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Thema: Mein Reisetagebuch

  1. #1
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard Besuch in Danzig

    Allen einen schönen Samstag,

    nun rückt meine Reise immer näher und mich würde interessieren, wer aus unserem Forum eventuell noch in Gdansk / Danzig v. 25.07. bis 01.08.2010
    weilt ?
    Hans-Jörg, die Wettervorhersagekarte sagt zumindest keine Höchsttemperaturen
    voraus oder irre ich mich ?

    Viele Grüße Mariolla alias Marion
    Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen und
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  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
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    Standard AW: Besuch in Danzig

    Hallo Marion
    naja ist ja noch Zeit.... mal sehen was sich machen lässt...


    Viele Grüße
    Hans-Jörg

  3. #3
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Besuch in Danzig

    Schönen guten Morgen,
    hallo Marion,

    momentan bin ich noch mit meiner Frau im Hochschwarzwald, aber in der kommenden Woche fliegen wir nach Danzig zurück. Allerdings werde ich dieses Mal dort nur relativ kurz sein, da ich bereits am 27. wieder in Deutschland sein muss.
    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  4. #4
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard AW: Besuch in Danzig

    Hallo Wolfgang,
    wir werden so am Sonntag Nachmittag (25.07.) in Glettkau eintrudeln. Wir wohnen im Hotel "Posejdon". Meine Mutti ist schon ganz aufgeregt, sie meint, es wird wohl ihre letzte Reise in die Heimat sein. Obwohl ich schon öfters in Gdansk/Danzig weilte, fahre ich dieses Jahr mit ganz anderen Voraussetzungen, Interessen und Ergebnissen aus meiner Familienforschung.
    Nun werde ich vieles auch mit anderen Augen sehen und garantiert alle Wohnstätten meiner Vorderen aufsuchen. Seit Tagen bereite ich mich
    gründlich vor, für alle ehemaligen deutschen Straßennamen wurden die polnischen heraus gesucht, Stadtpläne von früher und heute
    zusammen gestellt...
    Wolfgang, es liegt an Dir und Deiner Zeit - freuen täte es mich schon, wenn man sich mal sieht und plaudert.
    Viele Grüße Mariolla alias Marion
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  5. #5
    Forum-Teilnehmer Avatar von Jantar
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    Standard AW: Besuch in Danzig

    Hallo Marion,

    wir fliegen am 25.07.10 von Tegel aus nach Danzig und am 31.07.10 zurück. Wir sind in der Nähe von Danzig in Jantar, früher Pasewark. Einen Tag wollen wir auch nach Danzig. Vielleicht sitzt ihr im gleichen Flieger?

    liebe Grüße Heike
    Eine 1000 Meilen weite Reise - beginnt mit dem ersten Schritt.

  6. #6
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard AW: Besuch in Danzig

    Hallo Heike,
    wir kommen auf "vier Rädern" . Ich wünsche Dir einen wunderschönen Urlaub und viel Spaß. Viele Grüße Mariolla alias Marion
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  7. #7
    Forum-Teilnehmer Avatar von Jantar
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    Standard AW: Besuch in Danzig

    Liebe Marion,

    für Euch auch eine schöne Zeit mit vielen Eindrücken und Erzählungen von Früher.

    Meine Mutter war letztes Jahr das erste Mal in ihrer alten Heimat, dieses Jahr kann sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mit. Sie wird 70 Jahre alt und war knapp 7 Jahre als sie gingen. Sie erzählt nicht viel und es braucht viel Fingerspitzengefühl um Bruchstücke zu erfahren. Ich glaube diese Zeit hat sie traumatisiert. Sie hatte dann keine Eltern mehr, die ihr vielleicht manches erleichtert hätten.

    Wir sind auch aus Sachsen-Anhalt.

    liebe Grüße Heike
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  8. #8
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard AW: Zurück aus Danzig

    Liebe Forummitglieder,
    ein bischen benommen von den vielen Eindrücken, die ich während meines Urlaubs regelrecht aufgesogen habe, bin ich wieder gut zurück gekommen.
    Mein Dank geht an Regina. Sie begleitete mich heute vor einer Woche viele
    Stunden und zeigte mir die Wohn- und Wirkungsstätten meiner Vorfahren. Am nächsten Tag hatte ich solch einen Muskelkater und muss noch immer die Kraft und Ausdauer von Regina bewundern. Ich habe viel fotografiert (auch wo ich vermutlich nicht durfte) und notiert. Unsere gemeinsamen Ziele waren der Bischofsberg, der Hagelsberg, die Häkergasse, Hansaplatz, Horst-Hoffmann-Wall, die Schießstange, Theaterplatz (Kohlenmarkt) und Langer Markt.
    Die nächsten Tage besuchte ich die Vororte Langfuhr und Oliva, einen Tag
    ging es nach Warlubien, Buschin und andere kleine Dörfer, die im Landkreis Schwetz liegen und nach Graudenz. Die Rückfahrt nahmen wir über den Kreis Neustettin und verweilten noch am Virchowsee bei Wurchow.
    Es war eine spannende und abenteuerliche Reise.
    Viele Grüße Mariolla alias Marion
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  9. #9
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard Mein Reisetagebuch

    privates Reisetagebuch


    25.07.2010 / Sonntag

    Abfahrt: 5.30 Uhr
    Fahrtroute: über die Küstenstraße - E 28
    Szczecin (Stettin) - Belgard (Białogard) - Koszalin (Köslin) - Słupsk (Stolp) -
    Lebork (Lauenburg) - Gdynia (Gdingen / Gotenhafen) - Sopot (Zoppot)
    Ankunft: 15.00 Uhr in Jelitkowo (Glettkau), Hotel Posejdon
    Reiseteilnehmer: Mutti, meine Schwester mit Ehemann und ich


    In der Nacht hatte ich kaum vor Aufregung geschlafen. In Gedanken malte ich mir aus, was ich alles in Danzig und in den Vororten Langfuhr und Oliva besichtigen wollte.
    Ob ich noch Spuren meiner Vorfahren finden werde? Der Koffer stand fertig gepackt im Flur,
    nun könnte mich meine Familie langsam abholen. Habe ich auch alles eingepackt? Ich überlegte und zählte in Gedanken auf: Landkarten, alte Adressen, Stadtpläne, Regenjacke, festes Schuhwerk. Garantiert hatte ich wieder zuviel verstaut, aber lieber ein langärmliges Shirt mehr als zu wenig. Die Wetterprognose sah für unseren Urlaub nicht gut aus, die Wetterkarte zeigte in der Vorhersage mehr Regen als Sonne. Endlich hupte es vor dem Haus, ich wurde abgeholt! Die Reise konnte beginnen!

    Wir fuhren in Richtung Berliner Ring, ehemaligen Grenzübergang Pomellen, Stettin, Belgard, und als wir Köslin erreichten, hielten wir für eine größere Pause an. Wir frühstückten gemütlich und vertraten uns etwas die Beine. Der Himmel sah dunkel aus, schwere und tiefe Regenwolken hingen über der Stadt. Es war kühl und wir fröstelten. Dann ging es weiter, immer die E 28 entlang. Je weiter wir in östliche Richtung fuhren, umso niedriger wurde auch die Außentemperatur. Der Navigator zeigte schlappe 14,5 Grad an. Endlich kamen wir in Gdingen (Gotenhafen) an und vor uns sahen wir einen gewaltigen Verkehrsstau. Im Schritttempo erreichten wir Zoppot.
    Der Nieselregen, der uns teilweise auf der Fahrt begleitete, war wie weggeblasen. Aber ein Blick genügte, auch hier war der Himmel voller grauer und dunkler Wolken. Nun bogen wir in Glettkau ein - es war geschafft, wir waren am Ziel angekommen!

    Wir nahmen unsere Zimmer, die wir zugewiesen bekamen, in Beschlag. Doch Koffer auspacken hatte noch Zeit, spontan entschlossen wir uns zu einem Spaziergang an den Strand. Man konnte förmlich die Ostsee riechen, obwohl uns noch einige Meter trennten. Der Strand war wie leer gefegt, nur vereinzelt sah ich in Wetterkleidung erholungssuchende Strandgänger. Im Wasser konnte man die Mutigen an einer Hand abzählen. Schnell krempelte ich meine Hose hoch, zog die Schuhe aus und lief durch den kalten und feuchten Sand zum Wasser. Das Wasser war angenehm warm, viel wärmer als die gefühlte Lufttemperatur. Ich lief einige Schritte in Richtung Brösen und atmete tief die Meeresluft
    ein. Mich begleitete lautes Möwengeschrei. Ach, war das schön.
    In der Ferne sah ich den neu gebauten Seesteg in Brösen und die unzähligen Kräne vom Danziger Hafen. Ich kehrte wieder um und ging zu meiner Familie, die schon wartete. An der Promenade tranken wir noch einen Kaffee und dann fing es zu Nieseln an. Die Regentropfen wurden immer größer und so gingen wir wieder zurück in das Hotel. Am Abend saßen wir noch eine Weile gemütlich beisammen und planten den nächsten Tag. Mit Regina aus dem Danzig Forum verabredete ich mich telefonisch für den nächsten Tag, wir wollten uns um 11.30 Uhr am Neptunbrunnen treffen. Ich freute mich schon sehr auf ein Kennenlernen und als ich im Bett lag, übermannte mich eine bleierne Müdigkeit. Träumend drehte ich mich um und schlief vermutlich sofort ein.

    -Fortsetzung folgt-
    Gruß Mariolla alias Marion
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  10. #10
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    26.07.2010 / Montag

    Ich wurde munter und schaute von meinem Bett aus direkt auf den Balkon. Am Balkongeländer hingen dicke Regentropfen und klecksten nach und nach herunter. Schnell schob ich die Bettdecke zur Seite, stand auf und öffnete die Tür zum Balkon. Na gut, es schien in der Nacht geregnet zu haben. Oder? Etwas waghalsig lehnte ich mich über die Brüstung und streckte meine Hand aus. Es war frisch und Mutti rief, ich soll mir doch etwas überziehen. Meine Arme und Beine bekamen Gänsehaut und so ging ich wieder zurück in das Zimmer. Um 8.00 Uhr trafen wir uns zum Frühstück, was wir in
    Ruhe einnahmen. In mir machte sich eine gewisse Anspannung bemerkbar. Heute würde ich verschiedene Wirkungsstätten und Straßen sehen, die mit meinen Vorfahren von 1900 bis 1945 in Verbindung standen. Immer wieder blätterte ich in meinen Notizen sowie Stadtplan und verglich die alten mit den neuen Straßennamen. Wie wahnsinnig freute ich mich auf den heutigen Tag. Was würde ich alles vorfinden? Aber noch war Zeit.

