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Thema: Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

    Im Danziger Hauskalender 2008 (zu beziehen bei Esther Rosenberg unter der Email-Adresse rosenberg@danzig.de) hatte ich einen Artikel geschrieben, den ich nun auch hier veröffentliche:

    Das Gasthaus Helgoland

    Helgoland? Im Danziger Raum? Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das erste Mal von Helgoland hörte. Aber wen ich auch fragte wo denn dieses Helgoland liegen könnte, ich erhielt als Antwort stets ein fragendes Schulterzucken. Bis mir mal jemand sagte, Helgoland liege bei Fischerbabke (Rybina). Aber auch das half nicht viel weiter, denn im heutigen Fischerbabke kann sich niemand erinnern...

    Was ich ebenfalls lange nicht in Erfahrung bringen konnte, war ob Helgoland nun ein Ort oder eine Gaststätte war. Eines Tages kam mir die Idee, einmal auf einem alten Vorkriegsmesstischblatt nachzuschauen. Und dort fand ich Helgoland! Bei Fischerbabke, an der Stelle wo die Königsberger Weichsel von der Elbinger Weichsel abzweigt, liegt in der Gabelung ein großes Grundstück, das amtlich mit Helgoland bezeichnet ist. Den Grund für diesen Namen habe ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen können, aber vielleicht war es die inselförmige Lage, die diesem herrlichen Fleckchen Erde zum Namen Helgoland verhalf.

    Noch im 19. Jahrhundert wurde es das "Spitz von Groschkenkampe" genannt, zu einer Zeit als auf dem Grundstück bereits seit Generationen ein kleiner vielen Überschwemmungen trotzender Hof von der Familie Goertz bewirtschaftet wurde. 1899 brannte dieses Anwesen nieder. Die Familie baute dann an der Straße zwischen den beiden Fähren, die die Elbinger und Königsberger Weichsel überquerten, ein Gasthaus. Zur Einweihung wurde es "Gasthaus Helgoland" benannt und wahrscheinlich wurde mit dieser Taufe der Name "Helgoland" offiziell. Hinter dem Gasthaus wurde ein großer Garten mit unzähligen Blumenbeeten, Sträuchern und Obstbäumen bepflanzt. Schon zu dieser Zeit wurden legendäre Sommerfeste im aufwändig beleuchteten Garten gefeiert zu denen prächtige Feuerwerke abgebrannt wurden. 1910 wurde Helgoland an die Familie Gustav und Ida Dau, geb.Goertz übergeben, die den Garten zu einem weit bekannten Treffpunkt ausbauten. Zelte, ein Kegelspiel, eine Felsengrotte sowie verschiedene Turngeräte schufen vielfältige Vergnügungsmöglichkeiten. Auch an Kinder war gedacht mit einem Spielplatz, einem hölzernen Karussel und später einer Luftschaukel.

    Zu Johannis wurde zu einem traditionellen Fest eingeladen zu dem die Tiegenhöfer Brauerei Stobbe eine ganze Fuhre Bierfässer brachte. Aber auch die Vorräte an Stobbes Machandel wurden reichlich aufgestockt. Militärkapellen spielten auf und Helgoland erlebte an diesen Tagen unvergleichliche Abende.

    Helgoland war ebenfalls Veranstaltungsort zahlreicher Schulfeste, an denen Heerscharen von Kindern, Eltern und Lehrern mit den Fähren übergesetzt werden mussten. Der girlandengeschmückte Garten war Austragungsort von Spielen und Wettkämpfen bei denen die Sieger begehrte Preise gewinnen konnten.

    Beliebt war Helgoland auch bei Hochzeiten, die im großen Festsaal gefeiert wurden. Zu diesen Tagen war alles auf Hochglanz heraus geputzt. Bis in den frühen Morgen wurde zu festlicher Musik getanzt und jedem Teilnehmer blieben unvergessliche Erinnerungen.

    Helgoland bot auch einfache Übernachtungsmöglichkeiten. Vor allem Wassersportler waren stets willkommen. Ruderer von Danzig und Elbing legten nach körperlich anstrengenden Tagen Rast ein und wurden bestens bewirtet.

    Mit Beginn des I. Weltkrieges wurde der Festbetrieb unterbrochen. Für von Ostpreußen mit Schleppzügen über die Elbinger Weichsel kommende Verwundete war Helgoland Anlegestelle wo sie versorgt wurden.

