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Thema: Zu Besuch in Mönchengrebin

  1. #1
    Forum-Teilnehmer Avatar von sinus
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    Mecklenburg
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    307

    Standard Zu Besuch in Mönchengrebin

    Hallo,

    Knapp eine Woche war ich Anfang Mai mit meinem ältesten Sohn zum ersten Mal in Danzig und Umgebung. Es war bis auf das Wetter sehr schön.
    Natürlich waren wir auch im Heimatdorf meiner Vorfahren, in Mönchengrebin. Es war der einzige Tag mit schönem Wetter. Ich habe dort alle Höfe (bzw. was davon heute zu sehen ist) fotografiert. Vor meinem Vaterhof war ich schon sehr aufgeregt. Es steht dort zwar kein Gebäude mehr aus der Zeit vor 1945, dafür zwei Einfamilienhäuser. Aber ich kannte die Lage von der Karte und nach der Zuordnung zu den Nachbarhäusern. Im Garten war eine Frau dabei, ihre Blumenbeete zu pflegen, die Eigentümerin Bozena Skwarek, wie sich kurz darauf herausstellte. Zum Glück war Regina mit dabei, sie war schon mehrmals in Mönchengrebin und kennt auch den dortigen Bürgermeister. So war die Verständigung kein Problem. Danke, Regina.
    Wir sprachen zunächst am Zaun. Nach einem kurzen Gespräch bat uns die Eigentümerin auf ihr Grundstück und erklärte uns, das ihre Familie schon seit 1945 hier wohnt. Nachdem wir schon fast eine viertel Stunde auf dem Hof erzählt und ich alles fotografiert hatte, lud uns die Hausherrin zum Kaffee in ihr Haus. Ich hatte noch ein Foto mit dabei von 1978, auf dem mein Vater bei seinem einzigen Heimatbesuch mit einem älteren Herren und zwei Frauen zu sehen ist. Bozena erkannte sofort ihren Großvater, ihre Tante und eine Nachbarin.
    Am bewegendsten fand ich, als ich sagte „hier wurde mein Vater geboren“ und Bozena antwortete: „meiner auch“. Darauf ich: „und mein Großvater hat hier auch schon gewohnt.“ Und sie: „meiner auch“. Beide Familien wurden aus ihrer Heimat vertrieben, haben eine neue Heimat gefunden und dort Wurzeln geschlagen. So ist Geschichte. Und dann sagte sie noch eines: „es gibt keinen Hass mehr.“
    Bozena konnte sich noch gut an das Haus meiner Vorfahren erinnern. Es ist um 1990 abgerissen worden. Das Haus war in Ziegelbauweise, also vermutlich vom Ende des 19. Jahrhunderts in der typischen Lage mit dem Giebel zur Straße. Vorn war das Wohnhaus (natürlich mit gepflegtem Vorgarten, wie meine Tante heute noch betont) und hinten durch eine Brandwand getrennt - der Stall, mit dem Giebel zur Mottlau. Das einzige, was noch von früher erhalten war, ist der Brunnen, der damals im Stall lag. Auch hierzu gibt es eine Besonderheit. Dieser Brunnen ist nämlich artesisch. Deswegen musste er verschlossen werden. Das kommt wahrscheinlich davon, dass sich auf der anderen Mottlauseite ein für die Niederungsverhältnisse gewaltiger Berg mit 11 m Höhe erhebt.
    Ich habe dann noch etwas Heimaterde mitgenommen, die ich nach meiner Rückkehr auf das Grab meines Vater gelegt habe. Mitgenommen habe ich auch die Erinnerung an die flache Niederungslandschaft und den weiten Blick bis zur Danziger Höhe.


    Herzliche Grüße aus Mecklenburg
    sinus
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