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Thema: Der Jugendbrief/ Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig

  1. #1
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    Standard Der Jugendbrief/ Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig

    Liebe Forenleser,

    in der Veröffentlichung "Die offiziellen Organe der ostdeutschen Landsmannschaften", Hans-Jürgen Gaida, 1973, S.69ff. wird berichtet, dass seit 1951 in einer Auflage von monatlich 400 Exemplaren durch die Hauptjugendleitung des Bundes der Danziger e.V. "Der Jugendbrief" veröffentlicht wurde.

    Wer kann uns alten Ausgaben der Publikation bereitstellen?

    Darüber hinaus ist dort zu lesen, dass Siegfried Rosenberg seit 1955 eine eigene Zeitschrift "Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig" herausgab und diese sich von der "Freistaatsidee" des Bundes absetzte und Danzig als westpreußische Hauptstadt hervorhob. Die Auflage soll schnell 3.000 Exemplare erreicht haben.

    Wer hat diese Zeitschrift in seinem Bestand? Ich würde gerne die Ausgaben erwerben.

    Beste Grüße
    Marcel

  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von Antennenschreck
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    Standard AW: Der Jugendbrief/ Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig

    Hallöle,

    diese ganze Freistaatengeschichte war ursprünglich eine Idee von Napoleon gewesen, um die nationalen Bindungen in Europa, und besonders im Deutschen Reich, besser zerstören zu können, und wurde damals von ihm unter anderem an Danzig ausprobiert. Andere haben dieses Modell dann später für ähnliche Zwecke benutzt. Innerhalb des Deutschen Reiches entsprechen diesem Modell die reichsunmittelbaren freien Städte, besonders die freien Hansestädte, was ja Danzig früher auch war. Nur das eben bei diesen Städten das Reich selber immer noch als Rechtsgarant oben drüber stand.


    LG Arndt

  3. #3
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    Standard AW: Der Jugendbrief/ Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig

    Hallöle,

    hier das entsprechende Stück Geschichte um den Tilsiter Frieden:

    Der Frieden von Tilsit


    Schon Anfang Juli 1807 wurden dann Friedensverträge zwischen Preußen und Frankreich und Russland und Frankreich geschlossen, welche die Bedingung erhielten, dass Frankreich alle preußischen Länder behalten könne, welche es auf der linken Seite der Elbe besetzt halte, also alle Besitzungen in Westfalen, Franken, Niedersachsen mit Magdeburg und der Altmark, und auch von den preußischen Ländereien auf der rechten Seite der Elbe nur einen Teil zurückgeben musste, mit der ausdrücklichen Maßgabe, man gebe diese Länder nur freiwillig und aus Achtung vor dem russischen Kaiser zurück. So demütigte Napoléon Preußen nicht nur mit hohen Gebietsverlusten, sondern verletzte unnötigerweise auch noch dessen staatliche Ehre und verhöhnte dessen Monarchen. Die ehemaligen polnischen Gebiete, welche bisher in preußischen Besitz waren, bildeten nun das Herzogtum Warschau, und wurden als ein eigener Staat mit eigener Verfassung, an den sächsischen König übergeben. Danzig samt seinem Umland bildete nun einen Freistaat, offiziell zwar unter preußischem und sächsischem Schutz, in Wirklichkeit aber unter französischer Verwaltung. Das Gebiet von Bialystock, mit einer Fläche von 100 Quadratmeilen, bekam Russland zugeteilt, wofür es dann Napoléons neu erfundene Machtgebilde, wie Ludwig von Holland, Joseph von Neapel, Hieronymus als König von Westfalen, und den Rheinbund, samt ihren Titeln und Besitzungen anerkannte. Russland verpflichtete sich auch, alle Verfügungen von Napoléon hinsichtlich dieser Gebiete, sofort nach deren Bekanntmachung anzuerkennen. Außerdem versprach Russland, in dem laufenden Krieg mit den Türken, Napoléons Vermittlung anzunehmen, und die besetzten Provinzen Moldau und Wallachei umgehend wieder zu räumen, und natürlich zusammen mit Frankreich gegen England vorgehen zu wollen. Preußen musste noch versprechen, sofort alle seine Häfen für englische Schiffe zu sperren, und natürlich selber auch keinerlei Schiffe zu den Engländern zu lassen. Man kann sich bis heute nicht erklären, wieso sich der russische Kaiser ohne große Not von Napoléon solch harte Bedingungen aufzwingen ließ, der König Friedrich Wilhelm hingegen sah den Glanz der preußischen Krone inzwischen so weit herab gesunken, dass seine großen Vorfahren unter solchen Umständen das Reich nicht weiter geführt hätten, und das Einzige,was ihn noch weiter machen ließ, war die große Liebe, welche ihm sein eigenes Volk entgegen brachte. Seine Trauer war in dem Abschied sehr gut zu erkennen, welchen er am 24. Juli an die Bürger jenseits der Elbe und die Bewohner von Danzig schrieb, welcher lautete: „Ihr kennt, geliebte Bewohner treuer Provinzen, Gebiete und Städte, meine Gesinnungen und die Begebenheiten des letzten Jahres. Meine Waffen erlagen dem Unglück, auch die Anstrengungen des letzten Restes meiner Armee waren vergebens! Zurückgedrängt an die äußerste Grenze des Reiches, und nachdem selbst mein mächtigster Bundesgenosse sich zum Waffenstillstand und Frieden genötigt sah, blieb mir nicht weiter übrig, als dem Lande Ruhe nach der Not des Krieges zu wünschen. Der Friede konnte nur so, wie ihn die Umstände geboten, abgeschlossen werden. Er legte mir und meinem Hause, ja sogar dem ganzen Land die schmerzlichsten Opfer auf. Was Jahrhunderte und biedere Vorfahren, was Verträge, was Liebe und Vertrauen verbunden haben, musste nun getrennt werden. Meine und der Meinigen Bemühungen waren am Ende fruchtlos!Das Schicksal gebietet, und der Vater scheidet von seinen Kindern; ich entlasse euch aller Untertanenpflicht gegen mich und mein Haus. Unsere heißesten Wünsche begleiten euch zu Eurem neuen Landesherren; seid ihm, was ihr mir wart! Euer Andenken kann kein Schicksal, und keine Macht aus meinem und der Meinigen Herzen Vertilgen!“ Die Gefühle des deutschen Volkes bei dieser Trennung erkennt man ganz gut an der plattdeutschen Antwort der Niedersachsen an ihren alten guten König Friedrich Wilhelm: „Das Herz wollte uns brechen, als wir deien Abschied lasen, und wir können uns noch heute nicht überreden, dass wir aufhören sollen, deine treuen Untertanen zu sein, wir, die dich immer so lieb hatten. Wahrlich, es ist nicht deine Schuld, dass deine Generale und Minister nach dem Unglück bei Jena zu verblendet waren, um die zerstreuten Schaaren zu uns her zuführen, und sie mit unseren Landsknechten zusammen zum neuen Kampf zu führen. Leib und Leben hätten wir daran gewagt; denn du darfst nicht zweifeln, dass in unseren Adern noch heute das Blut der alten Cherusker feurig fließt, und dass wir auch noch stolz darauf sind, Hewrrmann und Wittekind unsere Landsleute zu nennen. Wir hätten unser Vaterland gerettet, denn unsere Landsknechte haben noch Mark in ihren Knochen, ihre Seelen sind noch nicht zerfressen, und über unsere Weiber und Töchter hat der verkommene Zeitgeist seine Pestluft noch nicht ausgegossen. Inzwischen können aber auch wir dem Eigenwillen des Verhängnisses nicht mehr entgehen. Lebe wohl, du alter guter König! Gott gebe, dass sich in dem Rest deines Landes treuere Generale und klügere Minister finden, als es die waren, die dich betrübten. Ihrem schlechten Rat musstest du aber manchmal folgen, denn auch du bist nicht allwissend wie der große Geist der Welten. Können wir aufstehen gegen des Schicksals eisernen Arm? Nein, wir müssen mit männlichem Mut alles zulassen, was wir nicht zu ändern vermögen. Gott wird uns beistehen. Wir hoffen, unser neuer Herr wird uns unsere Sprache und Sitten, unseren Glauben und unser Bürgerwesen eben so erhalten und achten, als du, guter lieber König, es alle Zeit getan hast. Gott gebe dir Frieden, Gesundheit und Freude! Wir waren immer die Deinen!“