    Nach dem I. Weltkrieg übernahm die Familie Janzen die Gaststätte. Die Fähre über die Elbinger Weichsel wurde verpachtet bis die Hebebrücken gebaut wurden. Obwohl das noch nicht so lange zurück liegt wie die Ära Goertz/Dau, habe ich über diese Zeit bisher nur wenig erfahren können. Vieles liegt im Dunklen und es ist fraglich ob Helgolands Geschichte der Zwischenkriegszeit je einmal festgehalten werden kann.

    Heute ist in Helgoland nichts mehr zu sehen, nichts mehr davon zu spüren oder auch nur zu ahnen von der einstigen Pracht. Es gibt dort zwar ebenfalls einen Gasthof mit Festsaal, ebenso einen kleinen Lebensmittelladen, aber es geht dort ruhig und beschaulich zu. Eine Landstraße führt von Tiegenort über Helgoland nach Steegen, aber wenige Besucher halten an. Das ist schade, denn die beiden Brücken sind recht interessant und nur wenige Schritte entlang der Elbinger und Königsberger Weichsel führen in schier unberührte Natur. Der Garten in dem sich vor Zeiten der Vergnügungspark befand ist frei zugängig. Heute befindet sich in Helgoland ein kleiner Schwimmanleger an dem Segler auf ihrem Weg von der Stromweichsel ins Frische Haff festmachen. Sie können sich hier mit Proviant versorgen während sie darauf warten, dass die Hebebrücke geöffnet wird und freie Durchfahrt ins Haff erlaubt. Später soll hier einmal ein Jachthafen entstehen. Direkt gegenüber Helgoland, auf der anderen Seite der Elbinger Weichsel, liegt eine alte Pumpstation, dessen Aufgabe es war und immer noch ist, über die Alte Lake einen großen Teil des Werders zu entwässern.

    Wird Helgoland wieder aus seinem Dornröschenschlaf geweckt? Das ist kaum vorstellbar, denn das was hier einst war, ist vergangen, ist verloschen, ist Geschichte und kann nicht wieder entstehen. Und doch ist Helgoland ein ruhiges, ein wunderschönes Plätzchen inmitten der einzigartigen Natur des Danziger Werders geblieben. Das hoch baumbestandene Grundstück ist gepflegt und wer hier verweilen will, findet Ruhe. Erholungssuchende Wassersportler finden auf der schiffbaren Elbinger Weichsel und der noch verkrauteten Königsberger Weichsel ein Naturparadies. Unzählige Vogelarten haben hier ihren Lebensraum und ihre Brutstätten. Wer hier mit einer kleinen Jolle oder einer Yacht unterwegs ist, will nicht mehr fort und kommt immer wieder. Unsagbar schön sind die von der Helgoländer Spitze zu verfolgenden Sonnenuntergänge, wenn sich hinter der Eisenbahndrehbrücke die Sonne rotglühend am Horizont verabschiedet.

    Überhaupt: Die Eisenbahndrehbrücke! Ein einzigartiges Dokument deutscher Eisenbahngeschichte, wie es sonst nirgendwo mehr erhalten blieb. Ein paar hundert Meter flussaufwärts Helgolands gelegen überquert die 1907 erbaute Brücke die Elbinger Weichsel. Auch heute verkehrt dort noch im Sommer eine Kleinbahn zwischen Tiegenhof und Steegen. Um die Elbinger Weichsel schiffbar zu halten, wird die Brücke an zugfreien Zeiten auf einen Pfeiler im Fluss in Längsrichtung gedreht. Dies geschieht durch Muskelkraft zweier Streckenwärter die mittels eines T-Schlüssels die zuvor per Handkurbel angehobene Brücke auf den Pfeiler schwenken. Im vergangenen Sommer konnte ich dieses fast unglaubliche Schauspiel mit eigenen Augen sehen und fotografisch dokumentieren. Eine rund 40 Meter ange massive Stahlbrücke bewegt sich fast wie von Zauberhand!

    Das Werder, Helgoland, vergangene Zeiten, die selbst heute noch zum Träumen verleiten. Zum Träumen über ein Paradies das in den Herzen unvergänglich ist und in der Natur weitgehend erhalten blieb.


