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Thema: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

  1. #1
    Forum-Teilnehmer Avatar von MueGlo
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    Standard Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Moin,

    Uwe Waldling schickte mir kürzlich das Buch von Hermann Thiessen: Martin Thiessen und seine Nachkommen 1737-1977, veröffentlicht 1977. Darin geht es - wie der Titel schon sagt - um den Mennoniten Martin Thiessen und seine Nachkommen, in Zeiten ohne Genealogieprogramm hervorragend strukturiert, sobald man das System erkannt hat.

    Darin tauchen auf u.a. Johannes Jakob Wiens (1871 - 1943) & Charlotte Lina Müller (1871 - 1942), evangelisch, aus Klein Zünder - siehe http://momente-im-werder.net/01_Offe...tag_George.htm
    und ihre zwischen 1895 und 1905 in Poppau geborenen Kinder.

    Vermutlich irgendwann in den 1920-er Jahren erwirbt Johannes Jakob Wiens den sog. Paradies-Wiens-Hof in Küchwerder - siehe den Link oben.

    Zwei der Kinder waren mir aufgrund des Lebensberichtes des Alten Herrn namentlich bekannt: Heinrich Herbert Wiens, der sich 1927 erschoß, und Anni Lina Wiens ... die nach 1945 nach Canada auswanderte. Da bin ich in Kontakt mit Nachkommen.

    Neu war für mich Käthe Wiens, * Poppau 1895, die - alles lt. Hermann Thiessen - 1920 Gerhard Willy Dück, Mennonit, heiratete, * Steegnerwerder 1897.

    Dieser war 1943 Oberregierungs- und Oberlandwirtschaftsrat in Dzg - Langfuhr.

    Lt. Hermann Thiessen stirbt dieser 1974 in Montevideo, Uruguay, Käthe dort 1963.

    Bis dahin klingt das alles "normal", ein Teil der vertriebenen / geflüchteten Thiessen etc. wandert nach dem Krieg nach Canada aus, andere nach Uruguay ...

    Zurück zum Lebensbericht des Alten Herrn: Da heißt es: Schwiegersohn Gerhard Willi Oych ... Seit 1982 korrigiere ich in dem Lebensbericht herum. Der Alte Herr hatte eine Sauklaue, als er nicht mehr schreiben konnte, hat er auf Band gesprochen, die Schwester hat nach Gehör getippt ... etliche Familien- und Ortsnamen wurden korrigiert, zwei Rätsel blieben bislang, u.a. Oych.

    Nun wird klar, der heißt nicht Oych sondern Dyck !

    Der vollständige Satz im Lebensbericht des Alten Herrn lautet: "Und den Schwiegersohn Gerhard Willi Oych [Dück] mochten wir nicht leiden, er war ein Angeber und später großer Nazi."

    Ein Mennonit ein Nazi ??? ... d.h., diese waren auch nicht gefeit ...

    Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay ... alles Fluchthäfen für Nazis nach 1945 ...

    An die Schwarmintelligenz des Forums: Was bekommen wir noch über diesen Gerhard Willi Dück heraus???

    Bleibt gesund und beste Grüße, Rainer MueGlo
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  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Moin, Rainer,

    auch die Mennoniten profitierten zwischen 1933 und 1936 von der Entschuldung von Hofbesitzern, s. auf deiner Seite
    http://www.momente-im-werder.net/01_...ldung_1933.htm

    Es gab viele Nazis unter den Mennoniten, auch aus meiner Familie ist es bekannt und es fand kaum eine Aufarbeitung der westpreußischen Mennoniten nach dem Krieg statt.
    https://www.mennlex.de/doku.php?id=top:drittes_reich

    Zu Gerhard Willi Dyck schau ich später.

    Bis denne,
    Uwe

  3. #3
    Forum-Teilnehmer Avatar von Lavendelgirl
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Hallo Rainer,

    zu der Familie Gerhard Willy DÜCK gibt es hier einen Stammbaum:
    https://www.geni.com/people/Gerhard-...00040187285482
    verwaltet wird der "Baum" von einem Gerhard Wilhelm DUECK.
    Vielleicht nimmst du einmal Kontakt zu ihm auf.

