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Thema: Die Belagerung Danzigs 1807

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Die Belagerung Danzigs 1807

    Aus „Unser Danzig“, 1958, Nr.2 Seite 18, Nr.3 Seite 17

    Die Belagerung Danzigs 1807
    Von Kurt Podlich

    Wen in Danzig früher einmal der Weg vom Olivaer Tor oder vom Neugarter Tor her über das russische Grab führte, der kam dort unterhalb des großen Denkmals an einem schlichten Gedenkstein vorbei. Dieser in die Erde eingelassene, von bescheidenen gärtnerischen Anlagen umgebene Stein trug die Inschrift: Regiment Diericke - 4. Ostpr. Grenadier-Regiment Nr. 5. Er erinnerte an die ruhmvolle Verteidigung des Hagelsberges während der Belagerung Danzigs durch die Truppen Napoleons. Die preußischen Regimenter wurden damals nach ihren Chefs benannt; es handelte sich um das 1689 in Ostpreußen errichtete Grenadier-Regiment, die „Fünfer“, die seinerzeit den Hagelsberg verteidigten. Nach Beendigung der Freiheitskriege erhielten sie 1818 Danzig als Garnison zugewiesen und verblieben dort über hundert Jahre. Mancher unserer Landsleute oder deren Väter werden noch unter den Fahnen dieses Regiments gestanden haben.
    Napoleon I. war 1806 auf seinem Siegeszug bereits bis Ostpreußen vorgestoßen, während die Festung Danzig zunächst unbehelligt geblieben war. Er sah seine geplanten Vormarschbewegungen aber durch diesen wichtigen festen Platz in seinem Rücken bedroht und bereitete daher die Belagerung Danzigs vor, nachdem seine Armeen in Ostpreußen hinter der Alle Winterquartiere bezogen hatten. Im Januar 1807 ordnete er die Bildung eines Belagerungskorps unter Marschall Lefèvre an. Es wurde aus französischen, polnischen, hessisch-darmstädtischen und badischen Truppen gebildet und etwa 16.000 Mann stark Ende Januar bei Thorn zusammengezogen.
    Danzig war, als im November 1806 der Befehl zur Armierung der Festung einging, auf seine Verteidigung nur unzureichend vorbereitet; man ging aber mit aller Energie daran, die Befestigungswerke, wo es anging, zu verstärken. Besonders traf dies für die Anlagen des Hagels- und Bischofsberges zu, von deren Verteidigungsmöglichkeiten das Schicksal der Festung im Wesentlichen abhing. Für Preußen bildete die Erhaltung Danzigs eine Lebensfrage, weil es damit möglich wurde, verbündete Streitkräfte aus Russland heranzuziehen und die Reste der preußischen Truppen zu vermehren und zu verstärken. Auch erhoffte man die Lage des Landes durch den Beitritt Österreichs zum Bunde zu verbessern und schließlich einen leidlichen Frieden zu erreichen.
    Nach der unentschiedenen Schlacht von Preußisch Eylau (07./08.02.1807) war das französische Belagerungskorps aus dem Raum von Thorn auf Mewe vorgestoßen; es kam dabei zu einer Gefechtsberührung mit einem preußischen Detachement unter dem Befehl des Generals von Rouquette, dessen Truppen jedoch nach heftigem Kampf über die Weichsel in der Richtung auf Stutthof zurückgedrängt wurden. Die dadurch entstandene Lage erkennend, wurde vom Gouvernement Danzig eine Truppenabteilung von etwa 1.000 Mann zur Sicherung des für die Verteidigung der Frischen Nehrung wichtigen Postens bei Stutthof nach dem Marienburger Werder in Marsch gesetzt; außerdem ein Kommando in Stärke von zwei Bataillonen nach Dirschau. Letzteres ging zur Erkundung auf Pelplin vor, hatte dabei am 20. Februar ein Gefecht mit polnischen Truppen, wurde aber wieder nach Dirschau zurückbeordert.
    Inzwischen hatte das Belagerungskorps laufend Verstärkungen erhalten, darunter 6.000 Sachsen, so dass es allmählich auf 30.000 Mann angewachsen war. Am 9. März nahm Marschall Lefèvre sein Hauptquartier in Rosenberg, nördlich von Dirschau; am 10. März war Danzig eingeschlossen, nur die Verbindung über See und über die Nehrung nach Königsberg waren noch offen.
    Am 11. März traf als Gouverneur der Festung, General der Kavallerie Graf von Kalkreuth, in Danzig ein, der bei der Bürgerschaft bald sehr beliebt war und es während der ganzen Belagerungszeit immer verstanden hat, diese zu opferwilliger Hingabe zu bewegen. Die Festung war mit Lebensmitteln für zwei Monate reichlich versorgt. Pferdefutter war knapp, jedoch war ein Überschuss an Weizen vorhanden. Auch die 45.000 Zivilbewohner der Stadt waren mit Vorräten ausreichend versorgt.
