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Thema: Johannes Hevelius

  1. #1
    Forum-Teilnehmer Avatar von Rudi Bellon, + 24.08.2010
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    Während der Dreißigjährige Krieg durch Deutschland tobte,bildete die
    turmreiche Stadt Danzig eine Oase des Friedens,wo sich in überraschender
    Zahl Gelehrte,Baumeister,Künstler und Dichter zusammenfanden.
    In dieser Zeit geistiger Hochspannung wurde Elisabeth Koopmann als
    Tochter eines reichen Kaufmanns geboren.Wir wissen von ihrer Jugend
    nur wenig,kaum mehr,als daß sie am 17.Januar 1647 das Licht der Welt
    erblickte.Ihr Leben wurde bedeutsam,als sie,erst 16 Jahre alt,dem
    52jährigen Astronomen Johann Hevelius die Hand zum Lebensbunde reichte
    und dem alternden Manne bei seinen astronomischen Beobachtungen
    viele Jahre hindurch mitarbeitend zur Seite stand.
    An einem Sommerabend war es ,als die schöne und begehrendswerte
    Elisabeth die hohen Treppen zur "Uranienburg",wie man die Sternwarte
    in der Pfefferstadt nannte,hinaufstürmte,hatte ihr doch der verehrte
    Gelehrte einmal versprochen,den Vollmond und die Planeten durch seine
    selbstgebauten Fernrohre zu zeigen.Die Weiten des Himmels öffneten
    sich ihr wie Tore zu einer anderen Welt.Mit freudiger Überraschung mag
    der kinderlose und kinderliebe Mann,der vor kurzem seine Frau zu Grabe
    müssen,sie dabei beobachtet haben.
    Viele Besuche folgten,und dort,unter der Majestät des Sternenhimmels,
    fanden sich Jugend und Alter.Im Jahre 1663 wurden sie zu St.Katharinen
    getraut.Bei der Hochzeitstafel äußerte einer der Freunde scherzend,daß
    der berühmte Astronom im Hause sich nunmehr nach zwei neuen Sternen
    werde richten müssen.Die blutjunge Frau hatte es anfangs gewiß nicht
    leicht,denn sie stand einem weitläufigen Hauswesen vor.Der Astonom
    war nämlich noch ehrsamer Brauer und hochwohllöblicher Ratsherr.Die
    Schlüssel zu dem weltberühmten Jopenbier,das unter dem Altstädtischen
    Rathaus lagerte,trug er stets bei sich,und jedesmal,wenn eine Sendung
    verfrachtet wurde,stieg er selbst hinab,um nach dem Rechten zu sehen.
    mit derselben Gewissenhaftigkeit tat er das,wie er nachts zu den Sternen stieg;lebte doch seine Sternwarte zum größten Teil von dem,was er sich
    als Brauer durch zähen Fleiß erarbeitete.
    Gelehrte und Fürsten aus nahen und fernen Ländern kamen zu Gast,um
    den von ganz Europa gefeierten Mann und seine weltberühmte
    Sternwarte zu sehen.Seine ebenso kluge wie zielbewußte Frau wuchs
    bald in diesen vielseitigen Pflichtenkreis hinein,ja nochmehr,sie wurde
    Gehilfin auf ihres Mannes ureigenstem Gebiet,der Astronomie,der könig-
    lichen Wissenschaft.Ihr reiches Frauenherz muß auch brennenden
    Wissensdurst gefühlt haben,den ihr Mann zu stillen wußte.Sie war die
    erste deutsche Frau,die sich tätig mitforschend der Beobachtung der
    Gestirne widmete.Diese gemeinsame Liebe zur Wissenschaft band beide doppelt fest.
    Ihr Mann schreibt darüber,die Frauen seien ebenso geschickt wie die
    Männer im Beobachten,weil dabei alles auf Unverdrossenheit und
    Übung vornehmlich ankomme.Unzählige Nächte mögen die beiden durch-
    wacht haben,um dem Mond und den Sternen ihre Geheimnisse abzuringen.
    Am Tage wurden dann die Beobachtungen in Ordnung gebracht,gezeichnet
    in Kupfer gestochen.
    Über drei Dachfirste hinweg lag die Plattform der Warte.Der Blick glitt
    weithin über das Giebelgewimmel der Hansestadt und,wenn die Sonne
    aufging,über die blaue Ostsee bis zur Halbinsel Hela.Dicht unter der
    Sternwarte lagen die Druckerei und die Kupferstecherei;sicherlich schliff
    Hevelius hier auch die Linsen,die er für seine Fernrohre brauchte.
    Es war eine Dankesschuld,die Hevelius seiner jungen Geliebten und Gehilfin
    abtrug,als er in einem seiner Hauptwerke,der "Machina coelestis",sich und
    seine Frau auf der Sternwarte von dem Danziger Maler Andreas Stech
    abbilden ließ:über den schwelenden üppigen Linien ihres Gewandes,wie es
    die Barockzeit liebt,sitzt etwas eigenwillig hochgereckt ihr anmutig kluger
    Kopf.Er ist ihrem Mann zugewandt,der,auf der linken Seite sitzend,am
    großen Quadranten die Beobachtungen leitet.
    Die Klugheit und Bildung von Elisabeth Hevelius überraschte viele Gelehrte.
    Noch zeugt ein lateinischer Brief,den sie an einen Arzt schrieb,davon,wie
    gewandt sie Latein zu meistern wußte.Dabei versäumte sie die wichtigsten
    Frauenpflichten nicht:sie wurde Mutter eines Knaben und dreier Töchter.
    Der Knabe war das ganze Glück des alternden Mannes;er nannte ihn
    Johannes Adeodatus,der Gottesgeschenkte.In diesem Namen zeigte sich das ganze Vaterglück,aber auch sein heißer Dank an den Schöpfer.Als die
    Sonne des Glückes im Zenit stand,trafen schwere Schicksalsschläge die
    Eltern.Ihr zärtlich geliebter Sohn wurde ihnen durch den Tod entrissen,und
    kaum hatten sie diesen Schmerz verwunden,vernichtete eine Feuerbrunst
    an einem Sommerabend alles,was sie in Jahren rastloser Arbeit aufgebaut hatten:ihre Sternwarte,die Instrumente,die Häuser und fast alle Schriften.
    Sie haben diese Schicksalsproben im Vertrauen auf Gott und ihre eigene
    Kraft bestanden.
    In der ganzen gelehrten Welt weckte die Katastrophe Widerhall,während
    in der Stadt selbst gar mancher Neider sich schadenfroh die Hände rieb.
    Sie warteten nicht vergebens auf Hilfe,und bald standen sie wieder an
    ihrem Sextanten,hinausspähend ins Weltall.
    Und doch sin die Schicksalsschläge nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen.
    Ein Steinleiden warf Hevelius zwölf Wochen langaufs Schmerzenslager,bis
    ihn der Tod abrief aus seinem an Arbeit reichen Leben.Nur sechs Jahre,
    bis 1693,überlebte Frau Elisabeth ihren Lebenskameraden,aber nicht tatenlos;rastlos arbeitete sie weiter an der Herausgabe der noch ungedruckten Schriften ihres Mannes,eifrig tätig bis zum Schluß.
    Im Danziger Landesmuseum Oliva befand sich eine Marmorbüste aus der
    Zeit ihrer jungen Ehe.Das blühende Leben einer bedeutenden Frau wurde
    hier in hartem weißem Marmorstein eingefangen.