    Gerhard Willy DÜCK wurde am 21.10.1897 in Steegnerwerder geboren.
    Vater: Hofbesitzer Gerhard DÜCK
    Mutter: Johanna geb. NEUFELD
    Geburtsurkunde Standesamt Steegen Nr.101 / 1897
    https://www.ancestry.de/interactive/...638.1483116937

    Gerhard Willy DÜCK wanderte 1948 von Westdeutschland nach Uruguay aus, siehe hier:
    www.mennonitegenealogy.com/latin/urug48.htm

    Er lebte mit seiner Familie hier:
    Delta Colony was the third Mennonite colony in Uruguay. It was located in southern Uruguay in Departamento San Jose, 60 miles (100 km) northwest of Montevideo, and three miles (five km) south of the principal Montevideo-Colonia highway, about 150 miles (250 km) southwest of the two older Mennonite settlements, El Ombu and Gartental. It was named Delta in remembrance of the Vistula Delta, from which the settlers all originated. The site was selected after careful investigation and after all prospective settlers had registered agreement to the purchase, which was made on 18 February 1955. The tract contained 1,462 hectares (ca. 3,600 acres), which was divided into farms of an average of 75 acres in size, and initially occupied by 40 families. The financial arrangements for the purchase called for a down payment of 250,000 Uruguay pesos, 100,000 of which were supplied by each family paying 2,500, and the remainder coming from North American friends. A mortgage was arranged through the government mortgage bank at eight percent interest. Delta Colony was independent of the other Mennonite settlements, with its own organization. The first officers of the colony were elected in 1955 as follows: President, Walter Sprunk; Secretary, Wilhelm Regehr; Treasurer, Hans Warkentin; Committee members, Artur Schweitzer, Helmut Wiebe, Gerhard Willy Dueck and Wilhelm Dueck.
    All the settlers originally were refugees from the Danzig area and West Prussia, but came directly from the settlements of El Ombu, Il Pinar, Trinidad, Santa Rosa, Buschental and Montevideo in Uruguay. The colony cooperative was called "Co-operativa Delta." To some extent the farmers also operated independently on such products as milk, fruit and vegetables. The principal farm product of the settlement was wheat, although some sunflowers, potatoes and vegetables also were grown. Marketing facilities were good because of the colony's location on the main road into Montevideo.
    The Delta church began is a branch of the Montevideo church. Willi Jochem, formerly at El Ombu, was the minister in the mid-1950s.

    Laut dem Stammbaum bei GENI heiratete am 08.01.1920 die Käthe WIENS.
    Im ev. Kirchenbuch von Steegen ist die Trauung nicht gelistet.
    Ich gehe davon aus, dass diese Hochzeit mennonitisch war.

    In der Sterbeurkunde ihres Sohnes Horst DÜCK, mennonitisch, *07.12.1923 Steegnerwerder, +21.04.1943 in Afrika,
    Panzergrenadier und Student der Rechtswissenschaften
    wohnhaft Danzig-Langfuhr, Torgauer Weg 3

    Vater: Oberregierungs- und Landwirtschaftsrat Gerhard Willi DÜCK
    Mutter: Käthe geb. WIENSZ

    ist als Wohnsitz Danzig-Langfuhr angegeben.
    https://www.ancestry.de/interactive/...638.1483116937

    laut Adressbuch Danzig 1942 ebenfalls im Torgauer Weg 3 wohnhaft:
    https://www.danzig.org/en/wp-gallery...ry-img-id=7512

    Grüße an alle und bleibt gesund!
    Viele Grüße Frank

  4. #4
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Erst einmal aus grandmaonline.org

    Scan wird auf Wunsch zugeschickt..

  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    http://othes.univie.ac.at/9986/1/2010-05-14_0407594.pdf

    Ab Seite 98 wird die Situation der Mennoniten im 3. Reich beleuchtet.

  6. #6
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Moin,

    Beate wird die Grafik in #4 gleich rausnehmen. Wer an Daten interessiert ist darf sich gerne an mich wenden.

    Beste Grüße
    Uwe

  7. #7
    Forum-Teilnehmer Avatar von sarpei
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Hallo Rainer,

    Gerhard Willy Dück ist im Danziger Beamten-Jahrbuch zu finden:

    Name:  Dück - Siedlungsamt.jpg
Hits: 173
Größe:  54.1 KB

    In der Position kann sich ein Beamter zur damaligen Zeit nur halten, wenn er Mitglied der Partei war.

