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Thema: Elektrizitätsversorgung Gr. Werder - Ein Blick 100 Jahre zurück

  1. #1
    Forum-Teilnehmer Avatar von sarpei
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    Standard Elektrizitätsversorgung Gr. Werder - Ein Blick 100 Jahre zurück

    Hallo miteinander,

    am 11.07.1922 gab es eine in der 'Danziger Allgemeine Zeitung' abgedruckte Zuschrift, die einen Blick auf die damaligen Zustände im Großen Werder ermöglicht - so habe ich es zumindest empfunden. Viel Spaß beim Lesen!

    Name:  1922-07-11_Elektrizitätsversorgung Gr. Werder-1.jpg
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    Schon irgendwie seltsam, wenn man die Lebensumstände seiner Vorfahren auf diese Art und Weise vor Augen geführt bekommt.


    Viele Grüße,

    Peter

  2. #2
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Elektrizitätsversorgung Gr. Werder - Ein Blick 100 Jahre zurück

    Schönen guten Abend,
    hallo Peter,

    hochinteressant der Artikel! Vor allem auch die Information, dass nach 20 Jahren Elektrifizierung von 489 preußischen Landkreisen nur noch ein einziger übrig war, in dem die Zeit stehen geblieben war. Das ist jetzt 100 Jahre her und wer die Weichsel von Westen kommend überquert, wird feststellen, dass auf vielen Gebieten die 20 Jahre noch immer nicht eingeholt worden sind. Natürlich, Elektrizität gibt es schon lange, aber die Gebiete westlich der Weichsel sind uns in Vielem noch immer (mindestens) 20 Jahre voraus. Das beginnt bei der gesamten öffentlichen Infrastruktur, der Wirtschaftsentwicklung, auch beim Fremdenverkehr ist das (Vor-) Gestern stets spürbar.

    Hast Du eine Info bzw. einen Anhaltspunkt, wann das Große Werder (Marienburger Werder) flächendeckend elektrisiert wurde? Ich versuche jetzt mal auch, das herauszubekommen...

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  3. #3
    Forum-Teilnehmer Avatar von MueGlo
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    Standard AW: Elektrizitätsversorgung Gr. Werder - Ein Blick 100 Jahre zurück

    Moin,

    1922 hatte im Reich die Inflation verstärkt eingesetzt, die sich 1923 zur Hyperinflation entwickelte.

    Die höchst umständliche Darstellung der Wirkung steigender Preise bzw. deren Verharmlosung vermittelt, dass die kommende Hyperinflation überhaupt noch nicht denkbar und vorstellbar war. Wer dann 1923 Geldvermögen in Form von Papiergeld und Anleihen besaß verlor alles und verarmte. Dies traf auch einige Familienmitglieder ...

    Beste Grüße, Rainer MueGlo
    "Der Mensch lebt, so lange man sich seiner erinnert!" - Afrikanisches Sprichwort

    www.Momente-im-Werder.net --- Adressbücher, Literatur, Werkzeugkasten und Momente im Danziger Werder

    Nachbarn und Hofbesitzer in Groß und Klein Zünder vom 17. bis 20. Jahrhundert:
    http://momente-im-werder.net/01_Offen/31_Gross-Zuender/Nachbarn-GrZ-KlZ/index.htm

  4. #4
    Forum-Teilnehmer Avatar von sarpei
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    Themenstarter

    Standard AW: Elektrizitätsversorgung Gr. Werder - Ein Blick 100 Jahre zurück

    Hallo miteinander!

    Heinrich Lettau schreibt in seinem Buch 'Neuteich - Heimatbuch' (1929) in der von ihm zusammengestellten Zeittafel:

    1926 - zu Weihnachten elektrisch Licht in der Stadt.

    Bevor es dazu kam, floss allerdings noch eine Menge Wasser die Tiege herunter. In der Zeit von 1922 bis 1925 handeln etliche Beiträge in der 'Danziger Allgemeine Zeitung' von dem Bemühen um eine moderne Elektrizitätsversorgung.

