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Thema: Grüße von einer Ostpreußenreise

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Grüße von einer Ostpreußenreise

    Schönen guten Morgen,

    heute ist erster Tag einer Reise in das frühere Ostpreußen. Bereits am frühen Morgen machte ich mich auf den Weg nach Cadinen (Kadyny) in das SPA-Hotel "Srebrny Dzwon" (Silberne Glocke). Dort wird im Laufe des späteren Nachmittags eine rund 35 Personen starke Reisegruppe aus Deutschland eintreffen die ich bis Sonntag auf einer Fahrt ins Ermland und nach Masuren begleiten werde.

    Cadinen liegt wie die anderen kleinen Dörfer auf der Südseite des Frischen Haffs in einer traumhaft schönen Landschaft. Am Fuße der bewaldeten Elbinger Höhen am ewig langen Ufer des Haffs, dort wo in starken Schilfbeständen immer wieder sandige Badebuchten eingebettet sind, zwischen Succase (Suchacz) und Tolkemit (Tolkmicko) gelegen, unweit des weltberühmten Frauenburg (Frombork) liegt das kleine Cadinen.

    Berühmtheit erlangte der malerische Ort vor allem durch das Gestüt Kaiser Wilhelms II., der kaiserlichen Majolikafabrik (bunte Keramiken aus Cadinen schmücken noch heute einige U-Bahnstationen in Berlin) sowie der 1000-jährigen Eiche. Wen hat sie nicht schon alles gesehen? Alte Prussen, kriegerische Heerscharen (darunter auch sicherlich Napoleon), den Kaiser - und natürlich auch mich!

    In den nächsten Tagen werde ich soweit es mir möglich ist einige Stationen unserer Reise aufzeigen. Morgen geht es von Elbing aus mit einem Passagierschiff auf den Oberlandkanal bis Buchwalde (Buczyniec). Am Nachmittag wird uns unsere Reise zurück nach Cadinen über Maldeuten, Mohrungen und Quittainen führen. Aber das ist nur der Anfang der Reise...

    Hier ein kleines Foto vom großen Balkon meines Appartements in den Garten des Hotels "Silberne Glocke".

    Name:  170524 SA609741 Cadinen Silberne Glocke.jpg
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    Schöne Grüße aus Cadinen
    Wolfgang
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  2. #2
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    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Ach, wer da mitreisen könnte ......
    Berichte bitte weiter von der schönen Reise, Grüße von Ada
    Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt. (H. Heine)

  3. #3
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Themenstarter

    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Schönen guten Abend bzw. schönen guten Morgen,

    es ist immer etwas spannend, wer in einer solchen Reisegruppe sein wird. Ich vermute, ich bin dieses Mal der einzige "Wessi", und dazu noch ein in Polen lebender "Wessi".

    Aber das ist eine ungeheuer spannende Geschichte und sie zeigt wie verschieden wir sein können. Jeder von uns hat seine eigene Lebensgeschichte und aus ihr ergeben sich unterschiedliche Erfahrungen, Werte, Entschlüsse. Und doch haben wir uns bisher gefunden.

    Wir saßen den ganzen Abend zusammen, zuerst im Garten beim Grill, dann stechmückenumschwirrt weiterhin im Garten beim Bier und als es zu frisch wurde, setzten wir uns in den Keller der "Silbernen Glocke". Ich vermute, dass diese Glocke eine Schulglocke war, denn um die Jahrhundertwende (19./20. Jhdt.) gründete Kaiser Wilhelm II. die Schule.

    Im Keller gingen die Gespräche weiter und gegen später Stunde bildete sich ein harter Kern heraus: Vier Wolfgangs und ein Hans-Detlev. Insgesamt, und dies nicht nur beim harten Kern, stellte sich heraus, dass viele der Teilnehmer/innen irgendwelche Wurzeln in West-/Ostpreußen haben. Und da ergaben sich Familiengeschichten, die zutiefst berührten.

