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Thema: Johannes Trojan

  1. #1
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    Standard Johannes Trojan

    Auszug aus Wikipedia:
    Johannes Trojan wurde als Sohn eines Kaufmanns in Danzig geboren, der eine Zeit lang Vorsteher der Stadtverordneten und seit 1849 Deputierter der zweiten Kammer in Berlin war. In seiner Freizeit dichtete der Vater oft, was sich auf seinen Sohn übertrug. 1841 starb die Mutter, der Vater verheiratete sich bald wieder. Johannes Trojan besuchte das Gymnasium Danzig, an dem er 1856 seine Reifeprüfung ablegte.

    Zunächst studierte er fünf Semester Medizin an der Universität Göttingen, dann Germanistik in Berlin und Bonn. Seit 1859 lebte er in Berlin und wurde 1862 Hilfsredakteur der Berliner Montagszeitung. Er war ein Bewunderer Otto von Bismarcks, ab 1866 Redakteur des politisch-satirischen Wochenblattes Kladderadatsch und von 1886 bis 1909 dessen Chefredakteur. Wegen Majestätsbeleidigung musste er 1898 eine zweimonatige Haft in der Festung Weichselmünde verbüßen. Er berichtet darüber in satirischer Form in seiner Schrift „Zwei Monat Festung“. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kladderadatsch lebte er seit 1909 zurückgezogen in Warnemünde.

    Johannes Trojan verfasste Erzählungen, Plaudereien, Reiseberichte sowie Beiträge zur deutschen Pflanzenwelt. Viele von diesen Texten erschienen in der National-Zeitung. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Kinder- und Scherzgedichte sowie seine Erzählungen für Jugendliche, die u. a. in Julius Lohmeyers "Deutsche Jugend" und in Franz Hoffmanns "Neuer deutscher Jugendfreund" erschienen.
    Zu seinem Freundeskreis gehörten Heinrich Seidel und Julius Stinde, mit denen er im Allgemeinen Deutschen Reimverein unter dem Dichternamen „Theodor Janzen“ wirkte.

    Johannes Trojan starb im Alter von 78 Jahren und wurde auf dem Neuen Friedhof in Rostock beigesetzt.
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  2. #2
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    Standard Johannes Trojan (*14.08.1837 +21.11.1915)

    Morgen jährt sich der Todestag des berühmten Danziger Dichters und Schriftstellers Johannes Trojan, der am 21.11.1915 in Rostock starb. Hier zwei von ihm selbst verfasste Kurzbiografien:

    Johannes Trojan

    Die Trojans haben im Laufe der Zeit allerhand Arten von Beruf oblegen. Mein Großvater war Maler, aber nicht Kunstmaler, sondern ein schlichter Handwerker seines Zeichens. Mein Vater gehörte dem Kaufmannsstande an, von meinen beiden Söhnen ist der eine Jurist und der andere Seemann. Ich selbst bin vom Studium der Medizin zu dem der deutschen Sprachwissenschaft, aus diesem zu dem freien Dichtergewerbe übergegangen.

    Geboren bin ich in Danzig am 14. August 1837, nicht allein, sondern als die Hälfte eines Zwillingspärchens, dessen andere Hälfte weiblichen Geschlechts war. Meine Zwillingsschwester Johanna - jedes von uns erhielt in der Taufe nur einen Namen - hat, als sie erwachsen war, nach Österreich hinein geheiratet und ruht seit vielen Jahren schon aus auf einem Friedhof in Wien. Unsere Mutter verfiel, nachdem sie uns beiden „Kleinen“, wie wir nachher hießen, das Leben geschenkt hatte, einem schweren Brustleiden, gegen das mein Vater vergebens Hilfe für sie in Italien und in deutschen Bädern suchte. Sie liegt auf dem Friedhof von Bad Ems, und ich habe keine Erinnerung an sie ins Leben mitnehmen können. In später Zeit erst habe ich sie im Traum gesehen.