    Als die feindlichen Truppen näher rückten, ließ der Gouverneur die im Glacis liegenden Vorstädte Altschottland, Stolzenberg und Schidlitz abbrennen. Am 12. März wurden die preußischen Vorposten vor dem Bischofsberg und vor dem Olivaer Tor angegriffen; sie zogen sich auf Kanonenschussweite an die Festung heran. Am 17., 18. und 19. März waren Kosaken als erste russische Verstärkung von Pillau her eingetroffen. Zu dieser Zeit war es auch gelungen, einen Signaltelegraphen zwischen der Stadt und den Forts fertigzustellen.
    Am 20. März war die Frische Nehrung verloren gegangen, die das Detachement des bereits erwähnten Generals von Rouquette zu decken hatte. Der Befehl des Gouverneurs, die Nehrung zurückzuerobern, ließ sich aber mit den zur Verfügung stehenden Truppenkräften nicht mehr durchführen; sie war bereits von 3.000 Mann des Feindes besetzt worden. Damit war nicht nur die Landverbindung nach Königsberg verloren gegangen, sondern es war auch die Verbindung mit der Ostsee und mit den Forts bei Weichselmünde in Gefahr geraten. Nach Friedensschluss hatte sich General von Rouquette vor einem Kriegsgericht zu verantworten; er wurde jedoch von der Anklage, Schuld an dem Verlust der Nehrung zu haben, freigesprochen.
    Bis zum 26. März ereignete sich nichts Besonderes. An diesem Tag führte die Besatzung der Festung einen Ausfall durch, bei dem es gelang, ganz Stolzenberg zu erobern und drei Offiziere mit 170 Mann als Gefangene einzubringen. Als der Gegenangriff des Einschließungskorps einsetzte, zogen sich die Besatzungstruppen unter hartnäckiger Gegenwehr wieder auf die Festung zurück.
    Der 27. März, ein Karfreitag, verlief ruhig, ebenso das Osterfest. Nach dreiwöchiger Belagerung war dem Feinde nicht mehr gelungen, als die Besatzung auf den Kreis des Feuers seiner Artillerie zu beschränken.
    Am 3. April begann der Gegner befestigte Gräben auszuheben und diese zu sichern. In der Nacht zum 9. April wurde ein Teil der Lindenallee nach Langfuhr abgehauen, um die Bäume als Kochholz zu verwenden. Die nächsten Tage waren mit heftigen Kämpfen um die Bonsmardschanze ausgefüllt, die der Garnison, aber auch dem Gegner stärkere Verluste zufügten. Am 13. April konnte der Feind die Schanze erobern, er verlor dabei 23 Offiziere und 200 Mann an Toten und Verwundeten.
    In der Nacht vom 15. zum 16. April 1807 war es feindlichen Kräften gelungen, die Verbindung mit Weichselmünde zu unterbrechen. Der Gouverneur versuchte zwar, sie wiederherzustellen; aber es gelang nicht, weil die Besatzung der befestigten Anlagen auf dem Holm nicht stark genug war. Um diese Zeit machte sich in der Festung auch schon ein Mangel an Pulver bemerkbar; die Lazarette waren überfüllt und mit 1.544 Verwundeten und Kranken belegt.
    Am 24. April, gegen 1 Uhr nachts, begann ein feindliches Bombardement aus allen Geschützen. Viele Häuser der Stadt würden dabei beschädigt; fünf Bürger getötet und mehrere verwundet. Der Feind hatte seine Feldstellungen gegen die Befestigungsanlagen weiter vorgetrieben. Eine nach der Beschießung an den Gouverneur ergangene Aufforderung zur Übergabe wurde abgelehnt. Von der Besatzung wurden danach einige von Erfolg begleitete Ausfälle unternommen, die aber die allgemeine Lage nicht wesentlich ändern konnten.
    Am 30. April wurde der Hagelsberg heftig beschossen. Es traten stärkere Verluste ein, die aber bei der Standhaftigkeit von Offizieren und Mannschaften keinen besonderen Eindruck hinterließen; auch die Einwohner hatten wieder einige Verluste zu beklagen. Die nächsten Tage vergingen in der Hoffnung auf baldigen Entsatz.
    Marschall Lefèvre, dem aber die Bestrebungen, Danzig von der Seeseite her zu entsetzen, bekannt geworden waren, wollte diesem zuvorkommen und versuchen, den Hagelsberg zu erstürmen. In den Nächten vom 7. bis 11. Mai waren die Franzosen daher angestrengt bemüht, ihre Sturmstellungen zu vollenden; aber die tapferen Verteidiger konnten, diese Bemühungen unterbinden und fort-gesetzte Angriffe der Sturmkolonnen zurückweisen.
