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Thema: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Frage Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Schönen guten Nachmittag,

    hier ein kleiner Erfahrungsbericht über meinen Uni-Klinik-Aufenthalt in Langfuhr:

    -----
    Universitätsklinik Danzig - hört sich toll an, alles scheint sich in jeder Hinsicht auf höchstem Standard zu bewegen.

    Einige Fakten:
    - Das Uni-Klinikum befindet sich im Stadtteil Langfuhr sowohl in neuen hochmodernen Gebäuden als auch in maroden kaputten Altbauten
    - jenachdem in welcher Fachklinik bzw. Station man liegt, hat man -von der Unterbringung her gesehen- Glück oder Pech
    - nach meinem Eindruck: das fachärztliche Niveau ist hervorragend, Anamnese und Diagnostik wird interdisziplinär außerordentlich viel Zeit und Sorgfalt gewidmet, die Behandlung im Rahmen vorhandener Möglichkeiten ist erstklassig, das Pflegepersonal qualifiziert, freundlich, engagiert.

    Ich bin in einem Altbau untergebracht, der bis zum Letzten ausgelutscht ist. Überall defekte Elektrik, herausgerissen Steckdosen mit blanken Kontakten, fehlende Beleuchtung, und, und, und. Der gesamten Station steht eine einzige Männertoilette zur Verfügung, kalt, unhygienisch, nicht behindertengerecht (viele Patienten hier sind Rollstuhlfahrer), nicht absperrbar. Es steht eine einzige Dusche zur Verfügung in einem kalten Raum.

    In der Station in der ich mich befinde, liegen Schwerkranke, Dahinsiechende, Sterbende, Genesende. Ich gehöre glücklicherweise zur letzten Gruppe. In meinem Zimmer befinden sich momentan fünf belegte Betten, es lassen sich aber je nach Bedarf noch ein paar weitere hineinquetschen. Nach dem was ich sah, glaube ich, dass es trotzdem noch das schönste Zimmer ist. Auch wenn die Heizung defekt ist... - sie lässt sich nicht regulieren sondern läuft mit Höchstleistung was ein extrem warmes Zimmer und pfurztrockene Luft mit sich bringt. Das hat auch zur Folge, dass immer irgend jemand röchelt "Fenster auf, Fenster auf" und der nächste dann klagt "es zieht, es zieht".

    Ein paar weitere Besonderheiten in vielen polnischen Krankenhäusern sind vielleicht auch nicht allgemein bekannt: Das einzig positive was man über die Verpflegung sagen kann ist, dass bisher noch niemand verhungert ist. Es kann sein, dass es zum Frühstück ein paar Scheiben Brot, ein Klacks Margarine und ein gekochtes Ei gibt. Das ist alles. Oder abends ein paar Scheiben Brot, ein Klacks Margarine und einen Löffel Quark. Käse, Wurst, Marmelade, Honig? Was ist das? Gibt's nicht. Gestern Abend gab's mal was Besonderes: Eine halbe Orange. Mittags gibt's Wassersuppe mit Karotteneinlage, manchmal auch mit enthaltenen Kartoffel- oder Rote-Bete-Stückchen. Dann eine Kelle Stampfkartoffeln, und einen Klops aus geschredderter Geflügelfleischmasse. Schmeckt wie eingeschlafene Füße. Pech hat, wer kein eigenes Besteck mitgebracht hat oder keine eigene Tasse. Irgendwie bekommt man dann zwar doch ein Plastikbesteck (zur Mehrfachverwendung), aber wer keine Tasse, Becher, Glas hat, kann schauen, wie er was zu trinken bekommt. Wenn überhaupt noch was zu trinken da ist. Denn selbst bei der Essensausgabe kommt es vor, dass es keinen Tee mehr gibt. Auf der Station gibt es auch kein Mineralwasser, Teebeutel oder sonst was. Es gibt nichts. Jeder von meinen Mitpatienten hat auch seine eigene Rolle Toilettenpapier -ich natürlich auch-, denn man kann nie wissen, wann auch das Papier ausgeht.

    Ach, fast hätte ich's vergessen: Unsere Betten sind Metallpritschen, mit unflexiblem Metallgitterrost auf dem eine drei Zemtimeter starke durchgelegene "Matratze" liegt. Nach der ersten Nacht zeichnete sich das Metallgitter auf meinem Rücken ab. Meine Frau schleppte Berge an dicken Decken an um das Bett wenigsten ein klein wenig zu polstern. Seitdem kann ich wenigstens halbwegs schlafen.