    Wir brachen auf und fuhren über Oliva und Langfuhr nach Danzig. In der Nähe vom Hauptbahnhof bekamen wir einen bewachten Parkplatz. Durch einen Fußgängertunnel erreichten wir den Stockturm und die angrenzende Peinkammer. In den Gemäuern befindet sich zur Zeit das Bernsteinmuseum.
    Gemeinsam durchschritten wir das Langgassentor, auch unter dem Namen Goldenes Tor bekannt und kamen auf die belebte Langgasse.
    Nun blieb ich stehen, hier irgendwo musste mein Uropa Karl N. 1918 gewohnt haben. Immer wieder blickte ich auf meinen Plan und suchte dabei das Haus Langgasse Nr. 86. Vor mir stand die Häuserfront. Rechts davon lag die Große Wollwebergasse, ich zählte die Hausnummern ab. Dann die Kleine Wollwebergasse und nun müsste doch das Haus Nr. 86 kommen. Ein Plan aus dem Danziger Hauskalender leistete mir gute Dienste, nur fand ich nicht das Haus, denn nach der Kleinen Wollwebergasse stand das Langgassentor mit der angrenzenden St. Georgshalle. Total irritiert und unsicher, fotografierte ich dann sämtliche Häuser ab der Großen Wollwebergasse bis zum Langgassentor.

    Die schmalen und hohen Bürgerhäuser mit ihren wunderschönen gestalteten und verzierten Giebeln nahmen mich gefangen. Wie wird es wohl vor einhundert Jahren hier ausgesehen haben? Natürlich war mir klar, diese Häuser wurden alle nach dem 2. WK, nach historischen Vorlagen und unter Verwendung von unzerstörtem Bauwerk, neu aufgebaut. Auch erinnerte ich mich, Fotos gesehen zu haben, wo eine Straßenbahn hier entlang fuhr. An den Häusern hingen kleine Fahnen, sie flatterten lustig und begrüßten die vorbei Laufenden. Überall wo ich hinschaute Menschenmassen und allerlei Sprachgewirr. Trauben von Touristen bildeten sich an den kleinen Verkaufsständen, die rechts und links auf der Langgasse standen. Ich reihte mich mit ein und erstand einen neuen Stadtplan.
    Neben mir stand jetzt links das Rathaus, nun befand ich mich auf dem Langen Markt. Man nennt es auch das Rechtstädtische Rathaus. Es ist ein prachtvoller Bau aus Backsein, der mit einfacher Bauweise großartig gelungen ist. Ein Wahrzeichen im Herzen von Danzig.

    Am Neptunbrunnen wurde gearbeitet. Eine kleine Gruppe von Jugendlichen in Theaterkostümen stellten sich für die Touristen-Fotografen in Positur. Hinter dem Neptunbrunnen stand der Artushof, er diente einst als Versammlungsort für vornehme Bürger und später als Börse. Die Rathausuhr zeigte jetzt kurz vor 11 Uhr, also hatte ich noch etwas Zeit.

    - Fortsetzung folgt -
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  11. #11
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    26.07.2010 / Montag - II. Teil


    Meine Familie ließ sich in einem Cafe am Goldenen Haus nieder und ich lief zum Grünen Tor. Auf der linken Seite, kurz vor dem Grünen Tor, befand sich ehemals im Haus Nr. 29 die Konditorei und das Cafe A. Brunies. Eine Cousine meines Opas war mit dem Inhaber Karl H. Braun verheiratet und so war das Cafe immer ein beliebter Familientreffpunkt mit Familienstammtisch. Mutti schwärmt heute noch von dem herrlichen Kuchen und süßen Leckereien. Das Haus wurde durch Luftangriffe 1945 total zerstört und alle im Haus befindlichen Familienmitglieder fanden dabei den Tod. Auch hier stand ich davor und stellte mir bildlich vor, wie meine Vorfahren in das Cafe ein- und ausgingen. Noch ein paar Fotos und dann ging ich langsam zu meiner Familie in das Cafe, wo man schon auf mich wartete. Der Platz war gut, ich hatte den Neptunbrunnen in meinem Blickfeld und dann sah ich auch schon Regina. Nach unserer herzlichen Begrüßung nahm ich Regina mit an unseren Tisch und wir plachanderten noch ein Weilchen. Dann trennte sich meine Familie von uns, denn Mutti war nicht gut zu Fuß und sie wollten eine kleine Rundfahrt mit dem Auto machen.

    Nun konnte es los gehen. Regina und ich liefen zum Grünen Tor, vorher blickten wir noch einmal zum Haus Nr. 29. Wir bogen auf die Lange Brücke und schauten noch kurz beim Danziger Bowke rein. Von da aus ging es zum Frauentor in die Frauengasse. Den Durchgang vom Frauentor verglich ich mit einem gotischen Fenster. Es regnete inzwischen in Strömen. Die Frauengasse hatte es mir besonders angetan. Eine Prachtgasse mit Danziger Charme. Alle Häuser sind mit Beischlägen und mit einzigartig gestalteten Wasserspeiern versehen. Es bereitete mir großes Vergnügen auf die Beischläge zu gehen, die wie Terrassen vor jedem Hauseingang wirkten und dann die Wasserspeier in voller Schönheit zu fotografieren. Auch hier bewunderte ich die feine Bauweise der Giebel, deren Gestaltungselemente von Haus zu Haus unterschiedlich ausfielen.

    Nun kamen wir an die St. Marienkirche und entschieden uns hinein zu gehen. Regina zeigte mir das Urnengrab in der St. Maria-Magdalenen-Kapelle, wo Dr. Otto Kulcke im Jahr 2005 feierlich beigesetzt wurde. Ein gebürtiger Danziger, der sich mit Hingabe und voller Kraft für den Bau einer neuen Orgel eingesetzt hatte. Nach einem Rundgang verließen wir die Kirche und gingen in Richtung Häkergasse. Vorher schauten wir noch in einen kleinen Touristenladen.

    -Fortsetzung folgt-
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  12. #12
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    26.07.2010 / Montag - III. Teil

    Wir überquerten die Heiligen-Geist-Gasse zur Goldschmiedegasse, weiter ging es über die Breitgasse zur Scheibenrittergasse. Über die Johannisgasse kamen wir in die Lavendelgasse. Linksseitig stand in schönster Backsteinbauweise die Markthalle, die auf dem Dominikanerplatz erbaut wurde. Sie wurde im August 1896 übergeben und löste die offenen Wochenmärkte ab. Genau gegenüber befindet sich die Häkergasse.
    Meine Regenjacke leistete gute Dienste und Regina hatte seit einer ganzen Zeit ihren Schirm aufgespannt. Der Regen wollte einfach nicht aufhören. Immer wieder schaute sie auf meine Füße, die barfuss in gummierten Schuhen steckten, die man Gesundheitsschuhe nennt. Es war kühl und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass meine Schuhe mit jedem Schritt und Tritt auf dem Pflaster quietschten. Auf der rechten Seite gingen wir die Häkergasse entlang. Wir sahen kaum einen Menschen und schauten auf jede Hausnummer. Als wir schon ein Stück gelaufen waren, zeigte Regina auf die andere Straßenseite. Nun sah ich es auch, wir hatten das Haus Nr. 51/52 gefunden. Hier hatte also Charlotte K., die Schwester meiner Oma, bis zur Flucht 1945 gewohnt. Die Hausfassade war grau und trostlos, so wie das Wetter. Uns schien es, als wenn das Haus den sinnlosen Krieg überstanden hat. Wir verweilten vor dem Haus und ich schoss natürlich Fotos.
    Auf dem Rückweg gingen wir durch die Markthalle und schlenderten an den Ständen mit ihren reichhaltigen Auslagen vorbei. Ich suchte einen kleinen Rucksack, eventuell mit einem Danziger Motiv, aber leider fand ich nichts Passendes.

    Unser nächstes Ziel war der Theaterplatz, der auch unter dem Namen Kohlenmarkt bekannt ist. Wir liefen über den Holzmarkt und erreichten den Theaterplatz. Hier stand in der Nähe vom Zeughaus das Theater, direkt neben der Theatergasse. Unter der Anschrift Theaterplatz Nr. 30 hatte Charlotte K. ihr Büro. Die Zerstörung muss den ganzen Platz getroffen haben, denn wir fanden das Haus nicht mehr.
    Wir entdeckten ein kleines Lederwarengeschäft und dort fand ich einen passenden Rucksack. Er ist geräumig, aber leider ohne Motiv. Der Geschäftsinhaber sprach etwas deutsch und war sehr freundlich. Als ich mich verabschiedete, wollte ich höflich sein und in der Landessprache „Auf Wiedersehen“ sagen. Oh je, da hatte ich einen Lacher, denn ich verabschiedete mich aus Versehen auf russisch. Regina verbesserte mich lieb und erklärte mir, wo die Betonung im polnischen liegt und dann klappte es. Längst war die Mittagszeit vorüber und etwas Hunger machte sich nach unserem Rundgang bemerkbar. Ein neues Restaurant wurde vor einiger Zeit am Theaterplatz eröffnet und so kehrten wir dort ein. Mir gefiel es dort auf Anhieb, es war sehr gepflegt. Schön fand ich die Speisekarte, denn sie war auch in deutsch verfasst. Das ist lange keine Selbstverständlichkeit, wird aber von vielen Touristen so aufgefasst. Regina holte ihre Lesebrille heraus und wir studierten das reichhaltige Angebot. So wählten und bestellten wir unsere Speisen. Das Essen schmeckte hervorragend und wir waren rundum zufrieden.
    Noch lange hatten wir nicht alles gesehen, was auf meinem Plan stand.