    Unser Mitglied Slawek hat den Artikel ins Polnische übersetzt und in ein polnisches Forum eingestellt. Dort sind auch einige interessante Bilder dazu zu finden: http://www.forum.dawnygdansk.pl/viewtopic.php?p=94218
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  2. #2
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    Standard Helgoland

    Hallo Wolfgang, Deine Helgoland-Geschichte ist eine wertvolle Ergänzung zu der Helgoland-Chronik von John Muhl "Besitzer von Helgoland" in Danziger familiengeschichtliche Beiträge, Heft 7, Seite 5 bis 8.
    Einige uralte Besitzer, wie Schmidt, Ebeler, Eggert, gehören zu meinen Vorfahren.

    Danke für Deine so ausführliche Darstellung und die schönen Bilder

    Jürgen

  3. #3
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Hallo Jürgen,

    vielen Dank für die Hinweise auf die familiengeschichtlichen Beiträge John Muhls. Ich werde es mir gleich heute Abend anschauen. Über die Geschichte nach dem I.Weltkrieg weiß ich mittlerweile ein bisschen mehr und ich denke, dass ich bald etwas ausführlicher darüber schreiben kann. Soweit ich hörte, war einer der letzten Besitzer eine Familie Janzen, dessen Nachkommen heute ein Busunternehmen in Südwürttemberg betreiben. Da werde ich mal nachhaken.

    Viele Grüße
    Wolfgang
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  4. #4
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    Standard Groschkenkrug/Helgoland

    Hallo Wolfgang noch kleine Ergänzungen:
    - 1438 Erneuerung der Krughandfeste [ZWG, Heft 63, 1922, S.21-24]
    - Febr. 1627 Deutsche und Schweden plünderten (Fischer)Pabke und den Groschkenkrug [Israel Hoppe: ...Schweden Krieg..., S.146, dieses Buch unter www.kpbc.umk.pl/dlibra zu finden]
    Viele Grüße Jürgen

  5. #5
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Schönen guten Abend,

    auch die Fahrt von Tiegenhof über Fischerbabke nach Steegen kann wundervoll sein. Ich habe vor Längerem mal ein "Streiflicht" darüber geschrieben. Zu finden ist es unter: http://forum.danzig.de/showthread.php?p=2066#post2066

    Viele Grüße
    Wolfgang

  6. #6
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    Standard AW: Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

    Schönen guten Abend,

    manchmal dauert etwas eine Weile: In meinem Beitrag vom 29.02.2008, also bereits vor über sieben Jahren, schrieb ich, ich würde mich an die Familie Janzen wenden um Näheres über Helgoland zu erfahren. Wie es der Zufall so will, konnte ich gestern eine Fahrt durch's Werder mit einem Bus der Familie Janzen unternehmen, bei der auch noch ein in Fischerbabke geborener Janzen dabei war. Von ihm erhielt ich auch noch zwei Fotos von Helgoland.

    Aber am 29.02.2008 wurde ich auch noch von Jürgen Albrecht auf eine Arbeit von John Muhl hingewiesen, den ich heute nun veröffentlichen kann:

    =====
    Aus „Danziger familiengeschichtliche Beiträge“, Nr. 7, Danzig 1943

    John Muhl: Die Besitzer von Helgoland

    Helgoland heißt das Gasthaus mit dem schönen Garten, das „auf dem Keil“, der westlichen Spitze der Groschkenkampe im Kreise Gr. Werder gelegen ist, da, wo von der Elbinger Weichsel die Königsberger Weichsel abzweigt. Bis in die neueste Zeit hinein gehörte zu diesem Kruge das Recht, die im Zuge der Straße von Tiegenort nach Steegen vorhandenen, zum Übersetzen über die beiden Weichselarme bestimmten Fähren zu betreiben, die heute durch 2 große Klappbrücken ersetzt sind.

    Engelhard Kassau (1419-1422), der Ordensfischmeister in Scharpau, hatte dem Heinrich Ritter den Kretzem (Krug) auf dem Mittelwerder verliehen. Da Zweifel über die Höhe des Zinses entstanden waren, gab der Ordensfischmeister Michel Tossenfelder im Jahre 1438 im Rotenhuß -heute Stutthof- im Auftrage des Ordenshochmeisters Paul von Rußdorf demselben Heinrich Ritter den Kretzem erblich und ewiglich zu kulmischen Recht nebst 3 Morgen Wiese an „der alten Babke“ mit dem Recht freier Viehweide und freien Holzes aus dem Scharpauschen Walde zur „Notdurft“ und zur Unterhaltung des Hauptes (Schiffsanlegestelle) am Kretzem. Dafür mußte Ritter jährlich 4 Mark preußisch als Zins zahlen (1).