    LG Arndt

  4. #4
    Forum-Teilnehmer Avatar von asche
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    Standard AW: Der Jugendbrief/ Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig

    Hallo an alle, wieder mal!
    Ob jemand heutzutage lieber den Freistaat oder Westpreußen haben will, hat wirklich überhaupt keine praktische Bedeutung. 1955 bedeutete letzteres immerhin, dass man ideologisch ein Großdeutschland-Nationalist war, während viele Freistaat-Fans eine Art Schweizer Demokratie erträumten.
    Es scheint mir aber historisch unrichtig, den Danzigern Anfang des 19. Jhd. überdurchschnittlich hohe Affinität zur Berliner Monarchie zuzuschreiben, eher im Gegenteil. In den meisten preußischen Gebieten außerhalb des Brandenburger Kernlandes fühlte man sich als fremd-erobert, insofern konnte Napoleon gut auf den Separatismus-Reflex vertrauen. Da er sich aber noch rücksichtsloser verhielt als ehedem die Preußen, folgte schließlich der Wiedervereinigungs-Reflex. So ging es auch nachher hin und her.
    Die Bezeichnung Westpreußen war ohnehin von Anfang an ideologisch im Sinne der Brandenburger, da die namensgebenden Pruzzen nur östlich der Weichsel gesiedelt hatten. 1792 erfand man noch "Südpreußen" hinzu. Eine andere Geschichte.
    Herzliche Grüße,

    - Alexander -

  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von Antennenschreck
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    Standard AW: Der Jugendbrief/ Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig

    Hallöle,

    Ich glaube mich nicht zu erinnern, geschrieben zu haben, ich wolle einen Freistaat uder Preußen oder sonst etwas, also wird wohl diese Bemerkung nix mit dem von mir geposteten zu run haben, aber trotzdem danke für die aufschlußreichen Erklärungen.


    MfG

  6. #6
    Forum-Teilnehmer Avatar von asche
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    Standard AW: Der Jugendbrief/ Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig

    Antennenschreck, meine Bemerkung bezog sich natürlich auf Marcels »Darüber hinaus ist dort zu lesen, dass Siegfried Rosenberg seit 1955 eine eigene Zeitschrift "Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig" herausgab und diese sich von der "Freistaatsidee" des Bundes absetzte und Danzig als westpreußische Hauptstadt hervorhob.« - das war eigentlich der Auslöser.

    Vielleicht sollte ich noch darauf hinweisen, dass Danzig nie zum Heiligen Römischen Reich gehörte, ebensowenig das eigentliche Preußen (Ostpreußen), weswegen sich die Kurfürsten von Brandenburg zu Königen von Preußen machen konnten. Die Danziger ließen sich den Schutz der polnisch-schwedischen Könige gerne gefallen, solange sie sich nicht zu sehr einmischten.

    Im 18. Jhd. waren pikanterweise die Könige von Dänemark, Schweden und Polen in Personalunion Reichsfürsten innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Konflikte, die man im weiteren Sinne als Nationalitätenkonflikte auffassen konnte, gab es u.a. in Pommern. Nach dem Wiener Kongress war Dänemark der Buhmann.