    Was sich mir aber auch zeigte: Es scheint sich zu bestätigen, dass in der unmittelbaren Nachkriegsgeneration wirklicher Gesprächs- bzw. Austauschbedarf besteht. Dieser harte Kern mit dem ich bis vor wenigen Momenten zusammen war, wurde zwischen 1949 und 1954 geboren, hat also mein Alter. Und das, worüber wir sprachen, das, was wir voneinander erfuhren, ist nicht nur das was unsere Eltern/Großeltern erlebten und uns vermittelten. Wir sprachen über unsere eigenen Erfahrungen, unsere eigenen Erlebnisse, und ich hatte den Eindruck, dass dies nicht nur interessant sondern auch wichtig ist.

    In ein paar Stunden geht's weiter. Weiter mit Frühstück, landschaftlichen Impressionen und auch Diskussionen.

    Bis dahin möchte ich ausgeschlafen sein und schicke herzliche Grüße aus Cadinen
    Wolfgang
    -----
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  4. #4
    Moderatorin Avatar von Beate
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    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Guten Abend, Wolfgang,

    danke schön für die Reiseschilderung- Du bereist gerade das wunderschöne Zuhause meines Schwiegervaters.
    Und danke auch für Deine Schilderung Eurer Runde- ich bin absolut sicher, dass Gesprächsbedarf besteht.
    Womöglich haben auch diese Teilnehmer die "großen Schweiger" als Eltern gehabt. Bei uns war es zumindest in vielen Bereichen so. Dann freust Du Dich doch, wenn Du über Dinge sprechen kannst, die Du nie verstanden hast...

    Ich bin schon gespannt auf weitere Reise- und andere Berichte!

    Schöne Grüße Beate
    ..wirklich? Taktgefühl ist nicht nur ein Begriff in der Musikwelt?

  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von Felicity
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    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Ich auch, Wolfgang, ich bin mehr als gespannt. Die beste Schulfreundin, meiner Mutti, Tante Paula Tolkiemitt, nicht verwandt aber umso mehr geliebt von uns Kindern, kam von einem Rittergut Klecewo, aber wohnte seit Jahren in ihrem Stadthaus, Ecke Schleusengasse/Weidengasse, das von ihrer Familie den Borromaerinnen vom Marienkrankenhaus vermacht wurde. Tollkiemitt ist ein sehr alter Name und da gibt es verschiedene Zweige, sogar in Amerika. Wundere mich ob der Ort Tollkiemitt nicht nach ihnen benannt ist. Ich glaube die Tolkiemitts hatten auch ein Vorwerk von Cadinen. Ich bin gespannt auf all Deine Berichte und auch Bilder. Waere gern ein Maeuschen in Deinem Koffer. Liebe Gruesse von der Feli

  6. #6
    Forum-Teilnehmer Avatar von mottlau1
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    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Liebe Felicity,

    da ich auch mehrmals in Cadinen und Tolkemit war habe ich ein paar Fotos von den Orten in meinem Album eingestellt. Du kennst sie ja schon da sie vor Jahren aufgenommen wurden. -Übrigens ist das Hotel beim Gestüt Cadinen wirklich vorzüglich mit seinem Umfeld.

    Jutta
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  7. #7
    Forum-Teilnehmer Avatar von Felicity
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    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Danke Jutta, ja, ich hatte sie schon gesehen wie Du in Cadinen warst. Am meisten hat mich die 'kleine Jutta' vor der 'grossen Kirche' imponiert, ein tolles Bild. Hoffentlich geht es Dir und besonders dem Helmut gut, nach seiner Krankheit.Ganz liebe Gruesse an Euch beide von der Feli

  8. #8
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Themenstarter

    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Schönen guten Nachmittag,

    gestern kam ich von meiner Ostpreußenreise wieder zu Hause an. Spannend, erlebnisreich, toll.... - toll vor allem die Teilnehmer/innen die ich zum Teil schon von einer vor zwei Jahren durchgeführten Reise her kannte.

