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Thema: Polnische Post

  1. #1
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldkind
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    Standard Polnische Post

    Aus Anlass der heutigen Bundestagsdebatte über das Erlassen der Urteile bei NS-Kriegsverräter möchte ich hier einen Link über den Widerstand der Mitarbeiter der polnischen Post und deren Schicksal setzen.
    http://www.polish-online.com/polen/s...ische-post.php

    Unter Pressemitteilungen findet ihr zwei Links zur aktuellen Debatte.U.a. wird dort Karl Bode erwähnt, der am 8.Sept.1939 den Vorsitz beim Kriegsgerichtsprozess gegen die Verteidiger der polnischen Post in Danzig führte und gegen sämtliche Angeklagten Todesurteile verhängte.

    Vielleicht erinnert sich hier jemand an den Angriff auf die Polnische Post?

    :heart:liche Grüße, Miriam

  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von RenéDublin
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    Zitat Zitat von Miriam Weeke Beitrag anzeigen
    ...
    Vielleicht erinnert sich hier jemand an den Angriff auf die Polnische Post?

    :heart:liche Grüße, Miriam
    Hallo Miriam,

    erinnern kann ich mich wohl nicht, dazu bin ich viel zu jung, aber ich habe diese Fotokarte hier aus meiner Sammlung die einen Teil des Angriffes zeigt. Aus dem Buch "Die SS-Heimwehr Danzig" von Rolf Michaelis habe ich erfahren, dass die Landespolizei Danzig sowie SS-Heimwehr Danzig den Angriff auf die Post durchfuehrten bis letzten Endes die Feuerwehr Benzin (oder Petroleum?) durch die Kellerfenster geleitet hatte und somit das Gebaeude in Brand gesetzt werden konnte.
    Das angehaengte Bild zeigt ein Geschuetz der Landespolizei Danzig beim Angriff auf die polnische Post.

    VG,
    René
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  3. #3
    Forum-Teilnehmer Avatar von jonny810
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    Daumen hoch Polnische Post

    Hallo ins Forum,

    sehet dazu auch ein paar aktuelle Fotos in meinen Alben.
    Polnische Post heute. Namensliste der Gefallenen, und Ehren-Mahl.

    Erhart
    Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
    "Nec Temere - Nec Timide"
    Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

  4. #4
    Forum-Teilnehmer Avatar von jonny810
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    Daumen hoch Polnische Post

    Hallo, ich muß mich korigieren. Die hatte ich in den Vorläufern meiner Alben. Kann sie aber bei Bedarf wieder einstellen. sorry, Erhart
    Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
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  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldkind
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    Hallo Erhart,
    und ich suche und suche!!! Miriam

  6. #6
    Forum-Teilnehmer Avatar von Heinzhst
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    Standard Polnische Post

    Kann mir jemand erklären wieso die polnischen Postangestellten bewaffnet waren?

    Gruß Heinz
    Ich glaube nur das was ich gesehen und erlebt habe.
    A.G.

  7. #7
    Forum-Teilnehmer Avatar von RenéDublin
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    Zitat Zitat von Heinzhst Beitrag anzeigen
    Kann mir jemand erklären wieso die polnischen Postangestellten bewaffnet waren?

    Gruß Heinz
    Oha, Heinz, das ist wirklich eine heikle aber auch fuer damals sicherlich wichtige Frage.

    Mal sehen was da fuer Antworten kommen.

    VG,
    René
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  8. #8
    Forum-Teilnehmer Avatar von jonny810
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    Daumen hoch polniche Post

    Man hatte sie von Seiten der Deutschen angegriffen. Im deutschen Reich gab es für eine polnische Post keinen Platz. Das war reine Selbst-Verteidigug. Ich werde noch einmal ein paar Fotos einstellen. Erhart



    Zitat Zitat von Heinzhst Beitrag anzeigen
    Kann mir jemand erklären wieso die polnischen Postangestellten bewaffnet waren?

    Gruß Heinz
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  9. #9
    Forum-Teilnehmer Avatar von RenéDublin
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    Zitat Zitat von Joniszus Beitrag anzeigen
    Man hatte sie von Seiten der Deutschen angegriffen. Im deutschen Reich gab es für eine polnische Post keinen Platz. Das war reine Selbst-Verteidigug. Ich werde noch einmal ein paar Fotos einstellen. Erhart
    Sicherlich, aber die Frage warum Postbeamte bewaffnet waren (und hier geht es ja auch noch um die Gesetzeslage des Voelkerbundes) ist damit nicht geklaert. Nach den Richtlinien haetten Postbeamte keine Waffen tragen oder bereithalten duerfen, sie hatten sich als Nicht-Kombatanten aus dem Kampf heraushalten sollen/muessen. Natuerlich hat sich auch die deutsche Seite unrechtmaessiger Weise schon vorher bewaffnet, das wissen wir ja, da lief viel schon gegen geltendes Recht. Aber zu dem Zeitpunkt als die Waffen in das Postamt geschleust wurden unterstand Danzig dem Voelkerbund und nicht dem deutsche Reich. Deshalb sicher die Frage warum Postbeamte bewaffnet waren?
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  10. #10
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldkind
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    Wegen der polnischen Poststützpunkte gab es zwischen den Danzigern und Polen Uneinigkeit. Die polnische Post mit den dazugehörigen Briefkästen und Postdiensten waren ein Zugeständnis an Polen durch den Völkerbund nicht an Danzig. Als sich die Lage zwischen dem Deutschen Reich und Polen verschlechterte, bereiteten sich alle drei Seiten, Danzig, Polen, Deutsches Reich auf Konflikte vor. Also wurde die Post militärisch geschützt, befestigt und Waffen eingeschleust. Ich hoffe, ich habe es richtig verstanden. Zur Kontrolle könntet ihr mal hier nachschauen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gefecht...tamt_in_Danzig