    Mein Vater ist in Armut aufgewachsen und konnte nur eine Dorfschule besuchen, er hat sich aber aus eigener Kraft emporgearbeitet und eine umfassende Bildung besonders auf sprachlichem und literarischem Gebiet sich angeeignet. Mit dem Polnischen wurde er schon vertraut als Lehrling in einem Danziger Geschäft, dessen Kunden hauptsächlich Polen waren. Zu derselben Zeit erlernte er auf eigene Hand andere Sprachen. Als er nachher viel mit fremden Schiffskapitänen, englischen, französischen, dänischen und holländischen, zu tun hatte, konnte er sich mit jedem von ihnen in dessen Sprache unterhalten. Er hat sich dann nach und nach eine reichhaltige Bibliothek erworben, und da der Bücherschrank des Hauses unverschlossen war, habe ich mich als Kind schon mit Schiller und Goethe vertraut gemacht, auch mit den Romantikern und der Schicksalstragödie. Von Müllners „Schuld“, von der ich ganz besonders entzückt war, weiß ich von der Zeit her ganze Stücke noch auswendig. Mein Vater war ein großer Blumenfreund, wie ein Freund der Natur überhaupt. Das habe ich von ihm geerbt, außerdem aber das Dichten. Mein Vater hat in jungen Jahren schon Verse gemacht. Aus seiner frühen Zeit habe ich viele Gedichte von ihm, deren etwas schwärmerischer Ton auf den Einfluss Matthissons und Höltys schließen lässt. Aber auch allerliebste humoristische Gedichte, die ganz „aus freier Hand“ gemacht sind, befinden sich darunter. In späterer Zeit ist das Gelegenheitsgedicht fast allein es gewesen, wozu das Geschäft, das immer mehr ihn in Anspruch nahm, ihm noch Zeit ließ. Er machte allerhand Gedichte, selbstverständlich honorarfrei, für Familienfeste und für Feste der Danziger Bürgerschaft, in der er sich so viel Achtung und Liebe zu gewinnen wusste, dass er zuerst zum Stadtverordneten, dann> zum Stadtverordnetenvorsteher erwählt wurde.

    Als ich sah, dass mein Vater Verse machte, sagte ich zu mir: Das muss dir auch gelingen. Und so versuchte ich mich denn in der Dichtkunst. Das gewahrte mein Vater bald und forderte mich zu einem Wettstreit bei einem Geburtstagsgedicht heraus. Ich nahm das an und gewann bei dieser Konkurrenz, wie mir von ihm eröffnet wurde, den Preis. Für dieses Gedicht erhielt ich von dem Herrn, dessen Söhnlein es zum Geburtstag des Vaters aufzusagen hatte, ein Honorar, das in einem Taschenmesser mit fünf Klingen bestand. Das war mein erstes Honorar überhaupt und dasjenige, das mir am meisten Freude gemacht hat. Aber ach, nach nicht langer Zeit hatte ich das Unglück, das kostbare Messer zu verlieren. Das ging mir sehr nahe. Ich konnte mich nicht entschließen, zu sagen, dass das Messer weg sei, endlich brachte ich mein Unglück in ein Gedicht und schloss dieses damit, dass im Traum Letos Sohn Apollon mir erscheint und mir Trost zuspricht. Dies Gedicht überreichte ich meinem Vater, der sich so darüber freute, dass, als ich ihn lachen sah, mein ganzer Kummer zerflog. Damals war ich vierzehn Jahre alt, um die Zeit aber hatte ich schon viele Verse gemacht. Im Jahre 1849 wurde mein Vater zum Abgeordneten der Zweiten Kammer gewählt und reiste im August dieses Jahres nach Berlin. Ich widmete ihm ein Abschiedsgedicht und begrüßte ihn, als er im März 1850 nach Danzig zurückkehrte, mit einem längeren Gedicht, das in Ottaven gefasst war. Davon sagte mein Onkel, ein Prediger, der gut zu dichten verstand: „Deine Ottaven sind ganz richtig, ich könnte keine besseren machen.“ Auf dieses Urteil war ich sehr stolz. Aus dem Jahr 1849 stammen die ersten meiner Gedichte, die ich aufgehoben habe, indem ich sie in das in diesem Augenblick vor mir liegende Büchlein eintrug, das eine Tante mir zu diesem Zweck geschenkt hatte. Darunter ist ein Spottgedicht auf ein Dienstmädchen unseres Hauses, das seiner etwas ostasiatischen Gesichtsbildung wegen von uns die Chinesin genannt wurde. Solche Spottgedichte auf uns bekannte Personen machte ich öfters und heftete sie dann irgendwo im Hause an. Einmal ließ ich ein Spottgedicht in alcäischer Odenform, das unsern Hauptlehrer behandelte, in der Sekunda des Gymnasiums während der Stunde unter dem Tisch herum gehen. Noch heute ergreift mich ein Schauer, wenn ich daran denke. Wäre ich dabei ertappt worden, ich hätte doch unbedingt meinen Abschied erhalten. dass es den Lehrern sehr schwer geworden wäre, darauf zu bestehen, davon bin ich fest überzeugt, aber sie hätten ja doch nicht anders handeln können.