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  13. #13
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    26.07.2010 / Montag - IV. Teil

    Wir schlugen den Weg zum Bischofsberg ein, den man schon aus der Ferne sehen konnte. Links ließen wir das Zeughaus und die St. Georgshalle liegen und gelangten durch einen Fußgängertunnel auf die andere Straßenseite. Die Straße „Schwarzes Meer“ ist eine enorm breite Allee geworden. Mehrere großzügig angelegte Fahrspuren und mit einem mittig liegenden Gleisbett für die
    Straßenbahn. Sie heißt jetzt Al. Armii Krajowej. Man schaffte es kaum, diese breite Straße in einem Atemzug zu überqueren. Einige Fußgängerampeln musste man passieren, ehe man auf die andere Straßenseite gelangte.
    Nun standen wir am Fuß des Bischofsberg und langsam bogen wir eingehakt in die Große Berggasse ein. Das erste Haus auf der rechten Seite war die Nummer 4. Es ging etwas steigig auf holprigem Pflaster hinauf. Die Gasse war schmal, sie verläuft ähnlich wie ein großes „S“. Die Häuser waren sehr ungepflegt, alles wirkte auf mich nüchtern, fade und trostlos. Es war schmutzig, die Gegend war nicht unbedingt sehr einladend. Mir war, als wenn die Zeit in diesem Wohnviertel stehen geblieben ist. Kurz vor dem zweiten Bogen in der Gasse las ich an einem Haus rechts die Nr. 15. In der Nummer 16 wohnte mein Uropa Karl N. ca. 1907, bevor er in die Langgasse umzog. Wo eigentlich die Nr. 16 stehen müsste, ist gähnende Leere. Eine mit Unkraut überwucherte Stelle und eine kleine Grundmauer aus Naturstein lassen nur erahnen, dass hier einmal ein Haus stand. Erhöht liegend und nur über eine Steintreppe gelangte man zum Haus Nr. 17. Mich beobachtete schon eine Weile eine Bewohnerin aus einem Fenster in der Nr. 17. Ich schaute Regina an und fragte, ob sie den Weg noch weiter schafft. Sie bejahte und ich bewunderte insgeheim ihre Ausdauer und Kondition. Es ging immer höher, der Fußweg war an manchen Stellen sehr schmal und ließ keine zwei Personen nebeneinander zu. Oben angekommen, versuchte ich einen Blick auf Danzig zu werfen. Es war mir nicht vergönnt. Überall versperrten Bäume und wildes Strauchgestrüpp die herrliche Aussicht. Uns kamen zwei Frauen entgegen und Regina fragte sie nach weiteren Wohnhäusern. Sie zeigten uns einen Weg weiter nach oben, wo sich linksseitig eine Schule befand. Ein einzelnes Wohnhaus entdeckte ich dann ganz oben links, die Balkonseite des Hauses war auf Danzig gerichtet. Ich beneidete die Bewohner des Hauses um die herrliche und weite Aussicht. Hinter Gebüsch entdeckte ich eine kleine Tür, die in den Berg hinein zu führen schien. Was sich wohl dahinter verbergen mag? Als ich mich umdrehte, war ich sehr überrascht. Von hier konnte ich einen kleinen Blick erhaschen und sah zwischen Baumlücken den Turm der St. Marienkirche. Der Turm auf dem Bischofsberg hatte eine defekte Uhr und Regina erzählte, sie wird demnächst repariert. Hier auf dem Bischofsberg stand während der letzten Kriegsmonate, bei der Belagerung durch die Russen die Geschosswerfer, genannt Stalinorgel. Diese Geschütze hörte man weit und laut bis in die Vororte von Danzig und Mutti denkt noch heute mit Grauen daran. Auf dem Rückweg liefen wir auf der anderen Straßenseite. Wir wurden beobachtet, ein Hund schaute aus einem Fenster im Erdgeschoss eines Hauses. Wie ein Mensch schaute er auf die Straße und sah dem Treiben zu, es sah zu drollig aus. Fast ganz unten in der Gasse stand eine Haustür offen und verlockte mich, ein Foto vom Inneren des Hauses zu machen. Das Treppenhaus war sehr eng und eine kleine abgetretene Holztreppe führte nach oben. Das Treppengeländer aus Holz sah original und uralt aus.
    Vermutlich war der Bischofsberg einmal eine sehr stattliche Wohngegend mit sehr schönen
    Häusern. Etwas enttäuscht verließen wir den Bischofsberg und liefen in Richtung Hagelsberg.

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  14. #14
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    Weitere Fotos zum Bischofsberg / 26.07.2010 / Montag - IV. Teil

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  15. #15
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    26.07.2010 / Montag - V. Teil

    Wir bogen in Neugarten ein, die Straße wurde erneuert und uns empfing gewaltiger, laut dröhnender Baulärm. Da wir nicht über die Baustelle kamen, blieben wir auf der linken Straßenseite. Uns gegenüber, auf der rechten Seite, lag das Gerichtsgebäude und auf unserer Seite begann das Krankenhausgelände. Regina zeigte mir ein Haus, es war villenartig gebaut und mit einer wunderschönen, verzierten schmiedeeisernen Tür versehen. Dieses Haus lag direkt vor dem Krankenhaus und stand zum Verkauf. Schade, es war dem Verfall schon nahe. Wir kamen an einen kleinen Blumenladen vorbei, dort kaufte ich ein Töpfchen mit einer blühenden Pflanze und Regina ein großes Grablicht. Wir waren auf dem Weg zum Gedenkstein für die Opfer der Typhusepidemie Schießstange. Hier in der Nähe vom Gefängnis wurde mein Urgroßonkel Paul K. verscharrt. Er verstarb am 31.08.1945 im Gefängnis Schießstange an Typhus. Unter der Nr. 831 / 1945 wird er in der chronologischen Liste mit einem polnisierten Namen geführt. Die Liste ist beim Bund der Deutschen Minderheit in Danzig einsehbar. Wir gingen über die Straße und bogen rechts in eine Nebenstraße ein, die zum Park auf den Hagelsberg führte. Es regnete nicht mehr und der schmale unbefestigte Weg zum Gedenkstein war etwas glitschig. Was ich in den Minuten fühlte, als ich vor dem Gedenkstein stand, kann ich nicht in Worte fassen. In mir waren Trauer, Wut und ein großes WARUM? Urgroßonkel wurde auf der Straße am 19.08.1945 inhaftiert, so einfach mitgenommen und zurück blieben Frau und Sohn. Die kleine Pflanze stellte ich an den Gedenkstein und Regina zündete das Grablicht an. Gemeinsam gedachten wir der vielen Opfer, es war für mich ein sehr bewegender und ergreifender Moment. Auf dem Rückweg nach Neugarten sprachen wir kaum ein Wort, jeder hing seinen Gedanken nach.

    Wir kamen an den Schulzengang, der direkt zum Eingang des Gefängnisses Schießstange führte. Auch heute wird das Territorium noch als Gefängnis genutzt. Hier fotografierte ich den Eingang des Gefängnisses, wo damals die Gefangenen wie Vieh herein getrieben wurden. Bei meiner Fotoaktion schwitzte Regina Blut und Wasser. Oben sah ich die Wachposten stehen und heute muss ich sagen, es war sehr waghalsig von mir.
    Auf dem Rückweg blieben wir an der Ecke Neugarten stehen und entschieden uns dann für den
    Horst-Hoffmann-Wall.
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  16. #16
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    26.07.2010 / Montag - VI. Teil

    Um noch einmal genau zu schauen, wo das Finanzamt und die Kirche Zum Heiligen Leichnam damals lagen, holten wir unsere alten Stadtpläne heraus. Für Regina war die Schrift zu klein und sie wollte ihre Lesebrille aufsetzen. Doch die Brille war verschwunden! Immer wieder schaute sie in die Innen-fächer ihrer Tasche. Spurlos weg, wo konnte sie nur sein? Verloren? Dann erinnerte ich mich an das Restaurant am Theaterplatz. Dort hatte sie das letzte Mal ihre Lesebrille auf. Auf meinen Vorschlag, gleich dorthin zu gehen, ließ sie sich nicht ein. Sie wollte erst mit mir den Horst-Hoffmann-Wall, auch als Promenade bekannt, ablaufen. Dann gingen wir weiter. Das Gebäude, was als Finanzamt I unter der Hausnummer 9 eingetragen war, stand in voller Pracht vor uns. Jetzt wird das Gebäude als Arbeitsamt genutzt. Ob sich hier, mein Opa Hugo N. und meine Oma Luise geb. K., kennenlernten? Oma erzählte immer, sie hätten sich auf der Treppe im Finanzamt gesehen und verliebt. Beide waren dort angestellt. Die anderen Finanzamtgebäude haben wir nicht mehr gefunden und auch nicht mehr die Kirche Zum Heiligen Leichnam. In dieser Kirche wurde 1934 meine Mutti Helga N. getauft und ich hätte sie mir gerne angeschaut.

    Uropa Karl N. zog nach 1928 von der Langgasse auf den Horst-Hoffmann-Wall, leider war mir die Hausnummer nicht bekannt. Mein Onkel, Günter N., verweilte oft als Kind bei seinen Großeltern. Er berichtete mir, wie spannend und aufregend es war, auf den gegenüberliegenden Bahnhof zu schauen und die Züge zu beobachten. Also muss das Haus
    direkt gegenüber dem Bahnhof gelegen haben oder in unmittelbarer Nähe. Nur stand weit und
    breit kein älteres Gebäude mehr.
    Wir schlugen den Weg zum Bahnhof ein und gingen dann in Richtung Restaurant am Theaterplatz
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  17. #17
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    26.07.2010 / Montag - VII. Teil



    Als wir die Tür zum Restaurant öffneten, wusste die Kellnerin sofort Bescheid und holte Reginas Brille aus einem Fach unter den Tresen hervor. Ich hörte förmlich Reginas Herz vor Freude plumpsen. Sie strahlte und war sehr erleichtert. Der glückliche Ausgang musste belohnt werden und so blieben wir noch im Restaurant sitzen und tranken in Ruhe einen Kaffee. Ehrlich, ich war froh, eine kleine Pause machen zu können. Ich hatte das Gefühl, in meinen Waden und Oberschenkeln wären die Sehnen kürzer geworden. Nun merkte ich, wie Fußlahm ich eigentlich war und staunte immer wieder über Regina, wie sie in ihrem Alter noch solche Strecken schaffte. Als wir gingen, war unser nächstes Ziel der Hansaplatz Nr. 14, dort wurde meine Mutti geboren. Auch wollten wir noch zum Faulgraben Nr. 11, wo einst mein Urgroßonkel Paul K. an der Mittelschule unterrichtete. Wir hatten das Haus am Hansaplatz nicht gefunden und Regina vermutete es in der Hansagasse. Auch die Hansagasse fanden wir nicht und liefen, wie sich jetzt herausstellte, in die verkehrte Richtung. Es wurde schummrig und es war bereits nach 19 Uhr. In Richtung Kassubischer Markt liefen wir durch den Faulgraben, aber auch von der Mittelschule fanden wir keine Spur mehr.
    Regina hatte nicht eher Ruhe, bis sie mich in ein Taxi gesetzt hatte und wusste, so würde ich sicher und wohlbehalten in das Hotel zurück kommen. Der Taxifahrer war sehr nett, er zeigte mir während der Fahrt noch einige Sehenswürdigkeiten und die Fahrt bis vor den Hoteleingang kostete 47 Zloty.
    Dort wartete schon meine Familie auf mich und ich erzählte begeistert, was ich alles gesehen und erlebt hatte. Als ich im Bett lag, konnte ich absolut nicht einschlafen. Ich war wie aufgezogen und musste erst alles gedanklich verarbeiten.

