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Thema: Poguttke: Mit dem Rodelschlitten verunglückt

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Poguttke: Mit dem Rodelschlitten verunglückt

    Mit dem Rodelschlitten verunglückt

    Was heer ich da, meine Härren? Wem hahm Se da inne Langgass' jetroffen, wie er beim Zahnarzt jing? Mein Freind Adolf Schaweiter? Mit links de ganze Backzeehn rausjehaut und en Aug so blau wie en Veilchen? Und was hat er Ihn' da äzeehlt, wo er das herhätt? Mit'n Rodelschlitten weer er väunglickt? Nu kick doch einer an dem ausjekochten Leidack! Ich hab ja immer gesaacht, an dem is en Dipplomat välorenjegangen! Das hat er mal wieder fein jedreht: "mit'n Rodelschlitten väunglickt"!

    Das heert sich natierlich ganz anderst an. Vornehmer. Wie es fier son feinen Zrohr bässer passen tut. "Mit'n Rodelschlitten väunglickt!"
    Vastehste! Also en Wintersportunfall! Nu sag doch einer an! - Oberchen, Grochchen bitte!

    Was meinen Se? Ob das dänn nich stimmt von wejen Rodelschlitten? I jewiss doch, das stimmt all. Bloß mit'n Rodelschlitten väunglicken und mit'n Rodelschlitten väunglicken is ebend manchmal zweierlei. Atwa en Unterschied wie zum Beischpiel zwischen Kaugummi und Haugummi. Oder wie das Wätter, was de Wätterprofeten profezeien tun und was dänn Petrus machen tut. Dirfen Se doch bloß an vorchten Sonntach dänken. Das war ja so wundervoll, beinah Sankt Moritz inklusiewe Heehensonne. Dabei sollt doch Rejen sein. Woll ma erst mal prost sagen: Prostchen!

    Tja, ich war auch mit meine gute Ollsche draußen. Die tat das all not, dass se mal aufe Luft kam. War ja' staunend großartich. Ei, und vleicht die Schileifer und Rodler fidel! Achso ja, Rodler!

    Sehn Se, wie wä da inne volljeprämste Konditorei sitzen und Tasschen Kaffee trinken, wird uns ja von draußen Adolf seine Jingste, de Agnäs, sehn. Kemmt Ihn'n ganz dreibastich rein mit ihren Rodeschlitten, und ob ich nich mecht so freindlich sein, auf ihrem Rodelschlitten bisschen aufpassen, se hätt noch mit paar Freindinnen bisschen was vor, was weiß ich. Na, meejen ja nu nich bloß Freindinnen jewesen sein, aber meine Ollsche meint: "Aber jewiss doch, Agnäschen, ställ ihm man hier hin am Fänster, wir passen all auf! Dänn jeh man und amesiert Eich scheen!"

    Natierlich, was ich mir all hätt konnt vorher jesaacht hahm, haut die Kreet ab und kemmt Ihn' nich wieder. Wä hucken und hucken. Ich wollt mich noch en Grochchen beställen, ma kann doch nich stundenlang vore leere Tass Kaffee rumhucken, aber meine OUsche meint: "Ach was, se muss doch jedes Mommangchen kommen!" und zieht sich all an. Aber wer nich kam, war Agnäs, das Kreet, und schließlich missd wä doch warraftich loszageln mit jen Rodelschlitten, ich missd mir vorn inne Eläktrische mit ihm ställen und obendrein fier ihm bezahlen. Tjawoll; Rodelschlitten kost' auch!

    Na nu hätt ich dem Rodelschlitten ja all aufen Magen. Nu zu Haus drei Tag die Oper: egal Krach von wejen den Rodelschlitten. Der Milchmann klingert morjens. Meine Ollsche jeht im dustern Flur aufmachen, schon zäkeilt se sich de Schienbein an jen Kreet von Rodelschlitten, wo da steht. Und so dies und jens und eins mit's andre. Kurzum, wie meine Ollsche vorjästern mit's ganze Kaffeejeschirr ieber jen Dubbas von Rodelschlitten hinjehauen is, macht se mich da en Auftritt wie im Volkstach, und schon missd ich mir anziehn und dem Rodelschlitten wächbringen. Tatsächlich muss ich alter Mann wejen die schnoddernas'je Marjäll schuchrije loszageln durche Stadt wie sone Aff und das "gneedje Freilein" dem Rodelschlitten bringen! Na, ob ich inne Fahrt war! '

