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Thema: Joachim Schroetter

  1. #201
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Lieber Wolfgang, an deinen Beiträgen gibt es nichts auszusetzen. Immer sachlich und konstruktiv. Viel Spaß in der Prärie.

    - - - Aktualisiert - - -

    Noch etwas habe ich auf der Seele. Nicht nur meine Seele fühlt so, auch andere haben mir schon ihre Sorgen mitgeteilt. Ich mache mir Sorgen, um das deutsch-polnische Verhältnis, was in letzter Zeit sehr belastet ist.

  2. #202
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Heute noch Mal ein Gedicht von mir:Heimat-Impressionen.

    Vieles ist in dieser Stadt neu erstanden,
    Goldwasser, Machhandel genügend
    vorhanden.
    St. Marien, Katharien, Brigitten Gotteshäuser unter Krieg stark gelitten. Noch sieht man die Wunden, stark geschunden.

    Viele Kinder die ich sehe,
    ihre Sprache nicht verstehe.
    Gehe durch historische Gassen.
    Reichtum so erfassen.

    Steinerne Figuren schauen auf mich herab,
    flüstern mir zu,
    willst du haben hier dein Grab.
    Alte Tore mächtig, scheinbar vital,
    gibt es hier in großer Zahl.

    Straßenbahn pünktlich wie immer,
    fährt in Richtung Abendschimmer.
    Richtung Brösen,
    ein wenig dösen.

    Fischerboote am Strand,
    viele wie ein Heer,
    sehe ich keine leider mehr.
    Friedlich das Meer vor mir liegt keine Spur mehr vom Krieg.

    Wind schickt seine Wellen,
    über narbenreiche Stellen.
    Will hier nicht mehr länger
    stehen,
    das habe ich jetzt eingesehen.

    Tränen, salzig, wie die Meere,
    ich hier nicht mehr wiederkehre.
    Heimat, du warst wunderschön,
    werde dich nicht weidersehn.

    Du Königin, du bist nicht mehr „meine „Stadt, auch wenn ich dich noch gerne hab.
    Verneige mich vor dir in Liebe
    für immer ich nun fortbliebe.
    Joachim Schroetter 2023

  3. #203
    Forum-Teilnehmer Avatar von Inge-Gisela
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Joachim, das Gedicht gefällt mir sehr. Das Traurige ist ja, dass Du bzw. Deine Familie Danzig verlassen musstet, politisch, und die Stadt war zerstört. Aber welche Stadt wurde wieder so schön aufgebaut? Die alten Häuser von früher, wie würden sie heute vielleicht aussehen? Eine andere Sprache - ja. Wie oft haben sich Geschichte und Landverteilungen verändert. Auch unsere Sprache verändert sich und nach meiner Ansicht nicht gerade zum Besten. Z. Zt. ist in so einigen Teilen der Welt nicht mit Frieden zu rechnen, was das Wichtigste für die Menschheit wäre. Vielleicht habe ich etwas Ähnliches schon einmal hier geschrieben :-(.

    Ich wohne z.B. seit Jahrzehnten nicht mehr in der Stadt, wo ich groß geworden bin. Ich besuche sie ab und zu, da ich dort noch 2 Freundinnen aus meiner Kindheit habe. Aber ist sie noch die Stadt, die ich kannte? Nein. Eigentlich sieht sie restauriert schöner aus. Aber die Menschen sind fremd. Auch in den Läden sieht man niemanden mehr, den man kennt. Es ist nicht mehr die Stadt mit meinen Erlebnissen. Sie war damals kurz nach dem Krieg, wir als Flüchtlinge in Nordrhein-Westfalen, grau und etwas zerstört. Als Kind hat man es so genommen, wie es war. Aber so lange wir unsere schönen Erinnerungen haben, ist es doch auch ein Geschenk. Wie z.B., der Gedanke an die Eltern, wo es in meinem Fall mittlerweile noch nicht einmal ein Grab gibt. Auf dem Friedhof sind die Jahre grabmäßig begrenzt. Aber die Menschen sind in unseren Herzen, nicht unbedingt auf einem Friedhof. Und wenn man alt ist, denkt man doch, das Leben war nur ein Augenblick, was ja auch stimmt, wenn man die Jahrtausende betrachtet.