    Liebe Regina, es war ein wunderschöner Tag und ich danke Dir noch einmal von ganzem Herzen für die schönen gemeinsamen Stunden in Danzig.

    - Fortsetzung folgt -
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  18. #18
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Ach Marion
    ich bin begeistert ... so ein schöner und ausführlicher Bericht und die vielen Photos.....
    Da muss ich noch mehrfach dran um alles zu erfassen.
    Vielen Dank und Viele Grüße
    Hans-Jörg

  19. #19
    Forum-Teilnehmer Avatar von Uwe
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    Hallo Marion,

    wirklich sehr gut Dein Reisebericht! Du solltest Dir überlegen das professionell zu machen.

    Herzliche Grüße

    Uwe
    Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

    Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

  20. #20
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Marion,
    das hast Du wirklich klasse gemacht, Text und gleich die passenden Bilder dazu. Schön, dass Du am Gedenkstein für die Opfer der Typhusepidemie Blumem und eine Kerze hingestellt habt. Meine Mutter, Gertrud Gerlach, gilt seit Oktober 1945 in Danzig als vermißt. Ich habe ihren Namen in der von die erwähnten Liste nicht gefunden. Danke nochmals
    Karlheinz

  21. #21
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    27.07.2010 / Dienstag - I. Teil

    Als ich aufwachte, hörte ich schon wieder das Klick Klack auf dem Balkongeländer, es regnete. Am Frühstückstisch saßen wir etwas bedrückt da, mit so einem Schietwetter hatte man ja nun wirklich nicht gerechnet. Wir vereinbarten, eine Fahrt in den Hafen von Gdingen zu unternehmen. Auf dem Weg nach Gdingen hörte es allmählich mit regnen auf und wir schöpften etwas Hoffnung. Wir liefen eine große Runde im Hafen und schauten den Schiffen zu. In der Ferne, da wo die Halbinsel Hela lag, schien der Himmel viel heller zu sein. Man hatte direkt den Eindruck, die Sonne hätte sich über die Halbinsel gelegt.
    Kurz entschlossen stiegen wir wieder in das Auto und nahmen Kurs auf Hela. Als wir auf die Halbinsel fuhren, blinzelte tatsächlich etwas Sonne durch die Wolkendecke. Rechts neben der Straße befanden sich die Campingplätze, die sich einige Kilometer hinzogen und links verlief parallel zur Straße das Bahngleis. Wir fuhren an schmucken und gepflegten Häusern vorbei und landeten in Heisternest. Heute trägt das blitzsaubere Dorf den Namen Jastarnia. Im Restaurant „Admiral“ aßen wir Mittag. Auch hier kann ich nur in Schwärmerei geraten, einfach lecker. Wir staunten nicht schlecht, als unsere junge Bedienung fast fließend deutsch mit uns sprach. Es stellte sich heraus, die junge Frau war 2 Jahre in Deutschland arbeiten. Heisternest wurde bereits ein beliebter Ferienort nach dem ersten Weltkrieg. Der Bau der Eisenbahnverbindung brachte den Fischerdörfern Auf-schwung und ein klein wenig Wohlstand durch die Urlauber.
    Mutti erinnert sich noch sehr gerne an die unbeschwerten Urlaubstage, die sie hier im Dorf mit ihren Eltern und großen Bruder als Kind verbrachte. Sie wohnten damals in einem Holzhaus und reisten mit der Eisenbahn ab Danzig an.
    Wir drehten nach dem Essen noch eine Runde und schauten am kleinen Hafen vorbei. Dann setzten wir uns wieder in Bewegung und fuhren zurück. Kurz bevor wir die schmale Halbinsel verließen, gingen wir noch einmal an den Strand. Wir liefen über das Bahngleis und schon sahen wir nach wenigen Schritten die weite Ostsee. Noch nicht richtig am Strand angelangt, da fielen schon die ersten Regentropfen.
    Also nahmen wir Abschied und hielten erst wieder in langfuhr.

    - Fortsetzung folgt -
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  22. #22
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    Hallo Marion,
    auch ich habe mit Freude die Berichte mit den Fotos studiert. Dabei kamen bei mir tolle Erinnerungen
    an meine 1-wöchige Reise nach Danzig in den Kopf. Hat einfach Spass gemacht. Ich danke Dir dafür.
    Schöne Grüße von Geigersohn

  23. #23
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    Hallo Marion, hast viel Arbeit investiert.

    Leider hat es der Wetter-Gott mit dir nicht besonders gut gemeint.

    Kaum Menschen am Strand. Na gut, du bist noch jung und kannst die Tour noch oft widerholen.

    Ein Lob für deine Arbeit
    Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
    "Nec Temere - Nec Timide"
    Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

  24. #24
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    auch ich fand Deine Reiseberichte einfach klasse Marion, bist eine gute Mitteiilerin im Schreiben an Erlebnissen, das Talent möchte ich auch haben, bravo !! Toll, daß Regina Deine Begleiterin war, auf Besseres hättest Du nicht fallen können !!


    Netter Gruß aus Paris mit Eiffelturmstrahlen als Dank fuer Dich von der Franzfrau Sigi

  25. #25
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    27.07.2010 / Dienstag - II. Teil

    Vom Schwarzen Weg, durch die Unterführung, so fuhren wir in die Marienstraße in Langfuhr ein. Ein Parkplatz wurde schnell gefunden und so liefen wir rechts die Marienstraße zum Kreisverkehr Marienplatz hinunter.
    In der Nr.16 hatte der Meister Plotteck einst seine Bäckerei, hier bekamen die Kinder oftmals Kuchenränder zugesteckt. Gleich daneben, in der Nr. 17, wohnten Ingeborg und Hildegard Foth, sie waren Muttis Spielkameradinnen.
    Am Haus Nr. 18 blieben wir etwas länger stehen. Hier wohnte mein Uropa Max K. viele Jahre als Witwer. Vier schmiedeeiserne kleine Balkons zierten das Haus zur Straßenseite, sowie ein schlichter schmaler Hausgiebel. Die Haustür war noch original, schöne geschwungene Holzornamente und zwei längliche Glasscheiben mit schmiedeeiserner Verzierung schmückten sie. Die Eingangsstufe aus Stein war schon etwas gerissen und rechtsseitig abgenutzt. An der Fassade bröckelte an manchen Stellen der Putz ab und ließ blankes Mauerwerk durchblitzen. Über der Haustür waren rechts und links dunkle Flecken, sie sahen wie nach einem Brand aus. Ein Zunftschild wies auf einen Notar im Haus hin.
    Uropa hatte sich sehr für den Naturschutz engagiert, er liebte die Wälder und Wanderungen durch den Jäschkentaler Wald gehörten zu seinem Sonntagsritual. Was mich mit ihm sehr verbindet, ist die Liebe zu den Feld- und Wiesenblumen.

    Wir gingen weiter, die Häuser standen noch genauso in Reihe und Glied, wie sie 1945 von den Bewohnern verlassen wurden. Keine Lückenbebauung oder dergleichen. Das Wohnviertel war verschont geblieben. Was jedoch auffiel, viele Gebäude hatten neue Fenster.
    Ich konnte mich nicht satt genug sehen. Immer wieder schaute ich mir die einzelnen Häuser an und ging meinen Gedanken nach. Alles war mir so vertraut, als wenn ich hier selbst gewohnt hätte. Schon alleine durch die vielen Geschichten in meiner Familie, die immer wieder erzählt wurden, konnte ich Familien, Geschäfte und Begebenheiten zuordnen.

    In der Nr. 22a wohnte die Familie Michaelis, ihre zwei Mädels waren immer wie Zwillinge gekleidet und besuchten, wie auch meine Mutti, die Volksschule in Neuschottland.
    Dann kam die kleine Schlippe, ein Durchgang, der zu den Werkstätten der Siemens Werke führte. Gleich daneben war die Nr. 23, in diesem Haus befand sich ehemals die Wohnung von meinem Opa Hugo N. und Oma Luise geb. K.. Wir schauten auf die Fensterreihe im ersten Stock rechts. Hier lebte die Familie mit den Kindern Günter, meiner Mutti Helga und Lieselotte. Eine unbeschwerte und unvergessliche Kinderzeit verlebten sie bis zu den Tagen, als das Grauen begann und jäh die Kinderzeit beendet wurde. Hinter diesen Mauern durchlebten meine Familienangehörigen Glück und Leid, Freude und Trauer.
    Die Haustür zeigte Grafitti, aber Kunst war es nicht, eher eine unschöne Schmiererei. Auch hier war ein kleiner Giebel am Haus, der sehr einfach gestaltet war. Unten links war damals die Drogerie Mundelius, die Inhaberin hatte ihren Wohnbereich gleich hinter dem Verkaufsraum. Nun befand sich ein kleiner Lebensmittelladen in den Räumlichkeiten. Rechts war das Textilgeschäft mit dem Inh. Falck. Die unmittelbare Nachbarin im 1. Stock war das Fräulein Moldenhauer, eine ältere Lehrerin, die erst nach dem Krieg heiratete und dann Kreuzthaler hieß. Ihre Flucht endete im Thüringer Raum.