    Aus dem Jahre 1849 stammt auch ein von mir verfasstes Lustspiel „Edward und Klärchen“, das von mir in einer Vorrede dem Direktor des Danziger Stadttheaters, Genee, empfohlen, aber nicht zur Aufführung gelangt ist. Das Heftchen, das dies Lustspiel im Manuskript enthält, ist mit einer von mir gezeichneten und kolorierten Illustration, die eine Totengruft oder „Unkenkammer“, wie ich mich ausgedrückt habe, darstellt, versehen. In einem dem Heftchen beigefügten Nachwort heißt es: „Mit der Hoffnung, dass ich alle erfreut habe, schließe ich mein Buch. Leider kann ich die Kritik wegen der Pressfreiheit nicht verbieten und wünsche nur, dass dieselbe nicht in gar zu harten Worten ausgedrückt wird. Der Edle wird dieses schon von selbst tun.“ Wenn ich heute dieses kleine „Lustspiel“ durchlese, finde ich, dass ich mich mit einiger Freiheit an Goethes „Erwin und Elmire“ angelehnt habe. Unzählige Gelegenheitsgedichte habe ich verfasst in der Zeit bis zum Abgang vom Gymnasium, das ich als Achtzehnjähriger verließ. Mein Vater hatte wieder geheiratet, und uns fünf Geschwistern - soviel waren wir damals - wurde darauf ein Schwesterlein beschert, das einzige von den neun Kindern meines Vaters, das jetzt außer mir noch am Leben ist. Zu allen Geburtstagen in der Familie machte ich ein Gedicht, das meist humoristisch gehalten war. Dazu kam im Sommer - die meisten Geburtstage fielen in die schöne Jahreszeit - ein aus wilden Blumen gebundener Strauß, der stets etwas Hübsches enthielt, weil mir in der Umgebung meiner Vaterstadt die Standorte der schönsten wilden Blumen - ich kann sie noch heute angeben - genau bekannt waren. Zu den Geburtstagsgedichten kamen dann noch andere, an Freunde und Freundinnen des Hauses gerichtete Gedichte zu Festen, zu lebenden Bildern, Briefe in Versen und mehr der Art. Und so wurde das von der Tante geschenkte Bändchen, bis ich die Heimat verließ, vollgeschrieben.

    Auf dem Gymnasium habe ich, wie ich glaube - ich musste sehr oft auch krankheitshalber fehlen -, nicht gerade Besonderes geleistet, ein paar Mal aber doch Lehrern Freude gemacht. Einmal gab ich dem deutschen Aufsatz, den wir aufbekommen hatten, einem plötzlichen Einfall folgend, die Form eines Märchens. Das gefiel dem Lehrer, und er trug es in der Klasse vor. Dann habe ich die kurze Lebensbeschreibung, das Curriculum vitae, das man als Abiturient einreichen muss, in Versen abgefasst. Das kam vielleicht zum erstenmal vor, jedenfalls aber hat es mir zum Durchkommen verholfen.

    Als ich vor fünfzig Jahren mein Bündel schnürte und zunächst als junger Student in die Welt hinaus zog, habe ich allerhand Gutes von Hause mitgenommen. Dazu gehörte vor allem die Liebe zum Heimatland, die immer dieselbe bei mir geblieben ist, und die Anhänglichkeit an Haus und Heim, die ich später auf meinen eigenen Hausstand übertragen habe. Dann nahm ich aus dem Elternhause mit ein gut Stück Humor und ein bisschen Übung schon in der Reimschmiedekunst und Versdrechselei. Ferner nahm ich mit große Liebe zur Natur und besonders zur Pflanzenwelt, die mein Lieblingsstudium und eine Quelle immer neuer Erfrischung für mich geblieben ist bis auf diesen Tag. Als väterliches Erbteil nahm ich etwas noch mit, das ich nicht Optimismus nennen möchte, denn was man darunter versteht, ist mir nie sympathisch erschienen - nein, es war nicht Optimismus, sondern eine gewisse Seelenruhe, die es macht, dass man stillhält im Leiden, die Augen offen hält und unverzagt bleibt. Gut für mich war es, dass ich dies Erbteil ins Leben mitnahm, denn wie meinem Vater sind auch mir nicht schwere Schicksalsschläge erspart geblieben. Ich will noch hinzufügen, dass ich noch recht jung und sehr grün ins Leben trat als ein richtiger dummer Hans, der ich lange geblieben bin. Das hat mir über viele Gefahren hinweg geholfen. Wie manchmal bin ich über schmalen Steg gegangen, ohne zu ahnen, dass unter mir Abgrund war!