    Nett und abwechslungsreich sind internationale Studentengruppen die hier durch die Abteilung geführt werden und eine eigene Anamnese und Diagnostik durchführen und potentielle Behandlungen diskutieren. Da dies in der Regel Studenten sind, die kein polnisch können, sind Professoren und Ärzte dankbar wenn sie ausländische Patienten haben, die gut mit ihren Studenten in englischer Sprache kommunzieren können.

    Tja, es gäbe noch viel, viel zu erzählen. Schlimmes, Trauriges, aber auch Nettes. Nettes ist durch die Bank weg über das Personal zu sagen. Wie sie sich mühen, wie sie Empathie zeigen, wie sie Sterbende behutsam pflegen.

    Vielleicht noch eine kleine Anmerkung: Ich vermute auf diesen kleinen Erlebnisbericht Kommentare wie "kann auch alles in Deutschland passieren, haben wir auch". NEIN, das ist NICHT möglich in Deutschland. Natürlich ist das auch nicht in jedem polnischen Krankenhäusern so, erst recht nicht in Uni-Kliniken, aber es ist kein Einzelfall. Meine Mutter hat eine noch sehr viel schlimmere Odyssee mitmachen müssen.

    Vor zweieinhalb Jahren war ich zu einer Operation in der Berliner Charité, in einem vergleichbaren Altbau, aber was Baulichkeiten, Hygiene und Verpflegung anbetrifft, liegen da Welten dazwischen.

    Aber ich wiederhole auch noch einmal: Die medizinische Versorgung durch Ärzte und Pflegepersonal ist erstklassig und könnte kaum irgendwo anders besser sein.

    Mit ein bisschen Glück komme ich morgen Nachmittag raus. Dann wird mein längster stationärer Krankenhausaufenthalt seit Kindesbeinen beendet sein. Und dann, erst dann, wird eine richtige Genesung möglich sein.
    -----

    Schöne Grüße aus Danzig
    Wolfgang
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  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Lieber Wolfgang,

    Dein Erfahrungsbericht aus dem Uni-Klinikum ist eine erschütternde Anklage über die derzeitigen räumlichen Zustände und die aktuelle Verpflegung im Altbautrakt dieser Krankeneinrichtung. Träfe Deine Schilderung auch nur annähernd auf die Situation in einer deutschen Haftanstalt zu, wäre ein Generalstreik mit öffentlicher Medienbegleitung sofortige Folge.

    Ich hoffe deshalb sehr, dass Du erstens morgen tatsächlich diese erbärmliche Zumutung, diesen unmenschlichen Schandfleck der Stadt Danzig verlassen und Dich anschließend zu Hause endgültig gesundpflegen kannst, und dass Du zweitens nach restloser, nachhaltiger Ausheilung den Mut fasst, Dich beim Stadtpräsidenten von Danzig, dem sonst so sehr um seine Stadt bemühten Paweł Adamowicz, über Deine Erfahrungen im Uni-Klinikum Danzig zu beschweren.

    Im offiziellen Portal der Stadt Danzig, gdansk.pl, wird derzeit laufend über Verschönerungsaktionen in den Straßen der Stadt berichtet. Um wieviel sinnvoller wäre es, mit Teilen der dafür verfügbaren Finanzmitteln im Uni-Klinikum Danzig endlich menschenwürdige Zustände herzustellen, die internationalen Standards für Krankenhauseinrichtungen entsprechen.

    Sollte wider Erwarten die Beschwerde bei Herrn Adamowicz nicht fruchten, wäre an eine öffentliche Anprangerung Deiner geschilderten Uni-Klinikum-Zustände zu denken. Dafür würden sich sicher Mitstreiter – nicht nur im forum.danzig.de – finden.

    Ich bewundere Deine Geduld, die Du in dieser Krankenhaus-Hölle so lange aufgebracht hast, und wünsche Dir sehr herzlich ab morgen ein Wiederaufblühen in Prinzlaff.