    - Fortsetzung folgt -
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  26. #26
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    27.07.2010 / Dienstag - III. Teil

    Ich kannte Muttis Wunschtraum, wie gerne wäre sie noch einmal bis an die Wohnungstür gegangen.
    Doch diesen Wunsch konnten wir ihr nicht erfüllen.
    Muttis Herz war schwer, sie konnte sich einfach nicht vom Haus trennen und ging in den kleinen Laden.
    Nun konnte ich meine Neugierde stillen. Ich ging durch die kleine Schlippe und gelangte so auf den Hof. Jetzt stand ich vor der Rückfront des Hauses und sah auch den Balkon, der zur Wohnung gehörte. Vermutlich wurde erst gemalert, denn er sah recht nett und frisch aus. Ich schaute mich um, der Hof wurde mehr als Parkplatz genutzt und wo das Siemensgebäude stand, war jetzt eine Freifläche. Ob es noch die alten Bäume waren, die hier standen? Eine kleine Tür im Haus führte auf den Hof.
    Aber ich sah noch mehr, die Tür stand einladend offen. Ob ich es wage? Da ich schon immer ein verrücktes Huhn war, ging ich zu dieser Tür und schaute, wohin sie führte. Vorsichtig setzte ich einen Schritt und sah mich um. Vor mir lag das Treppenhaus. Die Luft war rein, kein Mensch zu sehen. Schnell ging ich durch das Treppenhaus und öffnete von innen die Haustür, die zur Straßenseite lag. Als ich öffnete, standen meine Schwester und Mutti auf dem Fußweg. Ich sagte nur: “Darf ich bitten“. Mutti war wie versteinert und fragte: „Kind, wo kommst du her“? Die Minute war filmreif und meine Schwester zückte sofort den Fotoapparat.
    Wir wagten es, langsam und ganz leise durchschritten wir das Treppenhaus und gingen bis zum ersten Treppenabsatz. Dort blieb meine Schwester und ich stehen und Mutti ging noch die letzten Stufen bis zum 1. Stock hoch. Da lag nun die Wohnungstür. Für Mutti war es ein ganz besonderer Augenblick, sie nahm Abschied. Nach ein paar Minuten kam sie wieder herunter, ihre Augen waren verdächtig feucht.
    Das Treppenhaus war noch wie früher, dasselbe Treppengeländer sowie die Holztreppe.
    Dann hörten wir oben eine Tür klappen und Schritte. Nun war es Zeit eiligst das Haus zu verlassen. Aber der Bewohner war schneller, er sprach uns an. Verstanden haben wir nichts. Meine Schwester erklärte in englisch den Sachverhalt und Mutti mit Händen und Füßen, was wir im Haus suchten. Er fragte welche Wohnung, rechts oder links und meinte, da wären wir ja Nachbarn gewesen. Wünschte uns einen schönen Tag und ging weiter. Puh, mein Herz klopfte wie wahnsinnig. Uns saß noch der Schreck im Nacken. Die neuen Bewohner des Hauses mögen uns den kleinen Besuch, der viel für unsere Mutti bedeutete, verzeihen.
    Wir gingen aus dem Haus und liefen dann die Marienstraße weiter hinunter.

    - Fortsetzung folgt -
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  27. #27
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    27.07.2010 / Dienstag - IV. Teil

    Nun kamen wir in die Nähe vom Marienplatz, der schon immer zur Marienstraße gehörte.
    In die Nr. 3 brachte Oma immer die Schuhe zur Reparatur, da war die Werkstatt des Schuhmachers Klatt und in der Nr. 2 befand sich das Kolonialwarengeschäft Bohn.
    Ich laufe um das Rondell und biege in die Luisenstraße ein. In der Nr. 3 wohnte, der Bruder meiner Oma und Sohn von Max K., mein Großonkel Hans K. mit seiner kleinen Familie. Er verlor auf tragische Weise Frau und Sohn beim Bombenangriff. Zu meiner Taufe wurde er mein Patenonkel und wohnte später in Oldenburg/Oldbg. Über Stufen gelangt man zum Hauseingang, der wunderschön war und mich etwas an die antike griechische Bauweise erinnerte. Auch hier bröckelte bereits der Putz an der Fassade ab und ich sah am unteren Hausteil schon kleine Ausbesserungen.

    Die Straße gefiel mir, schon alleine wegen dem Strießbach. Gemütlich lehnte ich mich an das geschmiedete Brückengeländer und schaute dem Bachtreiben zu. Der Strießbach verlief unterirdisch unter der Straße weiter und kam erst wieder auf der anderen Straßenseite munter zum Vorschein. Ich konnte es mir nicht verkneifen und spuckte hinein. Dann lief noch einmal auf die andere Seite, um zu schauen, wie hier der Bach verlief.

    Am Marienplatz wieder angekommen, ging ich nun rechts die Marienstraße entlang. Mutti stand vor dem Haus Nr. 6 und schaute durch den Durchgang, wo früher die Kohlehandlung Schatowitz war. Im dazugehörigen Vorderhaus wohnte Helga Hanf, sie war das vierte Mädel in der vierblättrigen Kinderfreundschaft.
    Etwas Haus weiter, in der Nr. 7, kam das Kolonialwarengeschäft Bublitz . Das Geschäft war Omas Stammladen und auch Mutti durfte als Kind dort alleine einkaufen. Es lag genau gegenüber des Wohnhauses und war ein Eckladen. Herr Bublitz hatte immer Bonbons für die Kinder parat, die er aus großen Bonbongläsern heraus holte und beim Einkauf zusteckte.

    Nachdem wir am Auto ankamen, schauten wir noch einmal alle zurück und fuhren dann nach Neuschottland.

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  28. #28
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    27.07.2010 / Dienstag - V. Teil

    Den Schulweg hätte Mutti nicht mehr per Fuß ablaufen können, so fuhren wir mit dem Auto bis an die Pforte der Volksschule Neuschottland.
    Mutti wurde 1941 eingeschult. Sie ging aufgrund ihres Geburtstages im Herbst ein Jahr drüber.
    Damals hatten die Schüler noch eine Schiefertafel mit Griffel und der Schwamm hing aus dem Schulranzen heraus.
    Was für ein gewaltiger Unterschied zu unserer heutigen Zeit. Auch trugen damals die Mädchen viel Schürzenkleider, was sehr praktisch war und das gute Kleid darunter schonte.

    Als wir das Schulgelände betraten, sahen wir zuerst die vielen Bäume. Die Anlage sah fast parkähnlich aus. Auf einer großen Rasenfläche standen vorwiegend Kastanienbäume. Der rote Backsteinbau leuchtete uns schon entgegen. Wir entdeckten zwei Türen, eine davon war mit einem Holzbrett verbarrikadiert. Diese Eingangstür war ein Schmuckstück, nur leider auch hier mit Graffiti verunstaltet. Die nächste Tür, etwas kleiner und weiter rechts gelegen, schien man noch zu nutzen. Komplett mit Ornamenten verziert, war sie die reinste Augenweide. Ein schöner Rundbogenfries umlief oberhalb das Mauerwerk und an der Längsfront war ein Gitterfries zu sehen, es gab dem Gebäude eine besondere Note. Die Sprossenfenster schienen neu eingesetzt zu sein, ich kann mich aber auch in meiner Beurteilung täuschen. Mutti konnte sich an die Fenster nicht mehr so erinnern. Im ersten Stockwerk brannte hinter verschiedenen Fenstern Licht.
    Ein großer imposanter Bau, der wohl unzählige Schulklassen aufnehmen konnte. Mutti hob eine Kastanie auf, sie war vorzeitig herunter gefallen und steckte sie ein. Dann kehrten wir um und gingen zum Auto. Die Volksschule war auf einem Grundstück erbaut, was "An der Abtsmühle" und "Löschinweg" entlang verlief, dahinter befand sich die Ostseestraße.

    Ohne KurtW aus unserem Forum hätten wir die Schule nie gefunden, nochmals vielen Dank für Deine Hilfe mit Streckenerklärung.

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  29. #29
    Moderatorin Avatar von Beate
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Marion,

    danke für die Bilder, in diese Schule ist mein Vater nämlich auch gegangen, allerdings ein paar Jahre früher, wie ich neulich erfahren habe.
    Und danke nochmals für deinen wunderschönen Bericht, läßt uns so schön an eurer Reise teilhaben!:heart:

    Liebe Grüße Beate

  30. #30
    Forum-Teilnehmer Avatar von Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Marion
    Noch einmal.... einfach toll Dein Reisetagebuch !!!!
    Könntest Du glatt im neuen Danziger Hauskalender 2011 veröffentlichen...... dann wäre der Kalender (fast) voll......!!!!!
    Viele Grüße
    Hans-Jörg

  31. #31
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Marion,

    ich bin begesitert und zugleich erschlagen! Toll, was Du erlebt hast, toll, dass Du das alles schreibst und vor Allem ganz toll, wie Du es schreibst!!!

    Es ist fast unfassbar, was Du an Details festhältst. Ich habe den Eindruck, dass Du die Erzählungen Deiner Mutter nicht nur aufgesogen hast sondern dass Du nun selber genau sagen kannst, wer wo lebte und wer was tat.

    Deine detailreichen Erzählungen fesseln, sie bringen Einen dazu genau zu prüfen, ob man da selber schon einmal war und welche eigenen Erinnerungen man hat. Du erzählst aber auch Dinge die einen berühren, wie "Mutti war wie versteinert und fragte: Kind wo kommst Du her?"

    Es mag nun albern klingen aber mich interessiert eins: Du schreibst "Ich konnte es mir nicht verkneifen und spuckte [in den Strießbach] hinein. Dann lief noch einmal auf die andere Seite, um zu schauen, wie hier der Bach verlief." Hast Du als Strießbach-Spuckerin das auf der anderen Seite wieder hinauskommen sehen?

    Marion, Deine Berichte sind so toll, dass ich sie gerne aus der nichtöffentlichen "Plachanderliste" in das öffentliche Unterforum "Reiseberichte" verschieben möchte. Deine Schilderungen verdienen es, von einem weit größeren Kreis gelesen zu werden. Bist Du einverstanden?
    -----
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  32. #32
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    27.07.2010 / Dienstag - V. Teil

    Viel hatten wir heute gesehen, aber auf meiner Liste stand noch der Neue Markt und der Bärenweg in Langfuhr sowie Oliva.
    Zuerst fuhren wir in den Bärenweg. Kurz vor der Christuskirche hielten wir an. In dieser Kirche wurden Oma Luise geb. K. und Opa Hugo N. im November 1925 kirchlich, vom Pfarrer Semrau, getraut. Damals war die Kirche noch evangelisch. Die standesamtliche Trauung wurde schon einen Monat früher vollzogen. Genau gegenüber, im Bärenweg 16, wohnte dann das junge Paar in den ersten Ehejahren. Auch hier stand noch das Haus in alter Pracht, ein schöner Garten mit einer Birke umgab das Haus. Was mir auffiel, überall sah ich wunderschöne kunstvolle Schmiedearbeiten, wie auch hier der Grundstückszaun mit Tür.

    Nicht weit entfernt lag der Neue Markt.
    Uropa Karl N. und Uroma Louise geb. Kn. zogen nach 1936 vom Horst-Hoffmann-Wall in den Vorort Langfuhr und wohnten Neuer Markt 8. In gleicher Bauweise lagen die Häuser in U-Form um einen Park. Ringsherum standen vor den Häusern Bäume, es hatte eher den Charakter einer Allee. Jedes Haus verfügte über einen schmalen Vorgartenstreifen, der fast überall mit Hecke umrandet war. In der Mitte lag der Park, ein Kinderspielplatz, viele Bäume und gruppierte Sitzmöglichkeiten verführten zum Verweilen. Das Schönste war aber der große runde Springbrunnen mit seinen vielen Fontänen. Die schlichten und zugleich schmückenden Rundbögen an den Häuserzeilen schienen aus der Jugendstilepoche zu stammen. Vermutlich wurden in diesem Zeitraum die Häuser erbaut. Eine besonders reizvolle und hübsche Wohngegend, die mir auch sehr zusagen würde.