    Von Elsa Faber von Bockelmann


    ================================================== =======================


    Johannes Hevelius

    aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie


    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/44/Johannes_Hevelius.PNG/266px-Johannes_Hevelius.PNG
    Johannes Hevelius (nach seinen Schriften in lateinischer Sprache, deutsch Johannes Hevel oder auch Johann Hewelcke, polnisch Jan Heweliusz; * 28. Januar 1611 in Danzig; † 28. Januar 1687 ebendort) war ein evangelischer Astronom und gilt als Begründer der Kartographie des Mondes.
    Eine Gedenktafel vor dem Rathaus in Danzig zeigt folgenden Text:
    Johannes Hevelius 1611-1687 Hervorragender Gelehrter und Astronom Schöpfer des Himmelsatlasses Entdecker vieler Kometen und Sternbilder Genialer Konstrukteur und Erfinder Bekannter Danziger Brauer.

    Hevelius stammte aus einer reichen Danziger Patrizier Brauerfamilie. Nachdem er in Danzig von Peter Crüger ausgebildet wurde, studierte er 1630 Jura in Leiden, bereiste England und Frankreich, wo er unter anderem Pierre Gassendi (1592–1655), Marin Mersenne (1588–1648) und Athanasius Kircher (1602–1680) kennenlernte. 1634 ließ er sich auf dringende Bitten seines Vaters in seiner Geburtsstadt als Brauer des bekannten Danziger Jopenbiers nieder. Er heiratete am 21. März 1635 die zwei Jahre jüngere Katharine Rebeschke, die zwei benachbarte Häuser besaß. Im folgenden Jahr trat Hevelius in die Zunft der Bierbrauer ein und wurde 1643 Zunftmeister.
    Als sein Vater 1649 gestorben war, verband Hevelius die drei Häuser und errichtete auf den Dächern ein großes Observatorium. Nach und nach besorgte er sich zahlreiche Instrumente, neben Linsenfernrohren auch Teleskope, mit denen er die Oberfläche des Erdmondes untersuchte. Aus dieser Zeit stammt sein berühmtes Werk Selenographia sive Lunae Descrptio ....
    Hevelius wurde 1651 Ratsherr und schließlich auch Danziger Bürgermeister. Seit 1639 galt sein Hauptinteresse der Astronomie, auch wenn er sich sein Leben lang in städtischen Angelegenheiten engagierte. 1641 errichtete er ein hervorragend ausgestattetes Observatorium – u. a. mit einem selbstkonstruierten Teleskop von 45 m Länge. Auf ihn geht eine erste einfache Ausführung des Periskops zurück. Im Danziger Altstädtischen Rathaus richtete er den Kellerraum zur Lagerung des Jopenbiers ein.
    Hevelius beobachtete Sonnenflecke, führte neue Sternbilder ein, erstellte Mondkarten und entdeckte die Libration des Mondes. Seine Untersuchungen des Mondes veröffentlichte er 1647 in seinem ersten größeren Werk Selenographia. In den Jahren 1652, 1661, 1672 und 1677 entdeckte er vier Kometen. Aufgrund seiner Beobachtungen stellte er die These auf, dass Kometen die Sonne in parabelförmigen Bahnen umkreisen.
    In 1661 wurde ein Halophänonem in Danzig beobachted und Hevelius beschrieb es dem Pfarrer Georg Fehlau an der Sankt Marienkirche in Danzig, welcher es aufschrieb als: Siebenfältiges Sonnenwunder oder sieben Nebensonnen, so in diesem 1661 Jahr den 20. Februar neuen Stils am Sonntage Sexagesima um 11 Uhr bis nach 12 am Himmel bei uns sind gesehen worden. 1662 druckte Hevelius das Buch Mercurius in sole visus bei Simon Reiniger in Danzig, worin er das Danziger Halophänonem beschreibt.