    Mit besten Grüßen
    Ulrich

  3. #3
    Forum-Teilnehmer Avatar von Heibuder
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Grauslich! Wie kann es das geben bei EU-Fördergelder an Polen in Höhe von 9,5 Mrd€?
    Google liefert noch mehr solche symptomatischen Berichte aus ganz Polen, z.B. diesen:

    https://www.polen-pl.eu/im-krankenha...n-lagebericht/

    Und der Diebstahl medizinischer Geräte in deutschen Kliniken weitet sich aus (lt. Ärzteblatt). Alles klar?
    Ob dieser frustierte Zwerg von der PIS davon weiß? Vielleicht schiebt er auch dafür den Deutschen die Schuld zu.

    Denn man eine Gute und schnelle Genesung, Wolfgang!!
    Es grüßt der Heibuder!

    "Erinnerungen sind Wärmflaschen fürs Herz." (R.Fernau)

  4. #4
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Schönen guten Abend,

    in dem von Dir, Wolfgang, aufgezeigten Artikel vom Februar 2011, wird die Hauptursache für die Misere genannt: Eine chronische Unterfinanzierung des Gesundheitswesens an der sich bis heute nichts geändert hat. Und so trifft praktisch all das noch zu was schon vor sieben Jahren bemängelt wurde.

    In Danzig wird sehr viel getan, sehr viel gebaut. In zwei Jahren soll die Fachklinik in der ich bin einen Neubau beziehen. Und dann wird auch da viel Positives geschehen. Aber nur ein weiteres Beispiel für Geldmangel: Als ich in der Notaufnahme war (13 Stunden lang) waren in dem Behandlungszimmer in dem meine ersten Untersuchungen durchgeführt wurden, beide EKG-Geräte defekt. Eine Krankenschwester wurschtelte mit Zange und Schraubenzieher an den Kontakten so lange rum bis es dann doch eine Minute lang funktionierte.

    Der Personalschlüssel ist -zumindest in meiner Station und nach meinem Empfinden- während der Arbeitswoche ausreichend. Hier käme es nie vor, dass ein hilfsbedürftiger Patient, der selber nicht essen kann, vor einem vollen Teller sitzen bleibt bis dieser abgeräumt wird.

    Ein ganzer Teil des Pflegepersonals trägt hier zivile Kleidung. Weil kein Geld da ist, kein Geld für Krankenhauskleidung, kein Geld für Wäschereinigung. Was die hier Beschäftigten für Hungerlöhne leisten -sowohl Ärzte als auch Pflegepersonal- grenzt an Bewundernswertes. Hinzu kommen die Rahmenbedingungen, die eigentlich jeden hier Beschäftigten mutlos werden lassen müssten.

    Der Leidensdruck kommt jedoch bei der "Elite", also bei den oberen Zehntausend, nicht an. Denn diese hat durch Vitamin "B", also entweder durch Einfluss, Beziehungen und/oder Geld ganz andere Möglichkeiten. Das modernste und am besten eingerichtete Krankenhaus Polens ist das Militärkrankenhaus in Warschau. Dort kommt "Kreti und Pleti" jedoch kaum hin. Aber auch private Krankenhäuser (wie das Danziger SwissMed) sind gut, aber eben nicht mit den medizinischen Kapazitäten versehen wie die Uni-Klinik. Ein ganz anderes Problem ist, erst einmal in ein Krankenhaus aufgenommen zu werden. Denn es fehlen Betten, Personal, Geld. Und so werden viele Menschen die eigentlich dringend auf Hilfe angewiesen wären, solange wieder nach Hause geschickt bis es gar nicht mehr anders geht und sie aufgenommen werden müssen. Wenn sie's dann überhaupt noch in's Krankenhaus schaffen.

    Es hilft letztendlich nur eins: Ein gewisser Fatalismus gewürzt mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus und Humor.

    Schöne Grüße aus Danzig
    Wolfgang
    -----
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  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Hallo Wolfgang,

    Deine Empfehlung im letzten Absatz von #4 teile ich ganz und gar nicht. Hier hilft nur Druck von außen: internationale öffentliche Anprangerung, wenn im eigenen Land nicht von selbst Abhilfe geschaffen wird.

    Viele Grüße
    Ulrich

  6. #6
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Schönen guten Abend,
    lieber Ulrich,

    bedingt durch meine Frau zählen zu unserem Freundes- und Bekanntenkreis überwiegend Ärzte (sowohl Krankenhaus als auch frei praktizierend) und Apotheker. Und alle kämpfen für bessere Verhältnisse (oder gehen in's Ausland). Es wird sich sicherlich auch was zum Besseren ändern, aber das wird lange, lange dauern.