    Nach dem Kriege Danzigs mit den Polen unter Stefan Bathory war -1588- der Groschkenkrug -diesen Namen hatte er inzwischen erhalten- sehr heruntergewirtschaftet. Der Krüger Michel Schmidt war gestorben, seine Witwe Ortie (Dorothea) geb. Gericke flüchtig geworden. Ihr Stiefsohn Jacob Schmidt blieb im Krug (2). Am 30.06.1589 kam ein Vergleich zwischen der Witwe und Jacob Schmidt über den Groschkenkrug zustande. Die Mutter wurde mit Geld abgefunden und den Krug übernahmen Jacob Schmidt und Greger Ebeler alias Sachse, der Jacobs Schwester Margarete geheiratet hatte (3).

    Im Jahre 1595 wird Greger Sachse als Groschenkrüger bezeichnet. In seinem Kruge ließen die Babker mit Erlaubnis des Danziger Rats durch den Schulmeister Johann Jordan Schule halten. Im folgenden Jahre produzierte Greger Sachse dem Rat das Ordensprivileg über seinen Krug vom Jahre 1438 vom Fischmeister in Scharpau, dessen Wappen mit dem Fisch als Abbildung unversehrt war. Mitbesitzer war zu dieser Zeit auch noch Jacob Schmidt. Aber am 28.1.1596 kaufte Greger Ebeler alias Sachse den Anteil seines Schwagers am Groschenkrug für 1200 Mark preußisch, so daß er nun Alleinbesitzer war (4).

    Nach Greger Sachses Tode -1607- besaßen seine Witwe und sein Sohn Simon, sowie der Schwiegersohn Hilliger Sellke den Krug (5). Die Witwe heiratete Michel Hundert, dem sie den Krug und die „Mittelkampe in der Scharpau zwischen Tiegenort und Babke, die man sonst Groschkenkampe nennt“, zubrachte. Am 4.9.1609 erneuerte der Rat der Stadt Danzig dem Groschkenkrüger Michel Hundert die Handfeste über Groschkenkrug und Kampe, nämlich die „Mittelkampe in der Scharpau zwischen Tiegenort und Babke, die man sonsten Groschkenkampe nennt“, weil eine in der Ordenshandfeste verliehene Wiese im Laufe der Zeit verloren gegangen war. Dabei wird erwähnt, daß Hundert den halben Krug von den Kindern des Greger Ebeler, dessen Witwe er geheiratet, gekauft, die andere Hälfte erheiratet habe. Michel Hundert und seine Hausfrau Margarete erhielten neu verliehen den Krug und 1 Hufe Land nach kulmischem Recht, frei von Scharwerk gegen 4 Mark jährlichen Zins. Ferner erhielten sie für 70 Mark jährlichen Zins mietweise das übrige Land im Mittelwerder bis zur Kedingskampe hin, frei Holz aus dem Walde auf dieser Kampe zu des Krügers Notdurft und zur Unterhaltung des Haupts am Kruge (6).

    Nach Michel Hunderts Tod wurde zunächst sein Halbbruder Jochen Hundert am 26.9.1615 in den Krug eingewiesen, offenbar um für die Erben die Verwaltung zu führen. Dies waren die Witwe Margarete und ihre Söhne erster Ehe, Simon und Georg Ebeler. Es kam dann zu einer Erbauseinandersetzung. Die Witwe behielt den Krug, verkaufte ihn aber am 6.7.1617 für 3500 Mark und ein Altenteil an ihren Sohn Georg Ebeler (7). Bei dessen Tode -etwa 1623- fiel der Krug an seine 2 Töchter: Margarete, verh. mit Wilhelm Gertsen, und Elisabeth, verh. mit Valtin Wedhorn, und seinen Sohn Gregor Ebeler. Dieser fand seine Schwestern im Jahre 1624 ab und übernahm den Groschkenkrug.

    Im Jahre 1638 wird Georg Eggert als Groschkenkrüger bezeichnet. Er hatte Greger Ebelers Witwe geheiratet. Am 13.6.1654 wurde, da zu dieser Zeit Gerge Eggert schon tot war, seiner Witwe Maria der Krug mit Land durch Schicht und Teilung übereignet. Maria Eggert heiratete alsbald Gert Gertsen, dem sie dieses Grundstück am 19.9.1654 zubrachte (8).