    Als ich nach Göttingen kam, war mein erstes, in eine der studentischen Verbindungen dort, die der Neubraunschweiger, einzutreten. Bei dieser wurde am Sonnabend auf der offiziellen Kneipe eine „Bierzeitung“ verlesen, in der allerlei aus dem Verbindungsleben in Versen und Prosa humoristisch behandelt wurde. Redakteur dieser „Bierzeitung“ war damals ein Hamburger, namens Rudolf Gädichens, der vor kurzem als Professor und archäologischer Gelehrter in Jena verstorben ist. Alsbald ward ich sein treuer Mitarbeiter, und als er nach einem Semester fortging, ernannte er mich zu seinem Nachfolger. So war ich Bierzeitungsredakteur, bis ich selbst von Göttingen schied, und nachher wieder in Bonn, wo ich mit den Alemannen kneipte. Das war eine gute Vorübung für die spätere Tätigkeit im Philistertum. Ich glaube, dass meine alten Bierzeitungen, die zuweilen auch illustriert waren, in Göttingen und in Bonn aufgehoben geblieben sind.

    Im Jahre 1859 ging ich von der Medizin zur Germanistik über, am Anfang des Jahres 1862 wurde in mir der Entschluss reif - von Anfang an hatte ich das schon im Herzen getragen -, allem Fachstudium entsagend, es mit der freien Schriftstellerei zu versuchen. Das tat ich denn auch und fing an, auf diesem Gebiete mein Brot zu suchen. Ach, das hätte ich nicht gedacht, dass es da so schwer würde zu finden sein. Ich war doch gut vorbereitet und hatte eine Menge Sachen in Versen und Prosa liegen, die ich nun unter das Publikum werfen und es damit für mich gewinnen wollte. Da hatte aber „eine Eule gesessen“, w e der Volksmund sagt. Von den meisten Sachen, die ich aussandte, habe ich überhaupt nie wieder etwas zu sehen bekommen. Einige kamen zurück mit dem Vermerk: „Nicht zu verwenden.“ Ein und das andere Gedicht nur wurde angenommen unter der Bedingung, dass auf ein Honorar nicht gerechnet werde. Ich ward aber nicht müde, es hier und dort wieder und wieder zu versuchen, und endlich gelang es mir, bei der Montagszeitung, deren Redakteur der damals noch sehr bekannte und beliebte Adolf Glaßbrenner war, als Mitarbeiter und Korrektor mit einem Monatsgehalt von fünf Talern angestellt zu werden. Bald darauf erhielt ich eine Anstellung beim Kladderadatsch mit schon acht Talern monatlich. Ich erinnere mich noch wohl des Tages, als ich die erste Gehaltsrate in acht harten Talerstücken ausgezahlt bekam. Sogleich begab ich mich mit dem Gelde in ein Lokal, wo Freunde und Bekannte von mir verkehrten, und als wir in später Nachtstunde uns trennten, war von den acht Talern auch nicht ein Pfennig mehr übrig. Nachher habe ich natürlich gelernt, haushälterischer mit dem Gelde umzugehen.