    Ebenfalls 1662 starb Hevelius' erste Frau, Katharine. Ein Jahr später heiratete er die junge Kaufmannstochter Elisabeth Koopman (1647–1693). Vier Kinder entstammen dieser Ehe. Elisabeth unterstützte Hevelius tatkräftig und gab nach seinem Tod auch zwei seiner Werke heraus.
    Im Mai 1679 kam der junge Edmund Halley (1656–1742) auf seiner Reise durch Europa auch nach Danzig. Er wohnte im Haus von Hevelius, und beide Astronomen arbeiteten etwa vier Wochen zusammen.
    In der Nacht vom 26. auf den 27. September 1679 brannte seine Sternwarte ab, auch seine Bücher und Instrumente wurden ein Raub der Flammen. Hevelius machte sich zwar sogleich an den Wiederaufbau, erlebte die Fertigstellung aber nicht mehr.
    Hevelius gilt als einer der bedeutendsten Astronomen seiner Zeit und wurde von vielen Seiten unterstützt, so z. B. von Ludwig XIV. von Frankreich und dem polnischen König Jan Sobieski III., dem er das Sternbild Schild (Scutum) widmete. Der zeitgenössische Astronom Johann Jacob Zimmermann entwarf eine Art von Himmelsglobus nach Hevelius' Fixsternregister.
    Johannes Hevelius starb am 28. Januar 1687, seinem 76. Geburtstag, in seiner Geburtsstadt Danzig. Sein Grab befindet sich in der Danziger Katharinenkirche.

  2. #2
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Aus "Unser Danzig", 1952, Heft Nr.3, vom März 1952, Seite 19:

    Johannes Hevelius
    von Horst Klausnitzer

    Am 28. Januar 1611 wurde dem Danziger Brauereibesitzer Abraham Höwelcke - den man auch Hewelcke, Höfelcke, Höfelius, Hövellius und Hevel nannte - ein Sohn geboren, dem die Eltern den Namen Johannes gaben. Johannes hatte noch neun Geschwister: Drei Brüder, die im frühen Kindesalter starben; und sechs Schwestern, wovon ihn Constantia, die jüngste, überlebte.

    Johannes Höwelcke latinisierte später seinen Namen und ging als Hevelius in die Geschichte ein.

    Bevor Johannes das Braugewerbe erlernt, schicken ihn seine Eltern in eine Pension nach Gondecz, damit er dort der polnischen Sprache mächtig werde. Im Jahre 1627 kehrt er nach Danzig zurück und wird Zögling des akademischen Gymnasiums. Peter Krüger, seit 1607 Professor der Mathematik und Poesie am Gymnasium, fesselt die Zuhörer in seinen Vorträgen so stark, dass sich Johannes Hevelius entschließt, Krügers Privatschüler zu werden. Krüger lehrt den Wissbegierigen Sonnen- und Mondfinsternisse berechnen und regt ihn außerdem zum Zeichnen, Gravieren, Kupferstechen und sogar zur Anfertigung von Instrumenten aus Holz und Metall an.

    Mit 19 Jahren geht Hevelius nach Leyden, um Jurisprudenz zu studieren. Gleichzeitig lässt er sich in Mechanik, Optik und in anderen Fächern der angewandten Mathematik unterrichten. Von Leyden reist er nach London. Hier befreundet er sich mit Samuel Hartlieben und John Wallis, welcher die berühmte Schrift Aristarchs von Samos (um 270 v. Chr.) „Von der Größe und dem Abstand von Sonne und Mond“ 1688 in Oxford in griechischer Sprache herausbringt. Die nächste Station ist Paris. In dieser weltoffenen Stadt trifft er den genialen Astronomen Pierre Gassendi (1592-1655) und Ismael Boulliau (1605-1695), mit dem er anregende Gespräche über einen Stern am „Halse des Walfisches“, dem er den Namen .Mira, die Wunderbare“ gibt, führt. In Avignon besucht er Kircher. Mit ihm diskutiert er über die Bewohnbarkeit der Planeten. Gerade im Begriff, Galileo Galilei (1564 bis 1642) und den Deutschen Christoph Scheiner (1575-1650) in Italien aufzusuchen, erreicht ihn die Nachricht, dass ihn die Eltern gern wieder um sich hätten. Er unterbricht sein Vorhaben und fährt 1634 nach Danzig zurück. Hevelius hilft jetzt im Geschäft des Vaters und vertieft sich auch in die Verfassung seiner Heimatstadt. Am 21. Mai 1635 heiratet er Katharina Rebeschke, Tochter eines wohlhabenden Danziger Kaufmanns.