    Viele Einzelheiten aus den Kampfberichten lassen die gute Haltung der Verteidiger erkennen, so waren beispielsweise 12 Musketiere der Kompanie Lindheim stundenlang bemüht, den Franzosen die bei den Sappenarbeiten herangeschafften Rollkörbe fortzunehmen. Mit langen Stangen zerrten sie Körbe und Sandsäcke aus den feindlichen Stellungen zu sich heran und erreichten oft ihren Zweck. Am 13. Mai machte Leutnant von Tiedewitz mit 40 Mann einen Ausfall gegen die feindliche Annäherungsstellung vor der Bastion Jerusalem des Hagelsberges, wo er Arbeiten an einer Haubitzenstellung festgestellt hatte. Der Offizier kletterte mit seinen Leuten über die Palisaden, überrumpelte die Geschützstellung und zerstörte sämtliche Scharten. In der Batterie fand er bereits eine Haubitze vor, die noch nicht auf die Lafette gelegt war; er vernagelte sie eigenhändig. Als eine Kompanie des 12. französischen Infanterie-Regiments heranrückte, musste sich der Offizier mit seinem Kommando nach lebhaftem Gefecht zurückziehen. Er verlor zwar drei Tote, hatte aber auch dem Gegner Ver-luste beigebracht und viele Gewehre erbeutet. Auf Vorschlag des Gouverneurs ist dem Leutnant von Tiedewitz später der Orden pour le mérite verliehen worden, auch die tapferen Mannschaften wurden ausgezeichnet.
    Am 15. Mai fand ein Entsatzversuch russisch-preußischer Truppen unter General von Kaminskoi und Oberst von Bülow statt, der leider missglückte. Der Feind unternahm danach erneut einen Sturm auf den Hagelsberg; wieder wurde dieser abgeschlagen und am nächsten Tag von der Besatzung mit einem Ausfall gegen die dritte Parallelstellung des Feindes beantwortet.
    Am 21. Mai stieß die Division Mortier aus Pommern zu dem Belagerungskorps. Inzwischen begann die Lage der Festung sich durch Munitionsmangel bedenklich zu gestalten, das Äußere der angegriffenen Front stellte das Bild vollständiger Verwüstung dar, etwa ein Drittel der Besatzung war kampfunfähig oder gefallen, ein Entsatz ausgeschlossen. Dennoch wurden die durch Marschall Lefèvre angebahnten Übergabeverhandlungen abgebrochen, als Kriegsgefangenschaft gefordert wurde. Der rangälteste Offizier im Abschnitt des Hagelsberges war Major von Horn vom Regiment Courbière, welcher der Unzufriedenheit mit den Verhandlungen im Bereich seines Abschnitts in einem Schreiben an den Gouverneur Ausdruck gab und erklärte, dass sich die Verteidiger lieber unter dem Schutt des Hagelsberges begraben lassen wollten, als eine ehrenwidrige Kapitulation einzugehen.
    Napoleon, dem der Fortgang der Operationen im offenen Felde als das Wichtigste erschien, hatte Marschall Lefèvre erneut ermächtigt, eine Übergabe anzustreben. Nachdem die Entsatztruppen auf höheren Befehl die Reede von Neufahrwasser verlassen hatten, wurde am 26. Mai 1807 nach 76-tägiger Verteidigung die Übergabe der Festung abgeschlossen. Am 27. Mai, früh 9 Uhr, rückte die gesamte Besatzung - einschließlich der Russen noch 335 Offiziere, 12.448 Mann und 1.275 Pferde - mit Waffen und Gepäck, fliegenden Fahnen und klingendem Spiel durch das Langgarter Tor nach Pillau ab, mit der Verpflichtung, ein Jahr lang nicht zu kämpfen.
    Die Franzosen besetzten danach den Hagelsberg, das Olivaer, Neugarter und das Jakobstor. Die Stadt musste 20 Millionen Franken Kontribution zahlen und bis 1813 Lasten übernehmen, die ihren Wohlstand für viele Jahre untergraben haben.
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    Die Veröffentlichung des Artikels erfolgte mit freundlicher Genehmigung des "Bundes der Danziger" in Lübeck. Weitere Verwendungen / Veröffentlichungen nur mit ausdrücklicher Genehmigung durch den Bund der Danziger, Lübeck
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  2. #2
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    Standard AW: Die Belagerung Danzigs 1807

    Hallo,
    ein kleines Kinder - Lied oder Abzählvers .
    Region Danzig, ich denke von 1815.
    Grüße Roman
    https://www.volksliederarchiv.de/alt...r-nach-danzig/

  3. #3
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    Standard AW: Die Belagerung Danzigs 1807

    Hallo Roman,
    als Schülerin in Schidlitz lernte ich von anderen Kindern diesen Abzählreim so : eins zwei, zehn, zwanzig,
    die Franzosen zogen nach Danzig,
    Danzig das fing an zu brennen,
    da bekamen sie das Rennen.
    Sie kamen auch über eine Brücke,
    die Brücke fing an zu knacken,
    da bekamen sie das Kacken.
    Der Hauptmann schrie : Papier, Papier,
    Papier ist knapp und die Franzosen hauen ab.

    Solch Reime behält man eher als das Ergebnis einer Rechenaufgabe.
    Viele Grüße von Ada
    Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt. (H. Heine)

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