    Und danke Rene für die Postkarte. Früher habe ich Briefmarken gesammelt. Man hatte ich viele Danziger Marken. Alle verschenkt. Echt zu dumm.Miriam

  11. #11
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    Die Antwort ist völlig unspektakulär. In allen europäischen Staaten wurde seit der Einverleibung der Rest-Tschechei Anfang 1939 fieberhaft aufgerüstet. Selbstverständlich wurden alle von Polen in der Freien Stadt Danzig gehaltenen Positionen auch mit Waffen ausgestattet. Dass Deutschland einen Krieg anfangen würde, lag sozusagen in der Luft. Sollten bei der bekannten Vorgehensweise der Nazis die Polen sich gleich wehrlos von den Nazi-Deutschen abschlachten lassen ?
    Das Ganze kann man übrigens im ersten von Miriam Weeke oben angegebenen Link nachlesen.

    Und um auch das gleich zu sagen: Nein, an der Tatsache des deutschen Überfalls auf Polen, an der Abgabe sozusagen des ersten Schusses durch Nazideutschland ändert das nichts. Nein, kein vernünftiger Militärhistoriker oder sonstwer dürfte bislang auf den Gedanken gekommen sein, aus der Bewaffnung der polnischen Post auf einen unmittelbaren Angriff Polens auf Danzig und damit auf das Reich zu schließen.

  12. #12
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    Hatte jetzt Miriams Beitrag nicht gesehen, aus Wikipedia geht das also auch so hervor.

  13. #13
    Forum-Teilnehmer Avatar von RenéDublin
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    Zitat Zitat von Rüdiger Beitrag anzeigen
    Und um auch das gleich zu sagen: Nein, an der Tatsache des deutschen Überfalls auf Polen, an der Abgabe sozusagen des ersten Schusses durch Nazideutschland ändert das nichts. Nein, kein vernünftiger Militärhistoriker oder sonstwer dürfte bislang auf den Gedanken gekommen sein, aus der Bewaffnung der polnischen Post auf einen unmittelbaren Angriff Polens auf Danzig und damit auf das Reich zu schließen.
    Das hat auch keiner gesagt oder versucht zu sagen, Ruediger. Es geht einfach um eine unparteiische sachliche Klarstellung der Fakten. Fakt war, alle Seiten hatten sich bewaffnet.
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  14. #14
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    Zitat Zitat von RenéDublin Beitrag anzeigen
    ... Es geht einfach um eine unparteiische sachliche Klarstellung der Fakten. ...
    -- Fein --

  15. #15
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    Zum Ganzen noch aus dem m. E. sehr guten Buch von Dieter Schenk über den Danziger Gauleiter Forster, Hitlers Mann in Danzig, 2000, S. 131ff. :

    Die militärische Lage hatte sich im Raum Danzig in den ersten fünf Stunden für Forster und seine Gesinnungsgenossen sehr günstig entwickelt....14 der 16 angeblichen polnischen"Stützpunkte" in Danzig wurden dagegen innerhalb der ersten Stunde kampflos eingenommen; nur Beamte der polnischen Post am Heveliusplatz und Soldaten des polnischen Munitionsdepots Westerplatte leisteten Widerstand. ...wollte sich der Gauleiter an der polnischen Post einen unmittelbaren Eindruck verschaffen. Zur Sicherheit ließ er sich in einem Panzerspähwagen der SS-Heimwehr transportieren. An Ort und Stelle widersprach er den Plänen des Einsatzleiters, das gesamte Postgebäude mit seinen fünfzig polnischen Verteidigern einfach in die Luft zu sprengen. Forster führte nicht etwa humane Gründe an, sondern befürchtete, das seine Stadt durch die Explosion in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.
    ...Gegen Abend wurde die polnische Post besiegt, indem die angreifenden PolizeikräfteBenzin in den Keller pumpten und zur Entzündung brachten. Fünf Menschen verbrannten und sechs weitere verstarben an grausamen Brandverletzungen in den nächsten Tagen, ohne ärztlich behandelt worden zu sein, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. ...

    Schenk verweist weiter auf sein eigenes Buch "Die Post von Danzig". Dort wird man zum Hergang bzw. den Forschungsergebnissen sicherlich mehr lesen können, ich habe es leider nicht.

