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Thema: Neugier Liebe Zufall - Deutsche Migranten in Polen

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Neugier Liebe Zufall - Deutsche Migranten in Polen

    Schönen guten Morgen,

    als PDF-Datei erhältlich ist die 61-seitige hochinformative und sehr empfehlenswerte Studie (deutschsprachig) "Neugier Liebe Zufall - Deutsche Migranten in Polen". Thema sind nach Polen umgezogene bzw. migrierte Deutsche. Es werden praktisch alle diese Gruppe betreffenden Aspekte beleuchtet, angefangen bei den Beweggründen, die Motivation, Schwierigkeiten bei der Integration, bis hin zu Zukunftsplänen. In die Studie eingeflossen sind Befragungen von Deutschen die nach Polens EU-Eintritt nach Polen gingen. Autorin ist Frau Dr. Agnieska Łada, Herausgeber ist die Stiftung Institut für Öffentliche Angelegenheiten in Warschau.

    Für mich als Betroffenen ist diese Arbeit besonders interessant, kann ich doch aus eigener Erfahrung Vieles bestätigen. Betroffen machend und sehr zu denken gibt das Resümee auf den Seiten 58-59. Dort heißt es u.a.:

    "Die hier interviewten Deutschen bilden einerseits eine homogene Gruppe: gut ausgebildet, relativ gut situiert, hohe soziale Position, weltoffen. Sie verbindet das Bewusstsein, aus freien Stücken die Wahl getroffen zu haben, ihren Lebensmittelpunkt ins östliche Nachbarland zu verlegen und sie sind zufrieden mit ihrer Entscheidung (obwohl in der gegenwärtigen politischen Situation manche Befragte erste Zweifel hegen, ob sie noch lange in Polen bleiben werden)."

    und etwas später "Schließlich lässt sich durch die Äußerungen der Deutschen auch viel über die polnische Gesellschaft erfahren. Traurig nimmt man zunehmende antideutsche Haltungen der Polen zur Kenntnis, aber auch eine Abneigung der Polen gegenüber Zuwanderern, die nicht aus Westeuropa kommen."

    Die Studie ist auch eine hervorragende Bestandsaufnahme zu der ich abschließend nur sagen kann: Fremdenfeindlichkeit löst keine Probleme, sie schafft Probleme. Für alle Seiten.

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
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  2. #2
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Themenstarter

    Standard AW: Neugier Liebe Zufall - Deutsche Migranten in Polen

    Hier übrigens der Link auf die polnische Version: Fascynacja. Miłość. Przypadek. Niemieccy migranci w Polsce
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  3. #3
    Forum-Teilnehmer Avatar von achimbodewig
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    Standard AW: Neugier Liebe Zufall - Deutsche Migranten in Polen

    Oh ja. Lieber Wolfgang,

    ohne die Studie gelesen zu haben (das werde ich mal in einer ruhigen Stunde tun), kann ich deine zwei hervorgehobenen Zitate voll unterschreiben. Blöd für dich, dass du ein Haus dort gebaut hast. Von einer Mietwohnung kann man sich leichter trennen ...

    Ich habe dazu – auch, weil mich immer wieder Freunde und Familie fragten, wie es mir denn nach dem Sommer in Polen ginge – zweimal etwas in meinem Blog dazu geschrieben. Hier und hier.

    Seit fünf Tagen bin ich zurück in Polen (nach fast dreimonatiger Abwesenheit) und was soll ich sagen: es fühlt sich nicht mehr so an wie noch vor einem Jahr. Und schon gar nicht wie vor drei Jahren.

    Gruß aus Warschau

    Achim

  4. #4
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Themenstarter

    Standard AW: Neugier Liebe Zufall - Deutsche Migranten in Polen

    Schönen guten Nachmittag,
    lieber Achim,

    als Fremder in einem Land (eigentlich habe ich mich hier lange Jahre gar nicht als Fremder gefühlt) spürt man Entwicklungen häufig schneller und intensiver als Einheimische. Fremde reagieren meist sehr sensibel, sie empfinden seismographische Veränderungen und Erschütterungen sehr deutlich. Und während um mich herum noch viele Bekannte und Freunde die Meinung vertreten "es wird schon nicht so schlimm werden", weiß jeder Fremde sehr gut (nicht nur Fremde in Polen, auch Fremde in Deutschland und anderwo) was Vorbehalte, Ablehnung, auch Hass gegenüber Fremden ist, was das bedeutet, welche Gefahren das mit sich bringt. Aber es sind ja nicht nur permanent geschürte Ressentiments gegenüber allem Fremden und allem was anders ist als man selbst. Das sind nur Symptome von Intoleranz, Schwäche, Überheblichkeit, auch empfundener Hilflosigkeit, die dazu führen dass Feindbilder gebraucht und aufgebaut werden. Ein Ende ist leider nicht abzusehen.

    Meine persönliche Situation hier hat sich bisher nicht geändert. Ich habe gute Freunde, ich nehme hier am Leben teil, ich persönlich spüre momentan noch nichts von dem sich hier gerade vollziehenden radikalen gesellschaftlichen und politischen Wandel. Aber ich habe polnische Bekannte und Freunde, die bereits sehr deutlich betroffen sind und für die sich einschneidende Veränderungen ergeben haben.

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

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