    Schöne Grüße aus Danzig
    Wolfgang
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  7. #7
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Hier der Link zu einem Bericht zu diesem Thema von Deutschlandfunk Kultur vom 06.12.2017 ("Polens Ärzte in Not - 'Wir lassen die Situation eskalieren'"): > http://www.deutschlandfunkkultur.de/...icle_id=402384 .

  8. #8
    Forum-Teilnehmer Avatar von Inge-Gisela
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Wolfgang, ich bin wirklich erschüttert über Deinen Bericht. Da kann die Genesung wirklich erst zu Hause stattfinden. Das kann man überhaupt nicht mit einem Krankenhausaufenthalt in Deutschland vergleichen. Obwohl in großen Krankenhäusern auch so einiges zu wünschen übrig lässt. Aber das wäre jetzt im Vergleich zu Deinem Erlebnis auf hohem Niveau genörgelt. Hier muss man eher aufpassen, dass man im Krankenzimmer nicht beklaut wird, wenn man sogar dabei ist. Andererseits gibt es hier auch Patienten, die glauben, sie seien in einem Hotel untergebracht und klingeln für Nichtigkeiten oder für Dinge, die sie selbst erledigen könnten. Man kann schon so einiges beobachten. Jedenfalls glücklich der, der nur ganz selten ins Krankenhaus muss oder überhaupt nicht.

    Lieben Gruß

    Inge-Gisela

  9. #9
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    danke Ulrich für den Link www. deutschlandkuiltur.de. Alle Themen, Polen betreffend sind für mich interessant gewesen und habe sie mit Spannung gelesen. Da kann man sein Wissen über Polen noch ein bißchen bereichern. Was die Misere in polnischen Krankenhäusern betrifft, erinnert mich das sehr an die 80er, 90er Jahre wo massenhaft Lastwagen mit Medikamenten, mediz. Geräten, ja selbst Bettwäsche nach Russland fuhren. Sollte man das vielleicht jetzt auch für Polen organisieren ? Abendlich Grüße von Ada
    Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt. (H. Heine)

  10. #10
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Lieber Wolfgang!
    Recht gute Besserung wünsche ich Dir von ganzem Herzen!
    Über die Gesundheitsversorgung in P. bin ich durch einen 90 jährigen Danziger,erschütternd
    Informiert! Dieses kann man sich bei uns einfach nicht vorstellen!
    Über meinen letzten K.-Aufenthalt kann ich absolut nicht klagen.
    Alles Gute für Dich und die Deinen,
    Hans- Henning

  11. #11
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Hallo an alle, die hier mit Wolfgang mitgelitten haben.

    Inzwischen habe ich mich an diesen Forum-Beitrag erinnert, in dem ich auf einen gdansk.pl-Artikel vom 08.05.2017 hinwies, der vom Richtfest "einer bedeutenden Erweiterung des Krankenhauses der Medizinischen Universität Danzig: dem Nicht-invasiven Medizinischen Zentrum" berichtete (Titel des gestarteten Themas: "Neues Krankenhaus der Medizinischen Universität Danzig"): > http://forum.danzig.de/showthread.ph...sit%E4t-Danzig .

    Dort hieß es u.a. (siehe dazu die deutsche Übersetzung), dass die ersten Patienten in der zweiten Jahreshälfte 2018 aufgenommen würden, der Gesamtkomplex dieses Neubauvorhabens aber erst 2020 fertiggestellt sein würde.

    Frage an Wolfgang: Soll das oben erwähnte Bauvorhaben (auch) den schrecklichen Altbau ersetzen, in dem Du Dich aufhalten musstest?

    Viele Grüße
    Ulrich

  12. #12
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Hallo,guten Abend.
    1979 ist mein Onkel in dieser Klinik an Krebs verstorben,ich habe ihn besucht und es war wirklich nicht Schön. Holzhäuser ohne Bad und Wc. Es sah aus wie in einen Gefangenenlager und vor den Häusern saßen sehr kranke Männer und genossen die letzten ihrer Tage mit Schnabs. Ich habe diese Klinik nicht mehr besucht. Und hoffe das es sich dort bald alles ändert. Eine schreckliche Erinnerung für mich.
    Gruß Roman

  13. #13
    Moderatorin Avatar von Beate
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Guten Abend zusammen,

    ich komme gewaltig ins Grübeln: da lässt man ein Prestige-Objekt nach dem anderen entstehen und so eine Urnotwendigkeit wie ein gut funktionierendes Krankenhaus, das doch jedem Bürger der Stadt dienen soll, das ist eher Nebensache? Dauert, dauert, dauert?