  16. #16
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldkind
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    Standard Albert Forster und Karl Bode

    Zitat Zitat von Rüdiger Beitrag anzeigen
    ...Die militärische Lage hatte sich im Raum Danzig in den ersten fünf Stunden für Forster und seine Gesinnungsgenossen sehr günstig entwickelt....
    .
    Hallo Rüdiger,
    danke für den Verweis auf Forster. Das macht die ganze Angelegenheit logisch:
    Forster war seit 1923 Mitglied der NSDAP und der SA, betätigte sich propagandistisch für die antisemitische Zeitschrift "Der Stürmer", wurde 1930 Gauleiter in Danzig. Er war Herausgeber der Parteizeitung "Danziger Beobachter" (spätere "Der Vorposten", noch spätere "Der Danziger Vorposten"). Im August 1939 wurde Forster Staatsführer der Freien Stadt Danzigs und beschloss ein "Gesetz der Wiedervereinigung Danzigs mit dem Großdeutschen Reich", und zwar am 1.September 1939, dem Tag des deutschen Angriffs auf Polen.
    Mit anderen Worten die Sache war zwischen Hitler und Forster gut vorbereitet. In Folge dessen war es logisch, dass die Polen versuchten, alle Stützpunkte, die sie in Danzig hatten und die ihnen ja vom Versailler Vertrag zugestanden waren, zu nutzen. Dazu gehörte dann die Polnische Post Danzigs. Es verbrannten aber nicht alle Widerständler, sondern manche sind eben vom deutschen Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden.
    Vorsitzender Richter bei diesem Kriegsgerichtsprozess am 8.Sept.1939 gegen die Verteidiger der polnischen Post war Karl Bode, Mitglied der NSDAP seit 1933. Diese Urteile sollen aber der Karriere Bodes in der späteren BRD keinen Abbruch angetan haben. Bode wurde 1949 als "Mitläufer" eingestuft, trat in den bremischen Justizdienst ein, wurde 1955 Senatspräsident beim Staatsgerichtshof der Freien Stadt Bremen.
    Die Verteidiger der polnischen Post Danzigs wurden nach einem Aufrollen des Prozesses durch den Bundesgerichtshof 1998 vor dem Landgericht Lübeck nachträglich freigesprochen.

    Also soweit zusammen recherchiert. Hoffe es ist alles stimmig und logisch.
    LG Miriam

  17. #17
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Zitat Zitat von Rüdiger Beitrag anzeigen
    Die Antwort ist völlig unspektakulär... Selbstverständlich wurden alle von Polen in der Freien Stadt Danzig gehaltenen Positionen auch mit Waffen ausgestattet.
    Hallo Ruediger,

    die Antwort ist aus meiner Sicht gar nicht unspektakulaer. Es dreht sich wirklich um die Frage -Heinz stellte sie auch- was Waffen im Postamt zu suchen hatten. Es gab auch andere polnische Dienststellen ohne Waffen. Deren Beschaeftigte erlitten nicht das furchtbare Schicksal der Postangestellten.

    Es ist reine Spekulation was passiert waere, haetten die Postangestellten nicht ueber Maschinenwaffen, Pistolen und Handgranaten verfuegt. Der Gerichtsprozess war eine Farce, die vorher feststehenden Urteile ebenfalls. All das aendert aber nichts an der Frage, was Waffen in zivilen polnischen Dienststellen zu suchen hatten. Darueber haben jedenfalls bisher noch keine Gerichte geurteilt.
    -----
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  18. #18
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    Zitat Zitat von Wolfgang Beitrag anzeigen
    ...
    All das aendert aber nichts an der Frage, was Waffen in zivilen polnischen Dienststellen zu suchen hatten. Darueber haben jedenfalls bisher noch keine Gerichte geurteilt.
    Hallo Wolfgang,
    die Frage dürfte beantwortet sein. Die Waffen in zivilen polnischen Dienststellen 1939 dienten der vorbeugenden Ausstattung zur Selbstverteidigung im wahrscheinlichen Falle eines deutschen/danziger Angriffs. Interessant scheint mir in diesem Zusammenhang übrigens eher die generelle Frage nach dem Sinn der polnischen Verteidigungsstrategie im Raum Danzig überhaupt.

    Die hypothetische Frage nach dem Verlauf am 1.9.39 bei waffenloser Übergabe einer wichtigen polnischen Dienststelle kann im Übrigen durch Analogieschluss wohl so beantwortet werden, wie ich dies oben getan habe. Ich zitiere dazu nochmals aus dem Schenk, S. 129:

    ... Der O-Ton der Propaganda hörte sich so an: "...Wie der Sturmwind die faulen Früchte von den Ästen schlägt, so fegt die Begeisterung des Morgens alles Polnische auf Nimmerwiedersehen aus der Stadt." Diese verharmlosende Beschreibung bedeutete für tausende von Menschen in Danzig Gefangenschaft und Tod. Festnahmetrupps der Gestapo, verstärkt durch Schutzpolizei, SS und SA, waren in den frühen Morgenstunden mit vorbereitetenFahndungslisten ausgeschwärmt....Polnische Beamte von Post, Bahn und Zoll, die mit ihren Familien in Danzig lebten, wurden festgenommen, die Wohnungen durchsucht und teilweise verwüstet...Die meisten Gefangenen lieferte man in die Viktoria-Schule ein, eine vorbereitete Sammelstelle der Gestapo ... Die Menschen wurden dort bis zur Erschöpfung Vernehmungen unterzogen, geschlagen und teilweise durch Folter getötet. Bereits am nächsten Tag begann man ... mit ... Stutthof, das später ein Konzentrationslager werden sollte."