    Im gleichen Jahr erscheint eine Schrift seines alten Lehrers Peter Krüger: „Lehre der sphärischen Astronomie“. Diese Schrift darf man als Ausgangspunkt der astronomischen Studien von Hevelius bezeichnen. Aber Hevelius kann sich zu seinem Ärger nicht nur mit der Astronomie beschäftigen. Immer wieder nimmt ihn das Geschäft in Anspruch, und 1636 wird er gar in die Brauerzunft aufgenommen, wodurch er das Studium der Astronomie mehr und mehr vernachlässigen muss Erst nachdem ihn Peter Krüger auf dem Sterbebett im Mai 1639 dringend bittet, doch seine beste Kraft der Astronomie zu geben, wendet er sich nun ernsthaft dieser Wissenschaft zu. (1639 wütete die Pest in Danzig und raffte ungefähr 7500 Menschen hinweg. Unter ihnen das Haupt der Ersten Schlesischen Dichterschule, Martin Opitz.)

    Am 1. Juni 1639 beobachtet Hevelius eine Sonnenfinsternis, worüber er genaue Eintragungen macht. In dieser Zeit schleift und poliert er auch Linsen zu Fernrohren, stellt Quadranten (Instrumente zur Bestimmung der Höhe eines Gestirnes) und Sextanten (Winkelmesser) her und konstruiert Sonnenuhren.

    1641 wird Hevelius in den Danziger Schöppenstuhl und 1651 in das Ratskollegium gewählt, in welchem er oft den Vorsitz und manchmal das Richteramt zu verwalten hat. Trotz dieser Ämter widmet er sich unermüdlich der Astronomie und geht daran, eine für die damalige Zeit ganz moderne Sternwarte in seinem Hause Pfefferstadt einzurichten. Greenwich und Paris besitzen (1641) noch keine Sternwarte (!), so dass die des Hevelius mit Recht als vollkommenste Europas gilt. 1644 errichtet er ein turmähnliches Häuschen auf dem Dache der Sternwarte, lässt eine große Plattform anbauen und setzt darauf noch zwei kleine Häuschen, wovon das eine drehbar ist. Seine Kupferdruckerei betreibt er im obersten Stockwerk.

    Werfen wir einen Blick auf seine Arbeit: Durch Transversale (Linie oder Fläche, die ein Linien- oder Flächensystem schneidet) kann er fünf Sekunden ablesen, oder er bestimmt durch Pendelschwingungen die Sekunden. Fernrohre besitzt er in verschiedenen Größen, darunter ein Riesenfernrohr mit 150 Fuß Brennweite. Nach damaliger Bauart befestigt Hevelius das Objektiv an einem Mast von 90 Fuß Höhe. Hevelius benutzt das Fernrohr jedoch nicht als Visiermittel. Er visiert durch Spalten, welche er durch Schrauben beliebig erweitern und verengen kann. Mit seinen scharfen Augen und seiner außerordentlichen Routine erreicht er dabei eine unglaubliche Genauigkeit im Einstellen. Der Engländer Robert Hooke (1635-1703) bezweifelte die Genauigkeit dieses Verfahrens, so dass sich die Royal Society entschloss, Edmund Halley (1656-1742) nach Danzig zur Überprüfung der von Hevelius gemachten Beobachtungen zu entsenden Ergebnis: „Die von Halley mit und von Hevelius ohne Fernrohr erhaltenen Positionen differierten nie um eine Bogenminute, meist nur um ein paar Sekunden!“

    Die 1639 begonnenen Beobachtungen von Sonnen- und Mondfinsternissen, führen in den Jahren 1642-45 zur Beschäftigung mit den Sonnenflecken, über die sich Hevelius in Italien mit dem oben erwähnten Scheiner, der sie als erster entdeckte, unterhalten wollte. In diesen Jahren beobachtete er auch die Planeten Mercur, Saturn, Venus, Mars und Jupiter. Auch die Trabanten des Jupiter erforschte Hevelius. 1647 untersucht er den Andromeda-Nebel, die Milchstraße und den Fixsternhimmel. Schließlich sieht er 1652 den ersten Kometen, weitere in den Jahren 1661 bis 1683. Die von Hevelius betrachteten Erscheinungen veranlassen ihn, zwei grolle Werke darüber zu schreiben: „Einführung in die Kometenlehre, in der die Geschichte des 1664 sichtbar gewordenen Kometen usw. geschrieben wird, Danzig 1665“. Diesem Werk folgt 1668 die „Kometenbeschreibung, in der die gesamte Beschaffenheit und Geschichte aller Kometen vom Beginn der Welt dargestellt wird“. In der „Kometenlehre“ macht Hevelius auf eigentümliche Erscheinungen bei Kometen aufmerksam. Er denkt sie sich aus feinen, dunstförmigen Stoffen, welche auch die Atmosphäre der Sonne und der Planeten ausmachen, und unterscheidet 12 Hauptformen von Kometen.
    Als im Jahre 1662, anlässlich der Friedensunterhandlungen in Oliva, der König von Polen, Johann II. Casimir, und seine einflussreiche Frau Maria Ludovica von Gonzaga in Danzig weilen, besuchen sie mit ihrem Gefolge Hevelius Sternwarte.