    Fazit: Kleinstaat-Separatismus ist immer dann eine Versuchung, wenn man auf wirtschaftlichen Erfolg hoffen kann und keine Angst vor Eroberung haben muss. Katalonien ist das aktuelle Beispiel. Sobald die Zeiten schlecht werden, kriecht man möglichst bei demjenigen Nachbarn unter, von dem man sich die relativ beste Behandlung erhofft. Zurechtgezimmerte ideologische Begründungen in alle Richtungen sind immer wohlfeil; gerne beansprucht man Gott, die Heilige Nation, das vergossene Blut der Märtyrer, die historische und sprachliche Brüderschaft usw.
    Herzliche Grüße,

    - Alexander -

  7. #7
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    Standard AW: Der Jugendbrief/ Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig

    Hallöle,

    na gut, dann war das wohl nicht auf mich bezogen. Hier aber nun einmal meine Sicht zu der Frage, wer da wann wohin gehört haben könnte; ich betone könnte:

    Der Cisterciensermönch Christian bringt das Christentum nach Preußen


    Das Land der Preußen, im Norden von Polen gelegen, war während des elften und zwölften Jahrhunderts immer wieder von den polnischen Fürsten mit großen Heeren angegriffen worden. Deshalb hatte sich die heidnische Bevölkerung in dieser Gegend immer wieder unter das polnische Joch fügen müssen. Aber kaum hatten sich die Polen wieder auf den Heimweg begeben, so waren die eben erst Getauften auch schon wieder aufgestanden, und hatten die wenigen polnischen Besatzer und Bischöfe vertrieben. Bei diesen Kämpfen wurden die Pommern und Preußen aber immer stärker und bedrohten letztendlich sogar das schwächelnde polnische Reich. Mit Mühe und Not konnte man Polen halten, aber an eine erneute Unterwerfung dieser unruhigen Völker war gar nicht mehr zu denken, denn selbst das gerade erst eingezogene Christentum in diesen Ländern war schon wieder auf dem Rückzug. Das berührte aber die Seele vom Cisterciensermönch Christian gar sehr, und er beschloss, sich der Bekehrung dieses heidnischen Volkes zu weihen. Weil dieser Mönch schon eine Weile im Kloster Oliva bei Danzig lebte, kannte er die Armut und einfache Lebensweise des Volkes um die Weichsel herum recht gut. Deshalb dachte er, mit dem christlichen Glauben auch Frieden und Wohlstand in diese Gegend bringen zu können. Vor allem aber wollte er für sein Tun den Segen des Papstes erlangen, und zog daher mit einigen Freunden im Jahre 1209 nach Rom. Das war nun schopn für Innocenz III. ein erhebender Anblick, diese Ordensbrüder zu treffen, welche einen so weiten Weg auf genommen hatten, um von ihm den Segen für ein so wohllöbliches Werk zu bekommen, diesen Wunsch konnte und mochte er ihnen also auch nicht verwehren. Mit großer Klugheit hatte sich Christian das Kulmische Gebiet zum Startpunkt seiner Mission ausgesucht, denn dort stand er noch unter dem Schutz des Herzogs von Masovien, und befand sich doch schon auf preußischem Boden. Wenn er in diesem Landstrich erst einmal Fuß gefasst hätte, so wäre der Weg weitere Weg tiefer hinein ins heidnische Preußen sicher einfacher zu bewältigen. Als er nun aus Rom zurückkehrte, ging er zuerst zum masovischen Herzog, um sich dessen Schutzes und Wohlwollens zu versichern. Was hätte nun aber für den Herzog Konrad günstiger sein können, als Christians heiliges Vorhaben, welches ihn auf einem friedlichen Weg von einem fürchterlichen Gegner befreien würde, und das Kulmerland erst zu seinem wirklichen Besitz machen würde; ja, ihm