    Ob in Danzig die Prioritäten anders gesetzt werden?

    Grübelnde Grüße, Beate
    ..wirklich? Taktgefühl ist nicht nur ein Begriff in der Musikwelt?

  14. #14
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Schönen guten Nachmittag,

    ich habe mit meinem "Erfahrungsbericht" eine Diskussion losgetreten, in der der Stadt Danzig eine Art Buhmann-Funktion zugeteilt wird. In meinen Augen zu Unrecht. Wir schreiben auch das Jahr 2018 und nicht mehr 1979. Es hat sich in den letzten Jahren wahnsinnig viel getan, und wenn die Ergebnisse noch immer unbefriedigend sind, dann liegt das nicht am fehlenden Willen -vor allem nicht auf lokaler Ebene- sondern primär am polnischen Gesundheitssystem und mangelnden finanziellen Mitteln.

    Ich sehe hier auch keine großen mit öffentlichen Mitteln gebauten Prestigeobjekte die einer besseren finanziellen Ausstattung des Gesundheitswesens entgegen stünden. Denn öffentliche Investionsvorhaben, die ja vom Staat, der EU und zum Teil auch der Stadt Danzig bestritten werden, betreffen in erster Linie notwendige Infrastrukturmaßnahmen sowie kulturelle Einrichtungen.

    Hinter dem Altbau in dem ich lag wird gerade ein neuer Klinikkomplex hochgezogen. Er wird in zwei Jahren fertig sein und dann auch den Altbau ersetzen. Ich befürchte aber, dass sich bis dahin die personelle Situation weiter verschärfen wird.

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    -----
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  15. #15
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Lieber Wolfgang,

    sehr lange ist es her, dass ich hier im Forum gelesen habe. Seit 12.12. bis letze Woche, hatte mich auch ein heftiger Infekt mit Fieber aus der Bahn geworfen. Allerdings konnte ich mich zuhause wieder langsam, langsam ins Lot bringen...

    Was ich von dir hier gelesen haben, erschüttert mich sehr. Es macht mich sehr betroffen, unter welchen Umständen du im Krankenhaus "ausharren" musstest. Eine ähnliche Geschichte mit Krankenhausaufenthalt deiner Mutter hattest du uns ja erzählt. Dass es aber in der Uni-Klinik auch an allen Ecken und Enden fehlt, hätte ich nicht gedacht. Schlimm und traurig zugleich. Wie so oft wird Geld am falschen Fleck eingesetzt. Ein gut funktionierendes Krankenhaus mit entsprechender Hygiene sollte im 20 Jahrhundert auch in einer Universitätsstadt wie Danzig möglich sein. Wie gut, dass du mittlerweile zuhause bist :-)

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen baldige Genesung, und dass das neue Jahr dir und deinen Lieben Gesundheit, Wohlergehen, und viele vergnügte Stunden in Leichtigkeit und Freude beschert.

    Wenn sich meine Gesundheit weiter stabilisiert, und es mir möglich sein sollte Reisen zu können, dann möchte ich meinen Geburtstag Anfang Juni in Danzig feiern :-) Also lieber Wolfgang, werde auch du gesund, damit ich dann entsprechenden Wein aus Cleebronn besorgen kann :-) :-) und wir uns noch einmal wiedersehen können :-) Ich gebe mein bestes ;-) , du bitte auch ;-)

    Herzlichst Sybille
    PS. Auch von meinem Mann die allerbesten Genesungswünsche für Dich!

  16. #16
    Forum-Teilnehmer Avatar von mottlau1
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Guten Morgen,

    der Hinweis zu der Lage von Krankenhäusern in Polen von Wolfgang ( Nr.3 ) ist sehr interessant. https://www.polen-pl.eu/im-krankenha...n-lagebericht/

    Ich selbst war wegen eines Hörsturzes den ich 2008 erlitt im Krankenhaus von Starogard-Gdansk. - In Begleitung einer Bekannten die sehr gut deutsch spricht wurde ich ins Krankenhaus gefahren (Rollstuhl). Man führte uns in ein Zimmer in dem ein Mann lag. Angeblich war dieser herzkrank. Geschlagene drei Stunden warteten wir auf den Arzt. Die Luft war zum Schneiden denn es breitete sich der intensive Alkoholgeruch im Zimmer mächtig aus!!!