    Nach Marias Tode hatte Gert Gertsen in zweiter Ehe Anna geheiratet. Aus erster Ehe stammten Gerhard, Greger, Maria und Elisabeth Gertsen: diese wurden nach seinem Tode durch Schicht- und Teilungsvertrag vom 22.4.1690 abgefunden und die Witwe Anna Gertsen heiratete Marten Dirksen, der dadurch Groschkenkrüger wurde. Am 3.7.1692 verkauft der „Mitnachbar und Krüger auf der Groschkenkampe“, Marten Dirksen, Krug und Hof und 2 Hufen Land und Fähre an den Waldreuter der Nehrung und Scharpau, Peter Stargard, für 3000 Mark. Hier wird erstmalig erwähnt, daß zum Kruge eine Fährgerechtigkeit gehörte. Schon im nächsten Jahre verkaufte Stargard von seinem Kruggrundstück 2 Hufen Land an den Schulz von Groschkenkampe, Christof Umland, für 4000 Mark (9).

    Stargard war wohl durch sein städtisches Amt als Förster verhindert, dem Kruge selbst vorzustehen. So ist es erklärlich, daß er am 17.8.1697 Hof und Krug auf der Groschkenkampe mit 2,4 Hufen Land eintauschte gegen das Nachbargrundstück des Peter Prohl in Kalteherberge (10). Im nächsten Jahre erhielt Prohl wie schon vor ihm Stargard, vom Rate der Stadt von Neuem die Fährgerechtigkeit über die Weichsel bei Fischerbabke „auf ewig“ verliehen. Diese Verleihung ist fortan alle 3-6 Jahre erneuert worden (11).

    Peter Prohl ist als Krüger auf der Groschkenkampe erwähnt 1722 und 1730 (auch als Nachbarschulz) und 1735. Bald darauf ist er wohl gestorben. Seine Witwe Sara erbte das Grundstück und verkaufte 1738 Hof, Krug, Fährgerechtigkeit und Land für 8000 Mark an Hans Lucht, den Krüger aus Tiegenort (12).

    Lucht veräußerte seinen Krug in Tiegenort und zog in den Groschkenkrug. Er wird als Krüger genannt 1742 bis 1756. In diesem Jahre -27.3.- verkaufte er das zum Kruge Groschkenkampe fol. 189 gehörende Land, nämlich eine Hufe und 4 Morgen kulmisch an Ephraim Hanffstengel. Das Land wurde Hanffstengel's Grundstück Groschkenkampe fol. 192b zugeschrieben (13).

    Am 14.6.1749 waren 7 1/2 Morgen emphyteutisches städtisches Land „am Lütcherohr gelegen“ hinzugekauft und als Brunau fol. 61b am 23.4.1768 für Sara Lucht, uxor Gergen Gertzen, verschrieben worden. Hans Lucht's Tochter Sara heiratete nämlich den Mitnachbarn Gergen Gertzen, der den Groschkenkrug am 8.6.1759 von seinem Schwiegervater für 5000 Gulden kaufte.. Am 23.11.1762 wurde ihm als Besitzer des Kruges auch die Fährgerechtigkeit über die Weichsel erneuert. Zugleich setzte der verwaltende Bürgermeister die Gebühren fest, die der Fährmann erheben durfte (14).

    Nach dem Ableben ihres am 7.5.1796 verstorbenen Ehemannes Gergen Gertzen behielt die Witwe Sara geb. Lucht in der Schicht und Teilung mit ihren Kindern vom 5.7.1797 das Kruggrundstück. Unter ihren Kindern befand sich Hans Gertzen, der am 3.7.1797 die Mutter den Krug für 5375 Rthl. abtrat. Hans Gertzen heiratete Maria Constantia Dirksen, die aber schon am 7.8.1799 verstarb. Hans Görtz -Gertzen- behielt, da bisher kinderlos, durch Schicht- und Teilungsvertrag vom 21.10.1800 mit Maria's Eltern, Erdmann Dirksen und Katharina geb. Wienhold in Steegen, den Krug, der im Juli 1800, „auf der sogenannten Spitze“ gelegen, völlig abgebrannt war.