    Wir fuhren weiter nach Oliva, in der Pelonker Straße hielten wir und schauten, ob das Haus Nr.123/
    123a noch steht. Hier wohnte Hellmuth N., der Bruder meines Opas, mit seiner Familie in einer Doppelhaushälfte. Das Haus lag unmittelbar an einer Anhöhe. Neben dem Haus ging ein schmaler Weg nach oben, dieser war ein begehrter Anziehungspunkt für die Kinder in den Wintermonaten. Lag Schnee, dann war dort die Hölle los und man rutschte und rodelte, was das Zeug hielt. Das Haus stand noch, auch hier war alles so wie früher. Ein gepflegter Garten umgab das Haus und das Dach war auch neu eingedeckt. Alles war piekfein und o.k. .

    In der Yorkstraße Nr. 2 wohnte Paul K., der Bruder von Uropa Max. Er war das Typhusopfer.
    Seine kleine Familie wohnte in der rechten Seite des Doppelhauses. Am Haus war eine kleine Veranda, diese war schon vor dem Krieg vorhanden. Nur war sie jetzt modern verkleidet, aber die Stufen schienen noch original zu sein. Auf den Stufen saß immer Tante Ida mit ihrem kleinen Hund an der Seite. Auch das Haus war sehr gepflegt und alles in einen super Zustand.
    Der Sohn der Familie ist heute über 90 Jahre alt, sicherlich wird er sich sehr freuen, wenn wir ihm
    nur Gutes berichten.

    Der Tag ging zur Neige und wir hatten am Abend noch viel zu erählen.

    -Fortsetzung folgt -
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  33. #33
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Wolfgang,
    ich freue mich, wenn Dir mein Reisetagebuch gefällt. Noch bin ich aber nicht fertig!
    Wegen dem Unterforum bitte ich noch um etwas Zeit.
    Ich war ein bissel zu langsam, so konnte ich meine Spucke nicht mehr sehen .
    Aber es war herrlich !!!

    @ alle,
    vielen Dank für Eure zahlreichen Antworten im Forum, auch per PN und E-mail
    erreichten mich Nachrichten. Ich freue mich, wenn meine Berichte so gut bei Euch ankommen und Erinnerungen wecken. Die Fortsetzung geht weiter.

    Viele Grüße Mariolla alias Marion
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  34. #34
    Forum-Teilnehmer Avatar von Karin Langereih
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Guten Morgen Marion,
    wirklich toll Dein Reisetagebuch, ich bin begeistert.
    Du könntest es wirklich, wir Hans-Jörg schon sagte, im Danziger Hauskalender veröffentlichen.
    Ich freue mich noch auf weitere Teile.
    Viele Grüße von Karin

  35. #35
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    28.07.2010 / Dienstag - I. Teil

    Ein verdächtiges Rauschen weckte mich und ich stürzte förmlich aus dem Bett.
    War die Spülung im Bad defekt? Nein, es kam von der Balkonseite. Ich schob den dichten, mit
    Blumenmuster bedruckten, Vorhang zur Seite und sah das Dilemma. Das hatten wir nun wirklich nicht verdient, der Himmel schien sämtliche Schleusen geöffnet zu haben. Am Frühstückstisch wurde beraten. Was sollte man an so einem Tag machen? Mein Schwager meinte, wir fahren etwas mit dem Auto herum. Bewaffnet mit Schirm verließen wir das Hotel.
    Wir fuhren aus Danzig heraus und kamen zur Autobahn A1, die in Richtung Stargard (Starogard) und Neuenburg (Nowe) führte. Auf der Autobahn zog mein Schwager einen Abschnitt für anfallende Mautgebühren, die man bei Verlassen zu entrichten hat. Während der Fahrt schafften die Scheibenwischer kaum die Wassermassen zu bewältigen und teilweise sah man kaum weiter als 50 Meter.
    In meinem Hinterkopf arbeitete es, wo wollte mein Schwager mit uns hin? Nun war ich im Bilde, er fuhr garantiert in den Landkreis Schwetz (Świecie) und so war es auch. Der Landkreis Schwetz liegt am westlichen Weichselufer und ist durch seine wechselnde Verwaltungsgeschichte sehr geprägt.

    Hier wohnten die Vorfahren meiner Oma Luise geb. K. bis zum Inkrafttreten des Versailler Vertrages 1920, andere Familienmitglieder verließen bereits früher oder auch erst etwas später den Landkreis. In diesem Gebiet gestaltete sich die Familienforschung für mich sehr schwierig und so war ich auf jede Information aus, die sich mir bot. Drei Brüder meines Ururgroßvaters heirateten und hatten einige Nachkommen. Wo aber waren diese abgeblieben? Bis zum heutigen Tag bin ich davon überzeugt, dass Nachfahren aus meinem Familienzweig noch in diesem Gebiet leben.

    Welche Abfahrt wir nahmen, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Es war alles viel zu aufregend. Schon bogen wir in eine kleine Straße ein. Diese wurde immer schmaler und wurde dann von einem Waldweg abgelöst. Wir fuhren und fuhren und kamen auf eine kleine freie Fläche mitten im Wald, wo ein einzelnes Haus stand. Der Regen hatte inzwischen nachgelassen, aber zum Himmel durfte man nicht schauen. Graue und dunkle Wolken wechselten sich ab.
    Ich stieg aus und fragte einen Mann, der vor dem Haus arbeitete, nach dem Ort Bojanowo. Er holte eine Frau aus dem Haus dazu und wir verständigten uns ganz gut. Sie malte auf dem sandigen Weg, mit einem Stöckchen, uns die Strecke auf. Der Navigator hatte uns zwar einen Weg gewiesen, aber dort wo wir abfahren sollten, da war entweder Baumbestand oder andere unüberwindbare Hindernisse im Weg. Weiter ging es auf einem sehr engen Waldweg, von vorne hätte uns kein Auto entgegen kommen dürfen. Ein größerer Ast versperrte uns dann die Weiterfahrt. Meine Schwester stieg aus und räumte ihn beiseite. Wir waren mitten in der „Wildnis“ gelandet. Dann kamen wir endlich zu der Stelle, wo die ehemalige Siedlung Bojanowo lag. Hier lebten und wohnten Vorfahren bis 1850. Nun fanden wir hier eine Forstwirtschaft vor und trauten uns auch nicht auf das Betriebsgelände.
    So hatte ich aber einen Eindruck gewonnen, wie abgeschieden die einstige Siedlung lag.

    Auf einem breiten sandigen Weg, der mitten durch den dichten Wald führte, fuhren wir weiter nach Gruppe (Grupa). Rechts von uns, parallel zum Weg, war ein Drahtzaun bis zum Ortseingang
    gezogen. Wir konnten nichts weiter erkennen, da auch dahinter nur Bäume standen und uns die Sicht versperrte. Jedoch sah es wie Militärgelände aus. In Gruppe angekommen, wurde unsere Vermutung bestätigt. Militär und einige Neubaublocks begrüßten uns nach der Ortseinfahrt, einige uralte Häuser standen unmittelbar vor der Ortsausfahrt. Bevor Uropa Karl N. nach Danzig zog, war er um 1897 in der Garnison Graudenz (Grudziądz) stationiert und dieser Truppenübungsplatz Gruppe gehörte dazu.

    - Fortsetzung folgt -
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  36. #36
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    28.07.2010 / Mittwoch - II. Teil (Der I. Teil lief ausversehen auf Dienstag)

    Wir fahren weiter nach Buschin (Buśnia), hier lebte Ururopa Peter K. mit Ururoma Emilie geb. M. und ihre vier gemeinsamen Söhne. Die Söhne verzogen so nach und nach aus der einsamen Gegend und davon zwei nach Danzig. Ururoma wurde um 1920-1922 nachgeholt, sie lebte schon einige Jahre als Witwe.
    Als wir das Dorf erreichten, regnete es wieder in Strömen. Nun wurde es spannend. Würden wir das Haus finden oder etwas, was an die Familie erinnert? Gleich links im Dorf stand ein älteres Häuschen. Eine alte Frau saß auf einer Stufe in der offenen Haustür. Sie hatte schneeweißes Haar und in der Hand hielt sie einen Rosenkranz. Wir hielten an und Mutti sagte zu mir: “Steige aus und frage mal, vielleicht kann die Frau deutsch.“ Ich ging auf das Haus zu und sprach die alte Frau an: „Guten Tag, verstehen sie deutsch?“ Sie schaute mich an und antwortete: „Was willst Du wissen?“ Ich war im ersten Moment sprachlos.
    So fragte ich nach dem Familiennamen K. und sie zeigte auf eine Stelle, die gegenüber und weiter abgelegen auf einer Anhöhe lag. „Dort“, sagte sie, „wohnte Gabriele K..“ Nun wurde ich hellhörig, es wurde höchst interessant. Also kam unser Familienname doch noch hier vor. Dann erfuhr ich aber, sie sei vor einigen Jahren verstorben. Mittlerweile stand ich schon fast eine viertel Stunde, im stärksten Regen, vor der alten Frau und hörte ihr zu. Meine Füße standen in einer riesigen Wasserlache und an mir tropfte alles. Die Regenjacke war vollkommen durchnässt und nützte eigentlich gar nichts mehr. Inzwischen kam meine Schwester schauen, warum ich solange fort blieb. Auch sie blieb jetzt stehen und horchte den Erzählungen. Wir erfuhren fast den ganzen Lebenslauf der alten Frau und das sie 1928 geboren wurde.
    Nebenbei bemerkte sie, ihr Häuschen gehörte einmal „M.“ Ich war verblüfft, vielleicht Ururoma geb. M. oder ihren Eltern? Nun sagte ich der Frau, dass meine Ururoma eine geborene M. war und einige ihrer Geschwister auch hier lebten. Sie antwortete nur, „Meine Eltern haben das Haus bezahlt.“ Damit war das Gespräch eigentlich erledigt. Vermutlich hatte sie Bedenken. Ich erklärte ihr noch einmal kurz mein Anliegen und das mich nur die Gegend interessiert, das Dorf allgemein und ob Namensträger hier noch leben.
    Dann fragten wir nach dem evangelischen Friedhof und sie zeigte über die Straße auf eine Wiese. Jetzt sah ich auch ein einzelnes Holzkreuz. Wir verabschiedeten uns und liefen durch Matsch und Pfützen zur Wiese. Dort fanden wir einige armselige Überreste von Grabumrandungen vor, alles war zerstört und überwuchert. Bei einem noch vorhandenen Stein war die Inschrift unkenntlich gemacht. Es stimmte uns seht traurig.
    Wir schauten uns noch ein bisschen um und fuhren dann anschließend nach Warlubien (Warlubie), Groß Kormorsk (Wielki Komorsk) und Groß Sibsau (Bzowo), wo wir die katholischen Friedhöfe aufsuchten. Über die Weichselbrücke machten wir noch einen Abstecher nach Graudenz (Grudziądz) und dann ging es nach Glettkau zurück.