    Ernst Dohm, der damals den Kladderadatsch redigierte, erkannte bald, dass ich gut zu brauchen war, und nahm meine Beiträge gern auf. Schon im zweiten Jahr meiner Mitarbeiterschaft kam er wegen eines von mir herrührenden Gedichtes auf die Fürstin Karoline von Reuß ins Gefängnis, und darauf war ich nicht wenig stolz. Ich besuchte ihn in der alten Berliner Stadtvogtei, wo er seine Strafe absaß, und steckte ihm, als der Beamte, der bei unserer Unterredung zugegen war und zugegen sein musste, einmal wegsah, dankbaren Herzens rasch eine Leberwurst und eine geräucherte Gänsebrust zu. Nicht lange vor meinem Eintritt in den Redaktionsverband des Kladderadatsch waren durch Ernst Dohm die Leitgedichte eingeführt worden, die zuweilen ernst gehalten waren und auch auf poetischen Wert Anspruch erhoben. Auf diesen Platz kam ich sehr bald durch Dohm. Unter seiner Redaktion sind auf der ersten Seite einhundertneunundsiebzig solcher Gedichte erschienen, die von mir verfasst waren. Auch sonst habe ich viel für das Blatt gearbeitet. In vierundvierzig Jahrgängen sind nur wenige Nummern ohne Beiträge von mir. So habe ich in diesem Blatt nach und nach ein großes Stück geistiger Lebensarbeit - ich schätze es auf mindestens zwanzig starke Oktavbände - niedergelegt, ohne dass mein Name dabei genannt worden ist - fürwahr ein unsicher angelegtes Eigentum! Erst 1883 gab ich unter dem Titel „Scherzgedichte“ eine Sammlung kleiner humoristischer Sachen heraus, die zuerst im Kladderadatsch, im Kladderadatsch-Kalender, dessen Mitarbeiter ich auch viele Jahre hindurch gewesen bin, und noch sonst an anderen Orten erschienen sind. Den „Scherzgedichten“ sind dann später „Neue Scherzgedichte“ gefolgt. Die Herausgabe einer Auswahl meiner politischen oder Zeitgedichte habe ich mir noch vorbehalten.

    Ich kehre zurück in die sechziger Jahre. Meine Stellung besserte sich nach und nach, und ich kam dadurch auf den Gedanken, mich sesshaft zu machen. Im Jahre 1866, als ich schon zwei Jahre heimlich verlobt war, fasste ich den Entschluss, mir einen eigenen Herd zu gründen, und führte das aus. Manchem meiner Bekannten gewiss ist das gewagt erschienen, denn die ich heimführte, brachte mir nichts als ihr liebes Herz, und mein festes Einkommen betrug erst 600 Taler jährlich. Aber mein Vater hat 1823 auch geheiratet, als sein Gehalt auf 600 Taler gestiegen war, und das war maßgebend für mich. Dazu besaß ich ein gutes Vertrauen auf die Zukunft und habe dem damals Ausdruck gegeben in einem kurzen Gedicht, das so lautet:

    Ein Vogel baut sein kleines Haus auf höchstem Zweig der Linde.
    Gefährlich sieht's mitunter aus, so schwankt das Nest im Winde.
    Der Vogel hat ein gut Vertrau'n, lässt froh sein Lied erschallen.
    Der ihm dort riet, sein Nest zu bau'n, lässt auch das Nest nicht fallen.“

    Dies Vertrauen hat mich nicht getäuscht. Wir haben uns glücklich durchgeholfen, und auch als in dem Nest kleine Vögel saßen, die ihre Schnäbelchen nach Nahrung aufsperrten, fehlte es nicht am Notwendigen. Mir aber ging, als ich mein eigenes Heim hatte, das Leben erst recht auf. Hier und dort versuchte ich es auf dem Gebiet der Poesie und erschien sogar mit zwei kleinen Stücken auf dem Theater. Zumal aber brachte ich vielerlei Lyrisches hervor und fand dafür Aufnahme in dem von Ludolf Parisius herausgegebenen „Volksfreund“ und in einigen anderen Blättern. Im Jahre 1870 gab ich zuerst ein Bändchen lyrische Gedichte heraus, das, weil sein Erscheinen in den Ausbruch des großen Krieges fiel, kaum bekannt wurde. Der Inhalt dieses Bändchens ist nachher mit anderen Sachen zusammen als ein Band „Gedichte“ erschienen, der vor einiger Zeit neu aufgelegt worden ist. Andere Gedichte enthalten meine Bücher „Von drinnen und draußen“ und „Für gewöhnliche Leute“. Dazu ist im vorigen Herbst noch ein Gedichtbuch „Aus dem Leben“ gekommen, in das auch Gelegenheitsgedichte verschiedener Art Aufnahme gefunden haben.

