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Thema: Um 1660 begann das liederliche Tabaktrinken

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Um 1660 begann das liederliche Tabaktrinken

    Aus „Unser Danzig“, 1952, Nr.10, Seite 10

    Um 1660 begann das liederliche Tabaktrinken
    Danziger Ratsherrensorgen vor 300 Jahren

    Die Ratsherren von heute haben es leicht. Sie brauchen keine Perücken mehr zu tragen. Sie beraten nur noch über Etat und Bauprojekte. Um wieviel mehr Würde und Bürde lastete auf ihren Kollegen vor 300 Jahren! Damals hatten die hochwohllöblichen Stadtväter noch ihre liebe Not, die Bürger richtig zu kleiden, ihnen die Sonn- und Feiertage einzuteilen oder ihnen gar Hochzeits- und Taufanordnungen vorzuschreiben.
    Handel und Wandel füllte im 17. und 18. Jahrhundert die Geldtruhen und Goldtresore der Danziger Patrizier. Wem ist es da zu verdenken, dass es seinen Reichtum auch nach außen zeigen wollte! Es ist eine alte Weisheit: Zuviel Geld macht übermütig. So kam es denn, dass die Danziger Damen und Herren jener wohlhabenden Zeiten sich auffällig und prunkhaft kleideten. Frau Mode hatte wieder einmal ganz absonderliche Launen. Die Herzogin Radziwill, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Danzig weilte, passte mit ihrem Bügelrock nicht in den Vorsteherstuhl in St. Marien. Sie musste einen Hausprediger annehmen.
    Aber der gestrenge Rat duldete Pomp und Eitelkeit auf die Dauer nicht, zumal nicht in schweren Zeiten. Kurzerhand erließ er Verordnungen, in denen genau vorgeschrieben wurde, welche Kleidung sich für die einzelnen Stände ziemte. So wurde 1662 ein Schwertdiener abgesetzt, weil er bei seiner Hochzeit einen Rock von Brokat und einen Hut mit silbernen Schnüren getragen hatte. Um 1670 und 1680 gab es geharnischte Aufrufe, durch die alle Gold- und Silberstoffe, Spitzen an Männer- und Frauenkleidern sowie gold- und silberbestickte Schuhe verboten wurden. Im Jahre 1691 sind „Pracht- und übermütige Hoffart“ wieder aufs Höchste gestiegen. Der Rat sieht sich zu einer neuen Verordnung genötigt und verbietet auch die „von kostbarem Seidenzeuge gemachten, und auch wohl mit Litzen von Gold und Silber besetzten und mit kostbarem Pelzwerk gefütterten sogenannten ungarischen langen Manns- und Frauenkleider, alle Diamanten an Knöpfen, Hutbändern und Aufschlägen an den Hüten, besonders aber alle Perlen und Edelsteine an dem Hauptzierrat der Frauenzimmer“.
    Aber die reichen Danziger steckten ihr Geld nicht nur in Kleidung und Schmuck. Es gab viele Möglichkeiten kostspieligen Zeitvertreibs. Damals kam gerade das Rauchen in Mode. Bei den Danzigern erfreute es sich so großer Beliebtheit, dass Rat und Kirche in Verordnungen und Predigten gegen das „Tabaktrinken“ oder „liederliche Tabakschmecken“ Stellung nehmen mussten. In den gleichen Verordnungen wird das „übermäßige Spielen, das Geschrei, Jauchzen, das Schlafen, Schnarchen und Zanken in der Kirche“ gerügt. Mit den Kirchenpflichten nahm man es nicht so genau, sonst wäre es nicht notwendig gewesen, darauf hinzuweisen, dass Gott bei seiner Ehre „sehr empfindlich sei“ und „ernstlich über dieselbe halte“, sodass „Komödien, Schauspiele, Marktschreierzoten, Spielleute und derselben liederliches Betragen, auch das dabei vorgehende wollüstige Tanzen“ am Sonntage nicht geduldet werden könnte (1705). Vor vier Uhr nachmittags durfte kein Spaziergang und keine Ausfahrt unternommen werden. Besonders unter den Nehrungern befanden sich laut Bekanntgabe des „Nehrungischen Amtes“ von 1707 viele „ruchlose Leute und Epikuräer“, den man ernstlich anbefiehlt, wenigstens zweimal im Jahre zum Abendmahl zu gehen oder aber drei Taler Strafe zu zahlen. In jedem Hause soll eine Bibel vorzufinden sein, wenigstens aber das Neue Testament, der Psalter und ein Gesangbuch. Wer nichts davon aufzuweisen hatte, konnte sich nur durch eine Buße von fünf Talern rehabilitieren. Alle „Herrschaften“ waren verpflichtet, ihre Dienstboten sonntäglich wenigstens einmal zur Kirche zu schicken und dafür zu sorgen, dass sie nicht anderswohin gingen. Ja, sie waren sogar berechtigt, ihr Gesinde im Widersetzungsfalle „mit Schlägen auszujagen und zu strafen“, allerdings so, dass es möglichst ohne „Lähmnis oder Verwundung zugehe“.
    Schon an der Wiege sollten Bescheidenheit und Gottesfurcht anfangen, denn 1705 verbot eine „Taufordnung“ alle Patengeschenke, außer bei nahen Verwandten. Selbst bei der Hochzeit durfte man noch nicht üppiger werden. Die „Hochzeitsordnung“ desselben Jahres verbot „goldene und silberne Frangen“ an der Kutsche und bestimmte auch den Wert der Geschenke. - Leider meldet keine Chronik, ob sich die putzsüchtigen Danziger Landeskinder durch die dauernden Ermahnungen ihrer Stadtväter zur Einfachheit und Bescheidenheit bekehren ließen.

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    Die Veröffentlichung des Artikels erfolgte mit freundlicher Genehmigung des "Bundes der Danziger" in Lübeck. Weitere Verwendungen / Veröffentlichungen nur mit ausdrücklicher Genehmigung durch den Bund der Danziger, Lübeck
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  2. #2
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    Standard AW: Um 1660 begann das liederliche Tabaktrinken

    ja, ja - die gute alte Zeit

    schmunzelnd gelesen hat Iris

    Viele Grüße

  3. #3
    Forum-Teilnehmer Avatar von jonny810
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    Standard AW: Um 1660 begann das liederliche Tabaktrinken

    Hallo Wolfgang, sehr interessant zu Lesen.

    So etwas müsste man sich heute mal vorstellen.

    eine Frage hätte ich noch an Dich.

    Bei welcher Gelegenheit hat sich eigentlich Dein Friseur

    beide Arme gebrochen?
    Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
    "Nec Temere - Nec Timide"
    Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

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