vielleicht sogar die Herrschaft über ganz Preußen einbringen konnte. Er konnte und wollte also dem Mönch seine Zustimmung nicht versagen. Zuerst musste Christian das ganze Kulmische Land zum Christentum bekehren; erst danach durfte er sich den angrenzenden Landschaften Pomesanien und Löbau zuwenden. Christians friedliche und ehrliche Worte zogen auch tatsächlich das heidnische Volk mächtig an, und viele von ihnen, darunter auch Edelleute, ließen sich von ihm taufen. Sein christliches Werk machte recht gute Fortschritte, und er eilte schon im Sommer des Jahres 1211 wieder nach Rom, um dem Papst von seinen Erfolgen zu berichten, und von ihm zu erfahren, wie er jetzt die kirchlichen Verhältnisse bei diesem neu bekehrten Volk ordnen solle. Innocenz nahm die Botschaft mit großer Freude auf, konnte er doch hoffen, schon bald einen Bischof für das heidnische Preußen bestellen zu können. Einstweilen begnügte sich der Papst aber damit, den frommen Glaubensprediger und seine neu Bekehrten der bischöflichen Verwaltung in Gnesen zu unterstellen, und die polnischen Fürsten und Prälaten zur Unterstützung desselben aufzufordern. Doch gerade diejenigen, welche der Papst jetzt zur Unterstützung aufforderte, bereiteten ihm die ersten Probleme. Die polnischen Äbte nämlich, waren auf Christians Wirken entweder eifersüchtig, oder zumindest unfähig, seine hohe Begeisterung zu erfassen; und sie zweifelten sein ganzes Streben an und versagten ihm auch jeglichen Beistand. Man verweigerte Christian und seinen Leuten den Zutritt zu polnischen Klöstern und Kirchen, und nannte sie zuchtlose und liederliche Mönche. Man verfolgte sie so böswillig, das einige von Christians Getreuen den Mut verloren, und ihn verließen. Selbst des Herzogs Konrads Meinung über Christian hatte sich inzwischen gewandelt, und er verfolgte den Mönch mit mit allerlei Intrigen; denn die stolzen Polen hatten Preußen immer nur mit ihren Heeren versucht zu erobern, und konnten nun Christians friedliche Erfolge nicht ertragen. Deshalb versuchte Konrad das neu gewonnene Land unter sein hartes Joch zu beugen. Er glaubte sicherlich, Christian habe das Volk nur deshalb zum Christentum bekehrt, damit es sich nun gutwillig seiner Herrschaft unterwerfe. Allein, nichts lag Christian ferner, als die Meinung, seine Bekehrten hätten nun sofort den Herzog als ihren neuen weltlichen Herren anzuerkennen, oder er sei sogar verpflichtet die christlichen Preußen dem Herzog als neue Untertanen zuzuführen. Den eigentlich hatte Konrad gar kein Anrecht auf Preußen, welches ja bis jetzt immer seine Freiheit behauptet hatte, und nur weil dasselbe jetzt christlich wurde, konnte ein solcher Anspruch auch nicht entstehen. Der allgemein elende Zustand des damaligen polnischen Volkes musste Christian in seinem Widerstand gegen eine polnische Herrschaft nur noch bestärken; war doch die Härte der dortigen Fürsten gegen das eigene Volk so groß, dass sich sogar der Papst im Jahre 1233 genötigt sah, mit gewaltigen Worten dagegen einzuschreiten, und eine sofortige Abstellung der Grausamkeiten zu fordern. Solch eine grausame Herrschaft konnte Christian sich für seine soeben Bekehrten sicher nicht wünschen; allerdings widersetzten sich auch seine neu Bekehrten selbst den unberechtigten Forderungen des Herzogs. Einige von ihnen gingen sogar aus Podest in ihr ehemaliges Heidentum zurück. Es musste nun also irgendeine Lösung für die angespannte Situation gefunden werden.

