Aus “Unser Danzig“, Heft Nr.15, vom 05.08.1965, Seite 15:


3 Mal gedreht, 4 Mal gewonnen!
Ein Bummel über den Danziger Dominik


Los, Max, de Dittchens in de Fupp und denn zum Dom'nik!“ so oder ähnlich war die Stimmung in ganz Danzig. Heute, am 5. August, beginnt, nein, begann der große Jahrmarkt, der Kinderherzen höher schlagen ließ, wenn Danzigs Kirchenglocken um die mittägliche Stunde mit feierlichem Geläut den Auftakt zu vergnügtem Treiben gaben.

In früheren Jahren drängten sich zahllose Buden auf dem Kohlenmarkt, bis dass er aus den Nähten platzte, der Gute. Dann zogen die Schausteller auf den weiten Platz vor dem Olivaer Tor, der groß genug war, die Vergnügungsetablissements zu fassen; denn die Verkaufsstände befanden sich auf Mattenbuden, auf Langgarten und in der Weidengasse. Nach dem ersten Weltkrieg dann wurde dem Dominik ein neuer Platz zugewiesen, eben jenes ausgedehnte Gelände draußen an der Breitenbachbrücke.

Noch hatten die Schüler große Ferien, die in einem Dominiksbesuch meist ihre Krönung fanden. Selbst um die Roggenernte nahm sich sonntags die Landbevölkerung Zeit zu fröhlich unbeschwertem Treiben, auf denn nach Danzig mit dem Fuhrwerk, mit dem Auto, mit der Eisenbahn. Am meisten aber freuten sich die Kinder. Zuerst ging's mit den Eltern hin nach Mattenbuden, ging's in die Weidengasse oder nach Langgarten. Gediegenes Tongeschirr aus Bunzlau in Schlesien, berühmte schlesische Leinwand oder gar pommersche Wolle und Wollwaren boten auf Mattenbuden die Händler feil, Hier konnte man seinen Bedarf an wärmender Kleidung für den kommenden Winter decken. Und nun noch nach Langgarten, dort kaufte Vater Pfefferkuchen, die echten Thorner Kathrinchen oder Steinpflaster und für jedes Kind ein kleines Geschenk, für Karlchen eine Pfeife, für den Max die kleine Sirene und für den Prenter Hans ein „Stimmchen“, wie man dazumal die Mundharmonika nannte. Mit Musik, so meinten wir, ging's besser, wenn auch das, was man auf Pfeife, Sirene und Mundharmonika gemeinsam produzieren konnte, wohl kaum als solche zu bezeichnen war. Dann auf zur Breitenbachbrücke. Vom Dominiksgelände her dröhnte vielstimmig das Gejohle der Drehorgeln zu uns und ließ das Gefühl der Erwartung nur noch um so größer werden. Die Drehorgeln aber wurden später durch Schallplattenmusik aus Lautsprechern ersetzt. Vor den Leierkästen scharten sich erwartungsvoll die Kinder, und staunend standen sie mit großen Augen da, wenn bunt bemalte, holzgeschnitzte Kapellmeister und ihre in gleichermaßen grellen Farben leuchtenden Musikanten sich nach dem Rhythmus der Musik im Kreise drehten, unaufhörlich nach bekannten Schlagern, Opern und Operettenmelodien. Noch hatte der Leierkastenmann seine Schau nicht beendet, noch standen die Kinder in seinem Bann, da rühmten auch schon Ausschreier unüberhörbar ihre Künste. Hier gab es die „Dicke Berta“ oder die „Spinne mit dem Mädchenkopf“ zu sehen, dort rauften sich muskelstrotzende Box und Ringkämpfer, und Wettkämpfe wurden ausgetragen, deren Sieger wahrhaftig mit Preisen bedacht wurden.

Karussell an Karussell. Für ein paar Pfennige nur ließ man sich begeistert im Kreise fahren, schnell musste es gehen und noch schneller. Händler hielten dicke bunte Trauben von Luftballons in ihren Händen, die Kinderherzen höher schlagen ließ, wenn Vater einen solchen mal spendierte. So mancher aber entglitt den kleinen Kinderhänden und schwebte, von einem wehmütigen „Oh“ begleitet, davon, dem Himmel' entgegen, bis als kleiner Punkt er in den Wolken sich verlor. Als Trost gab's Zuckerwatte, Lakritze oder Pfefferminzstangen. Über das Meer von Buden und Karussells aber erhob sich das Riesenrad, das niemals fehlte. Hatte man mit seiner Gondel die schwindelnde Höhe erreicht, breitete in farbiger Vielfalt ein wimmelnd Gewoge sich über das weite Gelände an der Breitenbachbrücke aus.

Währte in früheren Jahren der Dominik nur fünf Tage, so wurde er späterhin auf zehn Tage verlängert. Passierte gelegentlich einer jener kleinen Unfälle, die im dichten Gedränge zuweilen sich nicht vermeiden ließen, waren Helfer zur Hand. Auch Polizei und Feuerwehr standen für den Einsatz bereit.

Dreimal gedreht und viermal gewonnen!“ so schallte es von der Bude her, und ehe er sich versah, der kleine Bowke, wird ein Teddy in den Arm ihm praktiziert, denn diesmal hat er Glück gehabt. Ringe über Flaschenhälse oder leichte Bälle in zahlreich aufgestellten Schalen zu werfen, das erforderte schon einiges Geschick.

Wenn um zehn und späterhin um elf Uhr Feierabend war, dann erloschen die leuchtenden Ketten der elektrischen Birnen, die zu abendlicher Stunde den Jahrmarkt in ein bunt flimmerndes Lichtermeer verzauberten. Das war der Danziger Dominik! E. F.

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Wolfgang