    Am 11. März 1662 stirbt Hevelius Frau. Der Verlust trifft ihn schwer, doch braucht der so vielseitig Beschäftigte einen nahen Lebensgefährten, und obgleich schon über 51 Jahre alt, heiratet er wieder und wählt die schöne 16jährige Elisabeth Knoopmann, das Kind eines angesehenen Danziger Handelsherrn, zur Frau. Die junge Frau arbeitet sich rasch im Geschäft ihres Mannes ein und hilft ihm auch auf seiner Sternwarte. Er äußert einmal, „dass seine Frau mit größerer Behendigkeit und Genauigkeit als seine übrigen Gehilfen beobachte“, und setzte ihr aus Dankbarkeit ein unvergängliches Denkmal, indem er sie im ersten Band seines Buches „Die Himmelsmaschine“ abbildet. — Mit eigener Hand zeichnet und vervielfältigt Hevelius seine Beobachtungen auf der eigenen Presse. 1661 heißt es darüber in einem Brief: »Die Figuren alle miteinander, welche in meiner Mondbeschreibung und in der Abhandlung über die Oberfläche des Saturns vorhanden, sind gar nicht geätzet, sondern habe sie alle mit meiner Hand geschnitten, gehet zwar viel langsamer zu, ist auch viel mühsamer, aber man kann alles viel reinlicher zu wege bringen. Auch alle Figuren, die in meine Cometographiam und Himmelsmaschine hinein sollen, deren ein großer numerus, gedenke ich wils Gott Selbsten schneiden, wozu aber viel Zeit gehört“.

    Mehr und mehr werden die Arbeiten des Astronomen in der Welt bekannt und auch belohnt. Colbert, Minister bei Ludwig XIV. sorgt dafür, dass der König der Franzosen Hevelius in die Liste derjenigen Personen eintragen lässt, die eine jährliche Pension erhalten. Die „Londoner Gesellschaft der Wissenschaften“ nimmt ihn am 30. März 1664 als Mitglied auf, und nachdem im Mai 1678 der Nachfolger Johann Casimirs, Johann III. Sobieski, Hevelius in dessen Hause begrüßt und sich von den weltbewegenden Arbeiten des namhaften Astronomen überzeugt, setzt er großzügig für ihn eine Jahrespension von 1000 Gulden auf Lebenszeit aus. Außerdem erlässt er ihm und seinen Erben alle Abgaben an die Brauerzunft und erteilt Hevelius und seiner Frau für immer uneingeschränkten Bierverkauf. Zum Dank für die weitherzige Unterstützung des Königs Johann III. Sobieski nennt Hevelius ein Sternbild das „Sobieskische Schild“.

    Hevelius kennt keine Ruhe. Er misst Positionen von mehr als 1500 Sternen, er berechnet die Entfernung der Sonne von der Erde (5156 Erdhalbmesser) und beschreibt, wie er sich die Sonne als feste und als flüssige Masse vorstellt. Er bestimmt von allen Planeten Entfernungen und Durchmesser, und für die Trabanten ermittelt er fast genaue Umlaufzeiten. Das umfassendste und vorbildlichste Werk ist die lateinisch geschriebene „Mondbeschreibung“. „Diese Mondbeschreibung enthält 133 gearbeitete Kupfer, darunter 60 Abbildungen des Mondes und seiner Phasen“, heißt es darüber, und als der Jesuit Nicolaus Zucchius (1586—1670) die Mondbeschreibung Papst Innocenz X. vorlegt, ruft dieser aus: „Dieses Buch wäre unvergleichlich, wenn es nicht von einem Häretiker geschrieben wäre!“
    Unzweifelhaft darf man also Hevelius das Verdienst zuschreiben, das Gebiet der Mondbeschreibung als erster erschlossen zu haben. Seine Mondbeschreibung zeigt Abbildungen des Mondes für jeden Tag seines Alters, und dieselben sind, obschon natürlich bei einer solchen Darstellung manche Unrichtigkeiten unterlaufen mussten, doch im Gesamten mit derart viel Wissen ausgeführt, dass man. das Werk nicht nur bei seinem Erscheinen bewunderte, „sondern zu allen Zeiten als eine der würdigsten Säulen ausdauernder wissenschaftlicher Tätigkeit in Ehren halten wird“. 1673 erscheint das zweite Hauptwerk: „Himmelsmaschine, erster Teil“ 1679 „Zweiter Teil“, worin alle seine Beobachtungen, seine Biographie und die Beschreibung seiner astronomischen Arbeiten und Instrumente enthalten sind.