    Lieben Gruß

    Inge-Gisela

  4. #204
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldkind
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Lieber Joachim,
    danke, dass du uns teilnehmen lässt an deinen Empfindungen. Ich kann sie nur all zu gut verstehen. Man braucht da auch nichts zu zerpflücken. Von Zeit zu Zeit nimmt unser Herz Abschied und der Verstand tut gescheit daran, wenn er sich aus dieser Angelegenheit raushält.
    Wenn ich auch selten auf deine Beiträge geantwortet habe, so habe ich sie doch mit verfolgt. So oft denke ich an dich, immer wenn ich einen Kirschbaum sehe. Vor allem, wenn sie im Frühling blühen, denke ich an dich, an deine Familie, an deine Geschichte. Aus diesen Bildern, trotz aller Trauer, geht so viel Kraft hervor, die niemals zu versiegen scheint. Jedenfalls nicht, solange es Kirschbäume gibt. Kirschbäume geben einem die Kraft sich auf die tiefsten Wunden in der Seele einzulassen und sich durch das Unerträgliche tragen zu lassen. In diesem Sinne werden meine Gedanken dich immer begleiten.
    Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass wir auch das, was unsere Vorfahren lebten und erlebten irgendwie in unserer Seele tragen und irgendwie geben wir es von Generation zu Generation weiter. In meiner Familie kam die Flucht und das Vertreiben häufig vor. Dann besteht die Aufgabe darin, das Flüchten und Vertreiben, egal in welcher Form es sich bemerkbar macht, aufzugeben. Hier im Forum sind wir einander auch ein Stück Heimat. Jedes Stückchen zählt. Unsere Geschichten, die wir uns erzählt haben, sind ein Stück Heimat. Für diese Puzzelsteine bin ich dankbar. Sie geben mir das Gefühl in etwas Größerem aufgehoben zu sein. Ein wesentliches Merkmal für Heimat, denke ich. Es macht keinen Sinn diese Puzzelsteine in eine Waagschale zu werfen. Ich denke nur manchmal, wie wäre mein Leben gelaufen ohne dieses Forum oder was für ein Mensch wäre ich heute. Ich glaube, dass mich die Menschen hier weniger verloren und weniger suchend gemacht haben.
    In diesem Sinne also für dich und alle hier ein herzliches Dankeschön. Wir können "unsere Städte" am Ende nicht mitnehmen, aber die innere Heimat schon. Liebe Grüße vom wald- und wiesenkind.
    Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. (Karl Valentin)

  5. #205
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Ich danke dir Waldkind, das hast du sehr gut formuliert.

    - - - Aktualisiert - - -

    Auch dir liebe Inge-Gisela danke ich für die netten Worte.

    - - - Aktualisiert - - -

    Es wird hier oft gewünscht, dass man zur politischen Lage in Polen und zur anstehenden Wahl Stellung nehmen soll. Ich will das aber nicht kommentieren, weil ich menschlich tief enttäuscht bin und nicht geglaubt hätte, dass uns die PIs Partei, Herr Katschynski als Nazideutschland bezeichnet und uns sogar heimlich einen Pakt mit Moskau, neben an deren andere unverschämten Behauptungen unterstellt. Das ist für mich sehr verletzend.

  6. #206
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Höre gerade "Klänge der Heimat", aus der Fledermaus. Da klingst auch bei mir. Ich höre das Orgelkonzert in der Kathedrale von Oliva, wo ich mit meinem Vater war. Oh, Klänge der Heimat, ihr ward so schön. Traurig bin ich.

  7. #207
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Hallo Joachim,

    wenn es Deine Kräfte noch zulassen, könntest Du doch noch einmal nach Danzig fahren und Dir dort u.a. ein Orgelkonzert in der Kathedrale von Oliva direkt anhören. Wenn es Dir aber nicht mehr möglich sein sollte, schicke ich Dir hier ein paar Ansichts- und Hörproben:

    https://www.google.de/search?q=konce...6CYpn2bv4,st:0
    https://www.youtube.com/watch?v=SHpL4QFv9bU
    https://www.youtube.com/watch?v=mJitXZ9kt9M
    https://www.google.com/search?client...C6oyWf0NQ,st:0

    Vielleicht kennst Du ja schon das eine oder andere Video.

    Viele Grüße
    Ulrich

  8. #208
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    Standard AW: Umweltfeeauf Polnisch

    Danke Ulrich, damit hast du mir eine große Freude gemacht. Ich sehe meinen Vater, mit Sehnsucht und Freude, wie wir durch den Park gehen. Zwar könnte ich noch mal kommen, aber die Wunden sind nun vernarbt und dabei soll es bleiben.

  9. #209
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Habe den Text aus der Fledermaus ein wenig abgeändert. "Klänge der Heimat, wecket mein Sehnen, verursacht Tränen, wenn ich euch höre, ihr vertrauten Lieder, zieht es mich nach Oliva wieder".

  10. #210
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Leider hat der Wolfgang das Thema Nachrufe geschlossen. Ich möchte mich aber doch für die warmherzigen Worte bedanken Ich finde es sehr würdevoll, wie unseren lieben Toten gedacht wird. Vielen Dank dafür

  11. #211
    Forum-Teilnehmer Avatar von Fischersjung
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Guten Morgen Joachim,
    das Thema Nachrufe ist ncit geschlossen, siehe hier:
    http://forum.danzig.de/forumdisplay.php?93-Nachrufe
    und letzter Beitrag:
    http://forum.danzig.de/showthread.ph...926-21-10-2011

    - - - Aktualisiert - - -

    Berichtigung: ....nicht geschlossen...
    Viele Grüße von Joachim

  12. #212
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Bei Wolfgang steht Thema geschlossen?