    Was ist nun von der Erinnerung "... er war ein Angeber und später großer Nazi ..." zu halten? Zum Angeber kann ich nichts sagen. Das ist sicher auch ein sehr persönliches Empfinden. Allerdings bezweifle ich, dass es sich bei 'groß' um 'hochrangig' handelt. In mir vorliegenden Listungen (Dienstalterslisten ab Obergruppenführer, Waffen-SS-Liste 1944, Das deutsche Führerlexikon) ist er nicht zu finden. Leider sind die polnischen Seiten zu Parteimitgliedern der NSDAP nicht nach Namen durchsuchbar. Natürlich kann er trotzdem der Ideologie angehangen haben.


    Viele Grüße

    Peter

  8. #8
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Noch einen Nachtrag zu #1. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass das Buch von Peter/sarpei digitalisiert wurde. Dafür möchte ich Peter auch noch einmal auf diesem Weg danken.

  9. #9
    Forum-Teilnehmer Avatar von MueGlo
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Moin,

    herzlichen Dank für die Infos. Spannend.

    Was den "Angeber und großen Nazi" betrifft: Ich verstehe das "groß" nicht als Positionsbeschreibung innerhalb der Nazihierarchie sondern im Sinne von überzeugter, enthusiastischer Nazi nach dem Motto: "Der Führer und ich werden es euch / den anderen schon zeigen ..."

    Die Kolonie in Paraguay: Ist das eine Mennoniten-Kolonie oder eine von mennonitischen Nazis? D.h., waren Walter Sprunk, Wilhelm Regehr, Hans Warkentin, Artur Schweitzer, Helmut Wiebe, Wilhelm Dueck auch Nazis? Diese Frage stellt sich auch, weil die Geschwister der Ehefrau Käthe Wiens alle nach Canada zogen ...

    Beste Grüße, Rainer MueGlo
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  10. #10
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Moin, Rainer,

    die Frage ist schwer zu beantworten. Viele gingen nach dem Krieg nach Südamerika, nicht nur Mennoniten. Es ist ja auch bekannt, dass viele Nazis dort eine neue Heimat fanden. Aber ob Canada frei von Nazis waren, das bezweifel ich. Die Menschen aus Deutschland/Preußen/Russland gehörten nun dem Regime an. Man kann sicherlich viel darüber schreiben. Ich belass es mal damit.

    Herzliche Grüße
    Uwe

  11. #11
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Im Netz gibt es zu dem Thema was, das Beispiel passt vielleicht nicht so ganz:
    https://wochenblatt.cc/mennoniten-zw...euz-und-kreuz/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Wochenblatt

    Ein Bruder meiner Großtante (Bench) lebte lange in Uruguay, kamen dann nach Deutschland zurück und lebten in Leopoldshöhe, im Ortsteil Bechterdissen befindet sich eine mennonitische Kirche. Ob sie Nazis waren oder nicht, ich weiß es nicht.

    Gruß
    Uwe

  12. #12
    Forum-Teilnehmer Avatar von MueGlo
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Moin, Uwe,

    ziemlich gruselige Kommentare ... was zeigt, dass das Thema noch virulent ist.

    Im Nordosten von Santa Catarina (2.-südlichster brasilianischer Bundesstaat) mit einem großen Teil deutschstämmiger Bevölkerung ist es mir in den 1990-er Jahren nicht ein einziges Mal gelungen, jemanden zum Sprechen zu bringen über die Zeit vor 1945. Durchblicken ließ man nur, dass die Deutschstämmigen zunehmend unpopulärer wurden und dass sukzessive die deutsche Sprache sowie deutsche Namen verboten wurden. Und nach dem Krieg hieß es, entweder ihr integriert euch, passt euch an oder verschwindet ...

    Beste Grüße, Rainer MueGlo
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  13. #13
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Gerhard Willy Dück, 1897 - 1974, Mennonit, Nazi ?

    Moin, Rainer,

    hier werden die Mennoniten noch einmal unter dem Thema "Westpreußen" beschrieben.
    https://www.mennlex.de/doku.php?id=loc:westpreussen

    Beste Grüße
    Uwe

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