    Endlich kam ich zum Arzt. Dieser verstand jedes Wort deutsch aber sprach mit mir nicht. Darum dolmetschte meine Bekannte zwischen uns. Die Aparaturen für die Untersuchung lagen verstaubt auf einem Tisch. Er machte mir klar daß ich unbedingt in sein Krankenhaus kommen muß. Meine Frage was denn mit mir gemacht würde beantwortete er: Sie werden Infusionen bekommen. Ich fragte wie lange dauert dies denn. Antwort: Drei Stunden. Da ich in der Nähe von nur 8km wohnte, bat ich ihn darum: Schicken sie mir eine Krankenschwester für diese Zeit dann bezahle ich alles privat. Nein das geht nicht war seine Antwort! Weiter fragte ich dies: Ich habe eine Auslandskrankenversicherung beim ADAC würden sie den Transport mit einem Auto nach Deutschland befürworten. Anwort: NEIN! Zu guter Letzt bakam ich ein Rezept für Tabletten u. verließ das Krankenhaus. - Eine Alternative blieb mir: Das Gesundheitszentrum in Pelplin wo ich dann zehn Tage lang hingefahren wurde um die Infursionen zu erhalten. Wegen des Gleichgewichtes konnte ich alleine nicht gehen. Nach drei Wochen war ich transportfähig und mein Mann fuhr mich heim. Erst nach sechs Monaten war ich in der Lage wieder allein gehen zu können.
    Ich kann nur jedem der Danzig besucht raten sich auf jeden Fall für diese Besuchszeit eine Auslandskrankenversicherung für alle Fälle abzuschließen. Aber auch dann ist man einem polnischen Arzt ausgeliefert.

    Das war meine Erfahrung die hoffentlich Anderen erspart bleibt.

    Jutta
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  17. #17
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Oh liebe Jutta,
    wenn ich deine Zeilen lese, zieht es mir den Magen zusammen... Unglaublich, ein Nachbarland, nicht der Kongo oder sonstige Urwaldverhältnisse...
    Nicht nachzuvollziehen dass Menschen so unwürdig in Danziger Krankenhäusern behandelt werden ...
    Da werde ich gut überlegen, ob Danzig in diesem Jahr die richtige Reise für mich ist. Eine Auslandskrankenversicherung bringt ja unter Umständen überhaupt keine Hilfe... Traurig, traurig, traurig...

    Gruß Mona

  18. #18
    Forum-Teilnehmer Avatar von mottlau1
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Liebe Mona,

    ich wollte mit meiner Erfahrung niemanden hier erschrecken. - Wollte nur aufzeigen was einen erwartet wenn man unverhofft ärztliche Hilfe in einem Krankenhaus erhofft.
    Eins habe ich, warum ich nicht in Starograd-Gd. ins Krankenhaus gehen wollte , leider vergessen zu schreiben. Bis ich zum HNO-Arzt gelangte wurde ich durch Gänge geschoben und konnte einen Blick in paar Krankenzimmer werfen. Das hat mich so abgeschreckt, daß für mich feststand, da gehe ich nicht rein!
    Ein großer Fehler meinerseits war dieser: Ich hätte zuerst den ADAC in München anrufen sollen und denen schildern müßen in welcher Lage ich mich befand, nämlich keinen Schritt alleine gehen zu können. Durch den Hörsturz war mein Gleichgewicht enorm gestört.
    Denke im Nachhinein, daß mir dann bestimmt Hilfe zuteil geworden wäre. - Eins war klar, der Arzt wollte mich mit aller Gewalt in sein Krankenhaus haben und darum hat er meine Frage mit nein beantwortet.

    Liebe Mona reise ruhig nach Danzig. Dir muß nichts derartiges wie mir passieren. Dennoch ist es auf jeden Fall gut wenn man durch eine Versicherung abgesichert ist.

    Alles Gute und schöne Grüße
    Jutta
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  19. #19
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Hallo an alle, die hier aktiv oder inaktiv lesen!