    Es war ja nun nicht so, dass es in Danzig keine Elektrizität gegeben hätte, allerdings reichten die Kapazitäten der im Jahr 1907 errichteten Radaune-Talsperre mit dem Überland-Kraftwerk Straschin-Prangschin nicht für die städtische und ländliche Elektrizitätsversorgung gleichermaßen.

    Ende Januar 1923 wurden in dem freistaatlichen Haushaltsplan für Betriebe, Verkehr und Arbeit 600 Millionen Mark für den Bau einer Hochspannungsleitung in das Gr. Werder und 400 Millionen für den Bau eines Wasserkraftwerkes in Gischkau und für die Verbesserung der Wasserkraftnutzung der Radaune zwischen dem Oberwasser der Hammermühle in Straschin und dem Oberwasser der Mühle in Gischkau eingesetzt. Offen bleibt dabei die Finanzierung ('Anleihe').

    Im Jahr 1924 gab es dann noch einen Rechtsstreit zwischen der Firma Schichau und der Stadtgemeidne Danzig wegen der Ausnutzung der Wasserkräfte der Radaune (Antrag der Stadt Danzig vom 13.08.1923). Wegen Verfahrensfehler der Stadt folgen weiter Verzögerungen bzgl. des Bölkau-Kraftwerks.

    Mitte Oktober 1924 konnten die ersten fertiggestellten Anlagen des Bölkauer Kraftwerks besichtigt werden. Der Weiterbau wird wegen des schwebenden Verfahrens zwischen der Firma Schichau und der Stadt Danzig ausgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt werden im städtischen Elektrizitätswerk von Danzig etwa 11.000 Kilowatt Spitzenleistung bereitgestellt. Damit werden die Stadt Danzig versorgt und der Kreis Danziger Höhe 'unterstützt'. Die absehbaren Planungen umfassen: Zoppot, Oliva, elektrische Straßenbahn Danzig mit Neufahrwasser. Damit einher geht eine Leistungssteigerung von derzeit 14.000 Kilowattstunden/Jahr auf 20.000 bis 1925. Und ja, es ist weiterhin geplant, "den Kreis Großes Werder, zwischen Nogat und Weichsel, anzuschließen, welcher noch gar nicht versorgt ist.".

    Am 17.10.1924 wird im Rechtsstreit dem Antrag der Stadt entsprochen - und die Firma Schichau legt Revision ein.

    Die Revision der Firma Schichau wird am 03.12.1924 vom Reichsgericht zurückgewiesen. Schichau nimmt ihre an das Oberlandesgericht gerichtete Beschwerde zurück.

    Ende Mai des Jahres 1925 wird als der Tag der Eröffnung des Betriebs des Radaune-Kraftwerks der 01.08.1925 genannt. ABER (!): "Der Kreis Großes Werder hat vorläufig seinen Anschluss an Danzig noch nicht in Aussicht genommen, da er glaubt, aus wirtschaftlichen Gründen noch bei der ostpreussischen Überlandzentrale verbleiben zu müssen.". Irgendwie nachvollziehbar, wenn geschrieben steht, dass man glaubt, nach einjährigem Betrieb des Werkes eine Übersicht darüber gewinnen zu können, wie sich die Strompreise zu gestalten haben werden.

    Schon wenige Tage später beschließt dann der Kreistag und Kreisausschuss Gr. Werder die Gründung des 'Überlandwerk Großes Werder' unter Beteiligung der Bayerischen Aktiengesellschaft für Energiewirtschaft. Diese erwirbt in Tiegenhof das Grundstück des Bauunternehmers Heinrich (Neue Reihe) für eine besondere Bauabteilung, die die erforderlichen Licht- und Kraftinstallationen ausführen wird.

    Am 24.08.1925 wird die Vollendung des Bölkauer Radaunewerks gemeldet. Die Wasserbecken sollen bis Anfang September gefüllt sein. Daran wird sich ein Probebetrieb anschließen, bevor dann der öffentliche Betrieb erfolgen kann.

    Am 05.09.1925 wird das Bölkauer Kraftwerk nach mehr als zwei Jahren Bauzeit festlich eröffnet.


    Viele Grüße,

    Peter

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