    Im Jahre 1822 heiratete Hans Görtz in zweiter Ehe Elisabeth Mierau, mit der er noch volle 20 Jahre den Krug bewirtschaftete. Er starb am 19.9.1843 und hinterließ außer der Witwe 5 Kinder: Elisabeth verh. Dodenhöft; Gottlieb; Martin; Gerhard, Hakenbüdner, verh. mit Mathilde Gertzen, und Johann, Hofbesitzer in Steegen. Im Teilungsvertrag vom 6.6.1844 behielt die Witwe die Grundstücke. Aber schon am 7.7.1853 trat Elisabeth Görtz geb. Mierau den Besitz Groschkenkampe Blatt 1 und Brunau Blatt 61 -Kalteherberge Blatt 19- an ihren Sohn Gottlieb Görtz ab, der mit Justine Wilhelmine Klempnauer vermählt war. Durch Auseinandersetzungsvertrag vom 11.10.1854 wurde dann das Obereigentum der Stadt Danzig abgelöst.

    In einer neuen Erbteilung kam es am 5.8.1875. Zu dieser Zeit waren Gottlieb Görtz -25.3.1875- und seine Ehefrau Justine -20.1.1871- ohne Leibeserben gestorben. Am 21.2.1876 erhielt die Grundstücke Johann Görtz, verh. mit Bertha Rosenbaum. Johann war der Sohn des obengenannten Hakenbüdners Gerhard, eines verstorbenen Bruders von Gottlieb Görtz (15).

    Der Krug blieb im Besitz der Familie Görtz bis zum Jahre 1910. In diesem Jahre am 1. April wurde er der Frau Ida Dau geb. Görtz (verh. mit Gustav Dau in Stutthof) aufgelassen. Diese hat sich leider von dem Grundstück getrennt, mit dem ihre Familie mehrere hundert Jahre blutmäßig verbunden war, wenn auch schon im Jahre 1756 durch Verkauf des Landes der ehemalige bäuerliche Charakter in der Hauptsache verloren gegangen war. Sie hat am 22.5.1919 / 27.1.1920 den Krug mit Saalanbau, mit bebautem Hofraum, Gaststall, Insthaus und Garten auf „Helgoland“ -hier taucht erstmalig amtlich diese Bezeichnung auf- in Größe von 1,03 Hektar nebst Fährbetrieb und Fischereinutzungsrecht für 82000 Mark an den Kaufmann Paul Grunwald aus Danzig-Langfuhr verkauft. Das Gasthaus Helgoland wurde grundbuchlich von Groschkenkampe Blatt 1, das heute nur noch ein 9,1 Ar großes Stück Chaussee kennzeichnet, abgetrennt und führt heute die Grundbuchbezeichnung Groschkenkampe Blatt 27.

    Seit dem 5.7.1920 besitzt das schön gelegene Gasthaus Helgoland der Kaufmann Max Strehlke aus Elbing, verh. mit Hildegard Henning, der es an Hermann Janzen verpachtet hat (16).

    Quellen:
    1) Reichsarchiv [Staatsarchiv] Danzig 300. 2. 154 S.105; 161. S.16.
    2) 300. 2. 2. S.60; 3. S.8.
    3) 300. 2. 3. S.37.
    4) 300. 2. 5. S.160, 164, 190, 254, 265.
    5) 300. 2. 9. S.321.
    6) 300. 2. 9. S.496, 501; 10. S.4; 11. S.43; 154. S.137.
    7) 300. 2. 12. S.191, 195; 13. S.39 ff.; 300. 32. 67, Bl.58.
    8) 300. 2. 17. S.230 21. S.266 ff., 296; 22. S.1313; 300. 32. 67. Bl.58.
    9) 300. 2. 38. S.276, 571; 300. 32.67. Bl.58.
    10) 300. 2. 39. S.174; 300. 32. 67, Bl.58.
    11) 300. 2. 39. S.290; 40. S.303, 340: 45. S.29; 53. S.33; 54. S.35; 56. S.58; 58. S.42; 161. S.224.
    12) 300. 2. 53. S.33; 56. S.30, 59; 58. S.42; 59. S.125; 60. S.24.
    13) 300. 2. 60. III.Z.S.161; 62. 2. Z.S.9; 67. S.5 ff.; 3000. 32. 76. fol.61B
    14) 300. 2. 161. S.224; 300. 32. 70. fol.189a; Grundbuch Groschkenkampe Bl.1 u. 27.
    15) 117 Dz. 4610. S.3 ff., 57, 59, 81,113, 140, 222 ff.
    16) Grundbuch und Akten Groschkenkampe Bl.27.
    =====

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
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    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  7. #7
    Forum-Teilnehmer Avatar von Bartels
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    Standard AW: Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

    Und gleich eine gute Nacht!