    Abends im Hotel waren wir völlig k.o., wir hatten einen sehr erlebnisreichen Tag hinter uns.

    - Fortsetzung folgt -
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  37. #37
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    29.07.2010 / Donnerstag – I. Teil

    Unser letzter Urlaubstag war angebrochen. Wir beschlossen, noch einmal nach Langfuhr zu fahren. Der Himmel war durchwachsen und es nieselte fein, aber es war auch etwas wärmer geworden. Wir fuhren auf der ehem. A. - Hitler - Str., die jetzt Al. Grunwaldzka heißt und gelangten an das Neue und hochmoderne Einkaufscenter Galeria Bałtycka.
    Direkt am Verkehrsknotenpunkt, da wo der Hochstrieß (J. Słowackiego) und die Magdeburger Str. (auch unter Ringstr. bekannt / T. Kościuszki) mit der A. – Hitler – Str. zusammen treffen, wurde es erbaut. Das große Center, mit einer hellen Klinkerfassade und vielen Glaselementen, konnte man nicht übersehen. Einen Parkplatz fanden wir sofort im angrenzenden Parkhaus. Auf drei Ebenen fanden wir exklusive Geschäfte, Supermarkt, eine tolle Schlemmerzone und einige Cafes vor. Wir waren begeistert und gönnten uns nach einem ergiebigen Einkaufsbummel eine großzügige Kaffeepause. Als wir das Einkaufscenter verließen, war der Himmel aufgelockert und uns blinzelte wärmend die Sonne entgegen. Das mussten wir ausnutzen!

    Wir fuhren zurück in das Hotel, zogen uns um und gingen an den Glettkauer Strand. Diesmal sah ich schon mehr Strandbesucher, die sich am und im Wasser tummelten.
    Mutti hatte es sich in einem Cafe am Strand bequem gemacht und schaute träumend, in der Sonne sitzend, auf die Ostsee. Ein paar Kinder hatten unweit von mir eine Sandburg gebaut. Durch die Nässe hatte der Sand eine ideale Konsistenz und eifrig schmückten sie ihr kleines Kunstwerk nun mit Muscheln.
    Ich schlug wieder den Weg in Richtung Brösen ein und ließ die Urlaubstage, in Gedanken, Revue passieren. Hin und wieder schaute ich, ob ich nicht ein kleines Stückchen Bernstein fand. Leider war mir das Glück nicht hold. Vielleicht erkannte ich ja Bernstein auch nicht auf den ersten Blick. Meine Urgroßmütter liebten abgöttisch das Gold der Ostsee und besaßen auch einmal sehr schöne Schmuckstücke, die sie leider durch den Krieg verloren. Vor mir lag ein entwurzelter Baumstamm im Wasser. Der Stamm hatte schon Moos angesetzt und an der Wurzel hingen einige, wie eine Minigirlande, kleine Stofffetzen. War es Treibgut?

    Aus dem Danziger Hafen schien ein größeres Schiff auszulaufen, es nahm Kurs auf die offene See. Lächelnd dachte ich an meinen peinlichen Sprachpatzer zurück, als ich statt „Jelitkowo“ Glettkowo sagte. Irgendwie war ich hier, in der Dreierstadt, zu Hause. Es war mir alles so vertraut und ich fühlte eine sentimentale Abschiedsstimmung in mir aufkommen. Meine Reise in die Vergangenheit und Gegenwart war viel zu schnell vergangen.
    Immer wieder schob sich kurz eine dunkle Wolke vor die Sonne, die aber dann schnell wieder zum Vorschein kam. Es war ein Wechselspiel der Farben und Wolkenformen am Himmel.
    Ruhig und ganz glatt lag die See, wie ein riesiger Spiegel, vor mir.
    Die am Strand befindlichen Cafes und Bars berieselten die Gäste mit Musik. Überall wurden andere Musikrichtungen gespielt und ich hatte oft das Gefühl, auf einem Jahrmarkt zu sein.
    Nach einiger Zeit kehrte ich um und ging in das Cafe zurück, wo Mutti saß und wartete. Vor mir sah ich in weiter Entfernung Zoppot und die Hochhäuser von Gdynia liegen. Ich verspürte auf einmal große Lust, in das Wasser zu gehen. Wie viel Grad würde wohl die Wassertemperatur betragen? Dann gab ich mir einen Ruck und ging in das Wasser. Aber so schnell wie ich drin war, so schnell war ich auch wieder draußen. Es war mir einfach zu kalt und die Sonne war auch schon wieder hinter großen Wolken verschwunden.
    Gerne hätte ich Muttis Gedanken gelesen und gewusst, ob ihr die Abreise auch schwer fiel?
    Große schwere und dunkle Wolken breiteten sich jetzt am Himmel aus. Es war nach 18 Uhr und wir bekamen langsam auch Hunger.
    An der Strandpromenade kehrten wir ein, aßen gemütlich zu Abend und verweilten noch lange bei einer netten und ausgiebigen Gesprächsrunde, die in der Hotelbar endete. Auch schrieb ich hier jeden Abend meine täglichen Erlebnisse auf und trank dabei einen wohlschmeckenden Kaffee.

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  38. #38
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    30.07.2010 / Freitag - Abreisetag

    Mich weckten Sonnenstrahlen, die durch einen offenen Spalt des zugezogenen Vorhangs huschten und lustiges Vogelgezwitscher.
    Unser Gepäck war für die Rückreise bereits fertig gepackt, wir hatten ja nicht viel Garderobe benötigt. Ich musste grinsen, eigentlich nur Regensachen und meine Regenjacke trug ich bereits schon die ganze Woche.
    Das Frühstück verlief ruhig und bei jedem Bissen hatte ich wie einen Kloß im Hals stecken. Abschied war doch ein eigenartiges Gefühl.
    Soweit war das Hotel ganz nett gewesen, jedoch gab es auch einige Mängel oder sagen wir kleine Hindernisse. Die Bäder im Hotel waren alle mit einer eingebauten Badewanne ausgestattet. Wenn man sich abduschen wollte, so musste man ca. 70 cm an Höhe überwinden und dazu gehörten sportlich gelenkige Beine inklusive Hüften. In der Hotellobby/Hotelbar waren leider nur sehr niedrige Sitzmöglichkeiten vorhanden. Sie machten ein selbstständiges Aufstehen aus der tiefen Sitzposition, für ältere Menschen, fast unmöglich. Das Personal im Frühstücksraum war offensichtlich überfordert, täglich standen die Tische lange Zeit mit benutztem Geschirr. Ein Lob gab es für den bewachten Parkplatz im Hotelgelände, der allerdings pro Tag 10 € extra kostete. Bus- und Bahnverbindungen waren unmittelbar in Hotelnähe, auch ein Taxi stand regelmäßig vor dem Hoteleingang.
    Wir verließen den Frühstücksraum und drehten noch eine Runde durch die schöne Parkanlage, die zum Hotel gehörte. Dann mahnte mein Schwager zum Aufbruch.

    Es war schon eigenartig, als wir aus Glettkau gegen 10 Uhr heraus fuhren. Immer wieder schaute ich mich um und sog förmlich die letzten Bilder ein, die sich mir boten.
    Diesmal wählten wir eine andere Fahrtroute. Wir fuhren erst über Karthaus (Kartuzy) und dann weiter auf der Hauptstraße [20] in Richtung Bütow (Bytów).
    Der Himmel leuchtete strahlend blau, gespickt mit weißen Wolken, die wie gerupfte Wattebällchen aussahen. Es war ein schöner Sommertag und die Sonne schien, während wir im Auto saßen. Riesige Wälder, rechts und links an der Straße liegend, begleiteten unsere Fahrt bereits seit vielen Kilometern. Auf beiden Straßenseiten verkauften ältere Menschen und Kinder, in gewissen Abständen, Heidelbeeren und Pilze. Wir hielten an und kauften frisch gepflückte Blaubeeren. Unsere erste Rast hielten wir zwischen Bütow und Rummelsburg (Miastko). Wir machten es uns auf einem kleinen Parkplatz bequem, der direkt an einem See lag. Immer weiter, auf der Hauptstraße [20], fuhren wir von Rummelsburg nach Baldenburg (Biały Bór). Bei Baldenburg fuhren wir ab und nahmen einen kleinen Weg, der nach Sassenburg (Stare Wierzchowo) führte. Hier lag der Virchowsee. Diese Gegend in Hinterpommern war uns gut bekannt, waren wir doch erst voriges Jahr für ein paar Tage in diesem Landstrich. Unmittelbar am See befand sich auch auch das Dorf Wurchow (Wierzchowo).
    Hier wurde mein Urgroßvater Karl N. 1868 geboren. Sein Weg führte ihn, mit seinem Regiment und mit einigen Zwischenstationen um 1900 nach Danzig, wo er dann bis zu seinem Tod lebte.
    Wir parkten unweit einer kleinen Badebucht und gingen zum Wasser. Die Sonne schien noch immer und der große See verlockte zu einem Bad. Die kleine Badestelle lag sehr ruhig zwischen Bäumen und sehr abgelegen von der Hauptstraße. Dichter Schilf umgab die Stelle und am Ufer lagen einige kleine Boote im Sand.
    Schnell holten wir unsere Badesachen aus dem Koffer und zogen uns um. Das Wasser war mehr als flach, garantiert sind wir über 50 Meter hinein gelaufen, bis wir keinen Grund mehr unter den Füßen spürten. Das Wasser war angenehm warm, genau richtig für mich Frierkatze. Die Sonnenstunden, nutzten wir regelrecht aus, obwohl sich hin und wieder auch einige dunkle Quellwolken zeigten. Wir hielten noch einmal im Dorf Wurchow, schauten am Friedhof vorbei und liefen ein Stück auf der Dorfstraße entlang.
    Nach der Fahrt und dem ausgiebigen Bade waren wir hungrig. In Neustettin (Szczecinek) stärkten wir uns mit einer warmen Mahlzeit und tranken noch einen Kaffee auf der Terrasse des Hotels und Restaurants „Residence“.
    Von Neustettin ging es über Tempelburg (Czaplinek) nach Dramburg (Drawsko Pomorskie) und dann weiter nach Stettin (Szczecin), wo wir dann wieder auf die Autobahn in Richtung Berliner Ring und heimwärts fuhren. Die Rückfahrt verlief zügig, genau zur Mitternachtsstunde betraten wir die Wohnung. Ein erlebnisreicher und beeindruckender Urlaub war zu ..