    In dem Büchlein von G. Müller, Gute, schlimme, schlimmste Zeiten; Gespräche mit Danziger Polen, 1996, finde ich dazu konkrete Beispiele für das Schicksal "nichtkämpfender" polnischer Beamter. Meine Ausführungen dazu oben sind also nicht "reine Spekulation". Aus der Sicht bereits 1938/1939 konnte es überall in Europa nicht den geringsten Zweifel geben, wie die Nazis in den dem Reiche "angeschlossenen" Ländern mit den dortigen missliebigen Bevölkerungsteilen nach dem Anschluss jeweils umgegangen sind.

    Ob sich Gerichte mit den Waffen in der Polnischen Post je beschäftigt haben weiß ich nicht. Es gibt das vielleicht einschlägige Urteil des LG Lübecks zur Aufhebung der Urteile, das aber in den mir zugänglichen juristischen Datenbanken nicht enthalten ist. Wolfgang, wenn dir dieses Urteil zur Verfügung steht, wäre ich für eine Übermittlung des Textes sehr verbunden.

  19. #19
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Zitat Zitat von Rüdiger Beitrag anzeigen
    Wolfgang, wenn dir dieses Urteil zur Verfügung steht, wäre ich für eine Übermittlung des Textes sehr verbunden.
    HAllo Rüdiger,

    nein, das Urteil habe ich nicht. Aber Schenk hat ja auch eine Internetseite über die man sich an ihn wenden könnte.
    -----
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  20. #20
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    Standard AW: Polnische Post

    Zitat Zitat von Wolfgang
    All das aendert aber nichts an der Frage, was Waffen in zivilen polnischen Dienststellen zu suchen hatten. Darueber haben jedenfalls bisher noch keine Gerichte geurteilt.
    Warum ist diese Frage so wichtig? Welche Gerichte sollen darüber urteilen? Und vor allem, was sollen sie hier urteilen, ob es rechtmäßig war, dass Waffen im Gebäude waren?
    Im Falle einer bevorstehenden Aggression und der Bedrohung meines Lebens, muss ich mich auch als Zivilperson widerstandslos ergeben ansonsten droht mir bei Zuwiderhandlung die Todesstrafe? Nach welchem Recht?

    Also irgendwie verstehe ich dieses Diskussion hier nicht so ganz.

    Zitat Zitat von Wolfgang
    Es gab auch andere polnische Dienststellen ohne Waffen. Deren Beschaeftigte erlitten nicht das furchtbare Schicksal der Postangestellten.
    Und wer ist dann auf dem Friedhof Saspe, außer den Postlern, begraben?

    Gruß
    Magdalena

  21. #21
    Forum-Teilnehmer Avatar von Uwe
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo liebe Forumteilnehmer,

    eigentlich ist das nur eine Randfrage der Geschichte. Es gab auf deutscher und auch polnischer Seite Nationalisten und es war zu befürchten, dass es Krieg gibt. Da hat jede Seite aufgerüstet und auch gegen geltendes Recht verstoßen. Fakt und entscheident ist aber, dass die Schleswig Holstein und damit die Deutschen den Krieg begonnen haben. Es gab noch nie einen Krieg in dem kein Unrecht begangen wurde und es wird ihn auch nie geben. Außerdem ist es so das viele polnischen Soldaten gegen das Völkerrecht nach der Gefangennahme hingerichtet wurden und von den viele polnischen Zivilisten garnicht zu reden. Es war nun mal ein verbrecherischer Krieg der von deutscher Seite geplant und durchgeführt wurde.

    Magdalena nach dem Völkerrecht haben nur Soldaten das Recht sich gegen eine Agression bewaffnet zu wehren, andere Personen genießen bei bewaffneten Widerstand dann nicht den "Schutz" des Vögerrechtes. Ja deshalb müssen sie sich dann nach Völkerrecht widerstandslos ergeben. Aber halte die Diskussion auch für überflüssig, weil das Theorie ist und die Ursachen sowie Verantwortlichkeiten des Krieges verschleiert.

    Herzliche Grüße

    Uwe
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  22. #22
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo,
    eine Berichtigung zum Völkerrecht. Es haben auch Bürger, die nicht Soldaten sind das Recht sich zu bewaffneen und zu verteidigen. Bedingung ist, dass sie die Waffen offen tragen und sich einheitlich, z.B. durch eine Armbinde, kenntlich machen müssen.
    Gruß Peter
    Tue recht und scheue niemand.

  23. #23
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    Standard AW: Polnische Post

    Zitat Zitat von Peter
    Bedingung ist, dass sie die Waffen offen tragen und sich einheitlich, z.B. durch eine Armbinde, kenntlich machen müssen.
    Das gilt für die Kombattanten.

    Zitat Zitat von Uwe
    Magdalena nach dem Völkerrecht haben nur Soldaten das Recht sich gegen eine Agression bewaffnet zu wehren, andere Personen genießen bei bewaffneten Widerstand dann nicht den "Schutz" des Vögerrechtes.
    Genau das ist völkerrechtswidrig. Es könnte eher aus dem "Kriegsgerichtsbarkeitserlaß", den Adolf Hitler anordnen ließ, stammen.

    Gruß
    Magdalena

  24. #24
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    Standard AW: Polnische Post

    Peter von Groddeck hat Recht.

    Das war 1939 sogar in einfaches deutsches Kriegsrecht umgesetzt: § 3 Abs 2 Nr. 3 KSSVO. In dem mir mittlerweile vorliegenden Urteil des LG Lübeck zur Aufhebung der kriegsgerichtlichen Verurteilungen der Postverteidiger wird darauf Bezug genommen.

