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Thema: [Saspe / Zaspa] Der Sasper See

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard [Saspe / Zaspa] Der Sasper See

    Aus "Unser Danzig", 9.Jahrgang, Nr.1, vom 01.01.1957, Seite 16

    Der Sasper See
    von Marianne Stoehr

    Auf der Fahrt mit der Straßenbahn zwischen Langfuhr und Brösen bemerkte der aufmerksame Betrachter bei hellem Sonnenschein in der Gegend von Saspe, dort wo im Hintergrund die Doppeltürme der evangelischen Kirche von Neufahrwasser emporstiegen, versteckt in den Feldern einen länglichen blauen Wasserstreifen. Baum- und strauchlos streckte sich hier der Sasper See durch nasse Wiesen und Felder bis fast nach Neufahrwasser. Im Sommer gelangte man kaum durch das versumpfte, mit kleinen Zuflüssen durchzogene Gelände an den schilfumwachsenen See. Einsam und unbekannt fristete er sein Dasein. Eine reiche Vogelwelt fand indessen in seiner Nähe geschützte Brutstätten. Weit hörte man das Tirilieren der Lerchen in der blauen Luft, den lustigen Kiebitzruf, und hier und dort leuchtete das weiße Gefieder von Freund Adebar, wenn er langbeinig durch die Wiesen stolzierte.

    Setzte im Winter scharfer Frost ein, so klar und ohne Schnee, zeigte die sporttreibende Jugend von Neufahrwasser eine seltsame Unruhe. Eifrig hielt sie Ausschau über die kahlen Felder zu dem See, und wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Freudenbotschaft: „Das Eis auf dem Sasper See hält!" Nun begann in dem kleinen Ort ein Wandern mit Schlittschuhen oder Schlitten und selbstgebastelten Holzkufen. Der nächste Weg führte die Kirchenstraße hinunter am katholischen Friedhof vorbei und auf dem von Schutt künstlich aufgeworfenen Damm entlang, der ein Stück in die Wiesen hineinreichte. Von dort oben sahen wir in der Ferne winzige schwarze bewegliche Punkte, die ersten mutigen Eisläufer auf dem See. Über humplig gefrorene Wiesen und stopplige Felder ging es weiter. Zuweilen wurde mit kühnem Sprung ein Graben genommen, denn dem Eis am Rande der Gräben war nicht zu trauen. Es kam vor, das ungeschickte Springer pudelnass wieder den Heimweg antreten mussten. Klarer Frost, öfter mit eisigem Wind verbunden, machte diese beschwerliche Wanderung ohne Weg und Steg zu keiner reinen Freude. Wir waren froh, die in der Nähe des Sees gelegenen überschwemmten Wiesen zu erreichen. Von dort konnte man die Schlittschuhe anschnallen, und ängstliche Gemüter begnügten sich hier mit dem Eislauf.

    Um auf den See zu gelangen, galt es einen Zugang durch das Röhricht zu finden. Es gab nur schmale Zuwege durch das mannshohe Dickicht. Jedesmal schlug mir das Herz etwas bange, wenn ich solch einen Engpass, von Schlittschuhspuren gezeichnet, verfolgte; denn hier und da hörte man von Eiseinbrüchen in dem wärmeren Schilf. Hatten wir nun die verhältnismäßig kurze Strecke durchlaufen, öffnete sich vor uns die weite herrliche Sicht über den großen See, dessen Eisfläche schier unendlich schien. Hohl klang das schwarz gefrorene Wasser unter unseren Füßen. Wie aus einer anderen Welt schienen darin die zu Stein erstarrten Wasserpflanzen. Es kostete geraume Zeit, ein Gefühl der Unsicherheit zu überwinden. Zog man dann in weiten Bogen Kreise über das Eis, wiegten und schwangen sich die einzelnen Glieder in formvollen Rhythmen gleich einem Tanz, war alles Sorgen vergessen. Man glitt wie schwebend frei und freudvoll durch die frische Winterluft.

    Von Neufahrwasser und der Sasper Gegend hatte sich viel junges Volk zu fröhlichem Treiben auf dem See zusammengefunden. Die große Fläche und der weite Raum boten unerschöpfliche Möglichkeiten. Munter tummelte sich die Jugend auf dem Eis und erdachte allerhand Kurzweil. Wir übten uns in kunstvollen Figuren. Zu zweien und mehr flogen wir über die glatte Ebene. Vor die Schlitten spannten sich freiwillige Läufer, und im Galopp ging die sausende Fahrt. Böse Spaßmacher holten lange Ruten aus dem Schilf, um sie unvermittelt den Schlittschuhläufern vor die Füße zu werfen. Mancher kam dadurch hässlich zu Fall. Gern riefen wir zur Schlange zusammen. Wir fassten uns an Händen und bildeten eine lange Kette. Eine Weile wurde vorwärts gelaufen, dann auf Kommando eine Schwenkung vollzogen; der letzte ließ im gleichen Augenblick los und fuhr in geduckter Stellung weit über den blanken Spiegel, während die anderen im Bogen her umflogen. Häufig riss die zu lange Schlange im kritischen Augenblick an verschiedenen Stellen, und die einzelnen Teile flogen je nach Schwung in die Gegend, was uns auch immer viel Vergnügen bereitete. Bei diesem Spaß durften aber nur sichere Läufer mitmachen.

    Versank am westlichen Horizont der rote Feuerball, begaben wir uns
    heimwärts mit der frohen Aussicht auf den folgenden Tag. Der Eislauf auf dem See war meistens von kurzer Dauer. Fiel der erste Schnee, kamen einige Tüchtige noch mit Schaufel und Besen bewaffnet, die Schlittschuhbahn freizulegen. Deckte dichter Schneeflockenfall die Erde mit weißem Tuch, war es mit dem lustigen Wintersport auf dem Sasper See vorbei.

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    Die Veröffentlichung dieses Artikels erfolgte mit freundlicher Genehmigung des "Bundes der Danziger" in Lübeck.

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    Viele Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  2. #2
    Forum-Teilnehmer
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    3

    Standard AW: Der Sasper See

    Ja! deswegen gab's da ein Flughafen bis 1972! Den haben nicht die Danziger gebuat! Der Herr 1933-1945 war es... ;-)

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