Hallo miteinander,

wegen der Datumsangabne bin ich mir nicht im Klaren darüber, ob das Nachstehende ernst gemeint ist oder aber eine Satire. Aber lest einfach selbst.

1849 - Nach der Revolution von 1848/1849 wurde von König Friedrich Wilhelm IV. in Preußen das Dreiklassenwahlrecht eingeführt. Dieses hatte bis zum Ende der Monarchie im Jahre 1918 Bestand.

Das Dreiklassenwahlrecht bezeichnet das Wahlrecht zur Wahl des Abgeordnetenhauses im Königreich Preußen. Dabei handelte es sich um die zweite Kammer des Preußischen Landtages.

Beim Dreiklassenwahlrecht handelt es sich um ein Zensuswahlrecht: in Abhängigkeit von der Steuerleistung des Wählers besitzt seine Stimme ein unterschiedliches Stimmengewicht in drei Abteilungen („Klassen“).

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Im Feuilleton des 'Dresdner Journal und Anzeiger' vom 5. September 1849 (No. 244) erschien folgender Artikel:

"Daß unter jener Majorität, welche sich an den letzten preußischen Wahlen nicht betheiligt hat, politisch Gesinnte aller Art und nicht blos Demokraten gewesen sind, daran hat wohl Niemand gezweifelt. Daß aber auch unter diesen Wahlenthaltsamen die Rubrik der getreuesten Unterthanen, der gutgesinnten Bürger nicht gefehlt habe, dafür bringt die Neue preußische Zeitung eine Adresse an den König zum Beleg, aus der wir folgende Stellen hersetzen:

'Euer Königl. Majestät! bitten wir Sämmtliche Unterschriebene Käthener und Ein Wohner allerunterthänigst, das Sie uns in Gnaden verzeihen werden, das wir Ihnen mit ein schreiben Belästigen, denn wir sind in einen solchen Zustand Gerathen! Wofür Wir keine Ruhe haben können. Der Wahltag der 17. Juli kam an! und die Mehrsten von Uns ſind dort im SchulzenAmt zur Wahl nicht erschienen, Weil Wir in Unwissenheit Ohne Aufgeklärt Einher gingen, Ein Jeder blieb bei seinen Geschäft und Arbeit und Glaubten, dachten und Redeten Untereinander, Was soll uns Wohl das Wählen Helfen oder Nutzen, Wir haben schon Zwei Mahl gewählt und es ist nischt daraus geworden. Aus Unserer Mitte kommt doch Keiner nach Berlin. Nun wissen Wir doch nicht, treffen wier zu Abgeordneten treu redliche Preußen, oder treffen Wir Democraten. Also das Beste ist, Wir wählen lieber gar nicht, wer weiß auch, Wer das Befehl Gegeben hat.

Nun aber der Wahltag vorbei war, nun hieß es die Nicht zur Wahl gewesen sind, die sind gegen den König und Herren! und Werden für Democraten Gehalten! Darüber entstund Unter uns eine Erbitterung! ein Heftiger Groll! Wir sind arme Käthener und EinWohner, und die
Mehrsten können Wohl zur Noth Gedruckte schriften Lesen, aber Geschrieben die Wenigsten! Uns bleibt Vieles Unbewußt! Weil dieß aber all ein Mahl geschehen ist das die Mehrsten Von uns nicht gewählt haben! So bitten Wir um Gnade! und Wählen Auf Seiner Maj. des Königs! und geben sämmtliche Unterschriebene unsere Stimme ab auf den König Unsern Herrn in Berlin.

Wir ersterben in Tiefster Ehrfurcht Euer Königl. Majeſtät etc.
Aller Unterthänigste Treu gehorsamste Sämmtliche Käthener und Ein Wohner.

Laakendorf und Krebsfelde, den 22. Juli 1849.
Reg. Bezirk Danzig. (Folgen die Unterschriften)' "

Der Redakteur setzte dann noch folgende Zusatz darunter:

"Wenn man die Namen "Laakendorf und Krebsfelde" bedenkt, so sollte man fast meinen, ein witziger Kopf hätte die neue preußische Zeitung persiflirt, und die letztere scheint gar nicht zu merken, wie viel herbe Vorwürfe in dieser Adresse gegen die vormärzlichen Staatszustände liegen, und wie diese allerunterthänigsten Käthener und Einwohner, denen Vieles unbewußt bleibt, in ihrer Dummheit ein eben so ergiebiges Talent hegen und pflegen, sich gelegentlich in die ärgsten Demokraten umzuwandeln."

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Ein Schelm, wer Vergleiche mit heute führt ... .


Viele Grüße

Peter