    Als ich beim Kladderadatsch Stellung gewann, wurde ich vom Verleger desselben zugleich auch für das Verfassen von Kinderbüchern in Anspruch genommen, von denen ich seitdem eine große Zahl für diesen Verlag und für andere Verlagsbuchhandlungen geliefert habe. Außerdem wurde ich Mitarbeiter der von Lohmeyer, mit dem ich bald befreundet wurde, herausgegebenen „Deutschen Jugend“ und anderer Jugendzeitschriften. Eine Auswahl aus meinen in Kinderbüchern und Kinderzeitschriften veröffentlichten Gedichten habe ich 1899 unter dem Titel „Hundert Kinderlieder“ herausgegeben. Es hat mir zur großen Freude gereicht, dass von diesen Kinderliedern seitdem achtunddreißig komponiert worden sind, darunter mehrere zweimal und eines - „Maria auf der Wiese“ heißt es - dreimal. Diese Lieder enthalten im wesentlichen, was ich mit eigenen Augen und zu nicht geringem Teil im eigenen Hause beobachtet habe.

    Im Anfang der siebziger Jahre traf mich ein schwerer Schlag. Nachdem ich ein Kind schon verloren hatte, erkrankte meine Frau nach der Geburt des dritten Kindes und erlag langem und schwerem Leiden, wie meine Mutter nach der Geburt der Zwillinge gestorben ist. Sieben Jahre nur hat unsere Ehe gewährt. Ich habe danach wieder geheiratet, und zwar eine Mecklenburgerin, die mir bis jetzt eine liebe und treue Gefährtin gewesen ist und mit mir schon das Fest der silbernen Hochzeit gefeiert hat. Sie hat mir sechs Kinder geschenkt, von denen fünf am Leben sind. Ich habe also wie mein Vater im ganzen neun Kinder gehabt. Durch meine zweite Frau kam ich in das Mecklenburger Land hinein, in dem ich dann wanderlustig und immer gut zu Fuß viel umhergestreift bin, häufig mit dem aus Mecklenburg stammenden Dichter Heinrich Seidel zusammen, dessen Freundschaft ich zu Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gewonnen habe. Diesen Wanderungen hauptsächlich ist mein Buch „Von Strand und Heide“ entsprungen, ich habe aber auch noch manches andere Gesehene und Erlebte in das Buch hinein genommen. Um dieselbe Zeit, 1888, gab ich unter dem Titel „Kleine Bilder“ ein Buch heraus, das allerhand bunten Kram, Erdachtes und Erschautes, Naturbilder, kleine Erzählungen und Märchen, enthält.

    Von 1878 an war ich Mitarbeiter der „Nationalzeitung“, für die ich im Laufe eines Vierteljahrhunderts zahllose größere Aufsätze und kleine Sachen geschrieben habe. Die kleinen Sachen sind Lokalartikel, für die ich mir eine ein bisschen mit Poesie verzierte Einkleidung erfand. Eine Auswahl von hundert dieser ganz kleinen Sachen sind vor zwei Jahren unter dem Titel „Berliner Bilder“ erschienen. Größere Sachen, die ich für die „Nationalzeitung“ und andere Blätter geschrieben habe, enthält mein Buch „Von einem zum andern“, das 1893 erschien. Den Hauptinhalt des Buches bildet ein Lebensbild meines Vaters, das von mir „Ein Kaufmann von alter Art“ genannt worden ist, nebst anderem Heimatlichen.

    Als unser erster Reichskanzler Bismarck sich nach Friedrichsruh zurückgezogen hatte, kam ich, der ich manches Lied ihm schon gewidmet hatte, persönlich auch mit ihm in Berührung, und manches Mal habe ich als Gast an seinem Tische ihm gegenüber gesessen. dass mir dieses beschieden ward, würde ich nicht hingeben für alles Gold der Welt. Bismarck erinnerte sich auch meines Vaters, der mit ihm einst als Abgeordneter derselben Partei angehört hatte.

    Im Jahre 1898 begegnete mir ein Unglück» das genau besehen ein Glück war. Wegen eines Pressvergehens erhielt ich zwei Monate Festung, die ich im Fort Weichselmünde bei Danzig abbüßen durfte, und gewann dadurch wieder volle Fühlung mit meiner Heimat. Dieser meiner Heimat, der ich stets treue Liebe bewahrt habe und bewahren werde, ob sie auch von mir nichts weiß noch wissen will, ist mein Buch „Zwei Monate Festung“ gewidmet, das ich ein Jahr nach Verbüßung meiner Haft veröffentlicht habe.