    Es war eine private Reisegruppe, fast alle kannten sich gegenseitig, hatten gemeinsame Interessen, waren eine Gemeinschaft. Und es war eine homogene Altersgruppe: Im Schnitt 60 plus/minus 5, in einigen wenigen Fällen ein paar Jahre mehr oder weniger. Schon vom Alter her passten wir zusammen. Bereits vor zwei Jahren hatten wir einen "Draht" zueinander gefunden, hatten gemeinsame Erlebnissen derer wir uns wieder erinnerten. Und auch dieses Mal sollte es so sein. Das was wir sahen, das wir gemeinsam erlebten, war schlicht und einfach schön und harmonisch.

    Dass ich nun nicht während der Reise berichten konnte, lag in erster Linie darin, dass ich nach unserer ersten Reisestation in Cadinen keinen Internetanschluss mehr hatte. Aber selbst wenn es möglich gewesen wäre, etwas zu berichten, dann hätte es zeitlich nicht geklappt. Denn wir saßen immer bis spät abends, bis spät in die Nacht hinein, zusammen und anschließend fielen wir nur noch totmüde ins Bett.

    Stationen unserer Reise -von der ich noch näher berichten werde- waren nach Cadinen:

    - 5-stündige Fahrt auf dem Elbing-Fluss zum Drausensee und dem Oberlandkanal
    - kleine Stadtführung durch Elbing
    - Fahrt von Cadinen nach Rössel zur 700 Jahre alten Ordensburg (heute "Hotel")
    - Besuch der Wolfsschanze bei Rastenburg
    - Abstecher zum Schloss Dönhoffstädt
    - Fahrt und Besichtigung von Steinort (Lehndorff-Schloss und Hafen)
    - Abstecher nach Lötzen, dort Besuch des städtischen Badestrandes
    - Besichtigung der Ordensburg in Rhein (heute Schlosshotel) am Spirdingsee
    - Fahrt nach Nikolaiken, Suche nach dem Stinthengst, Maränenessen
    - und am Samstagabend Burglagerfeuer in der Ordensburg Rössel mit ordentlich Bier

    Ich werde immer wieder gefragt ob ich nicht Reiseführungen machen kann. Und wenn das in sich schlüssig ist und wenn das eine Reisegesellschaft ist, von der ich mir sage, dass das Spaß macht, dann bin ich dabei. Aber diese Reisegruppe die ich dieses Mal zum zweiten Mal begleiten durfte, war etwas ganz Besonderes. Als ich mich gestern von ihr verabschiedete, sagte ich, ich werde manchmal beim Ende einer Reise gefragt, ob mir nicht das Herz blute, nicht nach Deutschland mitfahren zu können. Gestern sagte ich mit einer gewissen Wehmut, nein, mir würde nicht das Herz bluten wenn sie jetzt nach Hause fahren, aber mir würde das Herz bluten, dass sie jetzt gehen.

    Es war eine tolle Gruppe, eine phantastische Gemeinschaft, und jetzt weiß ich auch was mir hier in Polen außer einem ordentlichen württemberger Lemberger Wein ein bisschen fehlt: Der Kontakt zu solchen Leuten, die sich schon seit Langem kennen, die gemeinsame Reisen nach Polen machen und die mich so schnell in ihre Gruppe aufgenommen haben.

    In den nächsten Tagen werde ich über unsere Reise Näheres berichten.

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
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  9. #9
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    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Hallo Wolfgang, ich plane auch schon an einer Busreise nach dem früheren Ostpreußen über Danzig teilzunehmen und deswegen bin ich schon auf deine näheren Berichte gespannt. Ich habe bloß noch nicht ganz verstanden als was du da teilgenomen hast. Als normaler Teilnehmer der in Polen dazugestoßen bist oder als was? Weil du auch noch ansprichst dasss du manchmal als Reiseführer gefragt bist.