    Durch den Racheakt eines entlassenen Dieners, welcher in der Nacht vom 26. zum 27. September 1679 Hevelius Danziger Haus anzündet, erleidet Hevelius unersetzlichen Schaden. Hevelius verbringt gerade diese Nacht auf seinem Landgut, so dass den schnell um sich greifenden Flammen nicht sofort Einhalt geboten werden kann. Die Sternwarte, das Observatorium, die große Bibliothek und das Wohnhaus fallen dem Brande zum Opfer. Vernichtet werden auch fast sämtliche Instrumente und Manuskripte, bis auf etwa 90 Exemplare, die zu dieser Zeit gerade versandt waren, darunter die „Einführung in die Astronomie“ und der zweite Teil der „Himmelsmaschine“. Obwohl alte Freunde eine Anzahl Manuskripte, Instrumente und einige Exemplare der Druckschriften und Kupferplatten retten, schätzt man den Verlust doch auf 30 000 Taler!

    Hevelius' Unglück dringt über Danzigs Grenzen, erregt überall - auch im Ausland - ehrliches Bedauern und große Anteilnahme. Unverzüglich greifen der König von England, Ludwig XIV. und Johann Sobieski helfend ein. Unterstützungen kommen aus Holland und von anderen Seiten, wodurch Hevelius Instrumente kaufen und an die Neuerrichtung einer Sternwarte gehen kann.
    Mit zähem Fleiß setzt er seine Arbeit fort, und schon sechs Jahre nach dem Brande kann „Das klimakterische Jahr oder das 49. Jahr der Beobachtung der Himmelserscheinungen“ erscheinen. Dieses Werk ist der Nachtrag zum zweiten Teil der „Himmelsmaschine“ und enthält Hevelius Beobachtungen bis 1685.

    Hevelius vermag die Brandkatastrophe trotz fortgesetzten Weiterforschens innerlich doch nicht zu überwinden. Sein Mut ist gebrochen, da Unersetzliches verloren ist. Das hohe Alter tut das übrige. Anfang November 1686 legt er sich aufs Krankenbett, von dem er sich nicht mehr erhebt. Am 28. Januar 1687 haucht der große Geist sein Leben aus.
    Seine Frau veröffentlichte zwei Jahre nach seinem Tode den „Fixsternkatalog“ und außerdem 1690 noch „Das sobieskanische Firmament oder Himmelsbeschreibung“ mit 56 Sternkarten, und endlich gab sie die „Einführung in die Astronomie oder neue Sonnentabellen mit einem Fixsternkatalog“ heraus.

    Leider sind einige wertvolle Manuskripte des Hevelius 1726 an Joseph Nicolas Delisle verkauft worden. Unter anderem Auszüge aus Briefen an Johannes Hevelius, die J. E Olhof 1683 in Danzig herausgegeben hatte. Diese Auszüge enthielten nur einen geringen Teil der an Hevelius gerichteten Briefe die insgesamt 17 Folianten füllten! Aus dem Nachlass Joseph Nicolas Delisles gelangten sie in die Bibliothek der Pariser Sternwarte. - Weitere Manuskripte des Astronomen sind 1734 bei der Belagerung und Beschießung Danzigs durch die Russen unter Feldmarschall Graf von Münnich verloren gegangen. Es sei erwähnt, dass durch die Beschießung ungefähr 1500 Danziger getötet und gegen 1800 Häuser beschädigt wurden.

    Hevelius Forschungen, seine Bücher, Beobachtungen, Erkenntnisse und Ergebnisse haben zu seinen Lebzeiten große Anerkennung und Verbreitung gefunden. In der ganzen Welt stützte man sich auf seine Arbeiten und Ansichten. Er galt unter allen lebenden Astronomen als der ausgezeichnetste Beobachter. Nicht nur sein genialer mathematischer Verstand war ein Gottesgeschenk, auch sein außergewöhnlich genaues Augenmaß.

    Zu Unrecht ist der für die Astronomie so bedeutende Sohn Danzigs heute außerhalb der Fachkreise beinahe vergessen. Die Danziger aber sollten ehrfürchtig ihres Landsmannes gedenken und sich jetzt und immer voller Stolz der auf eine Münze geprägten Worte erinnern: „Johannes Hevelius, Konsul (Bürgermeister) von Danzig, hochangesehen bei Königen und Fürsten, selbst ein Fürst der Astronomie, zum Ruhm und zur Bewunderung seiner Zeit, seines Vaterlandes und der gesamten Welt.“
    -----
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  3. #3
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Hallo
    An dieser Stelle wurde schon darauf hingewiesen, dass Johannes Hevelius, der einer reichen Brauerfamilie entstammte. selbst Bier, das berühmte Jopenbier aus der Jopengasse braute.So weit so gut, nur habe ich bisher keine Ahnung, was das Wort Jopen bedeutet und vorher es kommt.Wer weiß es?
    Viele grüße
    Belcanto

  4. #4
    Forum-Teilnehmer Avatar von jonny810
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    Daumen hoch AW: Johannes Hevelius

    Hallo Belcanto,

    die Jopengasse ist so benannt, weil dort vor langer Zeit, Jopen, (Jacken) geschneidert wurden.