    Inne Portscheesengass', wer kemmt da an im Pälz mit Gamaschen und singt: "Dein Hämdchen is aus Kräpp, de Schien, dein Härz, das is aus Stein"?! Mein Freind Adolf. Wie son Zrohr. Wird mir ja da noch anäppeln wollen von wejen "Rodelheil!" Na, ich nu fuchtich ihm Bescheid jesaacht von wejen sein Schussel von Tochter, die dammlije Marjäll, und ihm dem Rodelschlitten jejeben. Da macht der Leidack mir ja Menkenke: ich kennt ihm doch nich zumuten, mit das Dings jätz durche Stadt zu zageln. Ich sag: "So, kick mal an! Du bist also son feiner Pinkel; dass du damit nich durche Stadt kannst zageln, aber ich oller Dussel bin ja gut jenuch dazu!"
    "Mänsch, Franz", saacht er, "was schabberst da? Was ribbelst dir auf? Ich bin doch diräktemang aufen Weech nachen Volkstaach, da is doch heit ne historische Sitzung, da kann ich doch nich en Rodelschlitten mitnehmen, das wirde sich doch nich mit de Wirde des, hohen Hauses vätragen!"
    "Na, na", sag ich, "pärdel dir man nich aufen Schlips! Mit die "Wirde des hohen Hauses" vätreecht sich noch ganz was anders! Nimmst mich nu dem Schlitten ab oder nich?"
    "Bloß en Mommangchen, Franz", saacht das dreibastje Leidackkreet, "kannst dem Schlitten gleich wieder nehmen, ich will bloß man auf ihm raufersteijen und kicken, was da los is. Seh mal dem Auflauf, horch mal dem Klamauk, da jibbt's Kaleika!"
    "Ach belach de Kaleika!" saach ich und vädinnesier mir wietend innen Hausflur rein, nehm mich de Tobbaksfeif aus de Tasch und werd se mich anstächen.

    Und das war mein Glick, dänn jätz jing Ihn' draußen vleicht ein Schport los! Machten doch da de Kommunisten da son Klamauk von weien Parlamänt, was weiß ich. Ich hätt erst in meine Wut nich so auf jepasst, aber jätz sah ich: eine Schedderei, meist sone halbstarke Bängels, dänn auch wälche mit Schulmitzen, natierlich auch Damens, Kinder, was weiß ich. Ich zieh anne Feif, da heer ich all: Sprächchor, Feifen, Brillen, "hoch" und "nieder" und wieder Jeschädder, und mitten mang wie son Turm: Adolf auf sein Rodelschlitten!

    Und wie de Feif ändlich ziehn tut, und ich aus de Haustier wieder raus will, da jibbt's ihn' en Mordsmarreiss, se belken, se johlen, se lachen sich, se brillen, se scheddern, se schubbsen sich, schon sind da Schupotschakos mang, schreien "Weiterjehn!", "Ausenanderjehn!", und mein Freind Adolf, das schucherne Kreet, wird ja ausjerächent so väquer vorn in jen Rodelschlitten reintreten, dass er mit's Bein wie inne Ratzenfall is und nich wächkann und mit de Händ balangziert und rumajiert, und indem sind all paar Schupos da -das jing eins achtzehn-, und wie er nu in das Jejuch und Jeschädder stehn bleibt mit sein Rodelschlitten am Bein, da hat er miteins mit son Schupo-Punktroller paar jeflammt jekricht an sein Resedatopp, dass de Blieten man so wackeln. Muin Gommas!

    Ich stand da wie bedahmelt in jen Hauseingang und saacht bloß: "Siehst, was kraufst!" Wie ich ihm dänn mit knappe Not da aus den Aufstand raushätt mit das Mistkreet von Rodelschlitten und ihm in das Haus drin hätt, saacht er ieberhaupt nich mehr muff, huckt sich bloß aufe Träpp, spuckt Backzeehn und bewischt sich de blut'je Nas. Ich wollt ihm doch nu bisschen treesten und saacht: "Mänsch, Adolf, Kopp hoch, hier nimm en frisches Taschentuch! Frei dir doch, dass se diesmal bloß mit'n Gummiknippel je arbeit' hahm, dänk mal, wänn se noch mechten wie einst im Mai ihm jätz mit'n Sprängwagen jejeben hahm bei nein Grad im Schatten! Dänn weerst jätz Jefrierfleisch! Dänn missd ma dir innne Backofen schieben zum Auftauen!"

    Darauf sah er mir mit sein eines Aug -sein andres war all blau zujeschwollen- mitleidärejend an und saacht nuscht weiter als "Hau bloß ab!" Was ich auch tat. Mitsamt dem Rodelschlitten, kreetschen. Der steht noch bei uns im Holzstall. Prost!

    Tja, und nu, västehn Se, jeht er und saacht, er weer "mit'n Rodelschlitten väunglickt". Ganz unrächt hat er ja schließlich nich. Ma kann es auch so ausdricken. Und die, was dem mochumschen Sport da ajiert hahm oder absolut mitscheddern missden und ebenso vämolscht jekricht hahm, die kenn' ebenso sagen, se sind beine Danzjer Wintersportväanstaltung väunglickt. Was meinen Se, Gustav? Und das blaue Aug weer das neie Danzjer Sportabzeichen? Na ich danke, Äbarmung!
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  2. #2
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    Standard AW: Poguttke: Mit dem Rodelschlitten verunglückt

    Hallo Wolfgang -

    danke für die Stammtischgespräche d. Rentier Poguttke. Die sind das, wofür ich mich als Kind mit Bezug auf Danzig wirklich interessiert habe. Und auch jetzt lese ich sie wieder sehr gern und mit viel Freude.

    Schönen Tag noch
    -Krista-

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