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Thema: Das Tiergehege in Freudental

  1. #1
    Forumbetreiber Avatar von Wolfgang
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    Standard Das Tiergehege in Freudental

    Aus „Unser Danzig“, Nr.12 vom Dezember 1954, Seite 18

    Nachfolgend einige Auszüge aus Leserbriefen:

    Das Tiergehege in Freudental

    [...] Herrlich war es, wenn wir mit den Eltern am Sonntag im Frühjahr, Sommer oder Herbst von Langfuhr mit der Linie 2 bis Friedensschluss fuhren und dann am Wasserwerk, der Heimat meiner Mutter, vorbei durch den Wald strolchten. Rückte dann die Zeit für die Debatte über das Kaffeetrinken heran, ob Schwabental oder Freudental, dann schlug ich schon gleich den Weg nach Freudental ein, denn den Affen und Waschbären gehörte meine Liebe. Vor dem Wisent, den das Bild zeigt, hatte ich allerhand Respekt. Den Enten auf dem See dahinter konnte ich vom Garten des Forsthauses stundenlang zusehen. Da teilte ich sogar ein Stück Kuchen mit ihnen und den Schwänen. Für das Damwild und die Wildschweine hatte ich immer Kastanien und Eicheln gesammelt. An dem Wolfsgehege ging ich nicht gern dicht vorbei, und gerade kürzlich erzählte ich meinem Mann von dem Ausbruch der Wölfe, der allerlei Aufregung brachte und wohl nicht nur bei uns Kindern. Meister Reineke ließ sich recht selten vor seinem Steinbau sehen, denn meistens war am Sonntag im Forsthaus Freudental ein Betrieb, dass man auf der Lauer nach einem frei werdenden Tisch stand. Uns Kinder störte das wenig, wir standen mit Begeisterung bei den Affen und fütterten sie mit Erdnüssen oder unserem Brot, das wir für den langen Weg mitgenommen hatten und nun doch lieber in eine tüchtige Kuchenportion umtauschten."

    [...]„Ich freute mich, als ich die kleine Aufnahme aus Freudental sah. Sie zeigt den Bisonbullen, den seinerzeit Herr Pikuritz (Zoppot) der Wildgartengesellschaft gestiftet hat. Wenn ich noch daran denke, wie dieser nette kleine Wildgarten erstand, muss ich lächeln. Ich las an einem Abend die Zeitung, da stand, dass am Danziger Schlacht- und Viehhof ein Rotwildpärchen versteigert werden soll. (Ich glaube, es lebte vorher im Kleinhammerpark in Langfuhr). Das zeigte ich meinem Mann, der sofort sagte: „Da muss ich mit Herren vom Wildschutzverein sprechen, das geht ja nicht, dass diese armen Tiere womöglich von jemandem gekauft und abgeschlachtet werden, damit ihr Fleisch verkauft wird." So geschah es, und mein Man sprach auch mit Herrn Kamin, dem Pächter des Forsthauses Freudental, ob er Interesse habe und von seinem Land etwas hergeben würde, das eingefriedet werden müsste, damit das Rotwildpärchen sich schön frei darinnen bewegen könnte. Herr Kamin ersah gleich, dass es für ihn nur vorteilhaft sein würde, denn es war doch eine Anziehungskraft für viele Besucher. Mit der Zeit vergrößerte sich der Bestand an Wild. Ein Damhirschpärchen kam hinzu, das sich schnell einlebte, der Breslauer Zoo stiftete die zwei Wölfe (die später ausbrachen, weil der Wärter die Türe offen stehen ließ). Ein Schwarzwildpaar kam auch in ein Gatter, ebenso ein Rehbock mit Ricke und verschiedenes andere Getier. Herr Oberforstrat Nikolai und General Feldkeller, Oliva, waren mit meinem Mann eifrig an der Arbeit, dies schöne und lehrreiche Werk zu fördern. Das alles ist schon lange her, mein Mann, Otto Pertuß, Direktor der Waggonfabrik Danzig, starb 1935 in der Heimat. Ob Exzellenz Feldkeller und Oberforstrat Nikolai noch am Leben sind, weiß ich nicht; sonst könnten sie meine Mitteilungen bestätigen. Jedenfalls war eine Wildgartengesellschaft gegründet worden, die auch den Wärter angestellt und bezahlt hat, dessen alleinige Aufgabe es war, die Tiere zu füttern und darauf zu achten, dass die Gehege und Umzäunungen in Ordnung blieben. Wenn ich mit meinem Mann und Sohn nach Freudental fuhr, brachte ich immer Leckerbissen mit. Wenn der Bison Jade (mein Man wollte gerne einen Wisent haben, aber der war damals nicht leicht zu bekommen) weit weg in seinem Gehege weilte und ich rief „Jacki, Jacki, Galopp", da gab er einen tiefen grunzenden Ton von sich und galoppierte auf mich zu, nahm Rüben, Kartoffeln usw. mit seiner schwarzen Schnute und ebenso schwarzer Zunge begierig mir aus der Hand. Ich könnte noch vieles erzählen, aber es ist ja alles so lange her — und alles hat sich seit der Zeit gründlich geändert, auch bei uns."

    [...] Besonders gern denke ich an die herrlichen Schulausflüge und Wanderungen zum allseits beliebten Forsthaus Freudental. Es gab damals wohl kaum eine Schulklasse, die nicht mit einem Ausflug nach Freudental gewandert wäre. Ich besuchte von 1928 bis 1934 die Rechtstädtische Knaben-Mittelschule, und wohl in jeder Klasse einmal im Jahr führte unser Ausflug zum Forsthaus Freudental. Einer ist mir ganz besonders in der Erinnerung, der - ich glaube, es war im Winter 1933/34 - in Form einer Rodelpartie erfolgte. Von der in Danzig bekannten Speditionsfirma Laubrinus in der Fleischergasse ging ein Sohn in unsere Schule. Von ihr mieteten wir für unseren Klassenausflug zwei schöne Pferde, die von einem Kutscher betreut wurden. Etwa 15 Schlitten wurden hintereinander gebunden und dann ging's los mit viel Hallo über Langfuhr-Oliva bis nach Freudental. Unterwegs wurden etliche Schneeballschlachten geschlagen. In der Gaststätte gab es zur Stärkung und Erwärmung Kartoffelpuffer, heiße Milch oder Punsch. Ob wohl noch einige damalige Klassenkameraden am Leben sind, die diese herrliche Rodelpartie mitgemacht haben?"

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    Viele Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
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    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)

  2. #2
    Forum-Teilnehmer Avatar von daggel
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    Standard

    Paps hat auch von den Schlittenfahrten hinter der Kutsche erzählt. Gab es in Danzig oder näheren Umgegend einen richtigen Zoo? Mein Bruder meinte sich daran zu erinnern, dass Paps sowas erwähnte. Oder hatte er vielleicht den Wildpark gemeint?

    daggel

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