    So gab es in Danzig bekanntlich die Tischlergasse, den Schüsseldamm, die Fleischergasse u.s.w.

    Einen schönen Tag
    Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
    "Nec Temere - Nec Timide"
    Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Hallo Erhard
    Ich weiß, dass viele Gassen nach den Handwerkern benannt wurden, die dort ein bestimmtes Gewerk herstellten. Eine kurze Jacke war bei mir bisher eine Juppe?
    Und wie verhält es sich mit der Frauengasse- waren dort leichte Mädchen anzutreffen?
    Viele Grüße
    Belcanto
    .

  6. #6
    Moderatorin Avatar von Helga
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Die Sache mit den Jopen kann ich nicht so recht glauben. Soviel ich weiß, ist die Jopengasse nach dem Jopenbier (vom holländischen Joppenbier) benannt. Drum heißt sie auch heute Ul. Piwna, und Piwna heißt Bier.
    Geändert von Helga (07.12.2009 um 18:36 Uhr)
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

  7. #7
    Moderatorin Avatar von Helga
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Ach ja, eine Jope ist eine Kelle. Jopenbier also mit der Kelle ausgeschenkt...
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

  8. #8
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Hallo Helga
    Selbstverständlich geht es um das Jopenbier, das habe ich ja erwähnt. Jope ist eine Kelle-woher hast du das?
    Viele Grüße
    Belcanto

  9. #9
    Moderatorin Avatar von Helga
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Nun ja Joachim, es erschien mir nicht so selbstverständlich, das das allen klar war.
    Nachdem Erhart die Mär von den Joppen erzählte, hielt es für angeraten, nochmal darauf hinzuweisen.

    DAs die Jope eine Kelle ist, habe ich in langen Gesprächen an langen Abenden nach den Vorstellungen von Johannes Heesters gehört, aber nun auch extra für euch noch mal im Netz heraus gesucht.

    Der Name Jopenbier stammt von "Jope", das ist eine Schöpfkelle. Unter den bekannten Brauherren, die das Jopenbier nach England und Holland (wo es noch heute gebraut wird), verkauften, war auch Johannes Hevelius.

    Quelle:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Jopenbier
    Viele Grüße
    Helga

    "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

  10. #10
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Hallo Helga
    Ich glaube du liegst richtig. 1.Ist Jopen ein weit verbreiteter Familienname in Holland und 2.ist Joppen ein Bier aus Harlem. Und damit, ist der Bezug zwischen Danzig und den Niederlanden hergestellt. War mal interessant.es Ist ein Päckchen für unterwegs.
    Viele Grüße
    Belcanto

  11. #11
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Dr. Edward Carstenn schrieb 1922 in seinem Buch "Was die Danziger Straßennamen erzählen" auf Seite 55:

    "Den Bierbrauern dankt die Jopengasse (M. des 15. Jhd.) ihren Namen. Von der hölzernen Schöpfkelle, mit der Heißwasser über das Malz gegeben wurde, führte das Danziger Schiffsbier einst den weltbekannten Namen Schopen- oder Jopenbräu. Das übertrug sich auf die Gasse. Das Mälzhaus befand sich schon 1382 in der Melzergasse, aber erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts wird sie danach bezeichnet."
    -----
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  12. #12
    Forum-Teilnehmer Avatar von Belcanto
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Danke Wolfgang.
    Da bekomme ich Durst, werde mir ein Bierchen holen, allerdings kein Jopen.
    Gruß
    Belcanto

  13. #13
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Lieber Wolfgang,
    danke für den ausführlichen Artikel. Der Astronom war zu seiner Zeit wirklich bedeutend.
    Hevelius oder Hevelke waren meine vorfahren. Die Mutter meines Vaters war eine geborene Hevelke. sie trugen den Fuß eine Kranichs im Wappen mit einem Stein und de, Spruch: sei wach! Es gibt eine vierbändige Familiengeschichte, von der ich zwei bände besitze. in den 20ern fand ein großes Familientreffen aller Hevelkes zu einem 500 jährigen Jubiläum im Cafe Kroll(?) statt, es sollen eine große Anzahl gewesen sein. Meine Schwester besaß noch einen Ring mit dem Wappen. In der ausgebrannten Katharinenkirche liegt ein Grabstein mit Wappen und eine längerer Text zu seinem Leben.
    Im Lesebuch der Schulen war die Geschichte aufgeschrieben, die alle Danziger Kinder kannten: der Papagei sprach beim Abholen der Leiche: Herr Hevelke, nu go ne wir! (so erzählte es meine Mutter). Birke Rühle

  14. #14
    Forum-Teilnehmer Avatar von asche
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Auch ich bin über ca. 19 Ecken mit dem Herrn verwandt. Das Jopenbier würde ich dennoch nicht trinken, denn es wurde dadurch hergestellt, dass Malzbrühe in Keller gegossen wurde, deren Wände dick mit uraltem Schimmel bepelzt waren. Unsere Lebensmittelprüfer würden schon für die Probenentnahme Gefahrenzulage verlangen. Die dickflüssige Soße wurde in England zu hohen Preisen gehandelt, um das dortige Dünnbier aufzuwürzen.

