Aus "Unser Danzig" 14/1958, Seite 2

Dörfer im Großen Werder – Schönsee
Von Carl Rennack

Dicht an der Hauptstraße Marienburg-Danzig gelegen, finden wir - rechtwinklig von der Chaussee abzweigend - das etwa 1000 Einwohner zählende Werderdorf Schönsee. Genau am Beginn des Dorfes steht die Kolonial- und Gemischtwarenhandlung und Gastwirtschaft „Zur stumpfen Ecke", so genannt, weil hier die Chaussee einen Knick - eine stumpfe Ecke - machte.

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Eine Filiale dieser Handlung (Inh. Knorr) befand sich am anderen Ende des Dorfes bei Hube. Außerdem waren noch die beiden Handlungen Reinhold und Keiper im Dorf zur Versorgung der Einwohner mit Kolonial- und sonstigen Waren und, wie in jedem größeren Werderdorf, war auch hier eine Molkerei und Käsefabrikation.

Sowohl hier in Schönsee wie auch in allen anderen Dörfern im Weichsel-Nogat-Delta hatten sich sehr viele Mennoniten als Bauern angesiedelt, die, vom Poldergebiet ihrer niederländischen Heimat her im Wasserbau erfahren genug waren, um auch dieses Gebiet in kürzester Zeit zu einem blühenden, fruchttragenden Land zu machen.

Neben der Haltestelle der Westpreußischen Kleinbahn A.G., deren Strecke am Dorf vorbeiführte, bestanden täglich Autobusverbindungen nach Danzig und Marienburg, und vom naheliegenden Dorf Schöneberg sogar Dampferverbindung auf der Weichsel nach Danzig. Außerdem fuhr werktags auch noch der Schüler-Autobus zur nahen Kreisstadt Tiegenhof. In Schönsee befanden sich eine katholische und eine evangelische Schule. An Kirchen stand nur die hier abgebildete katholische Kirche fast zu Anfang des Dorfes auf der rechten Seite. Die evangelischen Gemeindeglieder gingen nach Schöneberg zum Gottesdienst, während die Kirche für die Mennoniten sich einige Kilometer von Schönsee entfernt in Ladekopp befand.

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Das Bild dieser Kirche ist dem im Umschau-Verlag Frankfurt a. M. erschienenen Bildband „Deutschland — Mitteldeutschland und der Osten - wie er war" von H. Busch entnommen. Im Textteil dieses Bildbandes wird auf Seite 22 dazu ausgeführt: "In den Niederungen des Weichsel-Deltas - zwischen dem Danziger, dem Großen und dem Kleinen Werder - hat der nachgiebige, stets von Überschwemmung bedrohte Boden eine fast bizarr wirkende Form von Turmbauten erstehen lassen. Auf einem Backsteinsockel erhebt sich eine mit Brettern verschalte Holzkonstruktion, über welche die Raum fordernde Glockenstube meist achteckig vorkragt. Die im 14./15. Jahrhundert entstandene Kirche in Schönsee ist das eindringliche Beispiel für diesen aus tapferem Kolonialgeist geborenen Stil."

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Die Veröffentlichung des Artikels erfolgte mit freundlicher Genehmigung des "Bundes der Danziger" in Lübeck. Weitere Verwendungen / Veröffentlichungen nur mit ausdrücklicher Genehmigung durch den Bund der Danziger, Lübeck