    Ulfried

  10. #10
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Themenstarter

    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Schönen guten Abend,
    hallo Ulfried,

    heutige Gruppenreisen nach Danzig und ins ehemalige West-/Ostpreußen können unterschieden werden in Privatreisen und gewerbliche Reisen. Meist ist Individualität gefragt. Das ist bei gewerblichen Reiseanbietern manchmal sehr schwierig.

    Privatreisen werden häufig mit riesigem Engagement der Organisatoren (die auch als Veranstalter fungieren) durchgeführt. Immer häufiger werde ich gefragt mehrtägige Touren zu begleiten. Wenn ich den Eindruck habe, das könnte auch für mich interessant sein, wenn ich glaube, dass da eine tolle Gesellschaft kommt und vor allem wenn ich dann auch Zeit habe, sage ich mitunter zu.

    Gewerbliche Reiseunternehmer können sich individuelle Sperenzchen kaum leisten. Die Leistung ist festgeschrieben, die Ziele auch, ein professioneller -fast immer polnischer- Reisebegleiter leiert dann häufig historische Jahreszahlen am Fließband runter und die Orte, Könige, Hochmeister und Grafen gibt's gratis dazu. Das ist aber nicht immer das, was sich die Teilnehmer/innen erwarten und wünschen, die häufig familienhistorische Beziehungen zu diesem Gebiet haben.

    Und da komme ich manchmal ins Spiel. Es geht da nicht nur um Jahreszahlen (die auch ich rauf und runter leiern könnte). Es geht vielfach einfach darum wie das alles ein Deutscher sieht. Ein in Polen lebender Deutscher dessen familiärer Hintergrund über viele Jahrhunderte hinweg in diesem Gebiet liegt. Ein Deutscher der sich entschieden hat, in der Heimat seiner Eltern -und damit auch seiner eigenen- zu leben. Ein Deutscher, der sich seine uralte Mutter unter den Arm geklemmt hat und mit ihr in die Orte zurückkehrte, in denen sie geboren wurde, lebte, aufwuchs.

    Das ist das Salz in der Suppe, das wollen alle Reiseteilnehmer wissen. Es klingt aber auch heute noch ein bisschen exotisch, wenn man von einem Heimkehrer hört, oder?

    Wer mich kennt, weiß, dass ich hier mit Herzblut dabei bin, dass ich emotional berührend über die Vergangenheit spreche, dass ich dabei auch mich selber und meine Familie einbeziehe. Nochmal: Das ist das Salz in der Suppe, und das sehe nicht nur ich. Das empfinden auch Andere.

    Manchmal, und das empfinde ich als Glück, bin ich mit Leuten unterwegs zu denen ich einen direkten Draht herstellen kann. Das war bei "meiner" letzten Gruppe der Fall. Von A-Z tolle Leute.

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    -----
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  11. #11
    Forum-Teilnehmer Avatar von achimbodewig
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    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Wenn ich so etwas lese und denke, ach, da war ich auch schon, finde ich es immer wieder toll, dass ich schon seit Jahren a) mein Blog hege und pflege und b) diesem mit Stichworten versehe und darüber sofort an die gewünschten Einträge komme. Hier ein paar Fotos, die ich in und um Cadinen gemacht habe: http://www.plattenbaublog.de/tag/cadinen/

  12. #12
    Forum-Teilnehmer Avatar von Felicity
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    Standard AW: Grüße von einer Ostpreußenreise

    Gute Aufnahmen Achim ! Danke dass Du an sie gedacht hast. Wir hatten daheim auch zwei herrliche Majolika Vasen auf zwei schwarzen Sockeln stehen. Und im Sommer waren sie dauernd voller Flieder, den wir immer, ganze Arme voll, von unserer Laube, in Grosswalddorf, heim brachten. Liebe Gruesse von der Feli

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