  13. #213
    Forum-Teilnehmer Avatar von Fischersjung
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Hallo Joachim,
    im Thema'Nachrufe auf Forummitglieder, Angehörige, Freunde' schreibt Wolfagng ausdrücklich:

    Zitat: "Mittlerweile wurden unzählige Nachrufe geschrieben. Bitte ergänzt sie durch Fotos, möglichst mit Angaben wann und wo und wie sie entstanden sind, egal wie weit der Nachruf zurück liegt. Schaut nach was Ihr noch an Fotos habt, kramt in Euren Foto-Archiven und schaut was Ihr erst kürzlich oder vor zehn oder zwanzig oder noch mehr Jahren aufgenommen habt. Und wenn es noch keinen Nachruf auf eine/n Verstorbene/n gibt, dann schreibt bitte einen!
    Wir wollen Niemanden vergessen. Jede/r der einmal war, verdient es gewürdigt und nicht vergessen zu werden." Zitatende

    Du kannst zu jeder Zeit im Link: http://forum.danzig.de/forumdisplay.php?93-Nachrufe
    ein neues Thema erstellen um einen Nachruf zu einem Verstorbenen einzustellen.
    Viele Grüße von Joachim

  14. #214
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Erinnerung

    Danzig - geliebte Heimatstadt
    schöne Königin am Meer.
    Ich sehne mich nach dir, ich sehne mich so sehr.
    Wir Kinder spielten fröhlich mit feinem Meeressand,
    Und ließen ihn dann rieseln, ganz langsam aus der Hand.
    Die Möwen oben kreisend, von Brösen weht der Wind,
    Und in den Dünens Hügel, lachte froh ein Kind.
    Wir waren braun wie Mohren, die Haare kurz geschoren,
    Am Ostseestrand geboren, hatten „ihn“ noch nicht verloren.
    Glücklich waren wir obendrein im warmen hellen Sonnenschein.
    Fischer flickten Netze, es roch nach Salz und Teer,
    Und viele schöne Muscheln schwemmte an das Meer.
    Man tat es auch nicht lautstark kund, machte man einen Bernsteinfund.
    Wir bauten Burgen aus Sand, waren stundenlang am Strand.
    Es war so herrlich in der Natur, von Umweltzerstörung keine Spur.
    Geliebte Heimat, stilles Glück, wie gerne kehrte ich zurück.

  15. #215
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Joachim Schroetter

    Gedanken 2
    Geliebte Heimat, geliebtes Land,
    du kommst mir langsam aus dem Sinn,
    weil ich nicht mehr kann zu dir hin.
    Das Alter welkte Gesundheit und Gedanken,
    die sich einst wie eine schöne Rose um die Heimat ranken.
    Unbeschwertes Glück,
    kommt nicht mehr zurück.
    Bin in Gedanken am Strand,
    spiele im feinen Sand.
    Milder Wind weht aus Süden,
    in den weiten Dünen
    lacht froh ein Kind.
    Möwen in den Lüften sind.
    Friedlich liegt das Meer vor mir,
    war als Kind sehr gerne hier.
    Sammelten Muscheln und Strandgut,
    alles friedlich, alles gut.
    Netze trockneten an Stangen,
    viele Fische wurden gefangen.
    Lachse, Butt und Flunder.
    Meer ein Artenwunder.
    Nachdem behaglichen in der Sonne dösen,
    ging es über Kopfsteinpflaster zurück nach Brösen. Dort betrieb Oma einen Laden
    Zuckerstange und auch Fladen.
    Eltern und Geschwister sind nun tot.
    Die mir halfen in der Not.
    Bald ist niemand mehr da,
    der schildern kann, was Heimat war.
    Auch wenn die Verse einfach sind,
    erinnere ich mich so als Kind,
    was wird mein letzter Gedanke sein,
    bevor für immer bricht mein Augenschein.
    Joachim Schroetter 2024
    Ich wünsche euch allen eine gute Zeit.

  16. #216
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Ein alter Danziger

    Der Alte kriegsgebeugt,
    nach unten in die Mottlau äugt.
    Wünscht ein Wunder,
    sieht nur eine Flunder.
    Wünscht sich herbei, den Butt,
    den sprechenden Fisch,
    doch der landet auf den Mittagstisch.
    Es ist jetzt so still
    Keiner redet auch nicht Ilsebill.
    Es sind vergangen viele Jahren,
    wo er mit dem Vater an dieser Stelle waren.
    Er ist allein, traurig voll Gedanken,
    die sich um die Familie und Heimat ranken.
    Vielleicht ist es der letzte Blick,
    den er zum Krantor schickt.
    Die Flunder schwimmt indes nach Brösen,
    will im warmen Wasser dösen.
    Und denken an die große Flucht,
    die einst begann in dieser Bucht.
    Und das es gäbe endlich Frieden,
    der allen Menschen beschieden.
    J. Schroetter

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