    Christian muss wieder nach Rom, um einen Weg zu finden

    Der Mönch eilte also nun zum dritten Mal nach Rom; diesmal aber um dem Papst von der kritischen Situation in Preußen zu berichten. Dieser nahm sich auch sofort Christians Problemen an, und richtete ein Schreiben an das gerade versammelte Generalcapitel des Cistercienserordens, und lobte Christians hochherziges Tun, und tadelte ernsthaft die ihm angetanen Kränkungen und gebot allen Mönchen, den Glaubensprediger jetzt doch nach allen Kräften zu unterstützen. Genau so entschieden war das Schreiben, was Innocenz an die polnischen Fürsten richtete. Zuerst tadelte er ihren Versuch das preußische Volk ihrer Freiheit zu berauben und in Knechtschaft zu bringen, als unchristlich und dem weiteren Fortschritt der Bekehrung als nicht zuträglich, und er befahl ihnen von einem weiteren Benehmen dieser Art sofort abzustehen; zusätzlich übertrug er die ganze Vollmacht in dieser Sache an den Erzbischof von Gnesen. Jedem weiteren Verstoß gegen die Freiheit der preußischen Christen könne dieser im Ernstfall sogar mit einem Bannspruch beantworten. Der Zweck dieses Schreibens war zwar eigentlich nur, die weitere Bekehrung von Preußen zu schützen, aber war zugleich auch eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der Region. Der Papst bestimmte darin also, dass Preußen in Zukunft unabhängig bleiben solle, und ein eigenständiger christlicher Staat werden müsse, der keinesfalls unter polnische Herrschaft gehöre.

    Christian wird zum ersten Bischof in Preußen

    Diese Frage aber wurde auch bald durch eine freie politische Entscheidung der Preußen selber geregelt. Denn schon zu Anfang des Jahres 1215 waren zwei große Landschaften von Preußen samt ihrer Oberhäupter für das Christentum gewonnen worden, konkret handelte es sich um Lansania und Löbau. Das neue christliche Gebiet in Preußen hatte jetzt einen solchen Umfang, dass Innocenz nicht mehr länger zögern musste, mit der Erhebung Preußens zu einer Diöcese; und wer sonst sollte ihr erster Hirte sein, als eben unser Christian. Wahrscheinlich erhielt er in Rom aus der Hand des Papstes selber seinen Schmuck und die Weihe zum Bischof von Preußen. Als nun die beiden Oberhäupter von Lansania und Löbau diesen Oberhirten von Preußen sahen, da legten sie diesem die Herrschaft über ihre Gebiete in seine Hände. Sie hatten schon seine Weisheit und Milde erlebt, mit der er gewirkt hatte, auch hatten sie seine Kühnheit bestaunt, mit der er für die Freiheit von Preußen gestritten hatte. Wem konnten sie also sicherer ihre Länder anvertrauen, als Christian; und Innocenz bestätigte gern ihre Schenkungen. So wurde also Christian der erste Bischof und christlich weltliche Herrscher von einem großen Teil Preußens. Es hörte also jetzt die einstweilige Verwaltung durch den Erzbischof von Gnesen auf; von einer Unterordnung der preußischen Kirche unter die polnische ist nichts bekannt, und eine solche ist nach dem vorher Berichteten auch sehr unwahrscheinlich. Mit Ausnahme von Kulm gebot nun Christian über all das inzwischen christlich gewordene Land seines Sprengels. Dieses Gebiet umfasste mit Löbau das ganze später sogenannte Pogesanien, zwischen Pomesanien und der Passarge, und erstreckte sich bis zum frischen Haff. Solch große Gebiete umfasste also inzwischen der christliche Glaube, und die Vollendung der Bekehrung schien nicht mehr lange auf sich warten zu lassen. Auch die politische Gestaltung von Preußen schien also in eine günstige Richtung zu gehen, wenn das keine äußeren Umstände verhindern würden. Es war also zu erwarten, dass auch noch die übrigen preußischen Völker Christian die Hoheit über ihr Land übergeben würden.


    LG Arndt

  8. #8
    Forum-Teilnehmer Avatar von Peter von Groddeck
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    Standard AW: Der Jugendbrief/ Danziger Nachrichten - Vorposten für Danzig

    Hallo Asche,
    kleine Korrektur. Bei Deinem Satz "weswegen sich die Kurfürsten von Brandenburg zu Königen von Preußen machen konnten."muss man das "von Preußen" in "in Preußen" ersetzen. Der preußische Kurfürst Friedrich III. krönte sich zum preußischen König Friedrich I. in Preußen.
    Gruß Peter
    Tue recht und scheue niemand.

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