    Mit seinem „Erfahrungsbericht“ in #1 hat nicht nur Wolfgang eine entrüstete Diskussion um die Situation in einer bestimmten Krankenhauseinrichtung im heutigen Danzig losgetreten (vgl. dazu #14), sondern Jutta hat mit ihrem „Nachhaken“ in #16 nun auch noch dazu beigetragen, dass Sybille (Mona1) wegen der von beiden Seiten geschilderten Umstände, die einem in Danzig/Polen im stationären Krankheitsfall widerfahren können, nunmehr ihre bisher in Danzig geplante Geburtstagfeier (vgl. #15) absagen will (vgl. #17). Jutta versucht zwar, Sybille von ihrem Reiserücktritt nach Danzig wieder abzubringen (vgl. #18), doch ich fürchte, dass Sybille bei ihrer Danzig-Absage bleibt.

    Diese Entwicklung finde ich fatal. Dadurch, dass Herbert Claaßen Anfang Juni auf jeden Fall Danzig besuchen wird (schönstes Geschenk zu seinem 90. Geburtstag), ich selbst sowieso wieder in der ersten Juniwoche in Danzig sein werde und ohne die in diesem Thread zu lesenden Erfahrungsberichte auch Sybille Anfang Juni in Danzig ihren Geburtstag feiern wollte, hätte schon diese günstige terminliche Übereinstimmung prima Gelegenheit zu einem Forum-Treffen mit Wolfgang in Danzig gegeben. Nun aber scheint Sybille nach dem hier Gelesenen leider andere Pläne zu haben, so dass sie und ihr Ehemann bei einem eventuellen Forum-Treffen in Danzig bedauerlicherweise fehlen würden.

    Da ich die letzten Reiseentscheidungen von Sybille nicht kenne (auch ich bitte sie hiermit herzlich, uns doch Gelegenheit zu geben, ihren Geburtstag mit ihr in Danzig zu feiern) und auch keinen Überblick habe, wer aus dem Forum evtl. außerdem am Juni-Treffen in Danzig teilnehmen könnte, möchte ich zunächst fragen, ob Ihr interessiert wäret, von mir einen Vorschlag zu einem solchen Treffen in Danzig zu erhalten. Ich wäre – bei Eurem Einverständnis – gerne bereit, die Organisation dafür (gerne mit zusätzlicher Hilfe) zu übernehmen.

    Auf Eure Antwort wartet gespannt mit freundlichen Grüßen
    Ulrich

  20. #20
    Forum-Teilnehmer Avatar von Inge-Gisela
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    Standard AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Hallo Jutta,
    wie Du schon sagst, eigentlich sollte es für jeden, der ins Ausland reist, wichtig sein, eine Auslandskrankenversicherung zu haben. Egal, ob jung oder alt. Ich finde auch, dass man nun hier nicht zu sehr an das "was kann alles passieren" denkt. Wenn man nicht direkt was Akutes hat, sollte man schöne Pläne nicht aus zu viel Ängstlichkeit heraus absagen. Wenn man innerhalb von Deutschland reist, gerade in etwas kleinere Orte, ist z.B. erst mal keine direkte ärztliche Hilfe vorhanden. Keine Arztpraxis, direkt im Umkreis auch kein Krankenhaus, von einer Apotheke ganz zu schweigen. Also ohne Auto geht erst einmal gar nichts bzw. evtl. mit einem Taxi, was Krankentransporte ausführt, wenn eins auch verfügbar ist. Oder es geht uns so wie einmal in Hamburg, als vor Jahren wir unseren Onkel in ein Krankenhaus bringen wollten und es ihn erst einmal abgelehnt hatte, weil wir den Rettungswagen hätten beauftragen müssen. Was ist das für eine Art. Unser Onkel hatte uns bis dahin verschwiegen (wir sahen ihn ja auch nicht so oft), wie krank er war. Er war auch nie zum Arzt gegangen. Ich bin laut und energisch geworden und habe gesagt, dass er schwerstkrank sei, daraufhin war dann doch ein Zimmer frei.

    Also unliebsame Erfahrungen gibt es genügend auch in Deutschland, nur anderer Art. Ich hatte mal eine ambulante OP im Krankenhaus. Und wo hat man mich danach wegen der noch bestehenden Narkose untergebracht, auf dem Krankenhausflur. Man kann nie genau voraussehen, was passiert, egal wo man ist.

    Lieben Gruß

    Inge-Gisela

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