    _____ E N D E _____
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  39. #39
    Forum-Teilnehmer Avatar von mottlau1
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Marion,

    ich habe Deinen einfühlsamen und ausführlichen Reisebericht sehr aufmerksam gelesen und bin begeistert.Danke auch für die vielen Fotos die so manches aussagen.
    Übrigens habe ich im Posejdon ebenfalls Urlaub gemacht und zwar mehrmals ab dem Jahr 1978. Auch in Forsthäusern war ich untergebracht.
    Später hat meine zahlreiche Familie in u. um Danzig darauf bestanden bei ihr Urlaub zu machen. Ab 1983 wohnte ich dann ständig in Dirschau bei einem Kusin mit Frau. Von da an bin ich nur noch
    dort anzutreffen.
    Lieben Gruß von Jutta
    In uns selbst liegen die Sterne unseres Gluecks.


    Suche meine Familien: Okroy, Ewel, Kusch, Weinreich, Boschmann, Klecha, Hinz, Trepczik

  40. #40
    Forum-Teilnehmer Avatar von Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Marion
    Nun auch noch einmal hier......
    Vielen Dank für Dein wunderschönes Reisetagebuch mit den vielen Fotos .... bin begeistert.
    Später eine schöne Erinnerung für Dich und Deine Verwandtschaft.
    Hatte Dir ja auch noch dazu eine PN geschickt ...!

    Nun ruh Dich mal ein wenig aus für Neue Taten ........!!!!
    Viele Grüße
    Hans-Jörg

    P.S. habe eben auch Deine PN bekommen.

  41. #41
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Jutta,
    Hallo Hans-Jörg
    @ alle,

    vielen Dank für Eure lieben Zeilen, Lobbekundungen und Dankesworte.
    Da ich tatsächlich jeden Abend in der Hotellobby/Hotelbar saß und meine täglichen Erlebnisse notierte, wurde mir erst jetzt beim Ausarbeiten bewusst, wie intensiv ich eigentlich jeden Tag erlebt habe. Warum ich in der Lobby saß und nicht im Hotelzimmer? Im Zimmer waren nur zwei Funzeln, die nicht genügend Licht spendeten und es gab dort auch keinen Kaffee .

    Als aufmerksame Zuhörerin bei unserer bewundernswerten Regina, als stille Beobachterin, als neugieriges und übermütiges Marjellchen – überall hielt ich Augen und Ohren offen.

    Ich freue mich so sehr über Eure liebe Resonanz und bin auch sehr über die vielen privaten Nachrichten gerührt. Vielen Dank.
    Meine Zeilen sollten Erinnerungen wecken, die Fantasie anregen und zum Träumen einladen.
    Es ist meine Liebeserklärung an die schönste Stadt inklusive Vororte, in der meine Vorfahren fast 45 Jahre lebten.

    Viele Grüße Mariolla alias Marion
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  42. #42
    Forum-Teilnehmer Avatar von Heinzhst
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Liebe Marion, auch ich möchte mich für deinen Reisebericht und die beigefügten Fotos bedanken.
    Ich habe jeden Tagesbericht gelesen und mich wie zuhause gefühlt.

    Lieben Gruß, Heinz
    Ich glaube nur das was ich gesehen und erlebt habe.
    A.G.

  43. #43
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    ich stimme Hans-Jörg (mein Wetterfrosch u. so wird er von mir weiterhin genannt ;-)) ) zu bei Marion, sende doch Deinen Reisebericht an Esther Rosenbeg (Danziger-Hauskalender) ein,dann kann ich ihn nochmals in aller Ruhe in den Winterferien von A - Z lesen !

    Wolfgang ,ist zwar eine gute Idee von Dir ,diesen Reisebericht in die öffentlichkeit zu bringen, aber Holzauge ,sei wachsam würde ich sagen !!!!

    Danke Dir auch Marion fuer Deinen langen,langen Reisebericht, ich bin beeindruckt davon und von Dir! LG Sigi- Paris

  44. #44

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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Liebes Forum!
    Liebe Marion!

    Ich will Dir auch danke sagen für Deinen Reisebericht.

    Grabschau,Du sprichst vom Holzauge das wachsam sein soll.Versteh ich nicht!

    Der Bericht von Marion ist sehr schön und ich habe immer auf die nächste Folge gewartet.Meistens melde ich mich nicht im Forum an weil ich immer erst nach meinem Passwort für das Forum suchen muss (ich vergesse das immer) und da habe ich die Reiseberichte von Marion nicht lesen können weil ich nicht angemeldet war.Das war sehr schade.

    Was soll da "Holzauge" sei wachsam bedeuten wenn etwas öffentlich geschrieben wird?

    Marion wird bestimmt Gründe gehabt haben warum es nicht öffentlich ist aber meistens kann doch alles problemlos öffentlich geschrieben werden (obwohl es dann manchmal von anderen ohne Quellenangabe geklaut wird)

    Liebe Grüße von den Balearen
    Helga Claassen

  45. #45
    Forum-Teilnehmer Avatar von Tomek
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    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Marion,
    Gerade hab ich Dein Bericht bis zum Ende gelesen. Als ich von Dir berichtete Strassen u. Plaetze von Danzig jeden Tag sebst besuchen kann, die mir auch im Grossenzahl bekannt sind, war es mir wirklich interesant, wie diese mit den Augen jemandem der in Danzig nicht mehr wohnt beschrieben sind. Danke also fuer Diene Objektivität und Beobachtungsgabe.
    Recht interesanter Bericht! Ich wohne auf der Saspe.
    Alles Gute
    Tomek

  46. #46
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Themenstarter

    Standard AW: Mein Reisetagebuch

    Hallo Tomek,

    danke für Dein Interesse an meinem Reisetagebuch. Schön, dass es Dir gefallen hat. Mutti hat kürzlich zu mir gesagt, ich würde mich viel besser in Danzig/Gdansk auskennen als sie.

    Inzwischen wurde von mir ein Album - Marienstr. Langfuhr - eingestellt, wo ich noch einige Fotos in den letzten Stunden beifügte.

    Viele Grüße Mariolla alias Marion
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  47. #47
    Forum-Teilnehmer Avatar von Mariolla
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    Standard Ein Danziger Herz hat aufgehört zu schlagen

    An alle,
    meine liebe Mutti, Helga geb. Nachtigall *1934, ist 2017 für
    immer eingeschlafen.
    Sie liebte Danzig inkl. Langfuhr über alles, denn es war ihre zutiefst geliebte Heimat.
    Die Ostsee war ihr Lichtblick und immer wieder wollte sie zu den Ostseewellen
    bzw. an den Strand, egal ob nun im heutigen Polen oder in Deutschland.
    Ihr Wunsch wurde jährlich erfüllt und sie war selig, wenn sie auf einer Bank saß
    und auf die Ostsee blicken konnte.
    Ruhe sanft mein Muttschen.
    Deine Mariolla alias Marion
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  48. #48
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Ein Danziger Herz hat aufgehört zu schlagen

    Liebe Marion,

    erst jetzt bin ich eher zufällig auf diesen Thread von Dir gestoßen, den Du begannst, als ich noch nicht zu diesem Forum gehörte.

    Zunächst bekunde ich Dir mein herzliches Beileid zum Tod Deiner lieben Mutter im vergangenen Jahr. Nach Deiner Schilderung liebte sie Danzig wie ich, der ich dort 1931 geboren wurde und der diese Stadt ebenfalls unverändert als seine ursprüngliche Heimat liebt. Die Empfindungen Deiner Mutter zum dortigen Strand und zur Ostsee kenne ich in gleicher Weise. Umso mehr freut es mich, von Dir zu hören, dass es Deiner Mutter vergönnt war, offenbar etliche ihrer letzten Jahre an jener Ostsee sitzen zu können.

    Das lässt mich zu Deinem großartigen Reisetagebuch kommen, mit dem Du vielen Forumern und jetzt auch mir eine große Freude bereitet hast. Ich bewundere Deine Ausdauer und besonders Dein Erzählgeschick, mit dem Du uns an Deinen Erlebnissen in und um Danzig so lebendig hast teilnehmen lassen, als wären wir dort in Deiner Nähe gewesen. Auch ich danke Dir dafür sehr herzlich und bedauere nur stark, dass Ihr damals, im Juli 2010, so ungünstiges Wetter für Eure Erkundungen hattet.

    Seitdem sind nun bald 8 Jahre vergangen, in denen sich viel in Danzig verändert hat, meist zu seinem Vorteil. Vielleicht interessiert es Dich, um nur ein Beispiel herauszugreifen, dass das von Dir damals auch besuchte Viertel am Bischofsberg nun zu einem Danziger Montmartre umgestaltet werden soll, und dass die damals noch zerstörte Uhr im Turm der früheren Paul-Beneke-Jugendherberge seit Juli 2017 wieder bestens restauriert die genaue Zeit anzeigt und abends sogar beleuchtet wird.

    Ich wünsche Dir alles Gute und weitere Gelegenheiten, Danzig zu besuchen.
    Viele Grüße
    Ulrich

  49. #49
    Forum-Teilnehmer Avatar von Ulrich 31
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    Standard AW: Ein Danziger Herz hat aufgehört zu schlagen

    Obwohl #48 ohne Reaktion geblieben ist, ergänze ich jenen Beitrag noch durch den gdansk.pl-Artikel vom 11.07.2017, der von der Wiederbelebung der Turmuhr auf dem Bischofsberg berichtet:

    > http://www.gdansk.pl/wiadomosci/Zega...DJECIA,a,82948 (polnisch),
    > https://translate.google.com/transla...-text=&act=url (deutsch).

    Und für besonders Interessierte hier noch der gdansk.pl-Artikel vom 03.08.2017, der über die Restaurierung jener Turmuhr berichtet:

    > http://www.gdansk.pl/wiadomosci/Wiez...DJECIA,a,84900 (polnisch),
    > https://translate.google.com/transla...-text=&act=url (deutsch).

    Die Videos können leider jeweils nur in der polnischen Textfassung angesehen werden.

    Viele Grüße
    Ulrich

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