    Meine Kinder wuchsen auf, und eine Tochter verheiratete sich nach Kanada, wo sie ihren Wohnsitz mit Mann und Kindern in Toronto am Ontariosee hat. Da mussten wir hin, meine Frau und ich (koste es, was es wolle), als ein Kind da war, um in das Nest auf dem maple tree - maple oder Ahorn ist die Wappenpflanze der kanadischen Provinz Ontario - hineinzusehen. So dampften wir im Frühling 1900, nachdem ich für zehn Monate - in denen aber auch nur eine Nummer des Kladderadatsch ohne Beitrag von mir erschienen ist - Urlaub erhalten, nach der Neuen Welt ab und haben dort auch außer dem Nest auf dem Ahorn viel zu sehen bekommen - ich besonders. Wir sind den Lorenzstrom hinunter gefahren, wir haben die Niagarafälle und das Seengebiet von Kawartha besucht, ich habe mit meinem Schwiegersohn einen Ausflug in die wilden Wälder gemacht, wo wir tagelang, stark verwildert anzusehen (doch wer sah uns außer einem Farmer oder einem Indianer?), umher gestrolcht sind mit einer Pflanzenpresse, die mir dazu verhalf, zahlreiche schöne Blüten des Urwaldes heimzutragen. Meine Erlebnisse auf der Amerikafahrt habe ich niedergelegt in einem Buch, das sich „Auf der andern Seite“ nennt.

    Hiermit bin ich zu Ende. Ich habe in Kürze berichtet, was ich erlebt habe und wie das Erlebte auf meine schriftstellerische Tätigkeit eingewirkt hat. Dabei glaube ich sagen zu können, dass ich, was mir auch begegnet ist, an dem festgehalten habe, was ich einstmals von Hause mitnahm. Wohl bin ich manchmal in Kampf deswegen gekommen, aber niederwerfen ließ ich mich nicht. Wenn ich heute zurückschaue, muss ich sagen, dass ich im ganzen doch bekommen habe, was ich mir am meisten wünschte. Das sage ich besonders noch im Hinblick auf Kanada, wo jetzt im Nest auf dem Ahorn ein Zwillingspärchen sitzt, dessen Großvater ich bin. Nur etwas, das ich gern gehabt hätte, ist mir nicht zuteil geworden: ein kleines Stück Gartenland. Soll ich das noch bekommen, so muss es aber, das mache ich zur Bedingung, länger als zwei und breiter als ein Meter sein.

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    Johannes Trojan: Mein Leben

    Ich bin geboren am 14. August 1837 als Kaufmannskind in Danzig, der alten See- und Handelsstadt, die in so anmutiger Umgebung daliegt. Auf der einen Seite erstreckt sich ins Land hinein die fruchtbare Weichselniederung, das Werder, auf der andern tritt ein Höhenzug mit schönem Wald gekrönt und von klaren, rauschenden Bächen durchzogen an die Küste heran. Das Bild meiner Heimat ist mir im tiefsten Herzen geblieben.

    Meine Mutter starb, als ich noch klein war. Unter den Augen meines Vaters, eines so klugen wie gütigen Mannes, bin ich aufgewachsen, zusammen mit lieben Geschwistern, von denen eines mein Zwillingsschwesterchen war. Ich habe das Danziger Gymnasium von der Septima an besucht, um Ostern 1856 das Abiturientenexamen bestanden und dann in Göttingen, Bonn und Berlin studiert. Medizin zuerst, dann deutsche Philologie. Im Januar 1862 bin ich zur Schriftstellerei und Dichtkunst übergegangen und habe es versucht, bei der Presse etwas zu verdienen. Zuerst wurde es mir sehr sauer durchzukommen, und so manches Mal gab es bei mir nichts zu Mittag. Doch bald wurde es besser. Noch im Jahre 1862 erlangte ich eine feste Anstellung bei einem Humoristisch-satirischen Blatt, das sich damals im 14. Jahr seines Bestehens befand. Diesem Blatt habe ich jetzt 44 Jahre angehört, zuerst als Mitarbeiter, dann als Redakteur. Für viele andere Blätter noch habe ich nebenbei geschrieben. Ich kann sagen, dass ich bemüht gewesen bin, in alles, was ich schrieb - und war es die kleinste Gelegenheitssache - von meinem Eigenen, was ich zu geben hatte, hineinzutun und allen Fleiß daran zu wenden.