  25. #25
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    Standard AW: Polnische Post

    Für Interessierte kann ich das Buch von Dieter Schenk "Die Post von Danzig" empfehlen.

    Gruß
    Magdalena

  26. #26
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo Uwe,

    völkerrechtlich gibt es auch Notwehr.

    Es wäre für mich auch unlogisch, wenn mir das Völkerrecht im Angriffsfall das Recht auf selbstverteidigung verweigert, während es in Friedenszeiten selbstverständlich ist. § 32 StGB.

    Gruß
    Magdalena

  27. #27
    Forum-Teilnehmer Avatar von Uwe
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo Magdalena,

    aber diese Selbstverteidigung unterliegt gewissen Regeln, deswegen ist der Hinweis von Peter und Rüdiger sehr gut. Wenn man sich kenntlich macht mit was auch immer, siech militärisch organisiert und die Waffen offen trägt ist man im Prinzip ja ein Soldat.

    (2) Keine Freischärler sind:
    1. Angehörige der bewaffneten feindlichen Macht in Uniform, die sich lediglich einer üblichen Tarnung bedienen,
    2. Angehörige der Milizen und Freiwilligen-Korps, wenn sie folgende Bedingungen erfüllen:
    a) jemand an ihrer Spitze steht, der für seine Untergebenen verantwortlich ist;
    b) sie ein bestimmtes aus der Ferne erkennbares Abzeichen tragen;
    c) sie die Waffen offen führen und
    d) bei ihren Unternehmungen die Gesetze und Gebräuche des Krieges beachten,
    3. die Bevölkerung eines nicht besetzten Gebietes, die beim Herannahen des Feindes aus eigenem Antrieb zu den Waffen greift, um die eindringenden Truppen zu bekämfen, ohne Zeit gehabt zu haben, sich nach Nr. 2a und b zusammenzuschließen, wenn sie die Waffen offen führt und die Gesetze und Gebräuche des Krieges beachtet.
    Die Nr. 3 kannte ich bisher nicht, man lernt also nie aus. Von daher ist die nachträgliche Aufhebung des Urteils gegen die Postverteidiger vollkommen richtig und nachvollziehbar. Aber den wichtigen Passus "eines nicht besetzten Gebietes" sollte man dabei nicht übersehen.

    Herzliche Grüße

    Uwe
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  28. #28
    Forum-Teilnehmer Avatar von Heinzhst
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    Standard AW: Polnische Post

    Oh Magdalena, heute töten sich in allen Ecken der Welt Menschen, und stell dir vor: Alle töten in Notwehr.
    Gute Nacht
    Heinz
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    A.G.

  29. #29
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    Standard AW: Polnische Post

    ***Ironie***

    Oh Heinz, endlich jemand, der mich versteht!!!

    Ich weiß gar nicht, wieso sich die Menschen aufregen, wenn irgendwo in Deutschland paar Jugendliche einen alten Menschen erschlagen. Warum hat er sie angeschaut oder gar angesprochen? Da fühlt man sich doch bedroht.
    Oder die Terroristen, die Flugzeuge kapern und in ein Gebäude reinfliegen. Ist doch alles Notwehr, der Präsident von USA bedrohte schließlich seit Jahren ihren Anführer.
    Oder wenn USA irgend ein Land bombardieren ließ. Diese Aufregung konnte ich schon gar nicht verstehen, schließlich wird dieser Staat täglich von irgend einem Land bedroht. Ach ich könnte die Liste so fortsetzen. Heutzutage bedroht doch jeder jeden.

    Ach ja und damals, die Postler in Danzig, die hätten doch einfach abhauen müssen, schließlich war ihnen bekannt, dass viele Danziger heim ins Reich wollten. Aber nein, stattdessen bleiben sie, besitzen Waffen und greifen an, obwohl man sie nur nett bitten wollte mitzukommen. Abwehr solchen Angriffs ist doch Notwehr.
    Ja und dann nach dem Krieg, als die Ostdeutschen Frauen, Kinder und Greise sich heim ins Reich aufmachen sollten, das wollten einige auch nicht so recht. Der Herr in Warschau fühlte sich dadurch natürlich bedroht. Auch er ließ in Notwehr handeln.

    Nein, ich verstehe wirklich nicht, warum sich die Leute aufregen, wenn ich Notwehr als Grund solcher Handlungen nenne, Du?

    ***Ironie Ende***

  30. #30
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo Uwe,

    meine Oma pflegte immer zu sagen: „Du wirst alt wie ‚ne Kuh und lernst immer noch dazu.“

    Auch ich habe in diesem Forum einiges dazugelernt.