    Zur Namensgebung: 1890 ging die Insel Helgoland durch Vertrag zwischen Deutschem Reich und England an Preußen.

    Geographische Benennungen nach aktuellen Ereignissen gibt es öfters, z.B. diverse Schipka-Pässe, den Mannheimer Suezkanal oder die Wormser Gartenstadt Kiautschau.
    Beste Grüsse
    Rudolf H. Böttcher

    Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
    Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
    Familie Zoll, Bohnsack;
    Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
    Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

    http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

  8. #8
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

    Guten Tag zusammen,
    in dem Bericht von Wolfgang wird im drittletzten Absatz Bertha Rosenbaum genannt. Für mich sehr interessant, weil es in meiner Rosenbaum-Sippe eine Bertha Rosenbaum gab. Sie war eine Schwester meines Großvaters und wurde am 03.12.1872 in Glabitsch geboren, verh. mit August Hermann Lingmann, 4 Kinder und wohnhaft in Steegen. Leider finden sich in dem Bericht keine weiteren Daten über jene Bertha. Vielleicht kann jemand Hinweise oder Tipps für eine Zuordnung geben. Ansonsten bliebe eine Recherche in den Kirchenbüchern.
    Danke im Voraus und einen schönen Tag!
    Uwe

  9. #9
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    Standard AW: Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

    Hallo Uwe,

    auch wenn es schon fast ein Jahr her ist, will ich noch etwas zur Aufklärung betragen. Da ich deinen Beitrag erst jetzt gelesen habe, antworte ich so spät.

    Die genannte Bertha Rosenbaum heißt vollständig Bertha Friedericke Amalie Rosenbaum und wurde am 01.10.1845 in Reichau geboren. Ihr Vater Carl war Organist in Reichau und der Sohn des Tischlermeisters Christian.
    Viel mehr habe ich zu den Rosenbaums nicht.

    Viele Grüße,
    Michael

  10. #10
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    Standard AW: Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

    Hallo Wolfgang,

    dank deiner Veröffentlichung des Textes aus dem Danziger Hauskalender habe ich schnell ein reales Bild vom Gasthaus Helgoland bekommen.
    Erst im Nachgang habe ich dann von einzelnen Erlebnissen erfahren, die meine Großmutter dort bei der "Tante Ida" bzw. ihren Großeltern erlebt hat.

    Vielen Dank auch für das Weiterführen. Den Text von John Muhl aus den "Danziger familienschichtlichen Beiträgen" kannte ich durch den Hinweis von Jürgen Albrecht schon. es ist aber schön diesen Text nun auch hier lesen zu können.

    Vielen Dank,
    Michael

  11. #11
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldling
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    Standard AW: Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

    Hallo Michael,

    vielen Dank für deinen Beitrag! Allerdings ist jetzt zu klären, wie deine Daten zustande kommen, denn ich habe als Vaternamen August, s. folgenden Eintrag aus den Steegener Zweitschriften Heiraten 1870:

    Name:  görtz rosenbaum heiraten 1870 steegen2.jpg
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    Herzliche Grüße
    Uwe

  12. #12
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    Standard AW: Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

    Hallo Uwe,

    stimmt, du hast recht. Ich habe nicht richtig nachgesehen.
    Korrekt ist Carl August bzw. Karl August. Je nach Dokument. ;-)

    Die Daten stammen aus einer Kopie des Taufscheins. Ich bin mir gerade nur nicht sicher ob das ein Original war oder eine Abschrift aus dem 1930er Jahren.

    Viele Grüße,
    Michael

  13. #13
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    Standard AW: Die Geschichte des Kruges und Gasthauses Helgoland

    Viele Grüße aus Süddeutschland von Bernd Janzen, dem Enkel von Hermann Janzen.
    Mein Großvater Hermann Janzen war der letzte Gaststättenbetreiber des Gasthauses "Helgoland".
    Ja, er gründete 1951 ein Omnibusunternehmen, das ich heute in dritter Generation betreibe.
    Wir fahren mindestens einmal jährlich nach Danzig und in die Masuren.

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