    Obgleich ich immer so durch Berufs- und Brotarbeit festgebunden war, habe ich es doch möglich gemacht, etwas von der Welt zu sehen, nicht ganz wenig sogar. Ich bin viel als Fußwanderer umhergestreift in meiner westpreußischen Heimat und in dem ihr benachbarten ostpreußischen Seengelände. Ich habe das mecklenburgische Ostseestrandgebiet gründlich kennen gelernt. In mehreren Jahren hielt ich meine Sommerfrische in der Lüneburger Heide ab, berührt von ihrem eigenartigen Zauber. Viele Jahre hindurch bin ich um Pfingsten, wenn die Nachtigall sang, in das Rhein- und Moselland gefahren. Einmal bin ich über die Alpen gekommen. Ich habe öfters die dänischen Inseln besucht, auch etwas von Norwegen und ein Stücklein von Schottland gesehen. Ich hielt mich im Sommer 1900 ein paar Monate in Canada auf, wo ich den Niagara anstaunte, den Lorenzstrom hinabfuhr und im Norden der Provinz Ontario im Urwald Pflanzen gesammelt habe. Die Botanik war von frühen Zeiten her mein Lieblingsstudium, und meine Spezialität bildeten urmächtige Taxus- und Eibenbäume. Ich kann sagen, dass ich mir auch in der großen Stadt offene Augen und ein offenes Herz für die Natur bewahrt habe. Daraus ist denn viel von dem entsprungen, was ich in Verse brachte. Meine schriftstellerische Haupttätigkeit lag ja auf dem Gebiet der Politik, aber Natur auch und Haus und Heim haben zu vielem mich angeregt, und auch nicht wenige Kinderlieder habe ich gedichtet. Weil das, was ich hervorbrachte, so verschiedener Art war und zum Teil weit von einander abliegenden Gebieten angehörte, bin ich von einem Kritiker einmal „der diametral entgegengesetzte Trojan“ genannt worden.

    Seit 1859 wohne ich in Berlin. 1866 gründete ich mir hier einen Herd. An dem ist mir eine Schar von Kindern aufgewachsen, von denen eines, ein Junge natürlich, mir - was bei meiner Länge ihm nicht ganz leicht wurde - über den Kopf wuchs. Seit Jahren schon bin ich Großvater.

    Ein Exlibris habe ich noch nicht, soll es aber nächstens bekommen. Das wird mir sehr lieb sein, denn ich habe mir nach und nach eine ansehnliche Bibliothek erworben, deren wertvollste Bestandteile Pflanzenkunde und altdeutsche Dichtung bilden. Auch ein Herbarium besitze ich, dessen Inhalt ich zum größten Teil an verschiedenen Orten der Erde selbst gepflückt habe. Sonst habe ich nichts gesammelt.
    Einmal habe ich vor dem Universitätsgericht und fünfmal vor dem Kriminalrichter gestanden. Freigesprochen wurde ich nur einmal. Die härteste Strafe die mich traf, bestand in 30 Mark Geldbuße, die gelindeste in zwei Monaten Festung.

    Was von meinen Sachen zum Buchbinder gekommen ist, beträgt bis jetzt 14 kleine Bände. Ein oder der andere Band kann noch dazu kommen aus dem, was ich aufgezeichnet oder im Gedächtnis behalten habe. Ich bin in die Jahre gekommen, da man anfängt seine Sachen zu ordnen, immer hoffend, es werde nicht unerwartet einer eintreten, durch den man daran verhindert wird.
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  3. #3
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    Standard AW: Johannes Trojan

    Schönen guten Morgen,

    eine mir unbekannte Seite Johannes Trojans, dessen Todestag sich in diesem Jahr das 100. Mal jährte zeigt ein Beitrag in volksfreund.de auf: "Kladderadatsch im Weinhaus". Trojan wird dort als "kultureller Botschafter des Mosellandes" und Liebhaber guten Mosel-Weines geschildert, der häufig in Traben-Trarbach weilte.

    Interessant auch die Anekdote wie der Name der Zeitung "Kladderadatsch" entstand in der er lange Zeit Chefredakteur war.

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
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