    Gruß
    Magdalena

  31. #31
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    Standard AW: Polnische Post

    Also, Magdalena, ich weiß nicht so recht, wie du diese Ironie meinst.
    Lese ich richtig, dass die alte Oma besser eine Kalaschnikow unter dem Ärmel tragen sollte, damit sie sich wehren kann? Im Falle eines Falles? Na, das wäre dann Selbstjustiz.Und das soll gut sein? Und wenn ich dich richtig verstehe, dann müsste auch die Sparkassenangestellte zumindest eine Gaspistole als Grundausstattung in ihrer Nähe haben.Der nächste Kunde könnte ja ein Räuber sein.Deswegen waren also die Angestellten der Polnischen Post bewaffnet.
    Ganz so mit dem "Heiminsreich" ist es nun auch nicht, wie du es ironischerweise darstellst.Was würdest du sagen, wenn die Stadt oder ein Nachbar quer durch deinen Garten eine Straße bauen würde, und du für den Durchgang zu deinem Grundstück eine Erlaubnis einholen müsstest? Das wäre doch sicher auch für dich Anlass, diese Straße weghaben zu wollen?Und du wärst froh, wenn einer kommen würde und würde dir helfen, dich wieder ungehindert zu bewegen?
    Und denk mal an, nicht alle Deutsche mussten raus.Manche gingen erst, als in Deutschland das Wirtschaftswunder begann.Und manche wollten und durften dann nicht mehr raus.Deren Arbeitskraft war gefragt.Sie durften nur nicht Deutsch sprechen, dann setzte es Strafe.
    Na, das war doch eigentlich auch nur rechtens, nicht wahr?Die Sprache, die die Nazis gesprochen haben,die musste doch verboten werden.
    Oh weh, Magdalena,jetzt bin ich auch ganz doll ironisch.
    _____
    Es grüßt Christa
    „Solange es geht, muss man Milde walten lassen, denn jeder kann sie brauchen.“
    (Th.Fontane)

  32. #32
    Forum-Teilnehmer Avatar von waldkind
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo Christkind, hallo Heinz, hallo Magda,
    so ganz verstehe ich jetzt nicht wo die Ironie liegen soll. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die Pistole, Messer, Gaspistole, Tränengas mit sich trugen. Für den Fall eines Falles, zur Selbstverteidigung, zur Abschreckung, zum Angriff. Und weil einem im Falle eines Angriffs niemand hilft. Da läuft dann heutzutage aber ganz viel Selbstjustiz rum! Im Falle eines Angriffs hat mir auch noch niemand geholfen. Die Polizei sagt dazu "Sie müssen jederzeit mit einem Angriff rechnen, auch am helligsten Tag, auch auf offnener Straße."
    Muss ich mich da wehren, wenn ich in Not gerate? Notwehr ist gar nicht so einfach und muss gut geplant werden, damit sie funktioniert, oder? Aber manche Notwehr, die gut geplant wurde, funktioniert dennoch nicht, wie etwa die in der polnischen Post.
    LG waldkind

    (Hallo Magda,
    habe heute Nacht von Ex-Präsi Busch geträumt, von seinen guten Seiten. Aber das erzähle ich jetzt nicht.)
    Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere kein Fabrikat zu unserem Gebrauch. (Arthur Schopenhauer 1851)

  33. #33
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo Christa,

    eigentlich wollte ich hier nicht mehr antworten, aber dein Satz geht mir nicht aus dem Kopf:

    Was würdest du sagen, wenn die Stadt oder ein Nachbar quer durch deinen Garten eine Straße bauen würde, und du für den Durchgang zu deinem Grundstück eine Erlaubnis einholen müsstest? Das wäre doch sicher auch für dich Anlass, diese Straße weghaben zu wollen?Und du wärst froh, wenn einer kommen würde und würde dir helfen, dich wieder ungehindert zu bewegen?
    Bist du dir sicher, dass du diese Hilfe auch heute noch befürworten würdest? Auch in Anbetracht dessen, dass man den Betreiber der Strasse bei solcher Aktion liquidieren muss und seine Kinder damit zu Halbweisen bzw. Weisen werden? Nur damit du dich ungehindert bewegen kannst?

    Das, liebe Christa, kann ich mir einfach nicht vorstellen.

    Aber vielleicht täusche ich mich auch.

    Gruß
    Magdalena

    P. S. Ich wollte auch immer in meinen "Garten" und musste auch eine "Strasse" passieren, wofür ich Erlaubnis brauchte......aber solch ein Gedanke ist mir nie gekommen.

  34. #34
    Forum-Teilnehmer Avatar von Uwe
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo Magdalena,

    wenn ich Christa nicht vollkommen falsch verstehe sagt sie nicht, dass sie die "Hilfe" befürwortet, sondern versucht nur zur erklären warum die Menschen in Danzig so gefühlt und gedacht haben. Außerdem warne ich immer davor Dinge in der Vergangenheit nur mit den heutigen Augen zu sehen, niemand hat sich wahrscheinlich damals nur im Ansatz vorstellen können in welcher Katastrophe das ganze endet. Die Zeit damals war viel nationalistischer (In Deutschland, Polen und dem Rest von Europa), heute aufgrund dieser Erfahrungen denken die meisten Menschen Gott sei dank anders. Deswegen haben wir 65 Jahre Frieden in Europa.

