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Thema: Der Danziger Pomuchel - ein "Schandfleck" ?

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Der Danziger Pomuchel - ein "Schandfleck" ?

    Schönen guten Abend,

    auch Euch wird es schon so gegangen sein... - welches Unterforum ist richtig für einen Beitrag der veröffentlicht werden soll?

    Bei folgendem Beitrag habe ich mich für "Satire" entschieden, auch wenn das der/die Eine oder Andere das anders sehen mag. Der Danziger Pomuchel, neben den offiziellen Löwen das inoffizielle Wappentier Danzigs, ein Schandfleck? Aber bitte lest selbst...


    Aus „Unser Danzig“, 1958, Nr.3, Seite 17

    Ein Danziger „Wappen-Streit“
    Von Karlheinz Roth

    Vor mir auf dem Schreibtisch liegt das Porträt eines Bürgers von Danzig. Es stammt aus dem Jahre 1932, und auf der Rückseite kann man sogar noch den Preis lesen. Ich könnte das Bild näher beschreiben, aber wozu, liebe Freunde? Sie kennen es doch, jedenfalls die meisten von ihnen. Und obgleich besagter Bürger zeit seines Lebens in üblem Gerüche gestanden hatte, so haben sie doch sein Bild, ja sogar mehrere, viele Jahre hindurch an ihrem Herzen getragen. Oder pflegen sie ihren Geldbeutel woanders als in ihrer Hose mit sich herumzuschleppen? - Wovon ich eigentlich rede, wollen sie wissen? Na, vom Pomuchel und seinem Konterfei auf dem Danziger Dittchen.
    Nun, Mitbürger, ich frage mich immer wieder, wer wohl auf die ausgefallene Idee gekommen ist, den Pomuchel auf die Dittchen zu prägen. Ich habe wirklich nichts gegen Pomuchel. Auch möchte ich mir nicht den gerechten Zorn einer ehrbaren Fischfrau wegen Geschäftsschädigung zuziehen. Im Gegenteil, ich bin bereit, den erbärmlichen Geruch, den diese Biester (ich rede vom Pomuchel) namentlich im Sommer verbreiten, wenn auch mit tränenden Augen, so doch tapfer zu ertragen - übrigens hat dieser Gestank (odor gedaniensis) viele Seeleute glauben lassen, Buenos Aires läge an der Mottlau.
    Liebe Mitbürger, nennt mich nicht einen charakterlosen Abselwaten, weil ich so über einen alten Bekannten herziehe. Aber was hat der Pomuchel geleistet, dass wir ihm so ein Denkmal setzten?
    Hört! Als einst in den glorreichen Tagen unserer Vaterstadt Danziger Fischer von echtem Schrot und Machandel zum ersten Male Pomuchel anlandeten, da bekamen die Danziger doch einen fürchterlichen Schreck, der ihnen tief in alle Glieder fuhr. In wilder Panik stoben sie auseinander und traten sich gegenseitig lahm und tot. Das ist aber noch lange nicht alles, liebe Mitbürger! Es kommt noch viel trauriger! Zu jener Zeit nämlich weilten missgünstige Ausländer am Platze, die sahen, wie die Danziger mit weit aufgerissenen Mäulern und, die Augen vor Angst verdreht, in die Sohlen gingen. Und eine böse Zunge hub an zu lästern: „Seht, wie sich die Bilder gleichen, lauter Pomuchelsköppe." So wurde der Danziger Pomuchelskopf eine „Weltberühmtheit". - Alles wäre noch mit Würde und Humor zu ertragen gewesen, jedoch dann kam dieser Schildbürgerstreich. Ich meine die Sache mit dem Pomuchel auf den Dittchen. Mitbürger, muss nicht alle Welt jeden Respekt vor uns verlieren und sagen: „Na ja, Danzig - großer Kopf, großes Maul und nuscht dahinter, wie'n Pomuchel." Weg mit dem Schandfleck, sage ich!
    Da möchte ich den Stuchel als „Wappentier" vorschlagen. Sie kennen doch alle den Stuchel. Ein Witzbold nannte ihn einmal „Stichlingus flitzikatus". Das ist gar nicht einmal so verdreht. Der Stuchel ist äußerst wendig und wehrhaft, dazu lebt er noch in den heimischen Gewässern. Jedoch wird seine Beziehung zu Danzig und den Bürgern der Stadt erst augenscheinlich, wenn man beobachtet, wie sich der Stuchel gegen Fremde benimmt. Kommt nämlich dem Stuchel, der (wie so'n richtiger Wappenvogel) dauernd um sein Nest kreist, mal ein anderer Fisch zu dreibastich, dann wird er bossich und geht wütend auf den Fremdling los, fordert ihn zum Gefecht, wobei er vielleicht noch „belkt": „Komm an, eck välang di!" Oder: „Ei er dir, loat di ma nich stäke!" Und um zu zeigen, dass es auch wirklich ernst ist, klappt der Stuchel seine Stachel auf, die ihm auf Rücken und Bauch gewachsen sind. Wer sich jetzt noch mit ihm anlegt, der schneidet sich ins eigene Fleisch.
    Mitbürger, es wird sich wohl keiner unter euch auf den Schlips getreten fühlen, von wegen Stachel und Stecherei. Ich meine nur, Danzig war schon immer eine wehrhafte Stadt, deswegen der Vorschlag. Denn die Tour mit dem Pomuchel gefällt mir schon lange nicht mehr.

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    Die Veröffentlichung des Artikels erfolgte mit freundlicher Genehmigung des "Bundes der Danziger" in Lübeck. Weitere Verwendungen / Veröffentlichungen nur mit ausdrücklicher Genehmigung durch den Bund der Danziger, Lübeck
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Der Danziger Pomuchel - ein "Schandfleck" ?

    Für diejenigen, die sich mit dem Danziger Dittchen und dem Stichling nicht auskennen, diese Erläuterungen:

    ► Danziger Zehnpfennig-Stück 1923 (mit Danzig-Wappen): > https://pl.wikipedia.org/wiki/Gulden..._gdanskjpg.jpg
    ► Danziger Zehnpfennig-Stück 1932 (mit Pomuchel): > https://upload.wikimedia.org/wikiped...gdansk1932.jpg

    ► Beschreibung und Abbildung zum Stichling:
    > http://www.mueritzeum.de/de/natur_ve..._fisch_stachel
    > https://www.google.de/imgres?imgurl=...DgoQ_B0IvQEwDA .

    Gruß Ulrich

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