche Auswirkungen sie auch heute noch im allgemeinen Geschichtsbewußtsein hat.
    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Zertifizierter Führer im Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo (deutsch/englisch)
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  3. #3
    Anonymus

    Standard Geschichte Danzigs!

    Zitat Zitat von Wolfgang Beitrag anzeigen
    ..............
    Alles Vergangene ist Geschichte. Glücklicherweise auch früher national geprägte Geschichtsversionen. Aber es ist trotzdem immer wieder interessant zu lesen und zu sehen, wie Geschichte früher erzählt wurde und welche Auswirkungen sie auch heute noch im allgemeinen Geschichtsbewußtsein hat.
    Hallo Wolfgang.

    Sehe doch bitte nicht alles so eng, so auch diese Geschichte mit der Grossmutter und dem Danzjer Prenter.
    Am Ende der Geschichte fragt unser kleine Prenter: "Woher weisst du das alles, Grossmutter?"
    Und Grossmutter antwortet: "Das steht in der Danziger Chronik, die ich zu Hause hab', Du kennst sie ja, das dicke Buch mit den Bildern."
    Wolfgang, wahrscheinlich meinte Grossmutter, das Buch: "Aus der Geschichte Danzigs von Curicke (1687)" ....und soviel mir bekannt ist, besitzt Du auch den "Curicke" und ich meine zu wissen, dass es fuer Dich ein sehr wertvolles Buch ist. - Oder?

    Einen schoenen Abend
    wuenscht
    der Ohrsche Siegfried

  4. #4
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Zitat Zitat von Ohrscher 33-46 Beitrag anzeigen
    Sehe doch bitte nicht alles so eng, so auch diese Geschichte mit der Grossmutter und dem Danzjer Prenter.
    Hallo Siegfried,

    pardon, ich wollte nicht den Eindruck vermitteln, etwas eng zu sehen. Ich sehe das eher sehr interessiert, weil gerade in solchen Artikeln die Antwort für viele offene Fragen zu finden ist, die vor allem nachkriegsgeborene Generationen beschäftigen. Solche Erzählungen, solch übermitteltes "Wissen" führt(e) letztendlich zu einem Irrglauben, dem auf der anderen Seite, der polnischen, das vermeintliche "Wissen" gegenüber stand/steht, Danzig sei immer eine polnische Stadt gewesen.

    Für mich ist dieses Thema etwas, worüber wir alle -also wir Deutschen und Polen- sprechen können ohne einander in die Wolle zu geraten.

    Zitat Zitat von Ohrscher 33-46 Beitrag anzeigen
    Wolfgang, wahrscheinlich meinte Grossmutter, das Buch: "Aus der Geschichte Danzigs von Curicke (1687)" ....und soviel mir bekannt ist, besitzt Du auch den "Curicke" und ich meine zu wissen, dass es fuer Dich ein sehr wertvolles Buch ist. - Oder?
    Weisst Du, meine Eltern wussten das was sie in der Schule lernten und was sie durch ihre Eltern erfuhren. Ich glaubte das, was mir meine Großeltern und Eltern erzählten. Aber viel "Wissen" entstand in einer Zeit, als Nationalismen aufeinander prallten. Es gibt (deutsche) Geschichtsschreibungen Danzigs die bis in das Ende des 19. Jahrhunderts hineinreichen und eine vollkommen andere Rolle Polens aufzeigen als in den nachfolgenden Perioden.

    Wenn die "Großmutter" Danzigs Geschichte von Curicke besaß (woher hätte sie sie haben sollen, denn ein Original war unerschwinglich? - und ein Reprint wurde erst durch Siegfried Rosenberg ermöglicht), dann hätte sie ihrer Enkelin Danzigs Geschichte ebenfalls etwas anders erzählt. Denn Curicke zeigte stets auf, wie eng Danzig mit Polen verbunden, ja, verwoben war. So heißt es dort auch bereits in der zweiten Seite der Einleitung "Indem ich erstlich eine solche Stadt beschreiben erwehlet / welche derselben Mühe wol würdig / und von unterschiedenen berühmten Scribenten vorhin nicht wenig erhoben / auch überdas ein Zierath und Krone des gantzen Landes und Königreichs Pohlen ist / wie davon viel Zeugnisse könten angeführet werden ....

    Aber wie gesagt, die Geschichte sollte kein Grund sein, mit irgend jemandem in die Wolle zu geraten. Unser Forum bietet die Möglichkeit, sachlich über alle Aspekte zu diskutieren und ich denke, wir haben wirklich eine gute Chance uns länderübergreifend zu verstehen obwohl bisher die Geschichte immer ein vermeintlich trennenden Element zwischen Deutschen und Polen war. Aber auch das sollte der Vergangenheit und somit der Geschichte angehören!
    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
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  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von Peter von Groddeck
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    Die gemeinsame Geschichte Polens und Deutschlands wird leider oft einseitig dargestellt. Zufällig las ich in der Liste des VFFOW einen Beitrag über ein Geschichtsbuch. Es ist das für den Geschichtsunterricht in Deutschland
    konzipierte
    - Lehrwerk "Polnische Geschichte und deutsch-polnische Beziehungen"
    (2007), das gleichberechtigt deutsche und polnische Sichtweisen
    präsentiert. Da ich es noch nicht habe, kann ich nichts über das Buch sagen. Für diejenigen, die es sich auch besorgen wollen hier die ISBN: 978-3-06-064215-1

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