    Herzliche Grüße

    Uwe
    Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

    Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

  35. #35
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    Standard AW: Polnische Post

    Guten Morgen, Magdalena!
    Uwe hat nun schon etwas ausgedrückt, wovon ich dir eigentlich als Erläuterung zu meinem Vergleich mehr schreiben möchte.
    Alles, was einmal passiert ist, ist nicht plötzlich gekommen, wie zum Beispiel ein Erdbeben.Und so weiß ich auch noch aus meiner persönlichen Familiengeschichte, dass die Situation in der Freien Stadt Danzig für die meisten Menschen immer schlechter wurde.Mein Vater, Jahrgang 1899, kam aus dem 1. Weltkrieg mit einer Verletzung, die ihn für sein weiteres Leben zeichnete.Deswegen war er auch nicht mehr Soldat im 2. Weltkrieg.
    Er lernte Polsterer und Dekorateur.Wie die Weltwirtschaftslage in den Zwanzigern war, weiß jeder.Besonders in Danzig stieg dann die Arbeitslosigkeit rasant an. Ich will gar nicht weiter ausführen, inwieweit der Hafenbau in Gdingen durch Polen dies noch weiter verursacht hat.Mein Vater wurde immer wieder arbeitslos.Dann war natürlich große Not in der Familie.Mein Bruder Erwin wurde davon so geprägt, dass er sich schon damals als Kind geschworen hat, ihm soll es mal besser gehen.Dafür hat er gekämpft.
    Meine Schwester hat als traumatisches Erlebnis immer vor Augen, wie sie von der Mutter zu den Nonnen geschickt wurde, um Brot zu erbitten.Einmal sollte sie ein zweites Mal gehen, weil das Brot für 5 Kinder nicht reichte.Die Nonne knallte ihr die Tür vor der Nase zu mit den Worten:"Du warst heute schon mal da, du kriegst nichts." Meine Mutter erzählte, und das werde ich auch nie vergessen, wie sie in großer Not von der Markthalle zu unserer Wohnung ging und betete, dass sie ein Geldstück finden würde, damit sie doch noch etwas kaufen könnte für die Kinder.
    Mein Vater nahm jede Arbeit an, die sich ihm bot. Ob, Handlanger beim Frisör, ob Küster, oder Aushilfe im Sarggeschäft. Er fertigte Kinderspielzeug aus Holz und bemalte es.
    Und immer wieder war er eben auch Maler hier oder da. Ich besitze noch sein Arbeitsbuch.
    Dadurch, dass wir am Wasser wohnten,gab es auch die Fische umsonst, die mein Vater angelte.
    Ich weiß nicht, wie es in der Familie deines Vaters war,vielleicht besser.
    Aber ich kann mir unter diese Gegebenheiten eben sehr gut vorstellen, dass die Danziger sich mit der Isolierung durch den Korridor nicht abfinden wollten.
    Und dann kommt Hitler. Er muss doch den Menschen wie ein Retter erschienen sein.Wenn noch nicht einmal die Intelligenz gemerkt hat, wem sie ihr Jawort geben, dann kann man es der Durchschnittsbevölkerung auch nicht ankreiden.
    Du kannst mir glauben, dass ich keinen Hass gegen irgendwen oder irgendwas empfinde. Nur, wenn ich das Hakenkreuz sehe,die Männer mit dem Hakenkreuz am Ärmel, dann packt mich die Wut, dass dieses Gesocks unsere Nation einmal beherrscht hat.
    Die Menschen jubelten "Heil Hitler", und Hitler versprach Heil.
    Er versprach Arbeit, Ansehen.Seine Stimme durchdrang alle Gehirnritzen.Bis irgendwie Zweifel aufkamen. Und da war die Macht zur brutalen Gewalt geworden, jedes Aufbegehren tödlich.
    Ich hoffe, Magdalena, dass meine Erläuterungen nicht zu persönlich gefärbt sind.Vor allem bitte, wie Uwe schreibt, die Geschehnisse aus der Zeit heraus zu betrachten.
    _____
    Es grüßt Christa
    „Solange es geht, muss man Milde walten lassen, denn jeder kann sie brauchen.“
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  36. #36
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo Christa,

    danke für deinen ausführlichen Beitrag.

    Ja, deine Geschichte kommt mir sehr bekannt vor. Auch andere haben es mir so erzählt. Nur so konnte ich mich in die damalige Zeit hineinversetzen und die Beweggründe der einzelnen Menschen verstehen. Nein, es ging nicht nur um freie Durchfahrt und es ging auch nicht nur um nationalistische Gedanken, bei manchen ging es schlicht und einfach um den Existenzkampf und wie du richtig bemerkt hast, erschien Adolf Hitler damals diesen Menschen wie der Retter aus der Not.

    Bei meiner Oma (mütterlicherseits) war das auch so. Sie hat es aber ziemlich schnell bereut, denn der Terror erfaßte schon am ersten Tag ihr nahes Umfeld. Ihr Mann, der ein Kaschube war, wurde am ersten Tag verhaftet. Kam aber bald wieder raus und wurde zur Wehrmacht eingezogen. Sein Bruder aber, war bei der Polnischen Post. Sie hat ihn vor Vollstreckung des Urteils im Gefängnis am Bischofsberg besucht, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

    Herzliche Grüße
    Magdalena

  37. #37
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    Standard AW: Polnische Post

    Magdalena, richtig verstehen kann man die Vergangenheit eben besser, wenn nicht nur die Geschichtslehrer referieren, sondern auch die einfachen Menschen ihr Leben erzählen, ihre Gefühle, ihre Ängste und ihre Freuden, die ja auch immer da waren.Und wenn man sich nur über einen Apfel freute, den man bekam....
    Ich komme schnell wieder ins Berichten, wenn ich erst einmal anfange, aber wir werden ja ermahnt, nicht vom Thema abzuschweifen. Und es ist unmöglich, für jeden neuen Gedanken auch ein neues Thema zu eröffnen.
    Also bleibt Vieles ungesagt / ungeschrieben.
    Liebe Grüße von Christa
    „Solange es geht, muss man Milde walten lassen, denn jeder kann sie brauchen.“
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  38. #38
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    Standard AW: Polnische Post

    Noch eine Stimme zum Thema:
    "Warum Waffen..."