    Der Reichtum der Familie gründete sich auf ein Landgut bei Stüblau. War man erst einmal Mitglied der Danziger Patrizierschicht, konnte man sozusagen beim Mondgucken Geld verdienen.

    Interessant war auch die Politik jener Zeit. Die Patrizier samt Hevelius und die polnischen Könige schätzten einander (meist) als Verbündete, oft gemeinsam gegen die polnische Aristokratie, den Deutschen Orden, oder Brandenburg. "Nation" und Sprache spielte damals generell eine geringe Rolle, und auch die Rolle der Konfession war nicht immer gleich groß - je nach Machtkalkül.
    Herzliche Grüße,

    - Alexander -

  15. #15
    Forum-Teilnehmer Avatar von asche
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    PS: Für (angehende) echte Genealogie-Junkies gibt es das Buch von 1927, "Gert Havelke und seine Nachfahren : Geschichte der Familie Hevelke-Hewelcke und des Astronomen Johannes Hevelius : 1434-1927" auch kostenlos online: http://pbc.gda.pl/dlibra/docmetadata?id=3509 . Autor ist einer der unzähligen Hevelkes namens Johann. Er schildert sehr umständlich seine Recherchen, vieles ist sehr interessant, anderes aber lässt an Präzision zu wünschen übrig. Ärgerlich sind die zahlreichen Widersprüche, auch in den Ahnentafeln im Anhang. Manch einer ist da sein eigener Urgroßvater usw. Der an unserem "Frontman" so bewunderte Sinn fürs Exakte hat sich über die Generationen verdünnt wie englisches Bier.

    Typische Berufe der Familie, oft simultan, waren Kaufmann, Apotheker, Pfarrer, Bürgermeister und Gutsbesitzer. Auch wenn sich das materielle Vermögen einiger Familenzweige auf Null hin bewegte ("pauper"), blieb man Elite und bekam z.B. Werkstudenten-Plätze fürs Theologie-Studium. Netzwerk und Wirkungskreis erstreckte sich regelmäßig von Rügen bis Königsberg, egal ob dort gerade Schweden, Preußen/Brandenburger oder Polen herrschten. Danzig blieb ein Zentrum und Magnet, insbesondere das "Akademische Gymnasium", wo bestes Latein gelehrt wurde.

    Apropos: nach Hevelius' Tod übernahm seine zweite Frau die Verhandlungen mit den Fachkollegen und Herausgebern des Nachlasses - Briefsprache war natürlich Latein. Frau brauchte kein Gymnasium dazu. In der Hanse schrieb man Niederdeutsch, in der evangelischen Kirche Hochdeutsch. Polnisch brauchte man in Danzig nicht, war aber sehr nützlich, wenn man vor der Pest aufs Land floh.
    Herzliche Grüße,

    - Alexander -

  16. #16
    Forum-Teilnehmer Avatar von asche
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    PS2: Fast überflüssig zu erwähnen, dass unsere liebe http://pbc.gda.pl/ auch die gedruckten Werke des Herrn digital vorrätig hat, mit prächtigen Kupferstichen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich nicht viel davon gelesen habe. Spannende Fragen gab es durchaus, denn das physikalische Wesen der Sonne, Planeten und Sterne war ja heiß umstritten. Hevelius hatte durchaus Meinungen und Theorien dazu, die zwar nicht immer gut begründet, jedenfalls aber von Mythologie und Astrologie weit weniger befallen waren als die des berüchtigten (40 Jahre früher geborenen) Johannes Kepler.
    Herzliche Grüße,

    - Alexander -

  17. #17
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Gerhard jeske zu asche #14
    Es wird übersehen, dass die polnische Monarchie mit ihrem König nicht den Nationalstaat verkörperte. Der König mußte kein Pole sein. Das hatte den Vorteil, dass die Oligarchen sich nicht, wegen der Königswurde, unentwegt bekriegten.

  18. #18
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Zu Hevelius und Bier habe ich diesen Blog-Bericht vom 23. April 2015 (Tag des deutschen Bieres) gefunden:
    "Mit Bier zum Mond: Der Astronom Johannes Hevelius" > http://scienceblogs.de/astrodicticum...nnes-hevelius/ . Darin steht u.a. nicht nur, dass Hevelius als Astronom die damals besten Mondkarten erstellte (Begründer der "Selenografie") und auch entdeckte, dass der Mond "wackelt" ("Libration" des Mondes), sondern durch diesen Bericht weiß ich nun auch, dass das polnische, in Deutschland bisher nicht erhältliche Bier "JOHANNES" den Vornamen von Hevelius trägt.

  19. #19
    Forum-Teilnehmer Avatar von Peter von Groddeck
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Hallo,
    die Mondkarten hat nach meiner Kenntnis hauptsächlich seine Frau erstellt, aber sie wurden unter seinem Namen veröffentlicht.
    Gruß Peter
    Tue recht und scheue niemand.

  20. #20
    Forum-Teilnehmer Avatar von vklatt
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    Standard AW: Johannes Hevelius

    Ja, ja, wenn die Frauen nicht wären.

    Gruß Vera

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