    Aus meiner Sicht, man kann folgendes feststellen: Bewaffnen von zivilen Postangestellten war ein "Verdienst" der damaligen polnischen Regierung. In der Erwartung einer baldigen Anglo-Französischen Gegenoffensive im Westen (..in der Danzigen Bucht taucht in 6 Tagen die englische Home Fleet auf..und und und...) setzte man auf "6 Tage Krieg<..höchstens 6 Tage, hat das nicht mal der Rydz-Smigly gesagt?..>". Also, wenn es nur 6 Tage dauern sollte, lass uns mal die wertvolle Post verteidigen. Was mir dabei unklar ist, warum wurde damals nicht auch die polnische Eisenbahndirektion oder Zollamt ebenfalls bewaffnet.

    Gruß- Janusz

  39. #39
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    Standard AW: Polnische Post

    Und es ist unmöglich, für jeden neuen Gedanken auch ein neues Thema zu eröffnen.
    Also bleibt Vieles ungesagt / ungeschrieben.
    Ja, und das finde ich schade.

    Ich komme schnell wieder ins Berichten, wenn ich erst einmal anfange....
    Ist bei meinem Vater auch so, wenn ich anrufe und eine bestimmte Sache wissen will. Oft schweift er dann ab und während ich früher darauf drängte meine Frage zu beantworten, lasse ich ihn heute erzählen, denn dabei erfahre ich auch viele neue Einzelheiten, die früher beim konkreten Nachfragen gar nicht zur Sprache kamen aber doch für das Gesamtbild sehr wichtig sind.

    Liebe Grüße
    Magdalena

  40. #40
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo Janusz,

    lt. dem Buch von Dieter Schenk „Die Post von Danzig“ wurde von der polnischen Regierung angenommen, dass nur Danzig allein gewaltsam an das Deutsche Reich angeschlossen wird und Frankreich sowie England passiv bleiben würden, da Hitler erklären würde, er habe lediglich vereinnahmt, was dem Reich sowieso gehörte. Weiterhin nahm man an, dass der Angriff von Ostpreußen aus und über die Ostsee erfolgen würde.
    Auf grund dieser Hypothese kam es zur Gründung geheime polnischer militärischer Kampfguppen in Danzig, die im Ernstfall die polnischen Objekte, so auch die Post, schützen sollten, bis die Armee zur Hilfe eilen könnte.

    Im Sommer 1939 wurden einige Einrichtungen durch Personal verstärkt, so z. B. der Zoll mit 32 Inspektoren, die Post mit weiteren 10 Postbeamten aus Bromberg und Gdingen und ebenso Westerplatte in erheblichen Umfang.
    In den letzten Augusttagen wurde jedoch wegen der Aufmarschbewegungen deutscher Truppen entlang der polnischen Grenze offensichtlich, dass Hitlers Angriff nicht alleine Danzig, sondern dem ganzen Land gelten würde. Darauf hin wurde die Strategie geändert und das polnische Generalkonsulat in Danzig darüber informiert. Auch das Kommando der Westerplatte, dem man die Entscheidung selbst überließ, wie lange es Widerstand leisten wolle.

    Offensichtlich wurden auch alle anderen polnischen Stützpunkte in Danzig verständigt nur die Polnische Post am Heveliusplatz nicht (man rätselt bis heute noch: warum?). So ging man dort noch weiterhin davon aus, dass der alte Verteidigungsauftrag gilt und innerhalb von 6 Stunden Entsatz durch polnisches Militär erfolgen würde.

    Gruß
    Magdalena

  41. #41
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    Standard AW: Polnische Post

    Hallo Janusz,
    vielleicht ist es noch Aktuell--Mein Großvater hat bei der polnischen Eisenbahndirektion gearbeitet (Obersekretär)Sie waren auch teil Bewaffnet ,haben dann ihre Waffen vor dem 1 September verschwinden lassen können.Warum? Die Informationen waren oft Falsch und Dürftig ,so das keine planmäßige Abstimmung ,zwischen den polnischen Ämtern
    erfolgen konnte.
    Gruß Roman

  42. #42
    Forum-Teilnehmer Avatar von sarpei
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    Standard Verteidiger der Polnischen Post - Wer entziffert den Namen?

    Hallo miteinander,

    aus einer 'zeitgenössischen braunen Schmonzette' stammt das nachstehende Bild. Der in der Mitte befindliche Gefangene wurde nachträglich offenbar namentlich identifiziert. Wer kann den Namen lesen?

    Name:  Verteidiger der Polnischen Post.jpg
Hits: 301
Größe:  122,4 KB


    Viele Grüße

    Peter

  43. #43
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    Standard AW: Verteidiger der Polnischen Post - Wer entziffert den Namen?

    Kazimierz Gdaniec.

    Grüße

    Hans

  44. #44
    Forum-Teilnehmer Avatar von sarpei
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    Standard AW: Verteidiger der Polnischen Post - Wer entziffert den Namen?

    Hallo Hans,

    herzlichen Dank!


    Viele Grüße

    Peter

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